05.06.2009, 13:54
1888 startete der erste "indoor track and field event", eine Leichtathletik-Show, womit erneut eine breite Zuschauerschicht hier her fand. Durchweg waren die 1880er Jahre sehr provitabel gewesen. Aber die Konkurrenz im Unterhaltungssektor ist mit der Zeit kräftig gestiegen. Man baute vor allem auf Veranstaltungen, die im Garden keine Lobby fanden. Ende 1888 war dann absehbar, das der alte Garden endgültig ausgedient hatte. Die Sportveranstaltungen zogen immer größere Menschenmassen an. Daher reichte der zur Verfügung stehende Raum kaum noch aus. Der erste MSG wurde schließlich abgerissen. Der Finanzmagnat John Pierpont Morgan übernahm den Vorsitz einer eigens gegründeten Gesellschaft, die mit dem Neubau beauftragt wurde. Zu dieser Gesellschaft gehörte auch Architekt Stanford White. White baute ab Juli 1889 den zweiten MSG im Renaissancestil am gleichen Ort, wo die alte Halle stand. Ein zeitgenössischer Bericht schwärmte: "Die herrliche Struktur im Renaissancestil, die von Türmen gleich jener der Giralda von Sevilla geschmückt war." Das Gebäude war nun erheblich größer und bot Platz für 8000 Zuschauer. Bei größeren Veranstaltungen passten jedoch dank der Bodenfläche noch mehr Menschen hinein. Wer durch Manhattan ging, konnte diese Halle gar nicht übersehen. Auf dem Dach ragte ein ca. 100m hoher Glockenturm empor. Geschmückt wurde dieser mit einer vergoldeten Bronzestatur der Göttin Diana. Am 16.06.1890 wurde der zweite Garden offiziell eröffnet.
Drei Jahrzehnte lang bestimmte der zweite MSG New Yorks Sportgeschichte. So kamen immer mehr Veranstalter, die jetzt ihren Kommerz kräftig steigern wollten. Es ist ein Kommen und Gehen von Stars gewesen, wie es New Yorks Unterhaltungsszene noch nie gesehen hatte. "Willkommen in Stanford Whites MSG" - hieß es 1892 für die damals berühmte Adelina Patti. Inmitten brausender Ovationen wurde sie gefeiert wie ein Weltstar. Sie war wohl Italiens bekannteste Opernsängerin im späten 19.Jh.. Außerdem kassierte Patti die höchsten Gagen. Das Haus war schlichtweg ausverkauft, wenn sie bei Auftritten gastierte. Weitere Showsensationen kamen in Mode. Teilweise fand man sie auch im dritten Garden wieder. Am meisten interessierten Sechstagerennen und Reitturniere. Vor dem ersten Weltkrieg waren Radrennen in New York enorm populär. Weiterhin liefen auch die einst so beliebten Zirkusprogramme. Zwar war Barnums Ära längst Geschichte, aber darauf wollte man nicht ganz verzichten.
[Bild: http://www.wwf4ever.de/team/ronald/MSG5.jpg]
Tom Jenkins
[Bild: http://www.wwf4ever.de/team/ronald/MSG6.JPG]
George Hackenschmidt
Auch im Boxen verzeichnete man kontinuierliche Zuwächse. Sullivan, Corbett, Dempsey, Tunney, Louis, Johnson, Monte, Sekyra, Corri, Risko, Schmeling - alles Stars, die durch Shows im MSG ihren Weltruhm begründeten. 1892 verlor Sullivan seinen Titel an James Jim Corbett. Der konnte ihn dreimal bis 1897 verteidigen - und am 14.09.1892 verabschiedeten tausende Boxfans ihren einstigen Weltmeister Sullivan, der seine Karriere beendete. 10 Jahre lang war er Amerikas Boxer Nr.1. Am 17.03.1897 stand der blaue Weltmeisterschaftsgürtel erneut auf dem Spiel: Titelverteidiger Corbett verlor gegen Bob Fitzsimmons. Klar, dass man diesen Kampf im Garden veranstaltete. Sullivan kämpfte noch in der "blanken-Knöchel" Periode des Boxens. Das bedeutete keine Boxhandschuhe und mitunter dramatische Kampfverläufe. Obwohl Wrestling zu dieser Zeit ein harter Mattensport war, gab es weit mehr Todesopfer im Boxen. Erst durch die sog. "Queensberry-Regeln" von 1867 erfuhr auch der Boxsport seine entscheidene Wende. Auf Veranlassung des achten Markgrafen von Queensberry, John Sholto Douglas, wurde das Tragen von gepolsterten Boxhandschuhen vorgeschrieben.
