02.06.2009, 13:23
Teil 3
In den Jahren 1953 bis 1955 kam es in Japan zu entscheidenden Entwicklungen, die nicht nur den asiatischen Kontinent beeinflussen sollten. Am 18.07.1953 wird die erste rein japanische Wrestlingshow in Osaka im dortigen "Prefectural Gym" veranstaltet. Schirmherr der Veranstaltung war Toshio Yamaguchi. Knapp zwei Wochen später gründet Rikidozan am 30.07.1953 die "Japan Pro-Wrestling Association (JWA)". Dies ist das offizielle Gründungsdatum. Das inoffizielle geht schon etwas früher zurück. Wahrscheinlich sind schon entscheidende Schritte während der USA Tour getroffen worden. Die JWA war die erste japanische Organisation, die voll auf das Wrestling setzte. Bisher hatte es kein Wrestler geschafft, dass asiatische Wrestling auf nationaler Ebene zu revolutionieren. Geschweige denn international bekannt zu machen. Im Jahre 1939 gründeten einige Judoka Athleten, darunter Hikoo Shoji und Kiyoshi Kato, die "Japan Pro Wrestling Alliance". Jedoch brachte die Promotion damals nicht den gewünschten Erfolg und scheiterte. In der Bevölkerung fand sie keinen Anklang. Das galt im Übrigen aber für das ganze Pro-Wrestling zu dieser Zeit in Japan. Erst jetzt mit Rikidozans Popularität konnte eine wahre Erfolgsgeschichte starten.
Zwar ging die Gründung der JWA auf Riki zurück, in Wahrheit saß jedoch die NWA im Hintergrund am längeren Hebel. Die Kontakte, die er zu amerikanischen Wrestlern und Promotern hatte, nutze er nun für sich und dem Wrestling aus. Die NWA war die größte und einflussreichste Wrestling Promotion. In Japan hatte man von Seiten der NWA noch nicht so viel Macht ausüben können. Als Riki die NWA-Spitze kontaktierte um nachzufragen, ob er in Japan eine Promotion gründen dürfte, widersprach man in den Staaten natürlich nicht. Warum auch, denn mit der JWA hatte die NWA ihr Territorium nach Japan ausgeweitet. Alle großen Entscheidungen zu wichtigen Turnieren oder Titelkämpfen traf die JWA nie alleine, sondern in Absprache mit der NWA. Der langjährige Freund und Förderer Nitta Shinsaku wird erster Präsident der JWA unter dem Banner von Rikidozan. Den Vorsitz der Allianz übernimmt Tadamasa Sakai. Er wird zum JWA Vorsitzenden ernannt.
Mitte des 20.Jh. erreichte der Wrestling-Boom auch Japan. Noch 1950/51 war es aber nicht ersichtlich, das einmal Millionen von Menschen, die Matches im Fernsehen bewunderten. Verkörpert durch Rikidozan erlebte Asien Anfang der 50er Jahre eine entscheidende Wende. Neben Harold Sakata unterstützten Rikidozan noch Oki Shikina, Bobby Bruns und Hawaii Promoter Alexander Karasick. Als besonders einflussreich kristallisierte sich dabei Karasick heraus, dessen Kontakte zur NWA für die japanische Profiszene sehr wichtig waren. Zwischen 1951 und 1954 investierte Karasick in das Japan-Territorium und organisierte auch die Show mit Bobby Bruns am 28.10.1951. Rikidozan gab hier sein Pro-Wrestling Debüt. Karasick schickte Bruns nach Japan in Erwartung, einen neuen lukrativen Markt zu erschließen.
Die Refinanzierung des investierten Kapitals erwies sich bald als gesichert. Wrestling-Shows erzeugten schon zu Beginn ein erstaunliches Interesse. Karasick, seit 1949 NWA Mitglied, wartete nicht lange und nahm erste Kontakte zum NWA Hauptquartier in St. Louis auf. NWA Präsident Sam Muchnick gab die erhoffte Rückendeckung. Im Hintergund ließ Muchnick verlauten, dass nur Karasick als Promoter über die jeweiligen Booking Rechte für Japan verfüge. Andere Promoter würden keine Unterstützung aus Amerika erhalten. Somit ist Karasick zum nunmehr wichtigsten NWA-Promoter in Asien aufgestiegen. Er übernahm in den Anfangsjahren auch die Rolle eines Talent-Koordinators. Sein Einfluss war so stark, dass die JWA für die nächsten 20 Jahre ein wichtiger NWA-Partner wurde.
