28.11.2009, 14:22
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Der Historiker schreibt ja oft über Dinge die er selbst nie miterlebt hat. Schäfer schrieb aber gerade sehr viel über die Zeitspanne in der er lebte. Das machte ihn zu einem wichtigen Zeitzeugen. Bereits viele Unterlagen und Bücher sind für immer vernichtet worden. Häufig hinterließen die alten Wrestler einen Nachlass, der in Händen privater Sammler verschwand. Die Nachkommen hatten oft kein Interesse mehr an den Taten ihrer Verwandten. So sind viele Nachlässe auf dem Flohmarkt gelandet. Um die Probleme der Schwerathletik und dessen Aufarbeitung wusste Schäfer. Deshalb war er stets bemüht sein Ringkampfarchiv zu erweitern. Und so hat er, als einer der wenigen, gegen das Vergessen der Ringkampfgeschichte gekämpft. Er ist zum Pionier unter den Wrestling Archivisten geworden.
Am 18. Februar 1990 wird Gerhard Schäfer auf dem 13. NRV Verbandstag in Hannover in den Ruhestand verabschiedet. Er wird schließlich zum Ehrenvorsitzenden ernannt, und bekam die goldene Verdienstplakette des NRV überreicht. Zum 70. Geburtstag verlieh ihm der Landessportbund Niedersachsen die goldene Ehrennadel. Die letzten Lebensjahre waren häufig von Krankheit überschattet. Aber trotz seines mitunter schlechten Gesundheitszustandes arbeitete er weiter. Verhalf so vielen Leuten zu den gewünschten Informationen. Schäfer betrachtete so manche Bereiche im Wrestling kritisch. Einige Ereignisse bezeichnete er schlichtweg als "Verfallserscheinung". Dazu zählte etwa der Damenringkampf. Auch das Ansteigen amerikanischer Wrestlingshows in Deutschland machte auf ihn keinen positiven Eindruck. So blieb er in gewisser Weise ein klassischer Historiker, der stark auf den Sport und die alten Zeiten setzte. Wenngleich sein Interesse für das moderne Wrestling auch schwach gewesen ist, bleibt sein Wirken in nahezu allen Epochen nicht ohne Spuren.
Im November 1994 verschlechterte sich sein Gesundheitszustand. Er litt an Krebs. Dennoch betreute er das riesige Archiv weiter und gab allen Interessenten vom Krankenbett aus die gewünschten Informationen. Er erweiterte sogar seinen Bestand und verfasste noch Ausgaben der Reihe "Wrestling Report from Germany". Bis zum Schluss blieb er dem Wrestling treu. Am 07. Juli 1995 starb Gerhard Schäfer in einem Krankenhaus in Salzgitter im Alter von 74 Jahren. Die Todesmeldung erschien in zahlreichen Zeitungen und Wrestling-Newslettern: Am 11. Juli 1995 im "Wrestling Telegramm" Nr. 155, im "Catch Magazin" Nr. 55, in der "Power Wrestling", am 24. Juli 1995 im "Wrestling Observer Newsletter", im "Hardcore Heaven Newsletter" Nr. 23 und in der "Catch Revue". Am 31. Juli 1995 veröffentlichte Bernd Model im "Wrestling Telegramm" Nr. 158 einen Nachruf auf Schäfer. Am 12. Juli 1995 wurde Gerhard Schäfer auf dem Friedhof in Salzgitter-Lebenstedt beerdigt.
Was bleibt sind die historischen Zeugnisse aus längst vergangenen Zeiten. Für Recherchen ist der Nachlass heute umso wertvoller, da kein vergleichbarer auf europäischer Ebene existiert. Anfang September 1995 wurde das Archiv zum ersten Mal von den Sportwissenschaftlern Prof. Dr. Bernd Wedemeyer und Prof. Dr. Arndt Krüger begutachtet. Kurz vor seinem Tod hatte Schäfer das Ringkampfarchiv dem "Niedersächsischen Institut für Sportgeschichte Hoya" angeboten. Ein Jahr später beginnt in diesem Institut eine große Sortierungs- und Rekonstruktionsmaßnahme. Auf Basis dieser Maßnahme ließ sich das 40. Regalmeter lange Archiv im Jahre 1997 schließlich für die Öffentlichkeit zugänglich machen. Im Zeitalter des Internets und der Digitalisierung ist es heute einfacher solche Archive zu betreuen. Schäfer hatte dagegen nicht viele technische Mittel für seine Vorhaben zur Verfügung. Es ist aber erstaunlich was er trotzdem daraus gemacht hat.