Wrestling-Pionier William Muldoon bildete in New York eine Ringertruppe, in der auch Boxer wie Sullivan trainierten. Große Bekanntheit erlangte Muldoons Gesundheitsfarm vor den Toren New Yorks. Hier sah man wohl die bekanntesten Sportler jener Zeit. Es gab damals nur zwei amerikanische Sportheros - Sullivan und Muldoon. Letzterer wurde später Vorsitzender der "New York State Athletic Commission". Bis zu seinem Tode im Jahre 1933, beeinflusste er Amerikas Box- und Wrestlingszene. Nach über 50 Jahren hinter den Kulissen, ging "The Grand Old Man of Boxing" in die Geschichte des Sports ein. Die ersten Box- und Wrestlingstars im MSG trugen seine Unterschrift.
[Bild: http://www.wwf4ever.de/team/ronald/MSG7.jpg]
Zur Jahrhundertwende verzeichnete der MSG einen Anstieg bei den Sportveranstaltungen. Kulturelle und künstlerische Darbietungen rundeten das Sportprogramm ab. Das 20. Jahrhundert hat begonnen. New Yorks Unterhaltungsszene wächst rasanter wie niemals zurvor. Bald sind die größten Reichtühmer in amerikanischer Hand. Es dauerte keine 50 Jahre, bis sich die USA zur ersten Wirtschaftsmacht entwickelten. Neben Paris, London und Berlin - rutschte auch New York als Finanz-, Industrie-, Kunst- und Modemetropole an die Weltspitze.
Mit der Jahrhundertwende kam das Automobil in den Garden. 1900 eröffnet Amerikas erste Nationale Auto Show ihre Pforten, und Vizepräsident Theodore Roosevelt hält seine kämpferischen Reden. Am 14.09.1901 starb US-Präsident William McKinley nach einem Attentat. Nachfolger wird der 42jährige Theodore Roosevelt. Es waren auch die Reden im MSG, welche zum Wahlsieg verholfen haben.
Nach Vorkämpfen der Wrestler Conhardt, Kramer, Kreig, Bothner und Griffin - kommt es zwischen Paul Pons und Ernst Roeber am 06.02.1901 zum Unentschieden. Alleine die Besetzung dieses Matches war schon grandios. Frankreichs Legende Paul Pons gegen Muldoons Schüler Ernst Roeber. Am 09.07.1901 verlor Bob Fitzsimmons gegen Gus Ruhlin in einem Match nach Wrestling-Regeln. Beide waren mal Boxer. In Amerika wird zeitweise ein umfassendes Boxverbot erlassen. Zunächst steigt daher das Interesse am Wrestling. Viele berühmte Boxer wie Tom Sharkey wechseln zeitweise ins Wrestler-Lager. Dadurch schwächt sich die Boxszene im MSG ab. Erst mit dem Erscheinen des Promoters Tex Rickard flammte New Yorks Faustkampfszene wieder richtig auf.
Am 04.05.1905 erlebte der Garden seinen bisher wichtigsten Wrestlingkampf. Weltmeister George Hackenschmidt besiegt US-Champion Tom Jenkins. Hackenschmidt wird erster "World Heavyweight Champion" von Nordamerika und Europa.
