31.05.2010, 17:38
Auf Jahrmärkten gab es das sicher schon ewig, das Leute den Ringersport als "Beruf" ausgeübt haben, in dem Sinne, dass sie davon leben konnten. Der ein oder andere konnte sich auch landesweit einen Namen machen, Ronald hat ja mal was über Thomas Topham geschrieben. Ist ja eigentlich auch ein sehr einfaches Geschäftsmodell, das sicher immer mal wieder in der Geschichte angewandt wurde. Man tingelt mit den Schaustellern durch die Lande, fordert Leute heraus, verliert vielleicht auch mal durch Absprache und kassiert jede Menge Geld durch die Wetteinnahmen.
Es ist halt nur so, dass erst gegen Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts eine nationale Struktur des Wrestlingberufs erkennbar wird. Es ist eigentlich der einzige Zeitpunkt den man irgendwie benennen kann für den Beginn unserer heutigen Wrestlingszene. Es ist aber tatsächlich so, dass es Berufsringkämpfer auch lange vorher schon gegeben hat, die allerdings ohne die Unterstützung einer etablierte Szene ihren Lebensunterhalt erkämpfen mussten.
Edit:
Hier ist der Text von Lothar Groth den Ronald mal zu Herrn von Eckenberg gepostet hat:
Edit2:
Und um mal Cay Fabians Vorschlag aufzugreifen und anzufangen, interessante History-Links zu ausländischen Seiten zu posten...
Hier gibt es eine interessante Artikelsammlung zum Thema Absprachen im Wrestling, die bis weit ins 19. Jahrhundert zurückgeht. Wobei ich meine, auch schon noch viel ältere Berichte über Absprachen im Wrestling gesehen zu haben.
Es ist halt nur so, dass erst gegen Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts eine nationale Struktur des Wrestlingberufs erkennbar wird. Es ist eigentlich der einzige Zeitpunkt den man irgendwie benennen kann für den Beginn unserer heutigen Wrestlingszene. Es ist aber tatsächlich so, dass es Berufsringkämpfer auch lange vorher schon gegeben hat, die allerdings ohne die Unterstützung einer etablierte Szene ihren Lebensunterhalt erkämpfen mussten.
Edit:
Hier ist der Text von Lothar Groth den Ronald mal zu Herrn von Eckenberg gepostet hat:
Zitat:"Herkules Eckenberg"
"Der am 6. April 1684 in Harzgerode geborene Johann Carl von Eckenberg (lt. Kirchenbuch Johann Karl Eckenberger), ist als erster großer professioneller Kraftakrobat, der namentlich bekannt wurde, und gleichzeitig als einer der Begründer sowohl des Theaters als auch des Varietes in Berlin anzusehen. Als Sohn eines Sattlers erlernte er das Gewerbe seines Vaters, heiratete später eine englische Seiltänzerin, wurde selbst Seiltänzer und Kraftmensch, schloß sich einer wandernden Gauklertruppe an und soll angeblich in Dänemark geadelt worden sein. In alten Schriften wird von einem stattlichen Recken und berühmten Kraftakrobaten berichtet, der sich auf Anschlagzetteln »Herkules-Harzmann« nannte. Eckenberg, der unter diesem Namen oder als »Simson« auftrat, verfügte über eine große Anzahl phänomenaler Krafttricks. Er konnte Ankerketten wie Zwirnsfäden zerreißen; Eisenbolzen und starke Schiffsnägel zwischen den Fingern zu Korkenziehern oder Schrauben drehen, ganz wie es das Publikum wünschte. Er vermochte auch, ein 1000kg (nach anderen Angaben 1300kg) schweres Kanonenrohr umherzutragen. Seine Zähne müssen einem stählernen Schraubstock geglichen haben, denn er konnte einen Eichenholzstock so zwischen den Zähnen^ halten, daß ein daran gebundenes kräftiges Pferd trotz Antreibens weder imstande war, ihm den Stock aus dem Mund zu reißen, noch den Athleten von der Stelle zu bewegen. Unglaublich erscheint ein weiterer Krafttrick, bei dem er eine 5 m lange Holzbank an einem Ende mit den Zähnen getragen haben soll, auf deren anderem Ende ein Trompeter saß und ein Lied blies. Er legte sich mit dem Kopf auf einen Stuhl, mit den Füßen auf einen anderen, dann ließ er sechs Männer auf seinen Leib treten und hielt diese Last mit gestrecktem