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Zum 13. Todestag von Gerhard Schäfer
Eine geschichtliche Aufarbeitung des Wrestlings ist heute nur noch möglich, weil ein paar Chronisten die zeitgenössischen Dokumente vor dem Verfall bewahrten und somit gegen das Vergessen kämpften. Zu diesen wenigen Menschen gehörte auch Gerhard Schäfer, dessen Todestag sich am 07.07. zum 13. Mal jährt. Schäfer wurde 1921 in Königsberg geboren und interessierte sich schon im Jugendalter für den Berufsringkampf. 1931 sah er sein erstes Ringer-Turnier. Von diesem Zeitpunkt an blieb der Ringkampf 64 Jahre lang sein Metier. Nach Eintritt in den "SC-Sandow Königsberg" wurde Schäfer 1938 Jugendschwergewichtsmeister im Ringen. Der Zweite Weltkrieg beendete seine kurze Karriere. Von Königsberg kam Schaefer nach Kriegsende ins niedersächsische Salzgitter, wo er eine Ausbildung im Polizeidienst absolvierte. Ende der 40er Jahre begann er damit ein Archiv anzulegen. Es beinhaltete bereits einige Zeitungsartikel aus dem heimischen Königsberg. Durch intensive Kontakte entstand daraus das spätere "Ringkampfarchiv Gerhard Schäfer".
1950 lernte er den Veranstalter Gustl Kaiser kennen. Für knapp vier Jahrzehnte wurde Kaiser einer seiner besten Freunde. Mit Kaisers Unterstützung gelangte Schäfer zum "Internationalen-Berufsringkämpfer-Verband (IBV)". Für seine Archivarbeit und publizistische Tätigkeit wurde ihm 1968 die Goldene Verbandsnadel des IBV überreicht. Schäfer lernte viele Personen aus dem Bereich Wrestling/Catchen kennen. Zum Teil entstanden intensive Kontakte wie zu Paul Berger (Catch-Promoter/Verband-Deutscher-Berufsringer), Bernd Model, Tom Burke, Andreas Matlé, Verne Gagne, Karl Gotch, Hermann Simon, Nicola Selenkowitsch oder Tom Gannon. Zusammen mit Gannon erstellte Schäfer die Liste "A History of Wrestling". Eine Auflistung von historischen Wrestlingkämpfen ab 1809. Diese Liste diente späteren amerikanischen Historikern als wichtige Quelle. Um die bestehende Informationslücke zu schließen, gründete Schäfer 1967/68 den ersten deutschen Wrestling-Newsletter ("Wrestling in Germany"). In knapp 25 Jahren erschienen rund 700 Ausgaben. Der Newsletter wurde mit Schreibmaschine erstellt und auf Matrize vervielfältigt.
Schäfer unterstützte spätere Newsletter als Berater/Historiker (WFA-Newsletter, Wrestling-Telegramm). Teilweise gab er Anregungen an die jeweiligen Redakteure. Er schrieb in ausländischen (z.B. österreichischen) Programmheften historische Einführungen. Schäfer war ebenfalls Europakorrespondent für ausländische Wrestling-Magazine und übernahm dessen Vertrieb in die Bundesrepublik. Nur dadurch erschienen hier in der Nachkriegszeit Magazine aus den USA und Europa. Anfang der 80er Jahre erschien Band 1 der Schriftenreihe "Wrestling Archives" mit dem Titel: "Dick Richard Shikat-Streiflichter einer Laufbahn". Bis zum Tode Schäfers 1995 umfasste diese Reihe 37 Ausgaben mit einem Umfang von rund 2000 Seiten. Die Schriftenreihe enthielt Kampfrekorde, Zeitungsartikel und selbst verfasste Biografien zu Berufsringern/Catchern.
Im Amateurringkampf war Schäfer Trainer und Kampfrichter seines Heimat-Vereins in Salzgitter-Gebhardshagen. Er erstellte Wettkampflisten und führte das Presse- und Kassenreferat diverser Verbände. Für seine gesamte Tätigkeit auf nahezu allen Ebenen des Amateur- und Berufsringkampfes wurde Schäfer vielfach ausgezeichnet. Am 18.02.1990 wurde er in Hannover in den Ruhestand verabschiedet. Seine letzten Lebensjahre waren häufig von Krankheit überschattet. Nach einem längeren Krebsleiden starb Gerhard Schäfer am 07.07.1995 im Alter von 74 Jahren.
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"Ich habe ihn als sehr zuverlässigen und seriösen Menschen kennen gelernt sowie und als kritischen Beobachter der catch-Szene, der, zumindest unter vier Augen, nicht mit seiner Meinung hinter dem Berg gehalten hat."
