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WWF vs WCW Ausrichtung in den 90er Jahren
#1
Ich wollte mal folgendes Thema ansprechen weil ich gerade von einem anderen Thema darauf kam. Oft werden ja die Erfolge der WCW und WWF in den 90er Jahren verglichen, gerade der “Monday Night War“ ist bekannt. Vor allem wenn man auf den Erfolg der WCW hinweisst (oder Eric Bischoff als WCW President) wird auf den Erfolg von WCW Monday Nitro hingewiesen und das die Show ca. zwei Jahre lang die Ratings bestimmte gegen WWF Monday Night Raw. Das ist sicherlich auch richtig, dennoch sollte man auch mal ueber die Unterschiede im Geschaeftsmodell der WCW und WWF diskutieren, daher dieser Thread.

Die WCW war ein Unternehmen von Ted Turner, und somit war man Rating orientiert. Warum bekam Eric Bischoff so eine Panik als die WWF Anfang 1998 in den Montags Ratings aufholte und die WCW ueberholte? Weil die Ratings das einzige waren, was die WCW hatte! Die Promotion wurde ausgerichtet um hohe Ratings zu bekommen, Zuschauerzahlen, Merchandise und PPV Buyrates spielten nur eine untergeordnete Rolle. Was Zuschauerzahlen betrifft war die WWF immer die #1 vor der WCW in Nord Amerika. Auf Houseshows & Touren legte die WCW nie besonderen Wert, da wurden viel weniger Ressourcen verwendet als bei der WWF. Was PPV Buyrates betrifft war die WCW in ihren guten Jahren auch erfolgreich, allerdings war das nicht das Primaerziel, das war eher ein beilaeufiges Produkt. Auffaellig ist das die WCW oft Top Matchups fuer WCW Monday Nitro verwendete um ein starkes Rating zu ziehen, anstatt das Matchup aufzubauen fuer einen PPV. Zwangslaeufig bekam man dadurch starke Montags Ratings und man hatte dadurch oft klar hoehere Ratings wie die WWF in den Jahren 1996/1997. Man verlor jedoch dadurch auch einiges an PPV Zahlen, selbst in diesen Jahren war die WWF entweder nur knapp unterlegen, gleichwertig oder hatte hoehere Buyrates.

Ein Beispiel ist mit Sicherheit Hulk Hogan vs Bill Goldberg im Free TV. Ein Matchup das den Fans 1998 im Free TV geboten wurde um schnell das Rating zu erhoehen gegen die wieder erstarkte WWF. Das funktionierte nur teilweise, und es kostete die WCW laut Schaetzungen etwa $10 Millionen an PPV Einnahmen. Das war kein Problem als man Erfolgreich war und Ted Turner der Besitzer. Gewinn/Verlust spielte bei der WCW bis 1998 kaum eine Rolle. Solange die Verluste im Rahmen blieben, die TV Ratings stimmten und noch nicht auf die Bilanz geschaut wurde machte das nichts. Doch als die Verluste 1999 bei weit ueber $50 Millionen im Jahr lagen und man nicht mal mehr in den Ratings die #1 war (bei Buyrates und Zuschauerzahlen ohnehin ja nicht), da wurde es ein Problem. AOL hatte nichts damit zu tun, Time Warner hatte nichts damit zu tun, auch wenn beides immer gern von Eric Bischoff angefuehrt wird zum Untergang der WCW um von der eigenen Schuld abzulenken.

Ich glaube worauf ich hinaus will ist folgendes. Die WCW kickte ueber zwei Jahre den *** von der WWF in den Ratings, ja, aber das war ihre Ausrichtung! Wenn man den Erfolg der WCW 1996/1997 im Gesamten sieht (mit Zuschauerzahlen/PPV Buyrates) und nicht nur die TV Ratings, dann relativiert sich der Erfolg der WCW. Die Promotion hatte Erfolg, und teilweise lieferten sie ein gutes Produkt ab. Doch der Erfolg bei den TV Ratings wurde dadurch gefoerdert das man eine Rating orientierte Ausrichtung hatte, und andere Aspekte vernachlaessigt wurden. Das wurde in den Erfolgsjahren ueberdeckt, da war es jedoch schon ein Problem. Als dann der Erfolg der TV Ratings nach lies nachdem stark die Qualitaet gesunken war, ging die Promotion unter. Haette man eine breitere Orientierung gehabt waere vielleicht der Erfolg einer Sparte nicht so hoch gewesen, aber dafuer haette man mehrere Standbeine gehabt.

