26.04.2010, 16:59
Zitat:Original von Ronald Großpietsch
Eine Vergangenheitsbewältigung kann ich in Teilen, aber nur in Teilen, ansatzweise erkennen. Aber das erst 20 Jahre nach der Wende! Ein weiterer Punkt ist Oskar Lafontaine als Vorsitzender. Zumindest solange er den Vorsitz hatte, bis er dann wieder verschwunden ist. Als Minister und Linken-Chef war Lafontaine so der Politiker mit der größten Unglaubwürdigkeit. Er ist dann verschwunden, als man ihn brauchte. Das Gleiche bei Gysi. Als Senator in Berlin ist er einfach abgetreten. Das ist in meinen Augen nicht mehr als Feigheit. Und die Linke bildete mal in Brandenburg eine Koalition mit der SPD. Platzeck und das Land konnten davon nicht profitieren. Wenn ihr Konzept so schlüssig wäre, dann hätte die Linke genug Möglichkeiten das zu beweisen. Sie sitzt in etlichen Kreis- und Landtagen. Hat in vielen Regionen des Ostens so viel Kraft, das sie Dinge mitentscheiden kann. Vielleicht ist es Petra Pau ,als Vizepräsidentin im Bundestag, in der ich eine gute Kraft bei der Linken erkennen kann. Aber das ist leider nicht die Regel. Die Linke wird vom Verfassungsschutz beobachtet. Ein deutliches Zeichen, wenn du mich fragst.
Wie gesagt, Vergangenheitsbewältigung würde ich gerne noch größer schreiben. Ich weiß eigentlich gar nicht so viel darüber, wie ich vielleicht sollte, habe aber das Gefühl, dass die SED-Vergangenheit die Linke nicht wirklich daran hindert, heute für eine gute Politik zu stehen. Lieber eine Linke mit SED-Vergangenheitsbewältigungsproblemen, als gar keine Linke.
Zu Lafontaine. Es ist mir völlig schleierhaft, warum dieser Mann für so viele Leute ein rotes Tuch zu sein scheint. Man muss ja ihn persönlich nicht mögen. Aber dieser ganze Unsinn der über ihn in den Medien immer und immer wieder gebetsmühlenartig verbreitet wird -- also Feind der Einheit, Hingeschmissen, Fremdarbeiter -- das wirkt manchmal wirklich wie Gehirnwäsche. Wenn man fair und nicht polemisch sein will, muss man das ganze doch auch mal im Kontext sehen. Er hat Schröder in der Kandidatur unterstützt und sich mit ihm über eine bestimmte sozialdemokratische Politik geeinigt. Nach der Wahl interessiert das Schröder nicht mehr, sagt Basta und Lafontaine hat entgegen seiner Ideale den neoliberalen Kurs einzulegen, oder wie? Hätte er ein paar Wochen nach der Wahl den Kanzler wieder stürzen sollen? DAS hätte die Sozialdemokratie zerrissen. Stattdessen ist er von seinen Ämtern zurückgetreten, um Deutschland so wenig Schaden wie möglich zuzufügen. Und als Vollblutpolitiker und Machtmensch hat er sich jahrelang zurückgezogen. Von wegen feige, das muss man sich erstmal trauen, soviel Schelte wie er dafür zu erwarten hatte. Lafontaine selbst schrieb vor ein paar Jahren, dass er nicht wisse, ob der Schritt der richtige war. Ich weiß es natürlich auch nicht. Aber dass für die Entscheidung selbst nicht mehr Verständnis aufgebracht wird, verstehe ich wirklich nicht. Wir sind doch alle nur Menschen. Genauso wie bei Gysi.. er ist soweit ich weiß zurückgetreten, wegen einer Flugmeilenaffäre.. ich finde es sehr beruhigend, dass es noch Politiker gibt, die solche Konsequenzen aus ihren Handlungen ziehen. DAS ist mutig.
Ok, genug des Wahlkampfs ^^ Ich hoffe man sieht es mir nach, dass ich nun keine Lust mehr habe soviel zu schreiben und legt es mir nicht als Feigheit aus ;)