[Bild: http://www.wwf4ever.de/team/ronald/MSG8.jpg]
Stanford White
Um kuriose Ereignisse kam "die berühmteste Sportarena" auch nicht herum. 5000 Bienen entkamen während einer Ausstellung und mussten erst mühsam eingefangen werden.
Architekt Stanford White starb am 25.06.1906 nach einem Mordanschlag im Dach-Restaurant des Gardens. Harry K. Thaw erschien plötzlich am Tisch von White, zog einen Revolver und schoss ihm dreimal in den Kopf. Der Attentäter wurde aufgrund einer Geisteskrankheit für unschuldig befunden. White starb in seinen eigenen entworfenen vier Wänden.
Viele Boxfans kamen dann wieder am 25.03.1916. Heavyweight Champion Jess Willard verteidigt seinen Titel gegen Herausforderer Frank Moran. Mit 152.000 Dollar erzielte man einen neuen Einnahmerekord. Nach Ende des ersten Weltkrieges kamen immer mehr Sportler. 1919 zog Amerikas erfolgreichster Box-Promoter, der unter permanenter Atemnot leidende Georg Lewis "Tex" Rickard, in den zweiten MSG ein. Alle größeren Box-Meisterschaften wurden nun hier veranstaltet. Für Rickard erschienen Wrestlingkämpfe nicht lukrativ genug. Sie blieben deshalb außen vor. Die Wrestlingszene New Yorks verlagerte sich stattdessen in zahlreiche kleinere Clubs, über die Promoter Joseph "Toots" Mondt wachte. Rickard hatte mit den New Yorker Promotern Mondt, Curley und Fabiani so seine Probleme. Er war sogar ein Gegner des "Professional Wrestling" und befürchtete eine zu starke Konkurrenz für das Boxen. Das war der Hauptgrund warum Wrestlingkämpfe im dritten Garden erst im Jahre 1949 wieder verstärkt auftauchten. Auch Rickards Partner Mike Jacobs war ein starker Befürworter des Boxens. Unter Rickard entwickeln sich Boxkämpfe und Eishockeyspiele zu Kassenschlagern. Im zweiten Garden gab es dann noch ein paar größere Wrestlingkämpfe. Earl Caddock verliert seinen World Title am 30.01.1920 an Joe Stecher. Am 06.02.1922 verteidigt Weltmeister Stanislaus Zbyszko seinen Titel gegen Herausforderer Earl Caddock. Rickards Boxkämpfe brachten allerdings mehr Einnahmen. Am 14.12.1920 siegt sein Schützling Jack Dempsey über Bill Brennan und am 14.01.1921 bezwingt Benny Leonard seinen Gegner Richie Mitchell. Leonard, Weltmeister im Leichtgewicht, verteidigte zum vierten Mal seinen Titel.
Der alte Garden erlebte aber nochmal die Rückkehr des Zirkuslebens. Im Jahre 1919 debütierte hier der Zirkus "Ringling Bros. and Barnum & Bailey". Selbst im dritten Garden waren Zirkusprogramme unerlässlich. Sogar die populären Eishockeyspiele mussten manchmal zeitlich versetzt werden. Das einstige Erbe Barnums kehrte zurück.
Nach drei Jahrzehnten wurde schließlich über das weitere Schicksal des zweiten Gardens entschieden. Rickard hielt auch im Wrestling eine Lizenz. Diese verlor er aber Ende 1923. Im Streit mit dem Wrestlingpromoter Jack Curley zog er den kürzeren. Allerdings war seine Macht im Boxgeschäft noch nicht gebrochen. 1924 kommt es zur Auseinandersetzung zwischen Rickard und der "New York Life Insurance Company". Eigentlich wollte Rickard das Boxgeschäft hier weiter ausbauen. Die Lebensversicherungsgesellschaft, welche eine Hypothek auf dem Grundstück hielt, wollte das Gebäude abreißen lassen. Auf der Mitgliederversammlung im gleichen Jahr wird schließlich mehrheitlich ein Abriss beschlossen. Beim letzten Boxkampf am 05.05.1925 besiegte Sid Terris den ehemaligen Junior-Leichtgewichtschampion Johnny Dundee. Danach wird der zweite Garden abgerissen.
