Themabewertung:
  • 0 Bewertung(en) - 0 im Durchschnitt
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
Der "Madison Square Garden" - Zwischen Zirkusleben und Industriealisierung
#1
Der "Madison Square Garden" - Zwischen Zirkusleben und Industriealisierung

Die Geschichte der berühmtesten Sportarena bis 1925

Dass sich New York schon früh als Wrestling-Treffpunkt etablieren konnte, lag nicht zuletzt auch an den etlichen Matches, die man im "Madison Square Garden (MSG)" veranstaltete. Viele dieser Matches zogen eine breite Masse von show- und sensationslustigen Menschen an. Obwohl sich später in New York die Boxszene etablierte, standen bereits im 19. Jahrhundert einige Wrestling-Matches auf dem Programm. Es ist die Geschichte einer Halle, die Amerikas Sportwelt prägte, wie keine andere. Man nennt sie einfach nur "Garden". Der Abschnitt an der 50. und 51. Straße ist seit jeher ein Treffpunkt von Champions aus aller Welt gewesen. Hier betraten Boxer, Wrestler, Eishockeyspieler und Zirkusartisten - die Bretter, die die Welt bedeuteten. Vom einfachen Zirkusbau im 19.Jh. bis zur modernen Veranstaltungshalle im 20. Jh., hat dieser Ort alle Epochen des gesellschaftlichen Lebens hinter sich gelassen. Auf der Suche nach Geld, Ruhm und Erfolg eröffnete oder versperrte der MSG den Weg nach oben. Seit dem die Amerikaner das Professional Wrestling kennen, solange ist auch der Garden ein ständiger Wegbegleiter gewesen. Bis zur "berühmtesten Sportarena der Welt" war es ein weiter und steiniger Weg. Die damaligen Veranstalter erkannten schnell, wie gut sich Sensationen verkaufen ließen. Am Anfang stand lediglich eine Show, bestehend aus Wagenrennen und Tierwettläufen. Mitte des 19.Jh. war man noch weit von einer Profession entfernt.

Auf der heute dichtbebauten Landzunge Manhattans befand sich damals ein Park, benannt nach dem ehemaligen Präsidenten James Madison. Im "Madison Park", wo später die 26. Straße entlanglief, gab es bereits diverse Schaustellungen unter freiem Himmel. 1853 veranstaltete hier ein Italo-Amerikaner namens Franconi griechisch-römische Spiele. Die Hauptattraktion war nicht etwa das Wagenrennen, sondern ein Wettlauf mit Straußen. Franconis Shows hatten eine aufsehenerregende Wirkung erzielt. Sie bildeten die Zugnummer. 20 Jahre später wurde hier ein großes Gebäude errichtet, das den Grundstein für alle nachfolgenden Bauten legte. Nach 1865 erlebte Amerika einen unaufhaltsamen wirtschaftlichen Aufschwung. Die Wirtschafts- und Finanzkraft verschob sich von Europa in Richtung Nordamerika. Erst jetzt, nach dem Bürgerkrieg, sind die Vereinigten Staaten wirklich vereint. Für den wachsenden Einfluss in der Show- und Unterhaltungswelt brauchte man geschäftstüchtige Unternehmer. Die Zeit der sog. "Gaslicht Ära" ist angebrochen. In New York entsteht langsam eine Szene aus Clubs, Bars, Lokalen und Theatern. Allabendlich erschien die feine Gesellschaft und bewunderte die Attraktionen. Diese konnten mitunter groteske Formen annehmen. Aus den ganzen Programmvorstellungen ist ein lukratives Geschäft geworden. Die Geschäftsleute und Unternehmer bauten ihr Imperium immer weiter aus. Die so entstandene Unterhaltungsbranche war weit über New Yorks Grenzen hinweg bekannt. Einige Orte stachen dabei besonders hervor. Sie bestimmten lange das Nachtleben im Big Apple. Menschenschlangen drängten in die Theater von Harry Hill, in der Houston und Crosby Street. Hill, selbst Veranstalter diverser Box- und Wrestlingveranstaltungen, trat ebenfalls als Ringrichter in Erscheinung. Sein "Harry Hills Club" zählte zu den bekanntesten Szene-Clubs im späten 19.Jh.. Hier trainierten auch Boxer und Wrestlinggrößen. Die Hallen wurden durch Gaslicht erhellt. Das Beheizen mit Gas verschlang Unsummen, die kaum durch die Einnahmen gedeckt werden konnten. Das gelang höchstens manchem Großunternehmer wie Hill. Thomas Alva Edison präsentierte eine seiner ersten elektrischen Anlagen in der "Electric Light Hall" von Hill. 1879 erfand er die Kohlefadenglühlampe. Die primitive "Gaslicht Ära" ging ihrem Ende zu. Weitere bekannte Treffpunkte der Sportwelt waren Owney Geoghegans "Bastill on the Bowery", The Allens "Bal Malille" in der Bleecker Street und schließlich das Gebäude eines fanatischen Zirkusexperten Ecke 26. Straße/Madison Avenue. Hier schien man alle Rekorde zu brechen. Zirkusvorstellungen, Konzerte oder andere Kuriositäten erzeugten ein buntes Programm.

