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Geschichte des Amerikanischen Wrestlings - 1950er/60er Jahre
#30
Teil 6: Verne Gagne und die AWA

Nachdem sich St. Louis 1948/49 neu formierte, kam für Minneapolis 1952 die entscheidende Wende. Die beiden Nachbarstädte Minneapolis und St. Paul kontrollierte noch Mid-West Promoter Anton "Tony" Stecher. Stecher - damals selbst ein hervorragender Wrestler - fand sein Interesse aber mehr im Management und Promotergeschäft. 1912 debütierte sein Bruder Joe Stecher. Tony übernahm selbst dessen Management. Als Ergebnis ihrer Zusammenarbeit wurde Joe 1915 schließlich dritter World Heavyweight Champion. Beide trainierten hart und zielbewusst.

Auf dem Gebiet der einstigen MWA kam es zu folgenreichen Entwicklungen: 1931 schlossen sich die Promoter von einigen Bundesstaaten im mittleren Westen zur "Midwest Wrestling Association (MWA)" zusammen. Sie bildete das Gegenstück zur National Wrestling Association und hatte auch einen eigenen World Title. Als wichtige MWA Promoter fungierten Albert C. "Al" Haft (Ohio) und die Fraktion in Kansas City rund um George Simpson. Mit Gründung der National Wrestling Alliance 1948, schlossen sich die Midwest Promoter der neuen Organisation an. Die MWA wurde aufgelöst.

Im besten Lebensalter von Mitte 40 entschloss sich Tony Stecher ins Promotergeschäft einzusteigen. 1933 eröffnete er den "Minneapolis Boxing and Wrestling Club", welcher zur Keimzelle von Verne Gagnes AWA wurde. Stecher reagierte schnell, als in St. Louis die Ära Tom Packs ihrem Ende zuging. St. Louis war voll von Promotern und Wrestlern. Damit Minneapolis weiterhin ein Aushängeschild des mittleren Westens blieb, schloss er sich der Promotergruppe rund um Sam Muchnick an. Die konkurrierende Liga der Lou Thesz Investorengruppe. Muchnicks Gruppe gelang ein entscheidender Schachzug, da neben Stecher noch Pinkie George, Orville Brown, Max Clayton und Al Haft seiner Gruppe angehörten. Damit waren die wichtigsten Mid-West Promoter in Muchnicks Lager. Da Al Haft sich angeschlossen hatte, reichte das NWA (Alliance) Revier bis Columbus/Ohio. Die Folgen dieses Zusammenschlusses waren weitreichend: Als Reaktion auf die von Lou Thesz angeführte NWA (Association), formierte sich die Muchnick-Pinkie George Gruppe 1948 in Waterloo/Iowa zur NWA (Alliance). In den ersten Nachkriegsjahren wurde Muchnicks Allianz immer größer. Es entstand eine rege Zusammenarbeit zwischen den Wrestling-Zentren des mittleren Westens (St. Louis, Minneapolis, Des Moines, Omaha, Columbus, Chicago).

Interessen gehen bekanntlich auseinander und so kamen die ersten Probleme schon nach wenigen Jahren. Stecher war bereits ein alter Hase im Geschäft. Er kannte das Metier Wrestling genau und holte sich einen fähigen Mann namens Wally Karbo ins Team. Karbo war es auch, der Stecher beim NWA Gründungstreffen in Waterloo vertrat. Wie geschickt Karbo wirklich sein konnte, bemerkte man später. Für Stecher kam nach fast 20 Jahren schließlich das Ende. 1952 verkaufte er 1/3 des Minneapolis Boxing and Wrestling Club an Karbo und seinen Sohn Dennis Stecher. Am 10. Oktober 1954 starb Tony Stecher im Alter von 65 Jahren. Automatisch gingen so alle Rechte an Karbo und Dennis Stecher über. Es lag jetzt in den Händen von Karbo und Verne Gagne, das große Erbe Tony Stecher's fortzusetzen.

Nebraska wollte schon früh sein eigenes Süppchen kochen. In Omaha übernahm die Dusek Familie das Zepter, nach dem Tod von NWA Gründungsmitglied Max Clayton am 01. Juli 1957. Vier Brüder, die allesamt im Wrestling Karriere machten. Als stärkster Vertreter etablierte sich hier Joe Dusek. Er kontrollierte fortan Omaha und kreierte sogar einen Nebraska World Title.