[Bild: http://www.wwf4ever.de/team/ronald/MSG9.jpg]
Als Standort für den dritten Garden wählte Rickard einen Platz, welcher etwas nördlicher Richtung Westside lag. Rechtzeitig sicherte er sich die Rechte für die Austragung von Boxkämpfen. Eine bankrott gegangene Eisenbahngesellschaft verkaufte ihr Grundstück an der 50. Straße/Ecke 8th Avenue. Rickard und einige Finanzmagnaten kauften das Grundstück, vor allem wegen seiner günstigen Lage im Theater Bezirk. Innerhalb von 249 Tagen entstand hier ein riesiger unansehnlicher Rechteckbau. Der dritte Garden ging als "Mekka des Boxens" in die Geschichte ein. Schillernder Star schlechthin war Jack Dempsey. Beim Event zur Box-Meisterschaft im Halbschwergewicht zwischen Jack Delaney und Paul Berlenbach kamen am 11.12.1925 tausende Zuschauer. Bei der offiziellen Eröffnung am 15.12.1925 erlebten 17000 begeisterte Sportfans das erste professionelle Eishockeyspiel, das in New York durchgeführt wurde. Inzwischen sind es tausende geworden. Insgesamt kostete diese Halle 5,6 Millionen Dollar. Scherzhaft nannte man sie auch "The House that Tex built". Der Boden ließ sich in 10 Stunden in ein Eishockeyfeld umwandeln. Neben Boxkämpfen waren Reitturniere, Eishockeyspiele und Basketball populäre Veranstaltungen. An Rickards Seite war mittlerweile ein weiterer Konzert- und Boxpromoter namens Jess McMahon gerutscht. Eine Zeit lang war an Rickards Macht kaum zu rütteln. Aber nach der zweiten Weltmeisterschaftsbegegnung zwischen Jack Dempsey und James Joseph Tunney starb Tex Rickard unerwartet am 06.01.1929 im Alter von 59 Jahren. Nach einer Blinddarmoperation kam es zu schweren Komplikationen. Zur Beerdigung erschien eine riesige Menschenmenge. Kurze Zeit später hieß der neue Box-Gigant in New York, "Onkel Mike". Rickards alter Partner Mike Jacobs war jetzt Amerikas Boxpromoter Nr.1. Für lange Zeit konnte auch sein Monopol nicht gebrochen werden.
Ein Bericht von 1959 schwärmte über New Yorks Sportpalast so: "Ganz in der Nähe, an der 50. Straße, bleibt jedem Sportler die Spucke weg, denn hier liegt der Madison Square Garden: die berühmteste Sporthalle der Welt mit einem Fassungsvermögen von 20000 Menschen. Rolltreppen führen zu den Rängen, an den Längsseiten der Arena große Leuchttafeln und Stoppuhren, die ständig, in Sekundenschnelle, die Spielresulate und die Zeiten angeben. In der Umgebung leben alle Restaurants vom "Garden"."
[Bild: http://www.wwf4ever.de/team/ronald/MSG10.jpg][Bild: http://www.wwf4ever.de/team/ronald/MSG11.jpg]
Im Eingangsbereich sah man Fotos einstiger Boxgrößen wie Dempsey, Tunney, Louis und Schmeling. Wenn der riesige Rechteckbau zwischen der 50. und 51. Straße im Wolkenkratzerviertel Manhattans seine Pforten öffnete, dann war auf der 8th Avenue noch mal so viel Verkehr. Ein Gewoge und Gedränge herrschte im Eingangsbereich, wie es sonst keine andere Sportarena erlebte. Ja selbst das Züricher Hallen-Stadion, die Londoner Wembley-Halle oder Berlins alter Sportpalast konnten da nicht mithalten. Im Laufe seiner über 120jährigen Geschichte hat der MSG viele Facetten durchlebt. Zwischen Zirkusleben und Industriealisierung - jeder kam auf seine Kosten. Die großen Leuchtbuchstaben zeigten schon vom weitem, dass sich hier die Größen der Sportwelt trafen. Wenn die bunten Neonlichter der vielen Filmpaläste und Vergnügungs-Etablissements strahlten, ging das Nachtleben im Big Apple erst richtig los. Champions, Sänger, Entertainer - alles was Rang und Namen hatte traf sich im Garden. New Yorks feine Gesellschaft erschien in eleganter Abendkleidung. Wer hier überzeugen konnte, dem stand die Showbühne offen. Tausende Zuschauer füllten beinahe täglich das breitgefächerte Rahmenprogramm. Mit stehenden Ovationen feierte man die Stars des Show Business. Es war eine anziehende Atmosphäre, welche jeden packte, elektrisierte und mitriss. So - und nicht anders - ist es bis zum heutigen Tage geblieben.