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Das Jahr 1953 brachte Riki dort hin zurück, wo die Karriere einst richtig begann, nach Hawaii. Im Rahmen eines 8 Mann Turniers fliegt er am 29.11.1953 auf den Inselstaat. Das besondere an diesem Turnier war, dass der Sieger eine Chance auf den NWA World Title bekam. Der einzige Titel mit einem Weltstatus in dieser Zeit. Der Koreaner schlug sich tapfer und heimste den Sieg ein. Nun stand die Tür zum World Champion offen. Der Kampf der Giganten sollte nicht mehr lange auf sich warten lassen. Im Honolulu Civic Auditorium traf Rikidozan am 06.12.1953 auf den NWA World Champion Lou Thesz. Es ging nun um den NWA World Title. Thesz sollte aber kein einfacher Gegner werden. Er war in vielerlei Hinsicht schwieriger, als viele andere Gegner des Koreaners. In der 43. Minute kam die Entscheidung, als Thesz den Piledriver anbringen konnte. Der Pin war nur noch Formsache. Thesz hatte den Titel erfolgreich verteidigt. Riki traf hier zum ersten Mal auf Lou Thesz. Aus dieser Begegnung heraus entstand eine Freundschaft fürs Leben.
Thesz spielte eine große Rolle während seiner Laufbahn. Es war wenn man so will, eine Freundschaft, die dem Wrestling insgesamt einen großen Aufschwung bescherte. Durch die verstärkte Präsenz an in den Titellisten stieg auch Rikis Bekanntheit an. Es war sowieso ohnehin ein Meilenstein, dass ein Japaner koreanischer Herkunft plötzlich so weit nach oben steigen konnte.
Mit der Gründung der JWA wurde Riki zu einem der reichsten Japaner. Er betätigte sich nun auch als Geschäftsmann. Zurück in Japan eröffnete er Hotels, Nachtclubs, Golfplätze und kaufte Grundstücke. Er gründete sogar eine Boxpromotion. Viele Wrestler und Freunde wirkten im Hintergrund mit, so dass sein Erfolg als größter japanischer Wrestler nicht nur der alleinige Schritt von einer Person gewesen ist. Bei der Gründung der JWA wirkte ein einflussreicher Mann mit, der aus dem Untergrund Japans agierte. Er war ein Boss der japanischen Mafia, Yakuza genannt, Nicola "Nick" Zapetti. Rikis Geschäfte brachten nicht nur Reichtum sondern förderten auch Kontakte in die Unterwelt. In jene Unterwelt Japans, die mit Drogen-und Waffenhandel sowie Morden und anderen grausamen Verbrechen in Verbindung gebracht wird.
Der Einfluss von Rikidozan in der Welt des Sports, eröffnete der Mafia natürlich mehr Möglichkeiten, in breiter Front verdeckt zu arbeiten. Zapetti wurde mehr oder weniger zum einem Freund. Die beste Adresse in Tokyo als Jazz Fan war in den 50er Jahren ohne Zweifel der "Club Riki". Obwohl sein Plan nicht gerade viel Zeit bot, war er selbst doch oft anwesend in den ganzen Nachtclubs und Bars. Dort wurde viel Alkohol konsumiert und ordentlich gefeiert. Die ganzen Lokale und Hotels seines Imperiums, sind mit der Zeit zu namhaften Orten in Tokyo und darüber hinaus aufgestiegen. Zu seinem Besitz zählten nun neben den Nachtclubs, Lokalen, Golfplätzen, der JWA und der Boxpromotion - auch Bordelle, Bowling Center und eine Touristenagentur. Selbst in Korea wirkte er mit seinem Geld. Dem damaligen Regierungschef von Nordkorea Kim Il Sung schenkte er eine Limosine. Doch die Karriere ging rasch weiter. Einen Stillstand konnte man sich in diesem Business nicht erlauben. 1954 wird das Wrestling im japanischen Fernsehen revolutioniert. Unter dem Banner der "All Japan Pro Wrestling Alliance-AJPW(A)" startet am 06.02.1954 eine zweitägige Show in Osaka mit der Bezeichung "Japan vs. US Puroresu Match". Hintermänner der Veranstaltung waren Toshio Yamaguchi und Kiyomikawa.