[Bild: http://www.wwf4ever.de/team/ronald/MSG1.jpg]
Phineas Taylor Barnum
Größter amerikanischer Zirkuspionier des 19.Jh.

Der 1879 eröffnete erste MSG hatte ursprünglich zwei Vorgängerhallen. Er befand sich an der 26. Straße nahe der Madison Avenue. Im Eisenbahnzeitalter vergrößerte sich das Schienennetz New Yorks. Früher stand hier eine Bahnstation der Strecke New York-Harlem ("Harlem Railroad Depot"). Mit zunehmender Industriealisierung verlor das Gelände an Bedeutung. 1871 wurde diese Station zur dann errichteten "Grand Central Station" verlagert. Um das Gelände nicht verfallen zu lassen, verkaufte man es schließlich an den amerikanischen Zirkuspionier Phineas Taylor Barnum. Dieser baute das Eisenbahn-Depot zur Vergnügungshalle um und nannte es Barnums "Monster Classical and Geological Hippodrome" ("The Great Roman Hippodrome"). Am 27.04.1874 eröffnete die neue Sensation offiziell ihre Pforten. In der ersten Vorgängerhalle veranstaltete Barnum Zirkusprogramme, die zu wahren Zugnummern aufstiegen. Neben Konzerten waren auch Buffalo Bills "Wild West Shows" und Veranstaltungen mit dem berühmten Souix Chief "Sitting Bull" beliebt. Beinahe jeden Abend sorgte das für ausverkaufte Ränge. Barnum war Hauptverantwortlicher für diese rasanten Entwicklungen. Er gehörte zu den ersten Menschen, die die amerikanische Zirkus - Artisten - Schausteller - und Unterhaltungsszene von Grund auf revolutionierten. 1841 übernahm er das New Yorker "American Museum". Binnen weniger Jahre entstand so eines der größten Unterhaltungsspektakel des 19.Jh.. Ein Vorteil war, dass das Publikum schon durch kleine Shows angezogen wurde. Später sah das ja bekanntlich anders aus. Auch in Barnums Hippodrome hat die Schaustellung von Abnormitäten begonnen.

Neben den Jahrmarktsbuden und dem Zirkus waren in Amerika die "Dime"-Museen Orte, wo man Menschen und Tiere mit Abnormitäten bestaunen konnte. Also körperliche Missbildungen durch Krankheit oder Vererbung bedingt. Durch Zahlung eines entsprechenden Entgeldes bestand die Möglichkeit allerlei "Sensationen" zu bewundern. Das berühmteste "Dime"-Museum war Barnums "American Museum", das 1842 seine Pforten öffnete. Riesen, Zwerge, Bartfrauen, Doppelmenschen, Haarmenschen, Albinos, Arm- und Beinlose, Rumpfmenschen, Kolossalmenschen, Haut- und Knochenmenschen oder Vogelköpfe - präsentierten dabei artistische Nummern oder Fertigkeiten. Es klingt heute wie Hohn - Barnum aber machte damit kräftig Kasse. Mitunter reichte schon die plumpe Zurschaustellung. Oft wurde dadurch nur die Sensationslust der Zuschauer befriedigt. Besondere Anziehungspunkte waren Kolossalmenschen, die artistische Nummern oder ungewöhnliche Kraftvorführungen präsentierten. Ob professionell oder unfreiwillig - man konnte als übergroßer oder übergewichtiger Mensch gutes Geld verdienen.

