10.04.2003, 14:56
Hier ein Artikel, der die These des gezielten Anschlags doch recht deutlich untermauert:
Spanische Presseberichte nähren die Vermutung, dass das vornehmlich von Journalisten bewohnte Hotel "Palestine" in Bagdad am Dienstag von US-Truppen bewusst beschossen wurde. Die Antwort des US-Hauptkommandos in Katar auf eine Anfrage der spanischen Regierung lasse erkennen, dass das Hotel 48 Stunden vor dem Beschuss zu einem potenziellen militärischen Ziel erklärt wurde, hieß es in den Berichten.
In der Antwort des US-Militärs sei keine Rede davon, dass US-Soldaten aus dem Hotel heraus von Irakern beschossen worden seien. Stattdessen werde als Begründung für den Angriff auf das "Palestine" angegeben, die irakische Seite habe das Hotel für Versammlungen genutzt. Den Journalisten sei mitgeteilt worden, dass die Unterkunft ein mögliches militärisches Ziel sei. Die dort untergebrachten spanischen Journalisten bestritten dies jedoch.
El Dschasira zieht ab
Am Dienstag waren in Bagdad insgesamt drei Journalisten ums Leben gekommen. Zwei von ihnen - darunter ein spanischer Kameramann - starben bei dem Beschuss des "Palestine", beim dritten handelte es sich um einen Kameramann des arabischen Fernsehsenders El Dschasira, dessen Redaktionsbüro in Bagdad ebenfalls von den US-Truppen bombardiert wurde.
El Dschasira hat inzwischen den Abzug aller seiner Reporter aus dem Irak angekündigt. "Ich kann niemandes Sicherheit garantieren", begründete der Nachrichtenchef von El Dschasira die Entscheidung.
"Absichtlicher Akt"
Die USA hatten den Beschuss des "Palestine" in der Öffentlichkeit zuletzt als Akt der Selbstverteidigung gerechtfertigt. Der amerikanische Militärsprecher General Vincent Brooks sagte, es gebe Berichte, dass Heckenschützen aus der Lobby des Hotels geschossen hätten. Daraufhin hätten die Amerikaner das Feuer erwidert. Journalisten vor Ort nannten diese Erklärung unglaubwürdig, da sich das beschossene Reuters-Büro im 15. Stock befunden habe.
Journalistenverbände und Redaktionen erhoben schwere Vorwürfe gegen die US-Armee. Der Beschuss "erscheint wie ein absichtlicher Akt der US-Armee", heißt es in einem in Paris veröffentlichten Protestschreiben der Organisation "Reporter ohne Grenzen" an US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld. Brooks schloss aus, dass die amerikanischen Streitkräfte gezielt gegen Journalisten vorgingen.
Auch das Vorstandsmitglied des Deutschen Journalistenverbands, Gustl Glattfelder, warf den USA vor, die Berichterstatter absichtlich angegriffen zu haben. Es liege im Interesse der USA, dass die Journalisten nur dass berichteten, was die Amerikaner vorgeben, sagte er dem DeutschlandRadio Berlin. Die Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Kerstin Müller (Grüne), forderte eine Untersuchung der Attacke auf das "Palestine".
"Ein finsteres Muster"
Reuters-Chefredakteur Geert Linnebank sagte, der Vorfall werfe Fragen über das Urteilsvermögen der vorrückenden US-Truppen auf. Der internationale Journalistenverband warf den USA und dem Irak Kriegsverbrechen vor. Die Angriffe müssten von unabhängiger Seite untersucht werden. Bereits im Afghanistan-Krieg war das El-Dschasira-Büro in Kabul von US-Truppen beschossen worden. "Es ist unmöglich, dahinter kein finsteres Muster zu erkennen", sagte Aidan White, Generalsekretär der Internationalen Journalisten-Föderation.
Die US-Armee rief Journalisten auf, weiße Tücher aus dem Hotelfenster zu hängen. Später teilten die amerikanischen Truppen mit, für das Gebäude sei eine Waffenruhe erklärt worden. Am Abend gedachten die aus Bagdad berichtenden Journalisten auf dem Rasen vor dem Hotel der getöteten Kollegen.
Seit Beginn des Krieges am 20. März sind damit zehn Journalisten ums Leben gekommen und zwei verletzt worden. Zwei Kriegsberichterstatter gelten nach Angaben der Organisation Reporter ohne Grenzen als vermisst.