Einen Monat später am 14.03.1954 gründet Yamaguchi offiziell in Osaka die "All Japan Pro Wrestling Alliance". Die JWA zog zwei Wochen später nach und veranstaltete ab dem 19.02.1954 die ersten Shows innerhalb von drei Tagen. Die Meldung das Riki und seine Promotion im Fernsehen zu sehen sein werden, löste einen Ansturm auf Fernsehgeräte und öffentliche Plätze aus. Der Austragungsort war die altehrwürdige Sumo Halle "Kuramae Kokugikan". Den ersten Tag der Show übertrugen zwei Sender, NHK-Japan Broadcasting Corporation-the semi govermental broadcasting network und NTV-Nippon Television Network. Menschenmassen stürmten in die Halle und zehntausende verfolgten das Geschehen vor unzähligen Bildschirmen. Der Sender NTV überträgt allein den zweiten und dritten Tag der Show. Auf öffentlichen Plätzen werden zahlreiche Leinwände aufgestellt, für die Leute die zu Hause keinen Fernseher haben.
Der Andrang war so groß, dass Massen von Menschen in den Straßen standen, um ihren Nationalhelden zu bewundern. Besonders stark war das Interesse am ersten und dritten Tag der Show, am 19. und 21.02.1954, als an beiden Tagen jeweils ein gewaltiges Tag Team Match bevorstand. Diese wurden bereits im Vorfeld hoch beworben.
Die guten Japaner sollten nun antreten gegen die bösen Amerikaner. Die Bösen verkörperten zwei Muskelpakete aus der NWA die Sharpe Brüder, Ben und "Iron" Mike Sharpe. Ihre Gegner waren Riki und der legendäre Judoka Masahiko Kimura. Ihr Team trat hier unter den Namen "the judo devil" an. Die Sharpe Brüder, die NWA World Tag Team Champions, kamen am 17.02. auf den Inselstaat. Ben und Mike Sharpe waren allerdings mit gut 2 Metern nicht nur größer, sondern auch 50 Pfund schwerer als ihre Gegner. Ebenso in puncto Kraft sind sie überlegen gewesen. Doch das war kein Grund für Riki und Kimura, dieser Herausforderung aus dem Weg zu gehen. Nach dem Kampf am ersten Abend verlagerte sich das Interesse nun stark auf den Hauptkampf des dritten Abends. Es ging um den Titel. Die Sharpe Brüder nutzten die Gunst des Augenblicks, in dem der Ringrichter abgelenkt war. Sie traten, bissen und stachen Riki.
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Der Koreaner pushte sich allerdings wieder auf. Die Technik stand mehr auf der Seite von Riki und Kimura. Judoka Kimura zeigte sensationelle Aktionen, auch aus der Luft. Riki konterte gegen Ben und Mike mit dem Karate Chop. Die Brüder hielten jedoch standhaft dagegen, bis nach rund 45 Minuten, Riki im wilden Ansturm auf die Gegner los ging. Es hagelte Karate Chops und Sumoaktionen. Der eine Sharpe fiel dabei aus dem Ring. Für den anderen Bruder setzte es den Karate Chop und auch er stürzte zu Boden. Riki brachte den Pin durch und die Sensation war perfekt. Zum ersten Mal wurden die Amerikaner in einem großen Kampf in Japan besiegt. Die Menschen brachen in Jubelstürme aus. Der Titel wechselte trotz aller Freude über den geglückten Pin nicht.
Die NWA hatte offensichtlich den Verlauf des Kampfes bemängelt, als nur noch Karate- und Sumoaktionen gefallen sind. Im Nachhinein ist der Kampf als Unentschieden gewertet worden. In den Hintertüren der NWA und JWA sprach man die Strategie des Matches im Vorfeld sehr genau durch. Der Plan sah vor, dass die Sharpe Brüder alle nur erdenklichen Tricks und Aktionen einsetzen sollten. Der Ringrichter drehte sich absichtlich weg und die Zuschauer schimpften und buhten. Trotz dieser Absprachen hatte das Match etwas bewegt. Der Endpunkt zur vollkommenen Legende Rikidozans ist nun erreicht. Er wurde zum japanischen Symbol für den Aufstieg des Inselstaates. Experten und Historiker sagten auch Jahre danach noch, dass ist ein wichtiges Ereignis im Profisport Japans und Asiens gewesen. Auch die aufsteigende Wirtschaft Japans wurde durch den Sport gestärkt. Dieses Tag Team Match veränderte den asiatischen Wrestlingsport. Es waren die ersten richtigen Matches im japanischen Pro-Wrestling.
