Homepage Games Forum

Themabewertung:
  • 0 Bewertung(en) - 0 im Durchschnitt
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
Der Radsport AAR: Keine Grenzen, keine Limits
#12
Lucas schloss die Augen, während die Motoren erklangen und die Maschine startete. Vor seinen Augen liefen die Bilder der letzten Tage, eigentlich sogar die Bilder des gesamten Jahres, wie im Zeitraffer. Schöne, wie auch unschöne Erinnerungen kamen ihm in den Sinn. Er seufzte erleichtert und war in diesem Moment einfach nur glücklich. Er drehte sich seitwärts zu seinem Bruder und sagte ihm, dass er noch nie so ein Jahr verlebt hatte. So oft war er von der Familie getrennt, nur fixiert auf den Beruf. Einerseits war es schön, andererseits vermisste er seine Familie, ganz besonders Tobi. Auch war er traurig darüber, dass Toni an seinen größten Triumphen nicht teilhaben konnte. Beim GP Schwarzwald war er nicht dabei, da mit dem Erfolg einfach keiner gerechnet hatte. Und auch am Fuscherl Törl, einer Passage der Großglockner Hochalpenstraße, war niemand von der Familie anwesend. Dort hatte er seinen zweitgrößten Erfolg gefeiert, einen Etappensieg bei einer Hochgebirgsetappe der Österreich-Rundfahrt. Seine Freude konnte er mit seinen Teamkollegen teilen, aber mit seiner Familie wäre es definitiv schöner gewesen. Umso glücklicher war er nun, dass Tobi bei ihm war.
Kurzerhand beschloss Lucas seinem Bruder sein ersten großen Karriereerfolg ein wenig näher zu bringen. Tobi war an diesen Storys immer interessiert, da er bekanntlich selber Radprofi werden wollte und Lucas dachte, dass nun ein guter Zeitpunkt war ihm zu erzählen, wie es als Nobody im Feld so ist.
„ Der GP Schwarzwald ist ja nicht so ein großes Ding, nicht zu vergleichen mit den 3 Großen oder auch mit Rundfahrten wie der Deutschland-Tour oder der Tour de Suisse. Aber für mich als Jungprofi war das schon eine ganz große Nummer und dementsprechend nervös war ich. Diese stieg auch vorm Rennen stetig an, schließlich hatte ich als Helfer von Gerhard Trampusch eine harte Aufgabe. Wir wollten das Ding hier bestmöglich abschießen und somit musste ich Gerhard aus allen möglichen Schwulitäten raushalten. Einfach ist das nicht, da bekommt man auch schon mal einen Ellenbogen oder auch einen dummen Spruch ab, aber eher den Ellenbogen, denn zum größten Teil herrscht unter den Fahrern eine freundliche Atmosphäre. Meine Aufgabe war es nur Gerhard heil in die vorentscheidenden Steigungen zu bringen, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Vor dem Rennen hatte ich Angst selbst diese Erwartung nicht zu erfüllen, schließlich bestanden meine Vormonate mehr aus Training, als aus Wettkämpfen. Lediglich in Niedersachsen und bei der Bayern Rundfahrt konnte ich Rennkilometer sammeln, davor war ich noch im Aufbautraining.“ Tobi lauschte gespannt während Lucas sich regelrecht in das damalige Rennen zurückredete. Man konnte spüren, wie sehr in diese Zeit prägte und wie schön er sie fand, denn er schilderte das Geschehen so enthusiastisch, als wäre man selbst dabei. „ Zu bewältigen waren bekanntlich 7 Runden mit je 23 km Länge und insgesamt 4000 Höhenmetern. Da konnte einem schon angst und bange werden. Im Rennen selbst hatte ich dann nur zwei Punkte, die Straße vor mir und natürlich meinen Kapitän. Ich wollte einen unbändigen Kampf liefern, den bestmöglichen Helfer darstellen. So wich meine anfängliche Angst wieder meinem typischen Stolz … Arroganz, wie Mutti und Vati sagen würden. Dabei schadet ein gesundes Selbstvertrauen doch nicht!? Dieses wurde mit der Zeit immer größer, denn das Feld wurde durch das T-Mobile Tempodiktat immer mehr dezimiert. Und an der Seite von Gerhard waren von uns nur noch der Robert Retschke und ich. Auch wenn die Knochen schmerzten und die Hitze das Rennen merklich erschwerte war es ein absolut geiles Gefühl hier ganz vorne mitzufahren. Ich gab mir hier selbst die Bestätigung eines der größten Talente Deutschlands zu sein, in meiner Altersklasse sowieso. Ein verrücktes Gefühl. Mich störte nicht mal, dass Gerhard in der vorletzten Passage mit Robert sein vorletzten Helfer zurückfiel. Im Gegenteil, ich freute mich diebisch der letzte zu sein an der Seite meines Kapitäns. Sicherlich ist das irgendwo egoistisch, aber wenn man weit kommen will muss man zuerst an sich denken. Und es hat sich ja auch ausgezahlt. Am letzten Berg attackierte Fabian Wegmann und urplötzlich wollte keiner von T-Mobile nachführen. Ohne auch nur zu Gerhard zu schauen setzte ich mich an die Spitze und wollte die Gruppe wieder heranführen und es schien zu klappen. Wir kamen wieder näher an Fabian ran und das durch mich. Ein unglaubliches Gefühl.
Dieses Gefühl wurde noch mal getoppt als ich mich umschaute und keiner mehr Anschluss an mein Hinterrad hatte. Niemand konnte mir folgen, erst in diesem Moment kam ein T-Mobile Profi in mein Sichtfeld. Ich fragte per Funk nach Gerhard, aber man sagte mir nur, dass ich mich auf mein Rennen konzentrieren sollte. Also kämpfte ich mich weiter an Fabian ran. Meine Beine brannten höllisch, aber mit jedem Tritt kam ich näher an ihn ran und mit jedem Tritt stieg mein Selbstvertrauen. Ich erreichte ihn und behielt meine Frequenz einfach bei und die schien Fabian zu zermürben. Nicht lange und selbst er hatte Probleme an meinem Hinterrad zu bleiben. Ich zog noch mal das Tempo kurz an und da war es um ihn geschehen. Nun war ich alleine an der Spitze beim GP Schwarzwald. Es kam mir fast ein wenig ungeheuerlich vor.
Die Querelen des Tages machten sich nun immer mehr bereit und ich fuhr die letzten Meter bergauf wie in Trance. Die Zuschauer um mich herum nahm ich nur teilweise war. Im Nachhinein piepten meine Ohren wie verrückt aber im Rennen selber konnte ich mein eigenes Herz pochen hören und mein eigenes atmen. Das war eher ein wildes Schnaufen, getrieben von dem Gedanken schon hier ein Exempel an Teile der deutschen Radelite statuieren zu können. Am Gipfel hatte ich einen recht komfortablen Vorsprung. Jetzt durfte ich nur nicht nervös werden. Immer hoch konzentriert in die Abfahrt, was bei der Hitze gar nicht so einfach war. Immer wieder schaute ich auch zurück, denn trotz des Wissens um meine eigene Stärke konnte ich es noch nicht so recht fassen. Aber ich packte es bis ins Ziel und dort brach alles aus mir heraus. Die Erinnerungen an das vergangene Jahr, die Verletzung, das Abi und dann der Weg zurück. Hier fand er seinen vorläufigen Höhepunkt. Es sollten weitere folgen, aber die überraschten mich weniger. Schließlich wusste ich spätestens jetzt, dass ich schon ganz vorne mitfahren konnte … und Tobi, ich verspreche dir, schon in ein paar Monaten werde ich in ProTour Rennen vorne mitfahren.“ Die letzten Worte zeigten wieder Lucas seine typische Arroganz, die ihm natürlich auch als Überheblichkeit ausgelegt werden konnte. Tobi allerdings tat das nicht. Er bewunderte Lucas und glaubte seinen Worten zu 100 Prozent. Er war mächtig stolz auf seinen Bruder und wartete sehnsüchtig auf den Tag an dem er den anderen Leuten am Fernseherbildschirm sagen konnte: „Ja, das ist mein Bruder.“
Und beide, Tobi und Lucas, waren sich sicher, dass dieser Tag nicht mehr lange auf sich warten ließ.