Die WWF etwa hatte eine Ausrichtung die auf Zuschauerzahlen basierte, so wie es frueher nun mal der Fall war. Dann kam Merchandise dazu, PPV`s und TV Ratings. Als 1995 WCW Monday Nitro startete, da wurde die WWF innerhalb kuerzester Zeit von den WCW Ratings besiegt weil die WCW Top Matchups ins Free TV brachte um hohe Ratings zu erreichen. Die WWF setzte erst einmal weiterhin darauf ihre PPVs aufzubauen durch die TV Shows und hatte immer noch die Houseshows wo man zwar oft schlechte Zahlen hatte, aber immer noch um einiges besser als die WCW war. Spaeter dann musste sich die WWF anpassen und dann besiegte man auch die WCW in den TV Ratings wieder.

Ich denke mein Fazit lautet. Die WWF hatte mehrere Standbeine, die WCW nicht. Selbst als die WCW in den Montags Ratings erfolgreich war, war sie bei PPV Buyrates nur teilweise erfolgreich und bei Zuschauerzahlen kaum erfolgreich. Die Ratings verzerren also etwas den Gesamterfolg von der WCW. Insgesamt hatte die WCW eine Ausrichtung die fuer den Ratings Erfolg mitverantwortlich war, genauso wie fuer den Misserfolg der gesamten Promotion.
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#2
Da magst du schon recht haben, nur finde ich war es zum Teil schon ein richtiger Schritt seitens der WCW interessantere Matches bei Nitro zu bringen. Wenn man sie die Raw Shows anschaut von 93-95 waren das doch zu 90 % nur "Stars" vs. Jobber Matches... Das wäre mir persönlich auf Dauer auch zu langweilig und würde dahin schalten wo sich Wrestler auf Augenhöhe gegenüberstehen.

Auch hatte man bei WWF oft das selbe Szenario Wrestler A bestreitet ein Match, der gerade gegen Wrestler B eine Fehde führte. Jener Wrestler B saß Ringside bei den Kommentatoren und beschimpfte Wrestler A, lenkte ihn ab oder attackierte ihn... Das wird doch mit der Zeit auch langweilig. In diesem Punkt, was die Fehden/Storylines betrifft war auch WCW vor der WWF wie ich finde. Nicht nur wegen der nWo Stroyline. Man war einfach mutiger, ging einen anderen Weg in Richtung Entertaiment und es war meiner Meinung nach auch der richtige Weg, was ich in den Ratings spiegelte. Es war einfach mehr Abwechslung in den Shows als bei Raw und außerdem finde ich, hatte WCW mitte der 90er Jahre auch die besseren Wrestler zur Verfügung! Und wenn man nicht so Eindimensional an der nWo Story festgebissen hätte und auch anderen Storys, Wrestler, Fehden, Stables eine Chance bzw mehr Aufmerksamkeit geschenkt hätte, wäre der Untergang evtl auch gar nicht gekommen!

Denn wenn man sich das Jahr 99 anschaut, war es im Grunde schon zu spät. Man versuchte mit Rapper usw den Erfolg nochmals zu erzwingen mit total überteuerten Gehälter und den gewünschten Erfolg hatte man damit auch nicht!!!
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#3
Hogan vs. Goldberg fand ich genau auf diese relativ überaschende Art und Weise bei Nitro überhaupt erst so gelungen. Das war wirklich tolles Booking ... ich glaube (zumindest im deutschen Kommentar) wurde Goldbergs Titelchance erst beim vorherigen Thunder angekündigt ... und dann wurde das ganze Nitro um den Titleshot aufgebaut. Hogan hatte vorher wahrscheinlich noch nicht einmal ein Interview gegeben, in dem der Name "Goldberg" auftauchte, und jetzt musste er sich mit diesem Emporkömmling abgeben. Dann die U.S. Titelverteidigung gegen den zurückkehrenden Scott Hall. Und dann der Main Event ... Diese Atmosphäre hätten sie mit einem PPV nicht erzeugen können.