Die großen JWA Shows vom 19. bis 21.02.1954 wurden von Promoter Alexander Karasick organisiert. Er investierte 68.000 Dollar in das Programm, und löste somit einen unglaublichen Anreiz für noch mehr Shows aus. Karasick trat weiterhin als Talent-Förderer in Erscheinung und schickte namhafte Superstars nach Asien. Er promotete hier noch bis 1954 und gab Rikidozans JWA einen gewaltigen Anstoß. Karasick und Bruns waren am Anfang seine wichtigsten Handlanger. Ohne sie hätte ein so guter Start nie funktioniert.
Knapp zwei Monate nach Formierung der AJPW gründet Masahiko Kimura am 10.05.1954 in Kumamoto die "International Pro Wrestling Force"-IWE. Nach der JWA und AJPW ist nun die IWE die dritte Promotion in Japan an oberster Front. Kimura, vorher mehr ein Judoka, wurde durch Rikis Unterstützung zum Wrestler. Die erste große Fehde in der Karriere von Riki wurde für die kommenden Monate vorbereitet. Als neuer Tag Team Partner trat Koukichi Endo an seine Seite. Im Tag Team Match vom 08.08.1954 besiegten die beiden die Gegner Leo Newman und Gene Schnerbell. In einem sechs Mann Tag Team Match vom 29.08.1954 besiegten Riki, Endo und Kimura die Gegner Kenyo Shanahashi, Kokoshibi und Taonuri Shinata. Im nächsten Tag Team Match vom 10.09.1954 siegten Riki und Endo ebenfalls gegen Kokoshibi und Shinata. Doch waren das Matches die nicht unbedingt zu großen Erfolgssprüngen beitrugen.
Im Dezember 1954 schließlich konnte Riki den Japanese Heavyweight Title der JWA erringen. Im Vorfeld besiegte der japanische Megastar in einem Turnier den Wrestler King Kong. King Kong trat für Hong Kong an. In der Schlussrunde stürzte aber King Kong über Riki, der nun die Titelchance bekam. Es kam zum Match zwischen Riki und seinem Tag Team Partner Kimura. Im Vorfeld wurden einige Absprachen getätigt. Riki und Kimura einigten sich darauf, dass das Match im Unentschieden enden sollte. Doch genau das Gegenteil geschah. Riki hielt sich nicht an die Absprachen und stellte sich gegen Kimura. Der Kampf, der im Vorfeld groß beworben wurde, kam dann am 22.12.1954. Er entwickelte sich schnell zu einem technischen Gemenge. Nach 4 Karate Chops gegen Kimura konterte dieser mit dem waistlock und beförderte Riki aus der Ringecke. Der drehte das Ganze aber wieder um und ließ einen Fußtritt in Kimuras Leistengegend folgen.
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Es entwickelte sich ein blutiger Fight als Kimura einige harte Schläge und Tritte gegen den Kopf ab bekam. Der Tritt ging genau ins Gesicht. Riki setzte nach und trat erneut zu. Das Ende nahte, als der Ringrichter den völlig erschöpften Kimura mit dem 10 Count auszählte. Somit wurde Riki zum Sieger erklärt und erster japanischer Champion im Schwergewicht. Riki blieb der einzige Träger dieses neu eingeführten Titels. Nach dem Kampf gegen Thesz 1958 wurde er eingestellt. Der blutige Fight schockierte auch die Fans und Zuschauer. Kimura wies in seiner späteren Biographie eindeutig darauf hin, dass Riki sich nicht an die Absprachen hielt und im Kampf shootete.
Die erste Titelverteidigung stand am 26.01.1955 vor der Tür. Doch sein Gegner Toshio Yamaguchi von der AJPW musste eine Niederlage einstecken. Der Titel blieb beim japanischen Nationalhelden. Und das noch für einige Zeit.