Bitte um Feedback Smile
Zitieren


Nachrichten in diesem Thema
[Kein Betreff] - von Double F - 21.02.2008, 08:38
[Kein Betreff] - von DiViNo - 21.02.2008, 14:37
[Kein Betreff] - von DiViNo - 22.02.2008, 14:10
[Kein Betreff] - von DiViNo - 23.02.2008, 16:27
[Kein Betreff] - von Double F - 23.02.2008, 18:48
[Kein Betreff] - von Adrian Adonis - 23.02.2008, 20:24
[Kein Betreff] - von DiViNo - 23.02.2008, 21:36
[Kein Betreff] - von DiViNo - 24.02.2008, 21:48
[Kein Betreff] - von DiViNo - 25.02.2008, 19:22
[Kein Betreff] - von DiViNo - 27.02.2008, 00:22
[Kein Betreff] - von DiViNo - 27.02.2008, 21:02
[Kein Betreff] - von DiViNo - 29.02.2008, 01:11
[Kein Betreff] - von DiViNo - 05.03.2008, 23:50
[Kein Betreff] - von Double F - 06.03.2008, 17:23
[Kein Betreff] - von DiViNo - 07.03.2008, 15:15
[Kein Betreff] - von Double F - 07.03.2008, 15:32
[Kein Betreff] - von DiViNo - 09.03.2008, 15:25
[Kein Betreff] - von DiViNo - 11.03.2008, 20:10
[Kein Betreff] - von DiViNo - 17.03.2008, 01:00
[Kein Betreff] - von DiViNo - 20.03.2008, 16:33
[Kein Betreff] - von DiViNo - 25.03.2008, 22:00
[Kein Betreff] - von DiViNo - 10.04.2008, 14:11
[Kein Betreff] - von DiViNo - 09.05.2008, 13:31
[Kein Betreff] - von Double F - 09.05.2008, 14:52
[Kein Betreff] - von DiViNo - 09.05.2008, 15:18
[Kein Betreff] - von DiViNo - 19.05.2008, 12:31
[Kein Betreff] - von DiViNo - 23.06.2008, 13:52
[Kein Betreff] - von DiViNo - 30.06.2008, 17:49
[Kein Betreff] - von Double F - 30.06.2008, 18:12
[Kein Betreff] - von Red Rabbit - 01.07.2008, 21:53
[Kein Betreff] - von DiViNo - 10.07.2008, 09:39
[Kein Betreff] - von DiViNo - 29.09.2008, 13:52

Gehe zu:


Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: 1 Gast/Gäste