Andreas Matlé, Juni 2009
Der Historiker schreibt ja oft über Dinge die er selbst nie miterlebt hat. Schäfer schrieb aber gerade sehr viel über die Zeitspanne in der er lebte. Das machte ihn zu einem wichtigen Zeitzeugen. Bereits viele Unterlagen und Bücher sind für immer vernichtet worden. Häufig hinterließen die alten Wrestler einen Nachlass, der in Händen privater Sammler verschwand. Die Nachkommen hatten oft kein Interesse mehr an den Taten ihrer Verwandten. So sind viele Nachlässe auf dem Flohmarkt gelandet. Um die Probleme der Schwerathletik und dessen Aufarbeitung wusste Schäfer. Deshalb war er stets bemüht sein Ringkampfarchiv zu erweitern. Und so hat er, als einer der wenigen, gegen das Vergessen der Ringkampfgeschichte gekämpft. Er ist zum Pionier unter den Wrestling Archivisten geworden.
Am 18. Februar 1990 wird Gerhard Schäfer auf dem 13. NRV Verbandstag in Hannover in den Ruhestand verabschiedet. Er wird schließlich zum Ehrenvorsitzenden ernannt, und bekam die goldene Verdienstplakette des NRV überreicht. Zum 70. Geburtstag verlieh ihm der Landessportbund Niedersachsen die goldene Ehrennadel. Die letzten Lebensjahre waren häufig von Krankheit überschattet. Aber trotz seines mitunter schlechten Gesundheitszustandes arbeitete er weiter. Verhalf so vielen Leuten zu den gewünschten Informationen. Schäfer betrachtete so manche Bereiche im Wrestling kritisch. Einige Ereignisse bezeichnete er schlichtweg als "Verfallserscheinung". Dazu zählte etwa der Damenringkampf. Auch das Ansteigen amerikanischer Wrestlingshows in Deutschland machte auf ihn keinen positiven Eindruck. So blieb er in gewisser Weise ein klassischer Historiker, der stark auf den Sport und die alten Zeiten setzte. Wenngleich sein Interesse für das moderne Wrestling auch schwach gewesen ist, bleibt sein Wirken in nahezu allen Epochen nicht ohne Spuren.
Im November 1994 verschlechterte sich sein Gesundheitszustand. Er litt an Krebs. Dennoch betreute er das riesige Archiv weiter und gab allen Interessenten vom Krankenbett aus die gewünschten Informationen. Er erweiterte sogar seinen Bestand und verfasste noch Ausgaben der Reihe "Wrestling Report from Germany". Bis zum Schluss blieb er dem Wrestling treu. Am 07. Juli 1995 starb Gerhard Schäfer in einem Krankenhaus in Salzgitter im Alter von 74 Jahren. Die Todesmeldung erschien in zahlreichen Zeitungen und Wrestling-Newslettern: Am 11. Juli 1995 im "Wrestling Telegramm" Nr. 155, im "Catch Magazin" Nr. 55, in der "Power Wrestling", am 24. Juli 1995 im "Wrestling Observer Newsletter", im "Hardcore Heaven Newsletter" Nr. 23 und in der "Catch Revue". Am 31. Juli 1995 veröffentlichte Bernd Model im "Wrestling Telegramm" Nr. 158 einen Nachruf auf Schäfer. Am 12. Juli 1995 wurde Gerhard Schäfer auf dem Friedhof in Salzgitter-Lebenstedt beerdigt.
Was bleibt sind die historischen Zeugnisse aus längst vergangenen Zeiten. Für Recherchen ist der Nachlass heute umso wertvoller, da kein vergleichbarer auf europäischer Ebene existiert. Anfang September 1995 wurde das Archiv zum ersten Mal von den Sportwissenschaftlern Prof. Dr. Bernd Wedemeyer und Prof. Dr. Arndt Krüger begutachtet. Kurz vor seinem Tod hatte Schäfer das Ringkampfarchiv dem "Niedersächsischen Institut für Sportgeschichte Hoya" angeboten. Ein Jahr später beginnt in diesem Institut eine große Sortierungs- und Rekonstruktionsmaßnahme. Auf Basis dieser Maßnahme ließ sich das 40. Regalmeter lange Archiv im Jahre 1997 schließlich für die Öffentlichkeit zugänglich machen. Im Zeitalter des Internets und der Digitalisierung ist es heute einfacher solche Archive zu betreuen. Schäfer hatte dagegen nicht viele technische Mittel für seine Vorhaben zur Verfügung. Es ist aber erstaunlich was er trotzdem daraus gemacht hat.