[Bild: http://www.wwf4ever.de/team/ronald/Sam Muchnick.jpg]
NWA Präsident Sam Muchnick

In den späten 50er Jahren gab es dann die ersten Probleme zwischen einigen Midwest Promotern und der NWA in St. Louis. Promoter Wally Karbo versuchte seinem Schützling Gagne mehrmals eine Titelchance auf den NWA World Title zu verschaffen. Doch das scheiterte am Widerstand von Muchnick. Da dieser am längeren Hebel saß, bekamen nur die besten Wrestler der NWA Rangliste eine Chance auf den Titel. Gagne erschien allerdings zwischen 1956 und 1960 unter den ersten Zehn dieser Rangliste. Das Splitterlager in Minnesota versprach sich eine Aufwertung durch den NWA World Title. Doch St. Louis sah in Gagne keinen Wrestler, der die Massen zog. Das war aber mehr als eine Fehleinschätzung. Karbos jahrelange Versuche blieben erfolglos und ein Titelkampf für Gagne konnte nicht erwirkt werden. Die NWA Zentrale setzte ausschließlich auf Thesz, Hutton und Carpentier. Obwohl Letzterer nur als Überbrückung diente.

Am 14. Juni 1957 besiegte Herausforderer Edouard Carpentier in Chicago NWA World Champion Lou Thesz. Die ersten Probleme zwischen St. Louis und der Mid-West Region beginnen. Muchnick revidierte später die Entscheidung des Ringrichters in Chicago und gab den NWA World Title zurück an Thesz. Thesz kämpfte daraufhin international als NWA Champion weiter. Karbo, Gagne und Dusek pochten auf Carpentier und erkannten nur diesen als NWA World Champion an. Thesz nicht, weil er nicht genügend Kämpfe im eigenen Lande bestritt. Deshalb setzten sie Muchnicks Entscheidung für ihr Revier außer Kraft und ließen Carpentier den NWA World Title verteidigen. Die Mauer zwischen St. Louis und Minneapolis bröckelte immer mehr. Den Rückkampf gegen Carpentier im Juli 1957 gewann dann wiederum Thesz. St. Louis setzte schließlich Thesz endgültig auf den Stuhl des NWA World Title. Damit war Dusek überhaupt nicht einverstanden und erklärte deutlich seine Abkehr gegen NWA Boss Sam Muchnick. So brach schon mal Nebraska weg.

Am 14. November 1957 verlor Thesz den NWA Title an Hutton. Der Sieg von Hutton wurde stark kritisiert, zumal damit ein weiterer Versuch scheiterte, Gagne als Champion der NWA zu krönen. In der Midwest Region war Gagne längst der Favorit. Er wurde der "ungekrönte Champion" genannt. Am 09. August 1958 besiegte er Carpentier, den NWA World Champion der Splittergruppe. Dieser wurde vorher schon in Omaha anerkannt. Gagne gewann dadurch eine Version vom NWA World Title. 1957 verlor dieser Titel seinen einzigartigen Status. Aufgrund dieser Kontroversen zwischen Thesz, Hutton und Carpentier, entstanden gleich mehrere Versionen. Stand die Mehrzahl der Promoter vorher noch hinter Thesz, war jetzt die eigene Promotion wichtiger. Quasi der eigene World Champion vor der Haustür würde nun mehr versprechen. Gerade Carpentier nahm hier eine Schlüsselposition ein. Seine Niederlage gegen Gagne führte zum Aufbau der AWA. Carpentier war für die Midwest Region kein großes Zugpferd, so war die Niederlage gegen Gagne praktisch nur eine Frage der Zeit.