[Bild: http://www.wwf4ever.de/team/ronald/MSG2.jpg]
William Henry Vanderbilt

Barnum profitierte damals davon, dass einige Finanzmagnaten ihr Kapital in den Eisenbahnbau investierten. So wurde die Wirtschaft enorm angekurbelt, was freilich auch mit einer kulturellen Blüte einherging. Einer dieser Finanziers war der Multimillionär Cornelius Vanderbilt, Spitzname "Schiffs- und Eisenbahnkönig". Am Ende seines Lebens verfügte Vanderbilt über ca. 100 Millionen Dollar, die er sich u.a. mit dem Betrieb wichtiger Eisenbahnlinien verdiente. Ein für damalige Verhältnisse riesiges Vermögen. Zu seinem Unternehmen gehörte auch die New York Central Railroad. Auf dem Bildungssektor finanzierte Vanderbilt Universitäten und förderte ebenfalls Barnums Vorhaben. Er hielt als Eigentümer der Eisenbahngrundstücke Anteile am Roman Hippodrome.

1875 hielt die berühmte Militärkapelle unter der Leitung von Patrick S. Gilmore Einzug in Barnums Hallenbau. Sie spielte oft das bekannte Stück: "When Johnny Comes Marching Home". Im darauf folgenden Jahr 1876 wird die Halle in eine Freilichtarena umfunktioniert. Zu Ehren des Kapellmeisters heißt dieser Komplex fortan "Gilmore's Garden". Barnum vermietete die Halle an Gilmore, der seinerseits neue Veranstaltungen ausrichtete. Dazu zählten etwa Schönheitswettbewerbe, Kirchenfeste, Tanzbälle, Blumenausstellungen und 1877 erstmals die "First Annual New York Bench Show". Eine Hunde-Show, welche noch heute als "Westminster Kennel Show" existiert. Unter Gilmore kamen schließlich Boxkämpfe in den Garden. Durch gesetzliche Einschränkungen musste er diese jedoch als "exhibitions" oder "illustrated lectures" ankündigen. Boxen brachte zwar regelmäßige Einnahmen, aber die Hallenmiete konnte Gilmore davon trotzdem bald nicht mehr bezahlen. So erschien neben Barnum ein neuer Hallenbetreiber namens William M. Tileston. Er veranstaltete Tennis, Reitturniere und Ice Carnival. Darüber hinaus begann im gleichen Zeitraum die Ära von Wrestling-Shows in Gilmore's Garden.

Der erste "Wrestling-Star" hier war ein ehemaliger Polizist aus Belfast (New York) namens William Muldoon. Am 13.05.1879 besiegte er die franz. Ringerlegende Theobaud Bauer. Binnen weniger Jahre wurde auch dieser Platz zu klein. Daraufhin wird die zweite Vorgängerhalle umgebaut. Auf Betreiben von Barnum und William Henry Vanderbilt, konnten die Zuschauer am 31.05.1879 den ersten MSG eröffnen. Vanderbilt benannte die Halle von Gilmore's Garden in "Madison Square Garden" um. Auch er fungierte noch als Zirkusarena. Seine Ausrichtung, in Form des ursprünglichen Entwurfs, richtete sich nach dem Radsport. Für die Sportler im Spur-Radfahren. Bei der Eröffnungsgala erschienen Tausende Menschen, vor allem aus der New Yorker Prominentenszene. Man spielte volkstümliche Musik, Märsche und tanzte Ballett. Nach dem Tod seines Vaters Cornelius Vanderbilt, investierte William so viel Kapital in den MSG, dass er dessen Eigentümer wurde. Die Zirkusprogramme brachten noch eine Zeit lang gesicherte Einnahmen. Sie gerieten aber allmählich außer Mode. Um eine Schieflage bei den Einnahmen zu verhindern, setzten die Betreiber immer öfters auf Box- und Wrestlingveranstaltungen.

Acht Monate nach Eröffnung kamen rund 3000 Zuschauer, um die "Weltmeisterschaft im griechisch-römischen Stil" zu sehen. So jedenfalls wurde es offiziell verlautet. Veranstalter war die New Yorker "Police Gazette". Eine Zeitung, welche oft Meisterschaften im Wrestling ausschrieb. Am 19.01.1880 besiegte Muldoon seinen Rivalen Bauer ein weiteres Mal. Es ist eines von sehr wenigen Matches im frühen Profisport gewesen. Obwohl man unter Profisport noch etwas anderes verstand, als 20 Jahre später. Kurz danach ernennt Richard Kyle Fox, Chefredakteur der Police Gazette, Muldoon zum ersten amerikanischen Champion im griechisch - römischen Stil. Eigentlich ging es um die Krone des "American Greco-Roman Title". Die Amerikaner gingen noch weiter und verkündeten, es handele sich um eine "Weltmeisterschaft". Muldoon sei also kein landesweiter sondern ein weltweiter Champion. Das sah man in Europa etwas anders. Auch hier gab es gleich mehrere Champions. Erst ein viertel Jahrhundert später hatte das Wrestling mit George Hackenschmidt den Weltmeister gefunden.

