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Biografie: Antonio Pierri
#2
Er trat verstärkt in die Rolle des Veranstalters und Managers. Es folgten etliche Meisterschaften in London unter seiner Leitung. Mit dabei waren viele Wrestler aus ganz Europa. Die Sache mit Hackenschmidt entwickelte sich zu einer persönlichen Fehde. Pierri schwor Rache. Nur kurze Zeit nach den beiden Niederlagen präsentierte er dem britischen Publikum einen neuen Schützling aus Istanbul, Ahmed Madrali. Ein weiterer guter Wrestler aus dem Lager der Türken. Er sollte nun Hackenschmidt entgegentreten. Pierri arbeitete fieberhaft an einer passenden Werbung. Sofort erging eine Herausforderung an Hackenschmidt. Des weiteren verkündete der nunmehr Erzfeind Pierri auf Plakaten in ganz England, dass Madrali um ein Vielfaches besser sei als Hackenschmidt. Er lies keine Gelegenheit aus, um seine Neuentdeckung besser dar stehen zu lassen. Doch es nützte alles nichts.

Am 30. Januar 1904 war der Tag der Entscheidung in London angebrochen. Madrali betrat in Begleitung seines Managers Pierri den Ring. Hackenschmidt hatte Jakob Koch an seiner Seite. Madrali verlor dieses wichtige Match. Pierri verkündete danach, dass Hackenschmidt nur durch Zufall gewonnen hätte. Es folgte nun wieder das altbekannte Lied: Der Türke sei besser. Es gab dann später einen Rückkampf. Obwohl Madrali unterlag, konnte er durch Pierris Management in England und Amerika mächtig Eindruck hinterlassen. Von April bis Juni 1904 leitete der Grieche wieder ein Turnier in London, an dem etliche Berufsringer teilnahmen. Tom Cannon, Ernst Siegfried, Charles le Meunier und Charles Green standen auf der Teilnehmerliste. Durch Pierri kamen in diesem Jahr noch mehr Berufsringer nach London wie: Curt Derelli, Ernst Siegfried, Mehmet Codjali und Halil Adali. Nach der Ankunft von Madrali, Ende 1903, schickten Pierris Agenten den Riesen Derelli und dessen Landsmann Adali. Ebenfalls kein Leichtgewicht. Antonio legte mehrere Herausforderungskämpfe fest und deponierte erneut Unsummen bei englischen Zeitungen. Stammgast war er ja bereits bei der Sportsman. Zu den stärksten Gegnern seiner türkischen Schützlinge gehörten Georg Lurich, Alexander Aberg und besonders George Hackenschmidt. Im Januar 1906 wurden Gerüchte laut, wonach Madrali erneut auf Hackenschmidt treffen sollte. Pierri drehte wieder die Werbetrommel, obwohl die Austragung noch nicht als gesichert erschien. Den Kampf musste man zweimal verschieben, da Pierri und Hackenschmidts Management um Vertragsrechte stritten. Am 28. April 1906 fiel die Entscheidung in der Londoner Olympia Halle. Wie schon zwei Jahre zuvor, besiegte Hackenschmidt seinen Kontrahenten binnen kürzester Zeit.

Der Historiker Nat Fleischer berichtete 1936 von einer Geschichte die sich in Indien abgespielt hatte. 1892 machten sich Pierri und Tom Cannon auf Richtung Indien. Und wie es dazu kam schildert die nachfolgende Geschichte:

