15.07.2009, 20:00
Die großen Catcher-Skandale
Teil 1 - Zeltschlacht und Jugendverbot
In rund 50 Jahren Catch-Geschichte gab es viele glanzvolle Epochen, aber ebenso auch schwierige Zeiten, die manchmal das Ende einer Karriere bedeuten konnten. Von Zeltschlachten in den 50er Jahren über Veranstalter, die sich mit der Kasse aus dem Staub machten, ohne das Programm einzuhalten, bis hin zum Mordverdacht an einem Bremer Gastwirt - wie man sieht, steckt die Geschichte des Catchens voller unrühmlicher Geschichten. wwf4ever.de präsentiert euch an dieser Stelle, als erste Internetseite überhaupt, die genauen Hintergründe. Ältere Catch-Fans werden nun sicherlich in Erinnerungen schwelgen.
Mit dem Beginn des Catchens waren die ersten Skandale natürlich nicht weit entfernt. Sie nahmen solche Ausmaße an, dass sich Polizei, Ordnungsämter und Gerichte schon früh einschalteten. Hannover - die spätere "Welthauptstadt des Catchens" - erlebte so manche Zeltschlachten. 1953 wollte der Veranstalter Albert Rienas ein Turnier austragen, dass den Zugang von Jugendlichen unter 18 Jahren vorsah. Bereits vorher waren den Behörden solche Vorgänge ein Dorn im Auge. Das Ordnungsamt verweigerte Rienas die Austragung, worauf dieser Beschwerde vor Gericht einlegte. In München beschäftigte man sich in Rudolf Zurths Turnieren auch mit dem Zugang von Jugendlichen unter 18 Jahren. Gerichte und Ordnungsämter schickten Kommissionen. Diese kamen zu dem Ergebnis, dass Catch-Turniere auf Jugendliche verrohend wirken. Das Verwaltungsgericht Bremen lehnte Rienas Klage schließlich 1953 ab und erließ ein Jugendverbot für Catch-Turniere.
Im August 1953 erlebte Hannover eine Straßenschlacht vor dem Catcher-Zelt in der Nähe der Christuskirche. Sie sollte weitreichende Folgen haben. Für Anfang August plante Veranstalter Scheffler ein "Weltmeisterschaftsturnier" mit 30 Catchern. Nachdem es wenige Wochen vorher bereits eine Prügelei zwischen Polizisten und Besuchern gab, eskalierte die Situation erneut. Schefflers Turnier wurde zunächst bis zum 08. August genehmigt. Zwei Tage später standen jedoch wieder rund 1000 Besucher vor dem Zelt. Sie hatten ihre Eintrittskarten bezahlt und verlangten sofortigen Einlass. Das Ordnungsamt Hannover verbot die Veranstaltung, da die Genehmigung am 08. August ausgelaufen war. Daraufhin kam es zu einer dreistündigen Straßenschlacht zwischen Besuchern, Catchern und Polizisten. Einer ganzen Polizeihundertschaft gelang es nicht, die wütende Menge zu beruhigen. Die Situation eskalierte: Da die Catch-Fans keinen Einlass fanden, flogen Biergläser und Steine umher. Ein Besucher erlitt schwere Verletzungen durch Messerstiche. Der Polizeipräsident setzte den Wasserwerfer ein. Erst jetzt ließ sich die verfahrene Situation unter Kontrolle bringen.
Scheffler kündigte rechtliche Schritte an. Am nächsten Tag marschierten die wütenden Catcher ins Regierungspräsidium, um eine einstweilige Verfügung vor dem Verwaltungsgericht Hannover zu erwirken. Das Zelt stand immer noch. Die Polizei riegelte aber alle Eingänge ab. Trotz des Verbotes erschienen wieder einige hundert Menschen. Aufgrund des Tumults gab es vermehrt Beschwerden wegen Ruhestörungen. Scheffler begründete die einstweilige Verfügung damit, dass ein Konkurrenzunternehmer seine Turniere offensichtlich verhindern will. Mitte August wollte ein Konkurrent ein zweites Turnier in Hannover starten. Doch das Verbot wurde wegen den Tumulten und Ruhestörungen erlassen. Am 13. August genehmigte das Verwaltungsgericht Hannover Schefflers Turnier. Scheffler kündigte aber an gegen die Stadt Hannover auf Schadensersatz zu klagen.