Drei Jahrzehnte lang bestimmte der zweite MSG New Yorks Sportgeschichte. So kamen immer mehr Veranstalter, die jetzt ihren Kommerz kräftig steigern wollten. Es ist ein Kommen und Gehen von Stars gewesen, wie es New Yorks Unterhaltungsszene noch nie gesehen hatte. "Willkommen in Stanford Whites MSG" - hieß es 1892 für die damals berühmte Adelina Patti. Inmitten brausender Ovationen wurde sie gefeiert wie ein Weltstar. Sie war wohl Italiens bekannteste Opernsängerin im späten 19.Jh.. Außerdem kassierte Patti die höchsten Gagen. Das Haus war schlichtweg ausverkauft, wenn sie bei Auftritten gastierte. Weitere Showsensationen kamen in Mode. Teilweise fand man sie auch im dritten Garden wieder. Am meisten interessierten Sechstagerennen und Reitturniere. Vor dem ersten Weltkrieg waren Radrennen in New York enorm populär. Weiterhin liefen auch die einst so beliebten Zirkusprogramme. Zwar war Barnums Ära längst Geschichte, aber darauf wollte man nicht ganz verzichten.
[Bild: http://www.wwf4ever.de/team/ronald/MSG5.jpg]
Tom Jenkins
[Bild: http://www.wwf4ever.de/team/ronald/MSG6.JPG]
George Hackenschmidt
Auch im Boxen verzeichnete man kontinuierliche Zuwächse. Sullivan, Corbett, Dempsey, Tunney, Louis, Johnson, Monte, Sekyra, Corri, Risko, Schmeling - alles Stars, die durch Shows im MSG ihren Weltruhm begründeten. 1892 verlor Sullivan seinen Titel an James Jim Corbett. Der konnte ihn dreimal bis 1897 verteidigen - und am 14.09.1892 verabschiedeten tausende Boxfans ihren einstigen Weltmeister Sullivan, der seine Karriere beendete. 10 Jahre lang war er Amerikas Boxer Nr.1. Am 17.03.1897 stand der blaue Weltmeisterschaftsgürtel erneut auf dem Spiel: Titelverteidiger Corbett verlor gegen Bob Fitzsimmons. Klar, dass man diesen Kampf im Garden veranstaltete. Sullivan kämpfte noch in der "blanken-Knöchel" Periode des Boxens. Das bedeutete keine Boxhandschuhe und mitunter dramatische Kampfverläufe. Obwohl Wrestling zu dieser Zeit ein harter Mattensport war, gab es weit mehr Todesopfer im Boxen. Erst durch die sog. "Queensberry-Regeln" von 1867 erfuhr auch der Boxsport seine entscheidene Wende. Auf Veranlassung des achten Markgrafen von Queensberry, John Sholto Douglas, wurde das Tragen von gepolsterten Boxhandschuhen vorgeschrieben.