Quelle: ntv.de
Spanische Presseberichte nähren die Vermutung, dass das vornehmlich von Journalisten bewohnte Hotel "Palestine" in Bagdad am Dienstag von US-Truppen bewusst beschossen wurde. Die Antwort des US-Hauptkommandos in Katar auf eine Anfrage der spanischen Regierung lasse erkennen, dass das Hotel 48 Stunden vor dem Beschuss zu einem potenziellen militärischen Ziel erklärt wurde, hieß es in den Berichten.
In der Antwort des US-Militärs sei keine Rede davon, dass US-Soldaten aus dem Hotel heraus von Irakern beschossen worden seien. Stattdessen werde als Begründung für den Angriff auf das "Palestine" angegeben, die irakische Seite habe das Hotel für Versammlungen genutzt. Den Journalisten sei mitgeteilt worden, dass die Unterkunft ein mögliches militärisches Ziel sei. Die dort untergebrachten spanischen Journalisten bestritten dies jedoch.
El Dschasira zieht ab
Am Dienstag waren in Bagdad insgesamt drei Journalisten ums Leben gekommen. Zwei von ihnen - darunter ein spanischer Kameramann - starben bei dem Beschuss des "Palestine", beim dritten handelte es sich um einen Kameramann des arabischen Fernsehsenders El Dschasira, dessen Redaktionsbüro in Bagdad ebenfalls von den US-Truppen bombardiert wurde.
El Dschasira hat inzwischen den Abzug aller seiner Reporter aus dem Irak angekündigt. "Ich kann niemandes Sicherheit garantieren", begründete der Nachrichtenchef von El Dschasira die Entscheidung.
"Absichtlicher Akt"
Die USA hatten den Beschuss des "Palestine" in der Öffentlichkeit zuletzt als Akt der Selbstverteidigung gerechtfertigt. Der amerikanische Militärsprecher General Vincent Brooks sagte, es gebe Berichte, dass Heckenschützen aus der Lobby des Hotels geschossen hätten. Daraufhin hätten die Amerikaner das Feuer erwidert. Journalisten vor Ort nannten diese Erklärung unglaubwürdig, da sich das beschossene Reuters-Büro im 15. Stock befunden habe.
Journalistenverbände und Redaktionen erhoben schwere Vorwürfe gegen die US-Armee. Der Beschuss "erscheint wie ein absichtlicher Akt der US-Armee", heißt es in einem in Paris veröffentlichten Protestschreiben der Organisation "Reporter ohne Grenzen" an US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld. Brooks schloss aus, dass die amerikanischen Streitkräfte gezielt gegen Journalisten vorgingen.
Auch das Vorstandsmitglied des Deutschen Journalistenverbands, Gustl Glattfelder, warf den USA vor, die Berichterstatter absichtlich angegriffen zu haben. Es liege im Interesse der USA, dass die Journalisten nur dass berichteten, was die Amerikaner vorgeben, sagte er dem DeutschlandRadio Berlin. Die Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Kerstin Müller (Grüne), forderte eine Untersuchung der Attacke auf das "Palestine".
"Ein finsteres Muster"
Reuters-Chefredakteur Geert Linnebank sagte, der Vorfall werfe Fragen über das Urteilsvermögen der vorrückenden US-Truppen auf. Der internationale Journalistenverband warf den USA und dem Irak Kriegsverbrechen vor. Die Angriffe müssten von unabhängiger Seite untersucht werden. Bereits im Afghanistan-Krieg war das El-Dschasira-Büro in Kabul von US-Truppen beschossen worden. "Es ist unmöglich, dahinter kein finsteres Muster zu erkennen", sagte Aidan White, Generalsekretär der Internationalen Journalisten-Föderation.
Die US-Armee rief Journalisten auf, weiße Tücher aus dem Hotelfenster zu hängen. Später teilten die amerikanischen Truppen mit, für das Gebäude sei eine Waffenruhe erklärt worden. Am Abend gedachten die aus Bagdad berichtenden Journalisten auf dem Rasen vor dem Hotel der getöteten Kollegen.
Seit Beginn des Krieges am 20. März sind damit zehn Journalisten ums Leben gekommen und zwei verletzt worden. Zwei Kriegsberichterstatter gelten nach Angaben der Organisation Reporter ohne Grenzen als vermisst.
Quelle: ntv.de