In den Jahren nach 1953 gab es immer wieder Tumulte. Eine erste Konsequenz daraus zog der Stadtrat Hannover im Oktober 1953. Soweit möglich wurden künftige Catch-Turniere aus dem Stadtinneren verband. 1954 kam es zur Auseinandersetzung zwischen der Stadt Hannover und dem 1951 neu gegründeten "Verband Deutscher Berufsringer (VDB)". Stadtdirektor Karl Wiechert (1899-1971) untersagte das für April 1954 vorgesehene VDB-Turnier unter Veranstalter Fritz Müller. Offiziell ließen die Behörden verlauten, dass die Veranstaltung aus "moralischen Gründen" verboten wurde. Es bestehe eine Gefahr für die Jugend. Außerdem seien die Pfiffe und Beifallsrufe unzumutbarer Lärm. 170 Berufsringer waren vorgesehen für ein ausverkauftes Zelt zu sorgen. Stadtdirektor Wiechert ging noch weiter und erließ ein Verbot für Catch-Turniere im Stadtinneren von Hannover. Man verzichtete wegen des Verbotes der VDB-Veranstaltung auf rund 1200 DM Vergnügungssteuer täglich. Diese Steuer konnte bis zu 20% betragen. Also eigentlich eine gute Einnahmequelle. Traf man die Turniere bisher u.a. auf dem Aegidientorplatz an, rückte nun der Schützenplatz - wo seit den späten 40er Jahren veranstaltet wurde - in den Vordergrund. Der Tumult in Hannover war zwar schon etwas größer als andere in dieser Zeitspanne, aber auch spätere Vorfälle stellten das Catchen negativ ins Rampenlicht.
Teil 1 - Zeltschlacht und Jugendverbot
In rund 50 Jahren Catch-Geschichte gab es viele glanzvolle Epochen, aber ebenso auch schwierige Zeiten, die manchmal das Ende einer Karriere bedeuten konnten. Von Zeltschlachten in den 50er Jahren über Veranstalter, die sich mit der Kasse aus dem Staub machten, ohne das Programm einzuhalten, bis hin zum Mordverdacht an einem Bremer Gastwirt - wie man sieht, steckt die Geschichte des Catchens voller unrühmlicher Geschichten. wwf4ever.de präsentiert euch an dieser Stelle, als erste Internetseite überhaupt, die genauen Hintergründe. Ältere Catch-Fans werden nun sicherlich in Erinnerungen schwelgen.
Mit dem Beginn des Catchens waren die ersten Skandale natürlich nicht weit entfernt. Sie nahmen solche Ausmaße an, dass sich Polizei, Ordnungsämter und Gerichte schon früh einschalteten. Hannover - die spätere "Welthauptstadt des Catchens" - erlebte so manche Zeltschlachten. 1953 wollte der Veranstalter Albert Rienas ein Turnier austragen, dass den Zugang von Jugendlichen unter 18 Jahren vorsah. Bereits vorher waren den Behörden solche Vorgänge ein Dorn im Auge. Das Ordnungsamt verweigerte Rienas die Austragung, worauf dieser Beschwerde vor Gericht einlegte. In München beschäftigte man sich in Rudolf Zurths Turnieren auch mit dem Zugang von Jugendlichen unter 18 Jahren. Gerichte und Ordnungsämter schickten Kommissionen. Diese kamen zu dem Ergebnis, dass Catch-Turniere auf Jugendliche verrohend wirken. Das Verwaltungsgericht Bremen lehnte Rienas Klage schließlich 1953 ab und erließ ein Jugendverbot für Catch-Turniere.