Körper. Seine Arme müssen ebenso extrem kräftig gewesen sein. Der Herkules stellte sich beispielsweise auf ein Podest, breitete die Arme aus, hatte um jedes Armgelenk einen festen Strick gewunden, an dem je drei Männer aus dem Publikum nach Leibeskräften zerrten und rissen. Dazu trug er noch in jeder Hand einen bis zum Rand gefüllten Weinhumpen. Die sechs Männer versuchten mit größten Anstrengungen, den Herkules am Trinken zu hindern, doch dieser führte die Becher ruhig zum Mund und trank den Wein aus, ohne einen Tropfen zu verschütten. Die folgende Kraftleistung sparte er für gewöhnlich bis zum Schluß der jeweiligen Vorstellung auf:
Von einem Balkengerüst aus hielt er mit der einen Hand Eisenketten, an denen eine aus dicken Planken hergestellte Waagschale hing. In der riesigen Waagschale saß ein Trompeter auf einem Pferd. Der Herkules hielt die schwere Plattform mit dem Pferd und dem Trompeter so lange mit einer Hand, bis der Musiker seine Fanfare geschmettert hatte und es ihm selbst gelungen war, mit der anderen Hand ein Weinglas zum Munde zu fuhren und zu leeren. Dazwischen sprach der Kraftakrobat außerdem noch ein Hoch auf, die Bürger der jeweiligen Stadt oder auf den Magistrat und anwesende Persönlichkeiten aus. Johann Carl von Eckenberg kam zum ersten Mal als Kraftakrobat »Simson« nach Leipzig. Während seines Aufenthaltes machte er die Bekanntschaft eines Leutnants Johannes Heinrich Beyer, der ihm einen berühmt gewordenen bösen Streich spielte und damit klarmachte, daß Kraft allein nicht genüge. Als beide beim Wein saßen, schlössen sie einen Pferdehandel ab. Eckenberg sollte ein Pferd zu den folgenden Bedingungen kaufen: Gegen einen am 17. September ausgestellten Wechselbrief sollte er innerhalb von 24 Stunden nach dem folgenden Modus zahlen. In der ersten Stunde l Pfennig, in der zweiten Stunde 2 Pfennige, in der dritten Stunde 4 Pfennige, in der vierten Stunde 8 Pfennige und so weiter bis zur vierundzwanzigsten Stunde; jede Stunde also das Doppelte von dem, was er in der vorhergehenden Stunde gezahlt hatte. Johann Carl von Eckenberg war im festen Glauben, ein gutes Geschäft abgeschlossen zu haben. Die Mathematik beherrschte er offensichtlich weniger als seine Kraftkunststücke. Man verpflichtete den »Leipziger Rechenmeister«, Herrn Gottfried John, der errechnete, daß gegen den Wechselbrief, also für das Pferd, 58 254 Taler, 5 Groschen und 3 Pfennige gezahlt werden müßten. Es stand somit sehr traurig um den Herkules. Der Leutnant Beyer hielt an der Abmachung fest und drohte, den Herkules verhaften zu lassen, falls dieser ihm nicht bald den Betrag bis auf die 3 Pfennige genau auszahlen würde. Eckenberg blieb nur übrig, schnell aus Leipzig zu fliehen. Als er nach sechs Jahren wieder nach Leipzig kam, setzte ihm der Leutnant Beyer erneut mit seiner Forderung zu. Auch 1731 gab der Leutnant während eines weiteren Besuches des Herkules noch nicht auf. Doch seine Bemühungen waren vergebens, denn der vierzehn Jahre dauernde Prozeß wurde niedergeschlagen, indem »die hohe Justiz« den in betrügerischer Absicht ausgestellten Wechselbrief annullierte. Nach anderen Quellen mußte Eckenberg seinen gesamten Besitz verkaufen, dessen Gesämterlös (900 Taler, 20 Groschen und 8 Pfennige) der Roßhändler einstrich und die Angelegenheit damit als erledigt ansah. Obwohl ihm in diesen fünfzehn Jahren durch den Leutnant Beyer viel Ärger bereitet wurde, können sie als die Zeit seiner größten artistischen Erfolge bezeichnet werden. Der Herkules Harzmann war nicht nur durch seine unglaublichen Kraftübungen, sondern auch als Quacksalber und Kunstschütze sehr bekannt. Im Vergleich zu anderen Artisten, die mit einer armseligen Bude umherzogen, war er auf dem Höhepunkt seiner Karriere reich wie ein Fürst. Auf dem Neumarkt in Dresden beschäftigte er in einem großen hölzernen Bau drei