Wrestling-Pionier William Muldoon bildete in New York eine Ringertruppe, in der auch Boxer wie Sullivan trainierten. Große Bekanntheit erlangte Muldoons Gesundheitsfarm vor den Toren New Yorks. Hier sah man wohl die bekanntesten Sportler jener Zeit. Es gab damals nur zwei amerikanische Sportheros - Sullivan und Muldoon. Letzterer wurde später Vorsitzender der "New York State Athletic Commission". Bis zu seinem Tode im Jahre 1933, beeinflusste er Amerikas Box- und Wrestlingszene. Nach über 50 Jahren hinter den Kulissen, ging "The Grand Old Man of Boxing" in die Geschichte des Sports ein. Die ersten Box- und Wrestlingstars im MSG trugen seine Unterschrift.
[Bild: http://www.wwf4ever.de/team/ronald/MSG7.jpg]
Zur Jahrhundertwende verzeichnete der MSG einen Anstieg bei den Sportveranstaltungen. Kulturelle und künstlerische Darbietungen rundeten das Sportprogramm ab. Das 20. Jahrhundert hat begonnen. New Yorks Unterhaltungsszene wächst rasanter wie niemals zurvor. Bald sind die größten Reichtühmer in amerikanischer Hand. Es dauerte keine 50 Jahre, bis sich die USA zur ersten Wirtschaftsmacht entwickelten. Neben Paris, London und Berlin - rutschte auch New York als Finanz-, Industrie-, Kunst- und Modemetropole an die Weltspitze.
Mit der Jahrhundertwende kam das Automobil in den Garden. 1900 eröffnet Amerikas erste Nationale Auto Show ihre Pforten, und Vizepräsident Theodore Roosevelt hält seine kämpferischen Reden. Am 14.09.1901 starb US-Präsident William McKinley nach einem Attentat. Nachfolger wird der 42jährige Theodore Roosevelt. Es waren auch die Reden im MSG, welche zum Wahlsieg verholfen haben.
Nach Vorkämpfen der Wrestler Conhardt, Kramer, Kreig, Bothner und Griffin - kommt es zwischen Paul Pons und Ernst Roeber am 06.02.1901 zum Unentschieden. Alleine die Besetzung dieses Matches war schon grandios. Frankreichs Legende Paul Pons gegen Muldoons Schüler Ernst Roeber. Am 09.07.1901 verlor Bob Fitzsimmons gegen Gus Ruhlin in einem Match nach Wrestling-Regeln. Beide waren mal Boxer. In Amerika wird zeitweise ein umfassendes Boxverbot erlassen. Zunächst steigt daher das Interesse am Wrestling. Viele berühmte Boxer wie Tom Sharkey wechseln zeitweise ins Wrestler-Lager. Dadurch schwächt sich die Boxszene im MSG ab. Erst mit dem Erscheinen des Promoters Tex Rickard flammte New Yorks Faustkampfszene wieder richtig auf.
Am 04.05.1905 erlebte der Garden seinen bisher wichtigsten Wrestlingkampf. Weltmeister George Hackenschmidt besiegt US-Champion Tom Jenkins. Hackenschmidt wird erster "World Heavyweight Champion" von Nordamerika und Europa.
[Bild: http://www.wwf4ever.de/team/ronald/MSG8.jpg]
Stanford White
Um kuriose Ereignisse kam "die berühmteste Sportarena" auch nicht herum. 5000 Bienen entkamen während einer Ausstellung und mussten erst mühsam eingefangen werden.
Architekt Stanford White starb am 25.06.1906 nach einem Mordanschlag im Dach-Restaurant des Gardens. Harry K. Thaw erschien plötzlich am Tisch von White, zog einen Revolver und schoss ihm dreimal in den Kopf. Der Attentäter wurde aufgrund einer Geisteskrankheit für unschuldig befunden. White starb in seinen eigenen entworfenen vier Wänden.