Im August 1953 erlebte Hannover eine Straßenschlacht vor dem Catcher-Zelt in der Nähe der Christuskirche. Sie sollte weitreichende Folgen haben. Für Anfang August plante Veranstalter Scheffler ein "Weltmeisterschaftsturnier" mit 30 Catchern. Nachdem es wenige Wochen vorher bereits eine Prügelei zwischen Polizisten und Besuchern gab, eskalierte die Situation erneut. Schefflers Turnier wurde zunächst bis zum 08. August genehmigt. Zwei Tage später standen jedoch wieder rund 1000 Besucher vor dem Zelt. Sie hatten ihre Eintrittskarten bezahlt und verlangten sofortigen Einlass. Das Ordnungsamt Hannover verbot die Veranstaltung, da die Genehmigung am 08. August ausgelaufen war. Daraufhin kam es zu einer dreistündigen Straßenschlacht zwischen Besuchern, Catchern und Polizisten. Einer ganzen Polizeihundertschaft gelang es nicht, die wütende Menge zu beruhigen. Die Situation eskalierte: Da die Catch-Fans keinen Einlass fanden, flogen Biergläser und Steine umher. Ein Besucher erlitt schwere Verletzungen durch Messerstiche. Der Polizeipräsident setzte den Wasserwerfer ein. Erst jetzt ließ sich die verfahrene Situation unter Kontrolle bringen.
Scheffler kündigte rechtliche Schritte an. Am nächsten Tag marschierten die wütenden Catcher ins Regierungspräsidium, um eine einstweilige Verfügung vor dem Verwaltungsgericht Hannover zu erwirken. Das Zelt stand immer noch. Die Polizei riegelte aber alle Eingänge ab. Trotz des Verbotes erschienen wieder einige hundert Menschen. Aufgrund des Tumults gab es vermehrt Beschwerden wegen Ruhestörungen. Scheffler begründete die einstweilige Verfügung damit, dass ein Konkurrenzunternehmer seine Turniere offensichtlich verhindern will. Mitte August wollte ein Konkurrent ein zweites Turnier in Hannover starten. Doch das Verbot wurde wegen den Tumulten und Ruhestörungen erlassen. Am 13. August genehmigte das Verwaltungsgericht Hannover Schefflers Turnier. Scheffler kündigte aber an gegen die Stadt Hannover auf Schadensersatz zu klagen.
In den Jahren nach 1953 gab es immer wieder Tumulte. Eine erste Konsequenz daraus zog der Stadtrat Hannover im Oktober 1953. Soweit möglich wurden künftige Catch-Turniere aus dem Stadtinneren verband. 1954 kam es zur Auseinandersetzung zwischen der Stadt Hannover und dem 1951 neu gegründeten "Verband Deutscher Berufsringer (VDB)". Stadtdirektor Karl Wiechert (1899-1971) untersagte das für April 1954 vorgesehene VDB-Turnier unter Veranstalter Fritz Müller. Offiziell ließen die Behörden verlauten, dass die Veranstaltung aus "moralischen Gründen" verboten wurde. Es bestehe eine Gefahr für die Jugend. Außerdem seien die Pfiffe und Beifallsrufe unzumutbarer Lärm. 170 Berufsringer waren vorgesehen für ein ausverkauftes Zelt zu sorgen. Stadtdirektor Wiechert ging noch weiter und erließ ein Verbot für Catch-Turniere im Stadtinneren von Hannover. Man verzichtete wegen des Verbotes der VDB-Veranstaltung auf rund 1200 DM Vergnügungssteuer täglich. Diese Steuer konnte bis zu 20% betragen. Also eigentlich eine gute Einnahmequelle. Traf man die Turniere bisher u.a. auf dem Aegidientorplatz an, rückte nun der Schützenplatz - wo seit den späten 40er Jahren veranstaltet wurde - in den Vordergrund. Der Tumult in Hannover war zwar schon etwas größer als andere in dieser Zeitspanne, aber auch spätere Vorfälle stellten das Catchen negativ ins Rampenlicht.