Künstlerinnen, eine Holländerin, eine Italienerin und eine Engländerin, die auf dem Seil Luftsprünge und Tänze vorführten, wie man sie zuvor noch nicht gesehen hatte. Obwohl er so ungebildet war, daß er kaum seinen Namen schreiben konnte, forderte er kühn die Ärzteschaft heraus und behauptete, »er sei als Wunderdoktor imstande, bessere Kuren zu verrichten, als seine Gegner«. Er wird allerdings wohl genau gewußt haben, daß sein Antimonial-Öl, das er gegen Melancholie und Ischias verkaufte, oder die Büchse, die man anhauchen mußte, um sich gegen Schlaganfall, Taubheit und Blindheit zu sichern, nichts anderes heilen konnten als die Schwindsucht seines Geldbeutels. Wie aus einer Schrift hervorgeht, zeichnete sich »Samson der Unüberwindliche« durch 16 Kraftübungen aus: das Heben schwerer Lasten oder von Männern und Pferden, Festhalten eines Stockes mit den Zähnen, den zwei Männer mit aller Kraft nicht fortreißen konnten; Biegen von Tellern, Nägeln und Münzen u. a. Seine Künste wurden sogar in Versen verherrlicht. Der preußische »Soldatenkönig« Friedrich Wilhelm I, der auf Körpergröße und Körperstärke viel Wert legte, stellte Eckenberg am 14. Juni ein Pergament aus, das bezeugte, daß er »dem König Friedrich Wilhelm I seine Stärke gezeigt habe«. Gleichzeitig erhielt er eine Auftrittsgenehmigung. Er gab 32 Vorstellungen, die das große Ereignis von Berlin wurden. Die Berliner erzählten sich Wunderdinge von der Körperkraft, mit der Eckenberg zuweilen zum Ergötzen seiner Mitbürger derbe Scherze ausführte. So begab er sich eines Tages in einer Sänfte in ein Haus, in dem er zum Mittagessen eingeladen war. Er ließ die Sänfte vor dem Haus bis zu seiner Rückkehr warten. Als er wieder einstieg, sagte er den Trägern, sie müßten sich zusammennehmen, denn er habe so viel gegessen und getrunken, daß er außerordentlich schwer sei. Die Träger lachten über den vermeintlichen Scherz, aber das Lachen verging ihnen bald, als sie unter der Last, die sie zu schleppen hatten, fast zusammenbrachen. Plötzlich ließ Eckenberg anhalten, stieg aus und kehrte nach kurzer Zeit in die Sänfte zurück, diesmal hatte er aber sein Normalgewicht. Die Träger glaubten an Hexerei und liefen davon. In Wirklichkeit hatte der Simson zuvor vier Zentnergewichte unter dem Mantel versteckt gehabt, die er dann entfernte. Er blieb jedoch diesmal noch nicht in Berlin, sondern durchwanderte mit seiner Truppe fünfzehn Jahre lang Deutschland, Belgien, Polen und Schweden. 1731 kehrte er mit einer Truppe von sechsundzwanzig Personen nach Berlin zurück und schlug auf dem Neuen Markt seine Theaterbude auf. Noch immer trat Eckenberg selbst auf. Er zerriß ein Seil, das der Zugkraft von zwei Pferden widerstanden hatte. Er hob ein Pferd mit Reiter und ließ sich Steine auf seiner Brust zerschlagen. Obwohl Friedrich Wilhelm I. die Komödianten, Harlekine und Marktschreier verachtete und teilweise aus seinem Land verbannte, wollte er den »Starken Mann« Ekkenberg gern in Berlin behalten. Es kam zu einem Übereinkommen:
Eckenberg kaufte ein Grundstück an der Ecke Charlotten- und Zimmerstraße und ließ dort ein Theater bauen. Dafür ernannte ihn der König zum Hofkomödianten und erteilte ihm 1732 das »General-Privilegum für Berlin und die Königlichen Lande«. Eckenberg durfte »zur Rekreation der Leute und Zeitvertreib derjenigen, so nicht viel zu tun haben, künstliche Spiele treiben und Komödien anstellen«. Johann Carl von Eckenberg verstärkte nun seine Truppe und engagierte Schauspieler, deren Namen in der Schauspielgeschichte des 18. Jahrhunderts einen guten Klang bekamen. Der König wurde häufiger Besucher des Theaters, und nach einer Klage Eckenbergs über mangelnden Besuch gab er den Befehl aus, daß alle Kollegien täglich einige ihrer Mitglieder zu Eckenbergs Vorstellungen schicken sollten. Der Herkules Eckenberg leitete das erste ständige deutsche