Und überhaupt: Welche großartigen PPV-Matches wurden denn sonst bei Nitro verpulvert? Lex Luger vs. Meng? Das High Heel-Match zwischen Hogan und Flair? Der Squash von Sting durch Goldberg? Diese Matches mögen von der Ansetzung her PPV-Potenzial gehabt haben, aber so wie sie durchgeführt wurden, waren sie bei Nitro gut aufgehoben. Ich fand trotzdem, dass PPV-Matches weiterhin etwas besonderes blieben.

Und spätestens ab 1995/1996 hat die WWF genauso auf größere Matches in den Wochenshows gesetzt. Und das ist bis heute so geblieben. Und die Ratings sind heute extrem mies.
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#4
@Adios: Das die WCW mit Nitro einen neuen Weg einschlug und sich von dem WWF Raw Modell 1993-1996 abhob war natuerlich richtig. Ich wollte nur darauf hinaus das 1. Der Erfolg der WCW zu relativieren ist wenn man man ihre Ausrichtung in Betracht zieht und 2. das man sich haette mehr auf Houseshows und PPVs konzentrieren sollen und nicht nur auf Nitro, dann haette man langfristig mehrere Standbeine bekommen.

Einerseits war es gut das man bei Nitro im Free TV auch gute Matchups bekam, das hob die Qualitaet der Show und des Wrestlings und hat die WWF bis heute gepraegt, den Raw ist heute nicht anders aufgebaut als Nitro frueher. Aber auf der anderen Seite hat diese Ausrichtung auch negative Auswirkungen, so etwa auf die Rangfolge der Wrestler. Main Eventer, Uppercarder und Midcarder koennen zwar Matches gegeneinander gewinnen, aber sie verlieren auch viel mehr wie es frueher war. Dadurch ist die Konstanz der Wrestler verloren gegangen, eine Woche gewinnen sie, dann verlieren sie wieder, andere Wrestler werden Wochenlang gepusht nur um dann Wochen-Monatelang zu verlieren. Jobber Matches hatten ja auch einen guten Grund im Pro Wrestling, sie liesen eine klare Rangfolge erkennen und brachten Konstanz in die Entwicklung der Wrestler.

Ich glaube das diese Auswirkung von Nitro auf die WCW/WWF/WWE eine negative Auswirkung ist. Man koennte ja immer noch den Fans 1-2 gute Matchups pro Woche im Free TV zeigen, aber Top Matchups sollten in der Regel bei PPVs stattfinden.


@zbyszko: Das Hogan vs Goldberg erst 4 Tage vor der Nitro Show bei Thunder angekuendigt wurde, war fuer die Storyline und den Matchaufbau super, da stimme ich dir zu. Das hat gut gepasst. Aber von einem Promotion Standpunkt war es einfach ein riesen Fehler und hat langfristig mehr geschadet wie geholfen weil einfach viel Geld verloren gegangen ist und man ja die Ratings nicht langfristig halten konnte.

Ansonsten fanden bei Nitro sehr sehr viele PPV Main Event Matches statt: Flair vs Sting, Luger vs Savage, Luger vs Hogan, Savage vs Flair, The Giant vs Savage, Hogan vs Flair, Hogan & Sting vs Flair & Anderson, Flair vs Luger, The Giant vs Ric Flair, Nash & Hall vs Sting & Luger. Das sind jetzt nur mal die Nitro Matches von 1995 & 1996 und etliche davon wie Flair vs Sting und Flair vs Savage sah man vier-fuenf mal in dem Zeitraum.

Die Nitro Matches dauerten meist nicht laenger wie 10 Minuten und endeten in der Regel in einem Screwjob, das war typisch Nitro. Die PPV Main Events blieben dann die laengeren Matches und endeten manchmal wenigstens in einem klaren Finish. Von daher hoben sich die PPV Matches klar ab von den Nitro Matches. Allerdings wenn man fuenfmal bei Nitro zuvor schon Luger vs Hogan gesehen hat, dann ist einfach auch das Match verbraucht, auch wenn es beim sechsten mal bei einem PPV stattfindet und laenger geht, dann fehlen langfristig eben die PPVs.
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