31.03.2011, 12:47
Zitat:Original von Nefercheperur
Auch einen wirtschaftlichen Nachteil gegenueber den USA koennte man als Grund anfuehren.
Die Nachkriegszeit war im Wrestling (Catchen) in Mitteleuropa weitaus erfolgreicher, als man vielleicht heute glauben mag. Natürlich brachte der 2. Weltkrieg einen Stillstand mit sich, auch wenn dieser nach 1939 gar nicht 100% betrug. Vereinzelte Turniere hielt man trotzdem noch ab. Nachdem 20.06.1948 (Währungsreform) stieg das Interesse sprunghaft, und bis Mitte der 50iger Jahre verzeichnete man einen regelrechten Boom an Catch-Shows. Freilich auch im Zusammenhang mit dem Ende des gr.-röm. Stils im deutschen Berufsringkampf.
Zitat:Ein weiterer Grund ist mitsicherheit auch das sich das Wrestling vom 19 ins 20 Jahrhundert nach Nordamerika, Japan und Mexico verlagerte aus Europa heraus.
Eine sehr pauschale und teils unstimmige Aussage! Verlagerung heraus würde bedeuten, dass Europa im 20. Jahrhundert an Bedeutung im Wrestling verloren hätte, was allerdings nicht zutreffend ist. Die amerikanische Szene kann ich nicht immer automatisch als Maßstab setzen, und daraus Vergleiche ziehen. Wrestling hat meiner Ansicht nach so eine komplexe Geschichte, dass man diese nur schwer mit der anderer Kontinente direkt in Vergleich stellen kann.
Die Zuschauerzahlen von St. Louis oder anderer Städte in Nordamerika hat keine europäische Stadt in der Gesamtbetrachtung je erreicht. Aber daraus lässt sich nicht nur der Einfluss begründen. Ein wichtiger Faktor war damals schon die nicht sonderlich große Akzeptanz vom Catchen in Mitteleuropa. Die Turniere der 50iger Jahre verzeichneten durchaus hohe Zuschauerzahlen, aber im Gesamten hatte man hier doch eine andere Meinung vom Wrestling, als etwa in den USA. Amateur-Verbände, Boxszene und staatliche Behörden konnten sich mit dem Catchen damals nie wirklich anfreunden.
Im Grunde ist es in der Masse heute nicht viel besser, denn Wrestling hat in Deutschland nie die Akzeptanz gefunden, die es eigentlich verdient hätte.
Der eigentliche Grund liegt weniger in einer Verlagerung aus Europa heraus, als vielmehr deshalb, dass sich die Szene in den USA weitaus stärker hatte etablieren können. Es gab vielmehr Leute und - was noch wichtiger war - Menschen, die sich dieser Herausforderung stellten und ihr Kapital in Wrestlingshows investierten. Davon gab es in Deutschland auch einige, aber es war immer eine Zeitspanne zwischen Erfolg und Niedergang.
Europa hatte durchgehend eine gute Wrestlingszene im 20. Jahrhundert, die zwar nicht an den Zuschauerzahlen in Nordamerika herankam, aber deshalb nicht minder an Bedeutung verlor. Beispiele dafür waren Wien und Hannover. Es muss nicht über 70 Jahre eine konstante Zuschauerzahl erreicht werden, nur damit man so einen Erfolg begründen könnte. Der Erfolg in Wien und Hannover dauerte keine 70 Jahre, aber diese beiden Städte hatten trotzdem die größten Turniere, die es jemals im gesamten Wrestling gab. Es gibt weltweit keine einzige Stadt, die die Dauer und die Konstanz solcher Turniere, wie in Wien, überbieten kann. Es war nicht wichtig, ob ein Lou Thesz auf dem Wiener Heumarkt kämpfte, sondern lokal etablierte Topstars wie Georg Blemenschütz oder Otto Wanz.
Wrestling kann nicht nur auf Nordamerika fokussiert werden, da Europa ebenfalls eine bedeutsame Geschichte hat. Diese ist allerdings nicht so bekannt, wie die amerikanische Szene und es gibt längst nicht so viele Bücher über sie, trotzdem kamen sehr viele Pioniere aus Europa. Man könnte nun viele Aufzählen wie Jean Doublier oder Felix Bernard, die erst das Training in Sachen Bodenringkampf revolutionierten. Hackenschmidt hatte seine ersten Erfolge in Europa usw...