Theater in Berlin. Das Programm bestand aus Marionettenspielen, Singspielen, italienischen Stegreifkomödien und vor allem Hanswurstiaden. Daneben gab es artistische Produktionen sowie seine Kraftdarbietungen. Selbst ein Zahnreißer gehörte zu seiner Truppe. Bei den reisenden Komödiantentruppen war es durchaus üblich, in den Zwischenakten das Publikum mit allerlei Akrobatenkunststücken und musikalischen Vorträgen zu unterhalten. Diese Zusammenhänge erhielten sich noch bis in die klassische Zeit unserer Bühne. So beeindruckte Friedrich Ludwig Schröder beispielsweise seine Zuhörer. als Hamlet, und im gleich darauffolgenden Nachspiel trat er als tollkühner Springer auf. Aus dieser uralten Bindung zwischen Artistik und Schauspielerei heraus wird erklärlich, daß der erste Berliner Theaterdirektor aus den Reihen der Athleten kam. Über eine Schwäche Eckenbergs gibt ein Brief des Generalmajors von Dünhoff Auskunft, der schreibt: »...wobei ich aber Ew. Königl. Majestät alleruntertänigst melden muß, daß, wenn ich zu allem Glück gestern nicht in der Comödie gewesen wäre, bald ein Unglück hätte geschehen können, sintemalen der starke Mann und seine Frau sich dergestalt beide besoffen gehabt...« Den König störte das jedoch nicht weiter, und die Theatergeschichte weiß außerdem von anderen Prinzipalen ähnliches zu berichten. Schließlich ernannte der König Eckenberg zum »Leiter der Assemblee«, einer Art Klub der vornehmen Welt. Eckenberg hatte während der Zeit Friedrich Wilhelms I. stets ein ausverkauftes Haus, da die Majestät keine Konkurrenz zuließ und ihm somit das Monopol sicherte. Eckenbergs Ansehen erreichte damals seinen Höhepunkt. Die großen Einnahmen (über 100 000 Taler) genügten aber nicht. Der Bau seines Theaters verschlang hohe Summen. Außerdem wurde er leichtsinnig und machte große Schulden. Mit dem Tode von Friedrich Wilhelm I. 1740 waren auch Eckenbergs Privilegien erloschen. Obwohl Friedrich II. dem Herkules zögernd das Theaterprivileg noch einmal erneuerte, erteilte er ihm gleichzeitig die Auflage, Berlin nicht zu verlassen und seine Schulden zu begleichen. Bald darauf, um 1743, trat aber mit dem weitaus gediegeneren Theatermann Johann Friedrich Schönemann ein ernsthafter Konkurrent auf den Plan. Schönemann erhielt seinerseits ein Privileg, spielte Moliere, Voltaire und Lessing mit führenden Künstlern und lief Eckenberg bald den Rang ab. Eckenbergs Proteste gegen das dem Schönemann erteilte Theaterprivileg wurden zurückgewiesen. Mit zunehmendem Alter ließen seine Riesenkräfte naturgemäß nach, und obwohl er weiterhin in seiner Schaubude auf dem Spittelmarkt, wohin er vom Neuen Markt gezogen war, auftrat, hatte er nicht mehr solch ansehnliche Einnahmen. In seiner Glanzzeit, als seine Kraftkunststücke große Honorare einbrachten, hatte er es nicht verstanden, für das Alter zu sparen. Durch übermäßiges Trinken versuchte er nun den Ärger zu vergessen, doch wurde seine Lage dadurch nur noch schlimmer. Seine Gläubiger und die Erfolge Schönemanns verbitterten ihm das Leben. So zog er aus Berlin weg nach Luxemburg; wo er 1748 (nach anderen Angaben 1754) völlig verarmt und vereinsamt Selbstmord beging. Johann Carl von Eckenbergs Verdienste um die deutsche Schauspielkunst sind später meist verkannt worden. Gottsched nennt jedoch in der Vorrede zum zweiten Teil seiner »Deutschen Schaubühne« den »starken Mann und seine Possenspieler« im gleichen Atemzug mit der Neuberin. Unzweifelhaft hat Eckenberg wesentliche Verdienste besonders um das Berliner Theater und Variete."
Autor: Lothar Groth
Edit2:
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Hier gibt es eine interessante Artikelsammlung zum Thema Absprachen im Wrestling, die bis weit ins 19. Jahrhundert zurückgeht. Wobei ich meine, auch schon noch viel ältere Berichte über Absprachen im Wrestling gesehen zu haben.
