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Top Ten Wrestling Cities des 20 Jahrhunderts
#7
Ich versuche mich mal an einer anderen Argumentation, die sich weniger auf die Publikumszahlen sondern auf die gefühlte Popularität beruft.

Das mexikanische und das japanische Wrestling, wie auch die Nachkriegs-Catchkultur Europas sind ja letztlich Ableger des amerikanischen Wrestlings. In dem Sinne sind in diesen Regionen gewisse Minderwertigkeitskomplexe gegenüber den USA verwurzelt.

Mexiko hat die Not zu einer Tugend gemacht und in der Nische der Light Heavyweights, Middleweights und Welterweights zwar große Erfolge erzielt. Trotzdem driften sie immer wieder grundlos in Richtung Heavyweight Champions ab (auch wenn die Versuche meistens recht erfolglos bleiben). Als NWA-Mitglied musste die EMLL den NWA Heavyweight Champion lange Zeit als wichtigsten Champion der Welt anerkennen, die LLI und die AAA versuchten das US-amerikanische Produkt zu imitieren und stellten World Heavyweight Champions an die Spitzen ihrer Ligen. Und zu guter letzt gewann auch noch der amtierende CMLL Heavyweight Champion Último Guerrero (ist er überhaupt ein Heavyweight?) den CMLL Universal Title in einem Turnier gegen alle anderen CMLL Champions. Alles natürlich nur kleine Indizien für meine These.. trotzdem habe ich das Gefühl, dass die Mexikaner eher ehrfürchtig in Richtung USA blicken als umgekehrt.

Gleiches gilt phasenweise für die Japaner. In der Anfangszeit natürlich sowieso, Rikidozans ganze Karriere war darauf aufgebaut, dass er sich auf eine Augenhöhe mit dem scheinbar unerreichbaren Thesz zu stellen versuchte. Und auch die Darstellung der späteren Gaijins wie den Funks, Brody, Hansen, Vader, Hogan und sogar Lesnar gegen Inoki, Baba, Tsuruta, Fujinami, Chono und Co. wirkten immer so, als wären die Japaner die Underdogs.. natürlich bookingtechnisch sehr schlau, weil japanische Siege immer als Sensation verkauft werden konnten. Außerdem haben sich die großen japanischen Ligen bis heute nicht getraut ihre so wichtigen Titel als "World" Title zu bezeichnen. Inoki hat ja extra den NWF World Title aus den USA nach Japan geholt, weil sich ein amerikanischer Titel einfach nach mehr anhörte, auch wenn er dort nur drittklassig war. Zwar wich man auf Bezeichnungen wie "Global" oder "International" Title aus, trotzdem gibt es mir das Gefühl, als würden sie sich nicht anmaßen wollen, ihre Titel in den Vergleich mit dem amerikanischen World Title der NWA zu stellen. Ein weiteres Indiz ist für mich die häufige Verwendung von englischen Begriffen im Puroresu (wie in der gesamten japanischen Medienlandschaft). Das alles muss doch einen Japaner denken lassen, dass historsch gesehen und vielleicht auch heute noch das beste Wrestling in den USA stattfand.

Dass Regionen wie Europa, Australien, Kanada und Südafrika auch eher in die USA schielen als anderswohin, muss ich jetzt nicht mehr ausführen. Nach dieser Argumentation lässt es für mich nur den Schluss zu, dass die USA das "gefühlte" weltweite Zentrum des Wrestling sind, denn dort gibt es ein solches ehrfürchtiges Erstarren angesichts des ausländischen Wrestlings nicht, auch wenn man es sehr respektiert. Man adaptiert was man haben will, und lässt den Rest links liegen. Ich führ das jetzt mal nicht weiter aus, es beruht eh eher auf einem Gefühl, als auf stichhaltigen Argumenten. Die von mir vermuteten Minderwertigkeitsgefühle der Japaner und Mexikaner erzeugen zusammen mit der fast schon arroganten selbstbewussten Haltung der amerikanischen Ligen die gefühlte Vormachtstellung der USA. Das bedeutet für mich, dass auch die gefühlte Hauptstadt in den USA liegen muss, so toll Tokyo und Mexiko-Stadt auch sind.

Ich tendiere hierbei irgendwie zu New York City. Die Stadt wurde unter Fox und Muldoon ein Schwergewicht, der starke Stand Jack Curleys hielt die New Yorker Wrestlingtradition weiter oben. Unter der New York State Athletic Commission gab es zeitweise sogar einen eigenen sehr bedeutenden World Title des Bundesstaates. Auch wenn Boston und St. Louis in den kommenden Jahren dominanter wurden, so blieb New York nicht zuletzt wegen des weltberühmten Madison Square Gardens von Relevanz, bis die McMahon-Familie langsam aber sicher die Ostküste wieder in den Mittelpunkt rückte. Der Untergang von NWA und AWA im Gegensatz zur Quicklebendigkeit der WWF rücken die gefühlte Bedeutung New Yorks immer weiter in den Vordergrund. Natürlich waren Chicago und Montreal auch wahre Wrestlingstädte, aber denselben "Klang" wie New York erreichen ihre Namen bei mir nicht, vielleicht auch zu unrecht, ich weiß es nicht.

Ich weiß, dass viele "Argumente", die ich oben vorgebracht habe, schnell ins wanken gebracht werden können. Es sind ja letztlich nur Eindrücke, die sich mir ergeben und auch unberechtigt sein können. Vielleicht fehlt mir auch die tiefere Betrachtung der Traditionen und Zuschauerzahlen einzelner Städte, die mir ein anderes "Gefühl" vermitteln könnten. Unterm Stich fühlt sich für mich einfach New York als Welthauptstadt des Wrestling an mit dem Madison Square Garden als Zentrum.
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[Kein Betreff] - von John Smith - 18.12.2007, 16:35
[Kein Betreff] - von Snowder - 18.12.2007, 16:38
[Kein Betreff] - von Nefercheperur - 18.12.2007, 17:31
[Kein Betreff] - von The Crusher - 02.06.2010, 11:09
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[Kein Betreff] - von The Crusher - 07.04.2011, 20:31

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