Viele Boxfans kamen dann wieder am 25.03.1916. Heavyweight Champion Jess Willard verteidigt seinen Titel gegen Herausforderer Frank Moran. Mit 152.000 Dollar erzielte man einen neuen Einnahmerekord. Nach Ende des ersten Weltkrieges kamen immer mehr Sportler. 1919 zog Amerikas erfolgreichster Box-Promoter, der unter permanenter Atemnot leidende Georg Lewis "Tex" Rickard, in den zweiten MSG ein. Alle größeren Box-Meisterschaften wurden nun hier veranstaltet. Für Rickard erschienen Wrestlingkämpfe nicht lukrativ genug. Sie blieben deshalb außen vor. Die Wrestlingszene New Yorks verlagerte sich stattdessen in zahlreiche kleinere Clubs, über die Promoter Joseph "Toots" Mondt wachte. Rickard hatte mit den New Yorker Promotern Mondt, Curley und Fabiani so seine Probleme. Er war sogar ein Gegner des "Professional Wrestling" und befürchtete eine zu starke Konkurrenz für das Boxen. Das war der Hauptgrund warum Wrestlingkämpfe im dritten Garden erst im Jahre 1949 wieder verstärkt auftauchten. Auch Rickards Partner Mike Jacobs war ein starker Befürworter des Boxens. Unter Rickard entwickeln sich Boxkämpfe und Eishockeyspiele zu Kassenschlagern. Im zweiten Garden gab es dann noch ein paar größere Wrestlingkämpfe. Earl Caddock verliert seinen World Title am 30.01.1920 an Joe Stecher. Am 06.02.1922 verteidigt Weltmeister Stanislaus Zbyszko seinen Titel gegen Herausforderer Earl Caddock. Rickards Boxkämpfe brachten allerdings mehr Einnahmen. Am 14.12.1920 siegt sein Schützling Jack Dempsey über Bill Brennan und am 14.01.1921 bezwingt Benny Leonard seinen Gegner Richie Mitchell. Leonard, Weltmeister im Leichtgewicht, verteidigte zum vierten Mal seinen Titel.
Der alte Garden erlebte aber nochmal die Rückkehr des Zirkuslebens. Im Jahre 1919 debütierte hier der Zirkus "Ringling Bros. and Barnum & Bailey". Selbst im dritten Garden waren Zirkusprogramme unerlässlich. Sogar die populären Eishockeyspiele mussten manchmal zeitlich versetzt werden. Das einstige Erbe Barnums kehrte zurück.
Nach drei Jahrzehnten wurde schließlich über das weitere Schicksal des zweiten Gardens entschieden. Rickard hielt auch im Wrestling eine Lizenz. Diese verlor er aber Ende 1923. Im Streit mit dem Wrestlingpromoter Jack Curley zog er den kürzeren. Allerdings war seine Macht im Boxgeschäft noch nicht gebrochen. 1924 kommt es zur Auseinandersetzung zwischen Rickard und der "New York Life Insurance Company". Eigentlich wollte Rickard das Boxgeschäft hier weiter ausbauen. Die Lebensversicherungsgesellschaft, welche eine Hypothek auf dem Grundstück hielt, wollte das Gebäude abreißen lassen. Auf der Mitgliederversammlung im gleichen Jahr wird schließlich mehrheitlich ein Abriss beschlossen. Beim letzten Boxkampf am 05.05.1925 besiegte Sid Terris den ehemaligen Junior-Leichtgewichtschampion Johnny Dundee. Danach wird der zweite Garden abgerissen.