Dennis Stecher stieg 1959 aus und verkaufte seine Teilrechte an Karbo und Gagne. Im gleichen Jahr wurde Pat O´Connor NWA World Champion. Innerhalb der NWA entstand zwischen St. Louis und der Midwest Region ein Bruch. Karbo hatte endgültig die Nase voll: 1960 formierte er in Minneapolis eine Gruppe bestehend aus Gagne und den benachbarten Promotern. Der Bruch kam mit der Herausforderung an O´Connor. Hinter den Kulissen dachte man sich einen Plan aus. Es wurde mit dem NWA Austritt gedroht, sollte Gagne nicht binnen von 3 Monaten einen Titelkampf gegen O´Connor bekommen. Muchnick ignorierte die Herausforderung. Auch eine Herausforderung an Rogers blieb erfolglos. Die Splittergruppe hätte O´Connor als Champion anerkannt, wenn er gegen Gagne angetreten wäre. Muchnick lehnte ab und lies die 3 Monate verstreichen. Unter Führung von Karbo und Gagne wurde daraufhin in Minneapolis die "American Wrestling Association (AWA)" gegründet. Nicht die Erste mit diesem Namen. Die erste AWA Version entstand Ende der 20er Jahre in Boston unter Paul Bowser. Eine weitere Version kreierten Jim Barnett und Johnny Dolye, die ihre Shows Ende der 50er und Anfang der 60er Jahre unter dem Dach der "AWAlliance" austrugen.

Zwischen Gagne und Killer Kowalski entbrannte eine Fehde. In der Konfrontation mit Kowalski kreierte die AWA das was man als "Angle" bezeichnete. Damals eine Sensation in einer Zeit wo es nur Heels und Babyface Geschichten gab. Heute längst gang und gebe. Gagne und seine Fans erwirkten die langersehnte Titelchance auf den AWA World Title, den Mad Dog Vachon hielt. Kowalski stürmte plötzlich bei einer AWA Show in die Halle, als Gagne eine Dankesrede hielt. Er schnappte sich einen Stuhl und schlug damit auf Gagne ein. Der viel bewusstlos zu Boden (nach der Storyline). "Here is your Champion!" - brüllte der Topheel ins Mikrofon. Er kochte vor Wut, dass gerade Gagne nun einen Titelkampf bekam. Gagne traf auf Kowalski in einem Match kurz danach. Kowalski wollte wieder mit dem Stuhl zuschlagen, da wich Gagne aus und schlug seinerseits zwei Mal mit der ganzen Stuhlreihe auf Kowalskis Kopf ein. Gagne verlor den Kampf durch DQ. Laut Storyline fiel damit auch der Titelkampf gegen Vachon ins Wasser. Gagne reiste ab Mitte der 60er Jahre durch viele Bundesstaaten. Durch Auftritte u.a. in Chicago und Denver konnte er das AWA Territorium erweitern.

Am 16. August 1960 wurde Gagne zum neuen AWA World Heavyweight Champion ernannt. Er fungierte nun als Promoter und war, neben Karbo, zu 50% Aanteilseigner vom Minneapolis Boxing and Wrestling Club. Mit Gründung der WWWF im Jahre 1963 entstand im Wrestling das Szenario der "Big Three", wie man damals sagte. NWA, AWA und WWWF dominierten die Szene. Allerdings gab es auch innerhalb der AWA Auseinandersetzungen um den neuen Champion Gagne. Omaha hatte nämlich noch einen eigenen World Title. Gagne wurde als AWA Champion deshalb nicht anerkannt.

Die entscheidende Wende kam am 16. September 1961. Nebraska World Champion Don Leo Jonathan verlor den Titel an AWA World Champion Gagne. Dusek unterstützte daraufhin eine Zusammenarbeit mit dem AWA Hauptquartier in Minneapolis. Es erfolgte ein Austausch von Wrestlern zwischen Gagne und Dusek. Die letzte Hürde überwand Gagne am 07. September 1963 in Omaha, Nebraska. Es kam zum Title Unification Match: AWA World Champion Verne Gagne besiegte Nebraska World Champion Fritz Von Erich. Verne ging als gefeierter Sieger aus diesem Kampf. Minneapolis und Omaha fusionierten ihre beiden Territorien. Der Nebraska World Title wurde eingestellt. In der Zwischenzeit, bis zum September 1963, verlor Gagne den AWA World Title auch. Größere Fehden gab es zwischen Fritz Von Erich, Don Leo Jonathan und Crusher Lisowski. Alles AWA Champions, die Gagne besiegen konnte. Hinter den Kulissen war dieser Austausch von Wrestlern ein großer Schachzug von Gagne und Dusek. Die AWA wurde zum Konkurrenten für die NWA. Wenngleich ältere Berichte von Feindschaften sprachen, so weiß man doch heute, dass es eine Zusammenarbeit mit NWA Promotern gab.

[Bild: http://www.wwf4ever.de/team/ronald/Verne%20Gagne.jpg]
Verne Gagne
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