30.04.2012, 20:59
Zitat:Original von Nefercheperur
Fuer mich bedeutet Kampfsport auch immer das es ein Wettkampf ist ohne das der Ausgang vorher festgelegt ist, der Stil ist fuer mich dabei total egal in der Beurteilung.
So könnte man in Kurzform das Wrestling in Mitteleuropa vor dem Boom des Freistils Anfang der 50er Jahre beschreiben. Größtenteils sportliche Wettkämpfe in Turnierform, wo der Ausgang meistens nicht gelenkt war oder der Turniersieger bereits im Vorfeld festgelegt wurde. Man kann hier sicher nicht immer von einem 100 Prozent reinen Sport sprechen, aber welche Kampfsportart kann denn als 100%iger Wettkampf betrachtet werden, wo es immer und zu allen Zeiten sportlich im Sinne des Wettkampfes vor sich ging? In der Vergangenheit gab es auch bei den etablierten Kampfsportarten genügend Skandale und Absprachen.
Zitat:Im Kampfsport tretten zwei Kaempfer in einem Kampf an und am ende gewinnt in der Regel der bessere. Im Professional Wrestling ist der Ausgang vorher festgelegt, es gibt ueberhaupt kein Kampf sondern nur die Simulation eines Kampfes, daher ist das Professional Wrestling auch eine Simulation eines Kampfsportes, aber nicht ein Kampfsport selbst.
Die Frage ist nur aus welchen Blickwinkel man es betrachtet. Daher ist der Punkt des Stils und der Epoche für mich schon wichtig, da ich Pro-Wrestling für zu komplex erachte, um es zu pauschalisieren. Für die Szene der letzten Jahrzehnte gehe ich größtenteils konform, dass der Charakter einer Kampfsportart weniger hervortritt, wie in Europa vor dem 2. Weltkrieg. Eine Unterscheidung ist insoweit wichtig, als das die Wrestler in den USA und Mitteleuropa dort schon mal in völlig anderen Stilen kämpften. "American Style ist gleich Professional Wrestling" - dies geht nicht auf, in Europa war es lange Zeit noch ein Kampfsport. Das lässt sich auch so aus den Büchern und Artikeln von europäischen Historikern entnehmen. Eine Vielzahl von Leuten betrachtete damals auch das Catchen als Sport, mitunter Kampfsport. Auch für mich. Am Ende des gr.-röm. Stils in Europa, in der Boomphase des Freistils stieg freilich auch die Anzahl an abgesprochenen Matches. Eine Fixierung auf einen reinen Wettkampf im Sinne eines 100%-ig reinen Sports, hätte in den ersten Nachkriegsjahren überhaupt zu keinem Interesse in Mitteleuropa geführt.
Zitat:Aber ich mache wie gesagt einen Unterschied zwischen Sport und Kampfsport und solange ein Professional Wrestling Match geworked ist kann es fuer mich kein Kampfsport sein.
Das mag deine Ansicht sein, die man aber kaum auf das gesamte Pro-Wrestling und auf alle Länder, Stile und Epochen beziehen kann. Dazu ist Wrestling, wie von mir vorher schon erwähnt, zu vielseitig und komplex, um es in einer Linie zu charaktersieren bzw. auf eine bestimmte Richtung festzulegen.
Es macht für mich wenig Sinn zwischen Sport und Kampfsport zu unterscheiden. Mag sein, dass einzelne Bereiche als Sport tituliert werden, die es in Wirklichkeit nicht verdient haben, doch trifft das wohl kaum auf die breite Masse zu. Wrestling ist für die meisten Anhänger ein Sport, ein Kampfsport - abhängig von Epoche und Stil. Generell das gesamte Pro-Wrestling seit Anbeginn als "worked" zu bezeichnen, ist falsch und spiegelt auch nicht die Realität wieder. Wenn ich mir bestimmte Kampfsportarten ankucke, wo die Gegner im Ring im Käfig blutig geschlagen werden, könnte ich im Gegenzug die Legimität als Kampfsport auch anzweifeln.
