28.06.2010, 00:26
Es ging hier um das Auswahlkriterium des "deutschsprachigen" Raumes für die Bewertung von Berufsringern.
Estland war bis 1918 Bestandteil Russlands, wurde aber von einer deutschsprachigen Oberschicht regiert. In Mähren (Österreich-Ungarn) gab es einen starken deutschen Bevölkerungsanteil, Deutsch war eine Staatssprache. Gleichwohl kann man weder Lurich noch Fristensky als deutsche Ringer bezeichnen, auch wenn sie deutsch sprechen konnten. "Deutschsprachig" als geografisches Kriterium für die Berufsringerei halte ich deshalb für nicht optimal.
Lurich, Aberg & Co. wurden durchgängig als Russen bezeichnet, ich habe eben noch mal in meinen alten Athletik-Zeitschriften geblättert.
Hackenschmidt, auch wenns falsch ist, würde ich wegen seiner Wirkung intuitiv dem angloamerikanischen Raum zurechnen. Kleine Reminiszenz: Lurich und Deutschland hingegen - es gibt in Berlin glaube ich immer noch einen Sportverein, der nach Lurich benannt ist und bis in die siebziger Jahre auch Amateurringen im Programm hatte.
Übrigens, etwas was mich immer wieder erstaunt, ist die damalige "Globalisierung" des Berufsringen in einer nationalistisch bestimmten Zeit. Diesselben Berufsringer aus aller Herren Länder findet man immer wieder irgendwie zusammen in allen halbwegs größeren Städten Europas.
http://www.flickr.com/photos/9720826@N06/4231034421/
Es ist auch interessant zu sehen, wer z. B. alles mal damals in Bromberg oder Aachen so aufgetreten ist. Wobei naturgemäß der Anteil der Russen in St.Petersburg dominiert und der von Franzosen in Paris usw.
Erst für die Zeit nach dem 1. WK habe ich den Eindruck, dass sich die nationalen Ringerszenen mit dem Personal isolieren, so dass ab Ende der zwanziger Jahre bis in den Kampfstil unterschiedliche circuits in Frankreich und Deutschland entstanden sind, bei denen die osteuropäischen (exrussischen, polnischen, baltischen) Berufsringer allerdings in relativ großer Anzahl weiterhin in Deutschland auftreten.
Edit: Lurich & Aberg sind in der Tat nicht von den Bolschewisten erschossen worden, sondern kurz nacheinander an Typhus gestorben.
Estland war bis 1918 Bestandteil Russlands, wurde aber von einer deutschsprachigen Oberschicht regiert. In Mähren (Österreich-Ungarn) gab es einen starken deutschen Bevölkerungsanteil, Deutsch war eine Staatssprache. Gleichwohl kann man weder Lurich noch Fristensky als deutsche Ringer bezeichnen, auch wenn sie deutsch sprechen konnten. "Deutschsprachig" als geografisches Kriterium für die Berufsringerei halte ich deshalb für nicht optimal.
Lurich, Aberg & Co. wurden durchgängig als Russen bezeichnet, ich habe eben noch mal in meinen alten Athletik-Zeitschriften geblättert.
Hackenschmidt, auch wenns falsch ist, würde ich wegen seiner Wirkung intuitiv dem angloamerikanischen Raum zurechnen. Kleine Reminiszenz: Lurich und Deutschland hingegen - es gibt in Berlin glaube ich immer noch einen Sportverein, der nach Lurich benannt ist und bis in die siebziger Jahre auch Amateurringen im Programm hatte.
Übrigens, etwas was mich immer wieder erstaunt, ist die damalige "Globalisierung" des Berufsringen in einer nationalistisch bestimmten Zeit. Diesselben Berufsringer aus aller Herren Länder findet man immer wieder irgendwie zusammen in allen halbwegs größeren Städten Europas.
http://www.flickr.com/photos/9720826@N06/4231034421/
Es ist auch interessant zu sehen, wer z. B. alles mal damals in Bromberg oder Aachen so aufgetreten ist. Wobei naturgemäß der Anteil der Russen in St.Petersburg dominiert und der von Franzosen in Paris usw.
Erst für die Zeit nach dem 1. WK habe ich den Eindruck, dass sich die nationalen Ringerszenen mit dem Personal isolieren, so dass ab Ende der zwanziger Jahre bis in den Kampfstil unterschiedliche circuits in Frankreich und Deutschland entstanden sind, bei denen die osteuropäischen (exrussischen, polnischen, baltischen) Berufsringer allerdings in relativ großer Anzahl weiterhin in Deutschland auftreten.
Edit: Lurich & Aberg sind in der Tat nicht von den Bolschewisten erschossen worden, sondern kurz nacheinander an Typhus gestorben.
