25.04.2012, 17:35
Zitat:Original von Nefercheperur
Pro Wrestling ist kein Kampfsport, es simuliert nur den Kampfsport.
Das trifft für mich etwa für den WWE Style zu, allerdings nicht für das komplette Pro-Wrestling. Es gibt/gab durchaus Stile die den Charakter eines Kampfsports erfüllen/erfüllten, wie etwa das deutsche Wrestling in der ersten Hälfte des 20. Jh.. Beim Turniersystem überwog damals deutlich die sportliche Komponente gegenüber des Showkampfes. Ein sportlicher Wettkampf auf der Basis des gr.-röm. Stils kombiniert mit wenigen Showelementen. Ein reiner Wettkampf, wie beim Amateurringkampf, hätte auch kaum ganze Hallen und Zeltbauten füllen können. Gerade die Verknüpfung mit dem Element Show, egal in welcher Form auch immer, bringt die Kritiker dazu zu sagen, dass Pro-Wrestling keine Berichtigung als Sportart hätte. Meiner Ansicht nach wieder eine Interpretationssache der jeweiligen Zeitspanne und Stile. Damals hat die deutsche Amateurszene den Profiringkampf stark kritisiert und als Sport generell abgelehnt. Man kommt bei der historischen Betrachtung jedoch nicht drum herum, dass die ersten Amateure von alten Berufsringern ausgebildet wurden. Den Aufbau der Kraftsportvereine iniierten Berufsringer der ersten Generation oder Leute, die noch mehrere Sportarten miteinander verbanden. Sie kamen vom Zirkus, waren Akrobaten, Gewichtheber und Artisten, die auf der Kirmes und in Buden auftraten (Box und Ringerbuden) – später als „Stabuffringer“ bezeichnet.
Diese Frage, ob Pro-Wrestling nun wirklich eine Kampfsportart ist, wird ja in der Fachwelt noch heute kontrovers diskutiert. Durchaus zurecht, wenn ich mir einige Hardcore Ligen oder Backyarder ankucke. Es ist aber die Geschichte des Wrestlings an sich und die große Vielfalt an Aktiven im Ring, wodurch man schon damals keine klare Abgrenzung machen konnte. Man kann nicht einfach sagen, dass Pro-Wrestling kein Kampfsport ist oder das die gesamte Szene ein Kampfsport ist. Die Unterschiede, heute wie damals, liegen im Detail. Catchen in Mitteleuropa basierte mehr auf Sport als auf Show, und in Amerika war das wieder anders, wenn auch nicht überall gleich. Vor dem Boom des Freistils in Mitteleuropa betrachte ich die Szene durchaus als Kampfsport mit Wettkampfcharakter. Es ging dabei um Turnierplatzierungen. Dieses System, jedenfalls so ausgeprägt, existierte so in Amerika nicht und ist heute auch größtenteils unbekannt. Man kann als Gradmesser für das Pro-Wrestling aber nicht nur die amerik. Szene betrachten, sondern muss die anderen Stile und Länder ebenfalls berücksichtigen. Pro-Wrestling in England zu Zeiten eines Bert Assirati hatte ebenfalls den Charakter einer Kampfsportart. Beispiele gibt es genug, nur sind sie meistens im Dunkel der Geschichte verloren gegangen, und weil fast jeder mit Wrestling die WWE assoziiert. Aber selbst da gibt es genügend sportliche Aspekte. Die Fachwelt wird Wrestling auch in 20 Jahren nicht als Kampfsport akzeptieren, weil es definitiv ein Glaubwürdigkeitsproblem gibt und schon immer gab. Dieses wird aber oft durch genau solche Leute publiziert - damals auch schon – die noch nie eine Wrestlingshow gesehen haben. Für die breite Masse ist Wrestling in Deutschland immer noch nur reine Show und "Rumgekloppe", aber das ändert ja nichts an der Tatsache, dass es Wrestling seit mehr als 100 Jahren hier in der Profiform gibt. Es wird auch in der Zukunft eine "Randsportart" bleiben.