In den Jahren 1953 bis 1955 kam es in Japan zu entscheidenden Entwicklungen, die nicht nur den asiatischen Kontinent beeinflussen sollten. Am 18.07.1953 wird die erste rein japanische Wrestlingshow in Osaka im dortigen "Prefectural Gym" veranstaltet. Schirmherr der Veranstaltung war Toshio Yamaguchi. Knapp zwei Wochen später gründet Rikidozan am 30.07.1953 die "Japan Pro-Wrestling Association (JWA)". Dies ist das offizielle Gründungsdatum. Das inoffizielle geht schon etwas früher zurück. Wahrscheinlich sind schon entscheidende Schritte während der USA Tour getroffen worden. Die JWA war die erste japanische Organisation, die voll auf das Wrestling setzte. Bisher hatte es kein Wrestler geschafft, dass asiatische Wrestling auf nationaler Ebene zu revolutionieren. Geschweige denn international bekannt zu machen. Im Jahre 1939 gründeten einige Judoka Athleten, darunter Hikoo Shoji und Kiyoshi Kato, die "Japan Pro Wrestling Alliance". Jedoch brachte die Promotion damals nicht den gewünschten Erfolg und scheiterte. In der Bevölkerung fand sie keinen Anklang. Das galt im Übrigen aber für das ganze Pro-Wrestling zu dieser Zeit in Japan. Erst jetzt mit Rikidozans Popularität konnte eine wahre Erfolgsgeschichte starten.
Zwar ging die Gründung der JWA auf Riki zurück, in Wahrheit saß jedoch die NWA im Hintergrund am längeren Hebel. Die Kontakte, die er zu amerikanischen Wrestlern und Promotern hatte, nutze er nun für sich und dem Wrestling aus. Die NWA war die größte und einflussreichste Wrestling Promotion. In Japan hatte man von Seiten der NWA noch nicht so viel Macht ausüben können. Als Riki die NWA-Spitze kontaktierte um nachzufragen, ob er in Japan eine Promotion gründen dürfte, widersprach man in den Staaten natürlich nicht. Warum auch, denn mit der JWA hatte die NWA ihr Territorium nach Japan ausgeweitet. Alle großen Entscheidungen zu wichtigen Turnieren oder Titelkämpfen traf die JWA nie alleine, sondern in Absprache mit der NWA. Der langjährige Freund und Förderer Nitta Shinsaku wird erster Präsident der JWA unter dem Banner von Rikidozan. Den Vorsitz der Allianz übernimmt Tadamasa Sakai. Er wird zum JWA Vorsitzenden ernannt.
Mitte des 20.Jh. erreichte der Wrestling-Boom auch Japan. Noch 1950/51 war es aber nicht ersichtlich, das einmal Millionen von Menschen, die Matches im Fernsehen bewunderten. Verkörpert durch Rikidozan erlebte Asien Anfang der 50er Jahre eine entscheidende Wende. Neben Harold Sakata unterstützten Rikidozan noch Oki Shikina, Bobby Bruns und Hawaii Promoter Alexander Karasick. Als besonders einflussreich kristallisierte sich dabei Karasick heraus, dessen Kontakte zur NWA für die japanische Profiszene sehr wichtig waren. Zwischen 1951 und 1954 investierte Karasick in das Japan-Territorium und organisierte auch die Show mit Bobby Bruns am 28.10.1951. Rikidozan gab hier sein Pro-Wrestling Debüt. Karasick schickte Bruns nach Japan in Erwartung, einen neuen lukrativen Markt zu erschließen.
Die Refinanzierung des investierten Kapitals erwies sich bald als gesichert. Wrestling-Shows erzeugten schon zu Beginn ein erstaunliches Interesse. Karasick, seit 1949 NWA Mitglied, wartete nicht lange und nahm erste Kontakte zum NWA Hauptquartier in St. Louis auf. NWA Präsident Sam Muchnick gab die erhoffte Rückendeckung. Im Hintergund ließ Muchnick verlauten, dass nur Karasick als Promoter über die jeweiligen Booking Rechte für Japan verfüge. Andere Promoter würden keine Unterstützung aus Amerika erhalten. Somit ist Karasick zum nunmehr wichtigsten NWA-Promoter in Asien aufgestiegen. Er übernahm in den Anfangsjahren auch die Rolle eines Talent-Koordinators. Sein Einfluss war so stark, dass die JWA für die nächsten 20 Jahre ein wichtiger NWA-Partner wurde.