[Bild: http://srv029.pixpack.net/20080317111212...xiajke.jpg]
Zum 13. Todestag von Gerhard Schäfer
Eine geschichtliche Aufarbeitung des Wrestlings ist heute nur noch möglich, weil ein paar Chronisten die zeitgenössischen Dokumente vor dem Verfall bewahrten und somit gegen das Vergessen kämpften. Zu diesen wenigen Menschen gehörte auch Gerhard Schäfer, dessen Todestag sich am 07.07. zum 13. Mal jährt. Schäfer wurde 1921 in Königsberg geboren und interessierte sich schon im Jugendalter für den Berufsringkampf. 1931 sah er sein erstes Ringer-Turnier. Von diesem Zeitpunkt an blieb der Ringkampf 64 Jahre lang sein Metier. Nach Eintritt in den "SC-Sandow Königsberg" wurde Schäfer 1938 Jugendschwergewichtsmeister im Ringen. Der Zweite Weltkrieg beendete seine kurze Karriere. Von Königsberg kam Schaefer nach Kriegsende ins niedersächsische Salzgitter, wo er eine Ausbildung im Polizeidienst absolvierte. Ende der 40er Jahre begann er damit ein Archiv anzulegen. Es beinhaltete bereits einige Zeitungsartikel aus dem heimischen Königsberg. Durch intensive Kontakte entstand daraus das spätere "Ringkampfarchiv Gerhard Schäfer".
1950 lernte er den Veranstalter Gustl Kaiser kennen. Für knapp vier Jahrzehnte wurde Kaiser einer seiner besten Freunde. Mit Kaisers Unterstützung gelangte Schäfer zum "Internationalen-Berufsringkämpfer-Verband (IBV)". Für seine Archivarbeit und publizistische Tätigkeit wurde ihm 1968 die Goldene Verbandsnadel des IBV überreicht. Schäfer lernte viele Personen aus dem Bereich Wrestling/Catchen kennen. Zum Teil entstanden intensive Kontakte wie zu Paul Berger (Catch-Promoter/Verband-Deutscher-Berufsringer), Bernd Model, Tom Burke, Andreas Matlé, Verne Gagne, Karl Gotch, Hermann Simon, Nicola Selenkowitsch oder Tom Gannon. Zusammen mit Gannon erstellte Schäfer die Liste "A History of Wrestling". Eine Auflistung von historischen Wrestlingkämpfen ab 1809. Diese Liste diente späteren amerikanischen Historikern als wichtige Quelle. Um die bestehende Informationslücke zu schließen, gründete Schäfer 1967/68 den ersten deutschen Wrestling-Newsletter ("Wrestling in Germany"). In knapp 25 Jahren erschienen rund 700 Ausgaben. Der Newsletter wurde mit Schreibmaschine erstellt und auf Matrize vervielfältigt.
Schäfer unterstützte spätere Newsletter als Berater/Historiker (WFA-Newsletter, Wrestling-Telegramm). Teilweise gab er Anregungen an die jeweiligen Redakteure. Er schrieb in ausländischen (z.B. österreichischen) Programmheften historische Einführungen. Schäfer war ebenfalls Europakorrespondent für ausländische Wrestling-Magazine und übernahm dessen Vertrieb in die Bundesrepublik. Nur dadurch erschienen hier in der Nachkriegszeit Magazine aus den USA und Europa. Anfang der 80er Jahre erschien Band 1 der Schriftenreihe "Wrestling Archives" mit dem Titel: "Dick Richard Shikat-Streiflichter einer Laufbahn". Bis zum Tode Schäfers 1995 umfasste diese Reihe 37 Ausgaben mit einem Umfang von rund 2000 Seiten. Die Schriftenreihe enthielt Kampfrekorde, Zeitungsartikel und selbst verfasste Biografien zu Berufsringern/Catchern.
Im Amateurringkampf war Schäfer Trainer und Kampfrichter seines Heimat-Vereins in Salzgitter-Gebhardshagen. Er erstellte Wettkampflisten und führte das Presse- und Kassenreferat diverser Verbände. Für seine gesamte Tätigkeit auf nahezu allen Ebenen des Amateur- und Berufsringkampfes wurde Schäfer vielfach ausgezeichnet. Am 18.02.1990 wurde er in Hannover in den Ruhestand verabschiedet. Seine letzten Lebensjahre waren häufig von Krankheit überschattet. Nach einem längeren Krebsleiden starb Gerhard Schäfer am 07.07.1995 im Alter von 74 Jahren.
[Bild: http://srv027.pixpack.net/20080317111020...ebuasp.jpg]
"Ich habe ihn als sehr zuverlässigen und seriösen Menschen kennen gelernt sowie und als kritischen Beobachter der catch-Szene, der, zumindest unter vier Augen, nicht mit seiner Meinung hinter dem Berg gehalten hat."
Andreas Matlé, Juni 2009