[Bild: http://www.wwf4ever.de/team/ronald/MSG9.jpg]
Als Standort für den dritten Garden wählte Rickard einen Platz, welcher etwas nördlicher Richtung Westside lag. Rechtzeitig sicherte er sich die Rechte für die Austragung von Boxkämpfen. Eine bankrott gegangene Eisenbahngesellschaft verkaufte ihr Grundstück an der 50. Straße/Ecke 8th Avenue. Rickard und einige Finanzmagnaten kauften das Grundstück, vor allem wegen seiner günstigen Lage im Theater Bezirk. Innerhalb von 249 Tagen entstand hier ein riesiger unansehnlicher Rechteckbau. Der dritte Garden ging als "Mekka des Boxens" in die Geschichte ein. Schillernder Star schlechthin war Jack Dempsey. Beim Event zur Box-Meisterschaft im Halbschwergewicht zwischen Jack Delaney und Paul Berlenbach kamen am 11.12.1925 tausende Zuschauer. Bei der offiziellen Eröffnung am 15.12.1925 erlebten 17000 begeisterte Sportfans das erste professionelle Eishockeyspiel, das in New York durchgeführt wurde. Inzwischen sind es tausende geworden. Insgesamt kostete diese Halle 5,6 Millionen Dollar. Scherzhaft nannte man sie auch "The House that Tex built". Der Boden ließ sich in 10 Stunden in ein Eishockeyfeld umwandeln. Neben Boxkämpfen waren Reitturniere, Eishockeyspiele und Basketball populäre Veranstaltungen. An Rickards Seite war mittlerweile ein weiterer Konzert- und Boxpromoter namens Jess McMahon gerutscht. Eine Zeit lang war an Rickards Macht kaum zu rütteln. Aber nach der zweiten Weltmeisterschaftsbegegnung zwischen Jack Dempsey und James Joseph Tunney starb Tex Rickard unerwartet am 06.01.1929 im Alter von 59 Jahren. Nach einer Blinddarmoperation kam es zu schweren Komplikationen. Zur Beerdigung erschien eine riesige Menschenmenge. Kurze Zeit später hieß der neue Box-Gigant in New York, "Onkel Mike". Rickards alter Partner Mike Jacobs war jetzt Amerikas Boxpromoter Nr.1. Für lange Zeit konnte auch sein Monopol nicht gebrochen werden.
Ein Bericht von 1959 schwärmte über New Yorks Sportpalast so: "Ganz in der Nähe, an der 50. Straße, bleibt jedem Sportler die Spucke weg, denn hier liegt der Madison Square Garden: die berühmteste Sporthalle der Welt mit einem Fassungsvermögen von 20000 Menschen. Rolltreppen führen zu den Rängen, an den Längsseiten der Arena große Leuchttafeln und Stoppuhren, die ständig, in Sekundenschnelle, die Spielresulate und die Zeiten angeben. In der Umgebung leben alle Restaurants vom "Garden"."
[Bild: http://www.wwf4ever.de/team/ronald/MSG10.jpg][Bild: http://www.wwf4ever.de/team/ronald/MSG11.jpg]
Im Eingangsbereich sah man Fotos einstiger Boxgrößen wie Dempsey, Tunney, Louis und Schmeling. Wenn der riesige Rechteckbau zwischen der 50. und 51. Straße im Wolkenkratzerviertel Manhattans seine Pforten öffnete, dann war auf der 8th Avenue noch mal so viel Verkehr. Ein Gewoge und Gedränge herrschte im Eingangsbereich, wie es sonst keine andere Sportarena erlebte. Ja selbst das Züricher Hallen-Stadion, die Londoner Wembley-Halle oder Berlins alter Sportpalast konnten da nicht mithalten. Im Laufe seiner über 120jährigen Geschichte hat der MSG viele Facetten durchlebt. Zwischen Zirkusleben und Industriealisierung - jeder kam auf seine Kosten. Die großen Leuchtbuchstaben zeigten schon vom weitem, dass sich hier die Größen der Sportwelt trafen. Wenn die bunten Neonlichter der vielen Filmpaläste und Vergnügungs-Etablissements strahlten, ging das Nachtleben im Big Apple erst richtig los. Champions, Sänger, Entertainer - alles was Rang und Namen hatte traf sich im Garden. New Yorks feine Gesellschaft erschien in eleganter Abendkleidung. Wer hier überzeugen konnte, dem stand die Showbühne offen. Tausende Zuschauer füllten beinahe täglich das breitgefächerte Rahmenprogramm. Mit stehenden Ovationen feierte man die Stars des Show Business. Es war eine anziehende Atmosphäre, welche jeden packte, elektrisierte und mitriss. So - und nicht anders - ist es bis zum heutigen Tage geblieben.