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Das Jahr 1953 brachte Riki dort hin zurück, wo die Karriere einst richtig begann, nach Hawaii. Im Rahmen eines 8 Mann Turniers fliegt er am 29.11.1953 auf den Inselstaat. Das besondere an diesem Turnier war, dass der Sieger eine Chance auf den NWA World Title bekam. Der einzige Titel mit einem Weltstatus in dieser Zeit. Der Koreaner schlug sich tapfer und heimste den Sieg ein. Nun stand die Tür zum World Champion offen. Der Kampf der Giganten sollte nicht mehr lange auf sich warten lassen. Im Honolulu Civic Auditorium traf Rikidozan am 06.12.1953 auf den NWA World Champion Lou Thesz. Es ging nun um den NWA World Title. Thesz sollte aber kein einfacher Gegner werden. Er war in vielerlei Hinsicht schwieriger, als viele andere Gegner des Koreaners. In der 43. Minute kam die Entscheidung, als Thesz den Piledriver anbringen konnte. Der Pin war nur noch Formsache. Thesz hatte den Titel erfolgreich verteidigt. Riki traf hier zum ersten Mal auf Lou Thesz. Aus dieser Begegnung heraus entstand eine Freundschaft fürs Leben.
Thesz spielte eine große Rolle während seiner Laufbahn. Es war wenn man so will, eine Freundschaft, die dem Wrestling insgesamt einen großen Aufschwung bescherte. Durch die verstärkte Präsenz an in den Titellisten stieg auch Rikis Bekanntheit an. Es war sowieso ohnehin ein Meilenstein, dass ein Japaner koreanischer Herkunft plötzlich so weit nach oben steigen konnte.
Mit der Gründung der JWA wurde Riki zu einem der reichsten Japaner. Er betätigte sich nun auch als Geschäftsmann. Zurück in Japan eröffnete er Hotels, Nachtclubs, Golfplätze und kaufte Grundstücke. Er gründete sogar eine Boxpromotion. Viele Wrestler und Freunde wirkten im Hintergrund mit, so dass sein Erfolg als größter japanischer Wrestler nicht nur der alleinige Schritt von einer Person gewesen ist. Bei der Gründung der JWA wirkte ein einflussreicher Mann mit, der aus dem Untergrund Japans agierte. Er war ein Boss der japanischen Mafia, Yakuza genannt, Nicola "Nick" Zapetti. Rikis Geschäfte brachten nicht nur Reichtum sondern förderten auch Kontakte in die Unterwelt. In jene Unterwelt Japans, die mit Drogen-und Waffenhandel sowie Morden und anderen grausamen Verbrechen in Verbindung gebracht wird.
Der Einfluss von Rikidozan in der Welt des Sports, eröffnete der Mafia natürlich mehr Möglichkeiten, in breiter Front verdeckt zu arbeiten. Zapetti wurde mehr oder weniger zum einem Freund. Die beste Adresse in Tokyo als Jazz Fan war in den 50er Jahren ohne Zweifel der "Club Riki". Obwohl sein Plan nicht gerade viel Zeit bot, war er selbst doch oft anwesend in den ganzen Nachtclubs und Bars. Dort wurde viel Alkohol konsumiert und ordentlich gefeiert. Die ganzen Lokale und Hotels seines Imperiums, sind mit der Zeit zu namhaften Orten in Tokyo und darüber hinaus aufgestiegen. Zu seinem Besitz zählten nun neben den Nachtclubs, Lokalen, Golfplätzen, der JWA und der Boxpromotion - auch Bordelle, Bowling Center und eine Touristenagentur. Selbst in Korea wirkte er mit seinem Geld. Dem damaligen Regierungschef von Nordkorea Kim Il Sung schenkte er eine Limosine. Doch die Karriere ging rasch weiter. Einen Stillstand konnte man sich in diesem Business nicht erlauben. 1954 wird das Wrestling im japanischen Fernsehen revolutioniert. Unter dem Banner der "All Japan Pro Wrestling Alliance-AJPW(A)" startet am 06.02.1954 eine zweitägige Show in Osaka mit der Bezeichung "Japan vs. US Puroresu Match". Hintermänner der Veranstaltung waren Toshio Yamaguchi und Kiyomikawa.