[Bild: http://www.wwf4ever.de/team/ronald/MSG3.jpg]
William Muldoon

[Bild: http://www.wwf4ever.de/team/ronald/MSG4.jpg]
John Lawrence Sullivan

Um 1880 gab es zunehmend mehr Kämpfe, die vom Freien in die neugebauten Hallen verlagert wurden. Auch im Wrestling hat die Gründerzeit begonnen. Neben Muldoon trat ein damals bekannter Engländer im MSG auf. Sein Name war Joe Acton. Er beherrschte schon den in Nordamerika relativ unbekannten Freistil aus England. Solche Einwanderer wie Acton, Edwin Bibby oder Tom Cannon konnten im Wrestling Nordamerikas einiges bewegen. Am 07.08.1882 kämpfte Acton im MSG gegen seinen alten Kontrahenten Edwin Bibby. Bibby, ebenfalls ein Champion aus England, verlor eindeutig. Es ist schon eine längere Geschichte zwischen beiden gewesen. Am 18.12.1882 kämpfte Acton gegen den unberechenbaren Chlarence Whistler aus Indiana. Die hohe Prämie von 1000 Dollar bekam trotzdem keiner. Nach langen 107 Minuten endete das Treffen im MSG mit einem Unentschieden. Whistler war bekannt für seine harte und rigerose Gangart. Mit dem Champion Muldoon lieferte er sich Kämpfe, die 7 und 8 Stunden dauerten.

Der wirtschaftliche Aufschwung zog derweilen immer breitere Bahnen. Langsam verabschiedete sich das Zirkusleben und man rutschte ins Zeitalter der Industriealisierung. Unablässig hält die Einwanderungswelle aus Europa an. Willkommen im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Deutsche, Engländer, Ukrainer, Polen, Russen, Iren, Griechen, Italiener, Franzosen - sie bilden das zukünftige Amerika. Das neue Amerika - wo alles größer, schöner und schneller sein musste - als in Europa. Im aufkommenden Industriezeitalter veränderte sich die gesellschaftliche Struktur New Yorks. Das Zeitalter der Mechanisierung und Automatisierung machte auch vor dem MSG nicht halt. Große Opernhäuser und Konzertsäle waren längst keine europäische Erscheinung mehr.

1882 erschien im MSG Amerikas erster Box-Weltmeister John Lawrence Sullivan. Bei einem vier Runden Kampf gewann Sullivan den blauen Weltmeisterschaftsgürtel. Im Juli 1882 stimmte er einer Serie von Boxkämpfen zu, die dem MSG Tausende von Zuschauern für die nächsten Jahre sicherte. Im gleichen Jahr kehrte Barnum von einer Reise aus England zurück und präsentierte den Elefanten "Jumbo". Er kaufte ihn für 10.000 Dollar von einem Londoner Zoo. An vier Veranstaltungstagen refinanzierte sich seine Investition und er machte noch 30.000 Dollar Gewinn, wovon die Transportkosten per Schiff bezahlt wurden.
Zitieren


Nachrichten in diesem Thema
Der "Madison Square Garden" - Zwischen Zirkusleben und Industriealisierung - von The Crusher - 05.06.2009, 13:48
[Kein Betreff] - von The Crusher - 05.06.2009, 13:54

Möglicherweise verwandte Themen…
Thema Verfasser Antworten Ansichten Letzter Beitrag
  SHIMMER Steckbrief: Madison Eagles Mankira 4 1.777 24.09.2011, 17:05
Letzter Beitrag: Mankira
  TNA Steckbrief: Madison Rayne Mephisto 8 3.828 27.02.2011, 17:15
Letzter Beitrag: Misawa~
  Madison Square Garden - kurze Übersicht The Crusher 0 617 29.03.2010, 16:18
Letzter Beitrag: The Crusher
  1949: Neustart des Wrestlings im Madison Square Garden The Crusher 3 1.231 20.03.2009, 23:35
Letzter Beitrag: Adrian Adonis
  Ich habs geschafft/Official Madison Video Nefercheperur 3 780 11.12.2003, 13:16
Letzter Beitrag: Nefercheperur

Gehe zu:


Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: 1 Gast/Gäste