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Der Radsport AAR: Keine Grenzen, keine Limits
#28
Lucas unterbrach ihn. „Ich werd bekloppt, das ist Matze Kessler. Ob der wegen uns hier ist?“ Als wenn Kessler dies gehört hätte winkte er die beiden zu sich rüber. Überrascht, aber erfreut machten sich Lucas und Tobi auf den Weg. Als sie am Tisch ankamen reichte Kessler ihnen gleich die Hand. „Hey, ich bin der Matze Kessler, ich denke mal ihr kennt mich.“ Lucas erwiderte die Hand. „Das ist mein Bruder Tobi und ich bin Lucas Kiehl. Ich denke mal du kennst mich noch nicht, aber das kann man ja ändern, am besten mit Leistung auf dem Rad. Matthias grinste. „Deine Einstellung gefällt mir. Mir würde es gefallen, wenn du mir das in meinem Team beweisen könntest. Deshalb bin ich nämlich da. Ich bin zwar neu bei Astana, aber aufgrund eines sehr verstrickten Systems bin ich der Mann bei uns, der dir die Vorteile des Astana-Rennstalls aufzeigen soll. Ich erkläre es dir kurz. Walter Goodefrot will dich bekanntlich für unser Team gewinnen und ich arbeitete ja schon bei T-Mobile mit ihm zusammen. Da er auf eine familiäre Atmosphäre setzt will er möglichen Neuverpflichtungen das Team nicht durch irgendwelche Anzugleute näher bringen, sondern durch die Fahrer selber. Da lag es nahe, dass ich als Deutscher mit dir reden soll und ich mach es wirklich gerne. Ich habe mich über dich informiert und bin von deinen Leistungen beeindruckt. Du kannst es definitiv bis in die Weltspitze schaffen.“ Lucas schmeichelte das Lob zwar, aber er war sich dessen auch selber bewusst. „Danke, ich bin mir sehr sicher, dass ich das schaffen kann. Es hört sich vielleicht übertrieben oder arrogant an, aber in einigen Jahren will ich bei der Tour um den Sieg mitfahren.“ Lucas war es gewohnt auf solche Sätze patzige Antworten zu kriegen. Oft wurde er als Hochstapler oder Tagträumer bezeichnet, aber Matthias hingegen sprach ihm Mut zu. „Ich find es gut, dass du dir dieses hohe Ziel gesteckt hast. Wenn ich ein Ziel vor Augen hatte, habe ich nicht locker gelassen, bis ich es erreicht hatte. Solltest du das genauso angehen hast du auf alle Fälle Chancen bei der Tour vorne mitzufahren. Dass du in den Bergen gut bist hat sich ja schon beim GP Schwarzwald gezeigt. Einen Fabian Wegmann abzuhängen fällt selbst mir öfter mal schwer. In diesen jungen Jahren hätte ich das erst Recht nicht geschafft.“ Matze überschüttete Lucas quasi mit Huldigungen und ein wenig unangenehm war Lucas das schon, denn er wollte Matthias lieber persönlich von seinem Talent überzeugen. Jetzt hieß es erstmal vom Thema ablenken, also unterbrach Lucas Matthias.
„Ich frage mich, wie ihr darauf gekommen seid, dass ich Urlaub auf Gran Canaria mache. T-Mobile hat mir ebenfalls schon hinterherspioniert. Bin ich denn so gefragt?“ „Tja, das muss wohl so sein. Wir haben jedenfalls von deinem Trainer erfahren, dass du hier Urlaub machst. Jemand aus dem Astana-Team hat wegen eines Vertragsgespräches angefragt und uns wurde gesagt, dass du auf den Kanaren Urlaub machst. Als wir das wussten haben wir alle Hebel in Bewegung gesetzt um dich auf den Kanaren zu erreichen. Und dafür war dein Taxifahrer Felipe die perfekte Person. Er stellt so etwas, wie einen Kontaktmann für uns da. Einige ehemalige Fahrer des Liberty Seguros Team hatten gute Beziehungen zu Felipe. Manche Fahrer, die schon 2006 hier fuhren haben teilweise auch schon Bekanntschaft mit ihm gemacht. Das wurde dann natürlich auch an die neue sportliche Leitung weitergegeben, da das Team mit ihm nur gute Erfahrungen gemacht hatte. Schon seit Jahren konnte er mithelfen einige Fahrer zu vermitteln und mich würde es freuen wenn es bei dir auch klappt. Allein die Art und Weise ist irgendwie besser. Dir wird vom Rennstall nicht gleich die Pistole auf die Brust gesetzt, das Angebot ist vorerst nicht so offensichtlich und du bekommst die Chance mit Leuten aus dem Team darüber zu reden.“ Eigentlich war Lucas hocherfreut über das Interesse, aber ihn wunderte es, dass man gerade Matze Kessler geschickt hatte, der ja erst zum Jahr 2007 wirklich zum Team stoßen würde. Er sprach das auch an, aber Matze konnte das gleich aufklären. „Es gab Anfang Oktober schon ein erstes Treffen der meisten Teamkameraden. Das hatten Rominger, Biver und Goodefrot privat organisiert und die Stimmung war perfekt. Ich hab mich gleich heimisch gefühlt und kann dir das Team nur empfehlen.