Einen Monat später am 14.03.1954 gründet Yamaguchi offiziell in Osaka die "All Japan Pro Wrestling Alliance". Die JWA zog zwei Wochen später nach und veranstaltete ab dem 19.02.1954 die ersten Shows innerhalb von drei Tagen. Die Meldung das Riki und seine Promotion im Fernsehen zu sehen sein werden, löste einen Ansturm auf Fernsehgeräte und öffentliche Plätze aus. Der Austragungsort war die altehrwürdige Sumo Halle "Kuramae Kokugikan". Den ersten Tag der Show übertrugen zwei Sender, NHK-Japan Broadcasting Corporation-the semi govermental broadcasting network und NTV-Nippon Television Network. Menschenmassen stürmten in die Halle und zehntausende verfolgten das Geschehen vor unzähligen Bildschirmen. Der Sender NTV überträgt allein den zweiten und dritten Tag der Show. Auf öffentlichen Plätzen werden zahlreiche Leinwände aufgestellt, für die Leute die zu Hause keinen Fernseher haben.
Der Andrang war so groß, dass Massen von Menschen in den Straßen standen, um ihren Nationalhelden zu bewundern. Besonders stark war das Interesse am ersten und dritten Tag der Show, am 19. und 21.02.1954, als an beiden Tagen jeweils ein gewaltiges Tag Team Match bevorstand. Diese wurden bereits im Vorfeld hoch beworben.
Die guten Japaner sollten nun antreten gegen die bösen Amerikaner. Die Bösen verkörperten zwei Muskelpakete aus der NWA die Sharpe Brüder, Ben und "Iron" Mike Sharpe. Ihre Gegner waren Riki und der legendäre Judoka Masahiko Kimura. Ihr Team trat hier unter den Namen "the judo devil" an. Die Sharpe Brüder, die NWA World Tag Team Champions, kamen am 17.02. auf den Inselstaat. Ben und Mike Sharpe waren allerdings mit gut 2 Metern nicht nur größer, sondern auch 50 Pfund schwerer als ihre Gegner. Ebenso in puncto Kraft sind sie überlegen gewesen. Doch das war kein Grund für Riki und Kimura, dieser Herausforderung aus dem Weg zu gehen. Nach dem Kampf am ersten Abend verlagerte sich das Interesse nun stark auf den Hauptkampf des dritten Abends. Es ging um den Titel. Die Sharpe Brüder nutzten die Gunst des Augenblicks, in dem der Ringrichter abgelenkt war. Sie traten, bissen und stachen Riki.
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Der Koreaner pushte sich allerdings wieder auf. Die Technik stand mehr auf der Seite von Riki und Kimura. Judoka Kimura zeigte sensationelle Aktionen, auch aus der Luft. Riki konterte gegen Ben und Mike mit dem Karate Chop. Die Brüder hielten jedoch standhaft dagegen, bis nach rund 45 Minuten, Riki im wilden Ansturm auf die Gegner los ging. Es hagelte Karate Chops und Sumoaktionen. Der eine Sharpe fiel dabei aus dem Ring. Für den anderen Bruder setzte es den Karate Chop und auch er stürzte zu Boden. Riki brachte den Pin durch und die Sensation war perfekt. Zum ersten Mal wurden die Amerikaner in einem großen Kampf in Japan besiegt. Die Menschen brachen in Jubelstürme aus. Der Titel wechselte trotz aller Freude über den geglückten Pin nicht.
Die NWA hatte offensichtlich den Verlauf des Kampfes bemängelt, als nur noch Karate- und Sumoaktionen gefallen sind. Im Nachhinein ist der Kampf als Unentschieden gewertet worden. In den Hintertüren der NWA und JWA sprach man die Strategie des Matches im Vorfeld sehr genau durch. Der Plan sah vor, dass die Sharpe Brüder alle nur erdenklichen Tricks und Aktionen einsetzen sollten. Der Ringrichter drehte sich absichtlich weg und die Zuschauer schimpften und buhten. Trotz dieser Absprachen hatte das Match etwas bewegt. Der Endpunkt zur vollkommenen Legende Rikidozans ist nun erreicht. Er wurde zum japanischen Symbol für den Aufstieg des Inselstaates. Experten und Historiker sagten auch Jahre danach noch, dass ist ein wichtiges Ereignis im Profisport Japans und Asiens gewesen. Auch die aufsteigende Wirtschaft Japans wurde durch den Sport gestärkt. Dieses Tag Team Match veränderte den asiatischen Wrestlingsport. Es waren die ersten richtigen Matches im japanischen Pro-Wrestling.
