Danke für die Antworten!
@zbyszko
Es sind noch zwei Fragen von dir offen, daher folgen jetzt die Antworten darauf.
Zitat:Ging es also bei dem Unterschied zwischen dem Catchen des VDB und dem Freistilringen des IBV eher um das Ambiente als um irgendwelche Regeln? Oder ging es auch IM Ring unterschiedlich zu?
Das kuriose daran ist, dass der IBV damals ein Turnier austrug mit der Bezeichnung "1. Catcher-Turnier". Es kam noch ein zweites hinzu. Mehr sind mir nicht bekannt. Die Presse assoziierte die IBV-Ringer mit den konkurrierenden Catchern. Das sah man dort natürlich nicht gerne. Ich müsste erst ins Regelwerk schauen, um die genauen Unterschiede herauszufinden. Generell kämpften die Catcher beim VDB unter gelockerten Regeln. Aber - und das war eben die Tradition beim Catchen - auch in Turnieren. Veranstalter wie Sven Hansen (Hamburg) lehnten Herausforderungskämpfe gegen Zuschauer aus dem Publikum ab. Diese Tradition fand man ja bei den Stabuffringern. Allerdings hatte sich das Catchen in den 70er und 80er Jahren längst vom Rummelplatz-Image losgesagt.
Die Szene existierte dabei zu allen Zeiten im Hintergrund. Veranstalter mit Stabuffringern sind mir heute nicht mehr bekannt. Das Geschäft dürfte mittlerweile wohl ganz vorbei sein. Bei den Kirmesboxern sieht das anders aus. Die Familie Heinen zieht noch, als eine der letzten Betreiber von Boxbuden, durch Deutschland. Ich habe so eine Veranstaltung mal auf dem Schützenplatz besucht. Das Geschäft brummt. Man holt sich ehemalige Profis, meistens aus dem Mittelgewicht, und lässt diese gegen Herausforderer aus dem Publikum antreten. Es gab viele "Helden", die sich vor dem Kampf als Gewinner hinstellten. Aber selbst diesen Mittelgewichtsboxer konnte an diesem Abend niemand bezwingen. Die Prämie von 1500€ bekam er im Ring überreicht und reiste damit zurück Richtung Osteuropa. Da sind 1500€ für viele Leute schon fast ein Jahresgehalt.
Im Ring ging es beim IBV und VDB schon unterschiedlich zu. Einerseits waren da die gelockerten Regeln beim VDB und andererseits der mehr an die alte Tradition anknüpfende Freistilringkampf im IBV. Beim IBV hat man nie die Situation gehabt, das etwa Gegenstände in den Kampf einbezogen wurden.
Zitat:Gab es außerhalb Deutschlands, also beispielsweise in Frankreich und Spanien, eigentlich ähnliche Konkurrenzsituationen zwischen "Catchern" und "Freistilberufsringkämpfern"? Oder ist das ein deutsches Phänomen?
Die Wurzeln des Berufsringkampfes sind in fast allen Ländern Europas gleich. Das frühe Geschäft bestimmten Kraftathleten, die mehrere Sportarten verbanden. Sie zogen in Künstler-Truppen durchs Land und boten ihre Künste auf dem Jahrmarkt an. Eine stärkere Bindung zum deutschen Ringkampf wies etwa Österreich auf, wo sich viele Ähnlichkeiten herausstellten, was den Ursprung betraf. Im Groben gab es so eine Situation aber nur in Deutschland, da der Berufsringkampf hier von Anbeginn abgelehnt wurde. So eine Ablehnung war in Länder wie England oder Frankreich undenkbar. Der Berufsringkampf in Deutschland geht in Teilen eben auf diese Kirmes-Ringkämpfe zurück. Das wurde von damaligen Berufsringern bestritten, ist letztendlich aber ein Faktum.
Was ebenfalls für Deutschland charakteristisch war, war der Streit zw. Amateurringern und Berufsringern. Der Amateurringkampf entstand aus dem Berufsringkampf. Diesen wiederum begründeten solche Kraftathleten wie Carl Abs oder Emil Naucke. Amateure warfen den Profis vor, das Ansehen des deutschen Ringkampfes zu beschädigen. Die stärkste Kritik traf dabei wieder die Catcher, die ihr Metier als Beruf ansahen. Ein Teil der Kritik färbte auch auf die IBV-Ringer ab. Die Presse und einige Zuschauer konnten die beiden Lager oft nicht auseinanderhalten. Bei den Skandalen im Catchen wurde oft auch der IBV einbezogen.