"In the early 90s, when Cannon was the champion of England and Antonio Pierri still considered himself good enough to tackle any of them, a sea captain friend informed the two in London how easy it would be to make a lot of money by going to India and win unbelievable amounts of gold pieces by defeating some of the Punjab champions. The Maharajah would back them for a million pounds, said the captain to the open-mouthed Cannon and Pierri. We shall continue in Pierri´s own words of broken English: "I look at Tom, and Cannon, he look at me. Next thing we are on the boat, bound for India. We debarked at Delhi and soon are on our way to Punjab. We decide our reputation too big and Maharajah no bet against us. So we decide take other namens to hide our reputations. We arrive in Punjab. We wait for Sunday and we go see big match in tournament. One Maharajah, he sit on a high gold chair. Another Maharajah, he sit on another big high very gold chair. Few minutes, two big wrestlers come on the big soft mat. Oh, how big and how heavy-muscled man! Never see such champion before! The match, he go about ten minutes. The show is over! Tom, he look at me and I look at him. We both look set. I say, Tom, this is no place for us to win money. We go home. We go back to England. Tom, he never answer, but he come with me lika a baby, and three days later we are again on the boat and we begin our trip for home. We never say one word to the wrestlers or to the Rajah. No use."

Antonio stand schon fast am Ende seiner Karriere, als ihn ein alter Konkurrent aus früheren Tagen herausforderte, Tom Cannon. 1909 wollten es beide noch einmal wissen. Sie bestritten drei Matches gegeneinander. Das erste Match gewann Altmeister Cannon. Die beiden anderen Kämpfe endeten im Unentschieden. Unentschieden endete so auch eine lange Ringerfehde. Das was Pierri wohl am meisten auszeichnete, war sein starker Einsatz für die türkischen Wrestlinggrößen. Fast alle namhaften Türken wurden von ihm gemanagt. Darunter etwa: Ismail Yusuf, Kara Ahmed, Ahmed Madrali, Selim, Nourlah, Mehmet Effendi, Kara Osman, Halil Adali, Curt Derelli und Mehmet Codjali. Durch Verbindungen mit dem Franzosen Jean Doublier, entstand bald ein reger Freundeskreis. Doublier hatte durch seine Zeit in der Türkei bereits diverse Kanäle eröffnet.

Pierri bildete in London eine Ringertruppe und hatte beste Kontakte zu anderen Veranstaltern und Theaterdirektoren. Aufgrund dessen war es später fast nur noch über ihn möglich, an Titelkämpfe und Turnierplatzierungen heranzukommen. In der "Sporting Life" oder "Sportsman" inserierte er Herausforderungen mit teilweise hohen Gagen. Das waren die wichtigsten Sportzeitungen Englands. Es war also nur eine Frage der Zeit, bis sich Größen wie Georg Lurich daraufhin zu Wort meldeten. Im Londoner "Alhambra Theater" sind damals etliche Turniere unter Pierris Leitung veranstaltet worden.

Die Karriere als Veranstalter und Manager verlief in den Jahren nach 1900 weitaus erfolgreicher, als die des aktiven Wrestlers. Es folgten noch Jahre im Wrestling bis er ein Alter erreichte, bei dem ein Rücktritt gerecht erschien. Er gab nur wenig Persönliches in die breite Öffentlichkeit. Ein Grund, warum vieles zu seiner Person offen bleibt. Mit Pierris Rückzug verlor das Wrestling einen einflussreichen Mann. Einer der in vielen Bereichen aktiv mitwirkte. Um 1910 verzeichnet Pierris Kampfrekord einen letzten Auftritt in Wien. Hintereinander besiegte er Fablo, Georg Jagendorfer, Heinrich Niemann, Wilhelm Türk und Sergius. In Frankreich nahm er Abschied von der Ringbühne, die ihm soviel bedeutet hatte in seinem Leben. Am 20. August 1912 stirbt Antonio Pierri in Straßburg.

"Was Pierri anbetrifft, so kann ich nur sagen, dass er in jeder Beziehung ein Gentlemen ist und bei den Direktoren in hoher Achtung steht, so dass man schwerlich ein Engagement ohne ihn bekommt."
Ernst Siegfried, 1904
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Biografie: Antonio Pierri - von The Crusher - 26.09.2009, 18:44
[Kein Betreff] - von The Crusher - 26.09.2009, 18:45

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