Die großen JWA Shows vom 19. bis 21.02.1954 wurden von Promoter Alexander Karasick organisiert. Er investierte 68.000 Dollar in das Programm, und löste somit einen unglaublichen Anreiz für noch mehr Shows aus. Karasick trat weiterhin als Talent-Förderer in Erscheinung und schickte namhafte Superstars nach Asien. Er promotete hier noch bis 1954 und gab Rikidozans JWA einen gewaltigen Anstoß. Karasick und Bruns waren am Anfang seine wichtigsten Handlanger. Ohne sie hätte ein so guter Start nie funktioniert.
Knapp zwei Monate nach Formierung der AJPW gründet Masahiko Kimura am 10.05.1954 in Kumamoto die "International Pro Wrestling Force"-IWE. Nach der JWA und AJPW ist nun die IWE die dritte Promotion in Japan an oberster Front. Kimura, vorher mehr ein Judoka, wurde durch Rikis Unterstützung zum Wrestler. Die erste große Fehde in der Karriere von Riki wurde für die kommenden Monate vorbereitet. Als neuer Tag Team Partner trat Koukichi Endo an seine Seite. Im Tag Team Match vom 08.08.1954 besiegten die beiden die Gegner Leo Newman und Gene Schnerbell. In einem sechs Mann Tag Team Match vom 29.08.1954 besiegten Riki, Endo und Kimura die Gegner Kenyo Shanahashi, Kokoshibi und Taonuri Shinata. Im nächsten Tag Team Match vom 10.09.1954 siegten Riki und Endo ebenfalls gegen Kokoshibi und Shinata. Doch waren das Matches die nicht unbedingt zu großen Erfolgssprüngen beitrugen.
Im Dezember 1954 schließlich konnte Riki den Japanese Heavyweight Title der JWA erringen. Im Vorfeld besiegte der japanische Megastar in einem Turnier den Wrestler King Kong. King Kong trat für Hong Kong an. In der Schlussrunde stürzte aber King Kong über Riki, der nun die Titelchance bekam. Es kam zum Match zwischen Riki und seinem Tag Team Partner Kimura. Im Vorfeld wurden einige Absprachen getätigt. Riki und Kimura einigten sich darauf, dass das Match im Unentschieden enden sollte. Doch genau das Gegenteil geschah. Riki hielt sich nicht an die Absprachen und stellte sich gegen Kimura. Der Kampf, der im Vorfeld groß beworben wurde, kam dann am 22.12.1954. Er entwickelte sich schnell zu einem technischen Gemenge. Nach 4 Karate Chops gegen Kimura konterte dieser mit dem waistlock und beförderte Riki aus der Ringecke. Der drehte das Ganze aber wieder um und ließ einen Fußtritt in Kimuras Leistengegend folgen.
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Es entwickelte sich ein blutiger Fight als Kimura einige harte Schläge und Tritte gegen den Kopf ab bekam. Der Tritt ging genau ins Gesicht. Riki setzte nach und trat erneut zu. Das Ende nahte, als der Ringrichter den völlig erschöpften Kimura mit dem 10 Count auszählte. Somit wurde Riki zum Sieger erklärt und erster japanischer Champion im Schwergewicht. Riki blieb der einzige Träger dieses neu eingeführten Titels. Nach dem Kampf gegen Thesz 1958 wurde er eingestellt. Der blutige Fight schockierte auch die Fans und Zuschauer. Kimura wies in seiner späteren Biographie eindeutig darauf hin, dass Riki sich nicht an die Absprachen hielt und im Kampf shootete.
Die erste Titelverteidigung stand am 26.01.1955 vor der Tür. Doch sein Gegner Toshio Yamaguchi von der AJPW musste eine Niederlage einstecken. Der Titel blieb beim japanischen Nationalhelden. Und das noch für einige Zeit.