“ Nachdem Matthias Lucas seine erste Frage beantworten konnte kam es nun zum ernsten Teil der Verhandlung. „Ich hab ja schon erzählt, dass T-Mobile mir ein Angebot gemacht hat, aber ich wollte das eigentlich nicht annehmen. Allerdings wurde mir eine Klausel offen gelegt, durch die es mir sehr schwer fällt das Angebot abzulehnen. Sie wollen meinen Bruder Tobi, der ebenfalls in den Bergen seine Stärken hat, für eines ihrer Jugendteams verpflichten. Ich weiß, dass ich ein junger Fahrer bin und eigentlich nicht in der Position bin, dass ich Bedingungen stellen kann, aber ich würde Tobi gerne irgendwie mitnehmen, koste es was es wolle. Dafür würde ich vieles in Kauf nehmen. Gehaltseinbußen, was auch immer. Geld ist mir sowieso nicht so wichtig, sonst hätte ich gleich mit dem T-Mobile Vertreter eingeschlagen. Wenn ich ihn mitnehmen könnte bzw. Astana ihn irgendwo parken könnte mit dem Vorrecht ihn in einigen Jahren unter Vertrag zu nehmen wäre ich sofort dabei.“ Hoffnungsvoll schauten Lucas und Tobi zu Matthias rüber. Der wiederum sah nun ziemlich nachdenklich aus. Er durfte natürlich nichts Falsches sagen, denn er konnte keine Entscheidungen ohne die Teamleitung treffen. „Ich kann euch da nichts versprechen, denn darüber müsste ich erst mit der Teamleitung sprechen. Allerdings kann ich eins machen, ich kann sie von seinen Fähigkeiten überzeugen. Dazu muss ich diese allerdings erstmal selber kennen lernen. Am besten wir drehen eine kleine Runde auf dem Rad.“ Erleichtert stimmten Lucas und Tobi zu. „Wir wollten vor der Rückkehr nach Playa del Ingles sowieso noch den 1949 m hohen Pico de las Nieves erklimmen und die Aussicht genießen. Das passt doch perfekt.“ „Okay“, sagte Matthias. „Ich werde mir da ein Bild von Tobi machen und dann heute Abend mit der Teamleitung telefonieren. Zwar werden die sicherlich nicht gleich zusagen, aber zumindest könnte man mal ein Tryout arrangieren. Über die Ergebnisse kann ich euch dann morgen informieren. Am besten treffen wir uns dann noch mal und klären die weiteren vertraglichen Details … insofern ihr dann noch wollt. Aber lasst uns erstmal auf die Räder steigen und ein wenig fahren.“
Von San Bartolome bis zum Gipfel waren es lediglich 23 km und deshalb entschloss man sich nach einer kurzen Aufwärmrunde durch den Ort den Berg mit vollem Tempo anzugehen. Es ging eigentlich bloß darum, wie lange Tobi den beiden folgen konnte. Zwar galt der Berg nicht als sonderlich steil, aber zwischendurch gab es schon Steigungen von 8 bis 12 %.
Im Durchschnitt wurden diese Prozente nur durch Ortsdurchfahrten gedrückt, die meistens flach verliefen. Die schwierigsten Stellen waren zwischen La Plata und Merendero zu bewältigen, wo es zwischen recht flachen Steigungen 3 km lang im Schnitt 9 % bergauf ging. Auch die letzten 4 km waren mit 6,3% noch mal recht anspruchsvoll. Für einen Kessler und auch Lucas sollte das wohl kein Problem darstellen, aber für Tobi war das schon ein hartes Stück Arbeit. Jedenfalls in Anbetracht dessen mit seinem Bruder und Matze Kessler mithalten zu müssen. Die erste Bewährungsprobe gab es gleich nach San Bartolome. Dort gab es ein 1 km langes Stück, das 12,4 % steil war und Matze fuhr das gleich von vorne. Am Anfang des Stückes dachte Lucas, dass ihm gleich die Beine explodieren würden. Nachdem er einige Zeit nicht mehr so intensiv trainiert hatte schmerzten die ersten Meter deutlich. Hinter ihm konnte Tobi ihm auch noch folgen, was Lucas überraschte aufgrund seiner eigenen Probleme. Erst am Ende des Steilstückes fand er langsam seinen Rhythmus. Die nächsten 10 km ging es weniger steil zu und die 3 wechselten sich häufig in der Führung ab. Lucas sah, dass Tobi vor Ehrgeiz strotzte, denn immer wenn er vorne fuhr versuchte er das Tempo anzuziehen. „Übernimm dich nicht“, zischte Lucas Tobi leise zu. „Der Berg geht noch ein Stück und die schweren Passagen kommen noch.“ Tobi interessierte das allerdings nicht sonderlich. „Ich fühle mich gut, ich weiß, was ich mach. Glaub mir.“ Zwar traute Lucas Tobi nicht so recht, da Einbrüche öfter plötzlich kamen, aber er wollte jetzt auch nicht komplett auf die Euphoriebremse treten. „Horch in deinen Körper rein und spar dir Reserven für die letzten Kilometer auf.“ Die ersten Kilometer nach La Plata waren recht locker, doch urplötzlich wurde es steil und das nutzte Matze erneut um die beiden zu testen. Kurz musste Lucas ein Loch reißen lassen, aber fuhr dieses dann wieder zu. Über 3 km sollte es nun recht steil sein und aufgrund des recht hohen Tempos brannten Lucas die Beine. Er fragte sich, wie Tobi das durchstehen sollte. Er schaute nach hinten und Tobi war nicht mehr zu sehen. „Verdammt, wo ist er?“, fragte sich Lucas
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[Kein Betreff] - von DiViNo - 10.07.2008, 09:39
[Kein Betreff] - von DiViNo - 29.09.2008, 13:52

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