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Others Steckbrief: Hermann Simon
#1
HERMANN SIMON

[Bild: http://www.wwf4ever.de/team/ronald/Hermann Simon.jpg]
August 1953


1936 war die Amateurszene des deutschen Wrestlings hellwach, als der Koblenzer Hermann Simon ins Profilager übertrat. Gewiss kein seltenes Phänomen, schon damals nicht, aber bedeutete dieser Übertritt doch auch das vorläufige Ende der Amateur-Hochburg Koblenz. Simon ist heute einer der unbekanntesten deutschen Profis, weil er gar nicht so sehr im Fokus der Turniere stand und meistens als "Mitläufer" fungierte. Obwohl er als Professional nie einen Titel oder ein Turnier gewann, wurde er trotzdem von seinen Mitstreitern stark respektiert. Man wusste genau, wie gut Simon als Techniker im gr.-röm. Stil wirklich war, obgleich sein Talent als "Showman" gegen Null tendierte.


Fakten/Herkunft:
* 19.12.1906 in Koblenz
† 07.04.1987 in Einbeck (Niedersachsen)

- gelernter Metzger
- Spitzname "Kampfmaschine" zu seiner Koblenzer Zeit
- aufgewachsen in Koblenz; lebte später viele Jahre in Hannover; seit ca. 1976 in Sievershausen am Solling
- verheiratet mit Margit Simon, die aus der ungarischen Ringerfamilie Bücky stammte; Bela Bücky – erst Amateur später Professional – war der Trainingspartner und Mitstreiter von Hermann Simon in Koblenz
- verstarb nach kurzer Krankheit im Klinikum Einbeck


Karriere:
- war einer der erfolgreichsten deutschen Amateurringer und Amateurtrainer; gewann rund 50 erste Preise und Meisterschaften

- als Profi einer der technisch besten deutschen Ringer

- zuerst Gewichheber im "Athletik-Sport-Verein Siegfried Koblenz 03" (gegründet als "Stemm- und Ringverein Koblenz 03"); stieß mit 17 Jahren beidarmig 215 Pfund beim Jugendtag in Köln

- wandte sich mehr dem Amateurringen zu und wurde einer der besten Ringer seines Heimatvereins; besiegte mit 16 Jahren den Europameister und Olympiasieger Lajos Keresztes aus Ungarn

- Mai 1925: Gewinner der Koblenzer Gaumeisterschaft (Amateurringen; Mittelgewicht A)

- 1926/27: Gau- und Kreismeister (Amateurringen); erreichte 1926 den entscheidenden Punktesieg für seinen Verein bei der Gruppenmeisterschaft Nordwest; der ASV Koblenz siegte gegen Heros Dortmund

- 1927: besiegte Jean Földeak beim Endkampf der Gruppenmeisterschaft Nordwest (Mittelgewicht B), wodurch der ASV Koblenz gegen den Hammer Sportverein Hamburg gewann

- war bereits früh als Trainer beim ASV Koblenz aktiv

- bewies hohe Trainerqualitäten und warb aktiv für den Ringsport; trainierte zahlreiche Amateure, darunter Herbert Audersch, der später ins Profilager wechselte; Audersch wurde 1938 in Antwerpen Weltmeister der Profis

- Deutscher Amateurmeister im Mittelgewicht 1927 in Nürnberg; das war sein größter Erfolg als Amateur; platzierte sich vor seinem alten Rivalen Jean Földeak

- Teilnehmer der Länderkämpfe 1928 in Kopenhagen

- qualifizierte sich 1928 mit einem Sieg gegen Europameister Fritz Bräun für die Olympischen Spiele in Amsterdam (Mittelgewicht – griechisch-römischer Stil), an der erstmals wieder deutsche Ringer nach Ende des 1. Weltkrieges teilnehmen durften; vorzeitig ausgeschieden nach Niederlagen gegen Albert Kusnets (Estland) und Nurettin Baytorun (Türkei)

- 1929: Platz 2 als Weltgewichtler bei den Deutschen Kampfspielen in Breslau hinter Földeak; Platz 2 bei der Deutschen Meisterschaft hinter Földeak

- musste 1931 seine Amateurlaufbahn wegen einer Armverletzung vorzeitig beenden; bestritt nach erfolgter Rehabilitation noch einzelne Wettkämpfe ohne nennenswerte Erfolge

- kam durch seinen einstigen Schüler Herbert Audersch ins deutsche Professional Wrestling, das damals durch den gr.-röm. Stil charakterisiert war; Audersch überredete Simon

- 1936: Debüt als Professional; siegte gleich am Anfang gegen etablierte Profis wie Gustav Budrus und Karl Pohlfuß; der große Durchbruch blieb ihm verwehrt, da er nur sehr schwer vom Amateurstil wegkam und wenig mit Showeinlagen Punkten konnte; der Wechsel war für ihn zeitlebens ein Zwiespalt, da er nie wirklich mit dem Profringkampf in Einklang kam

- Januar 1937: Teilnehmer der Schweizer Meisterschaft in Zürich, die Audersch gewann

- April 1937: untere Platzierung beim Turnier in Köln

- als Profi oft im westdeutschen Raum aktiv; gefragter Berufsringer auf dem Balkan und in Mitteleuropa

- bestritt einen sehr guten technisch versierten Kampf gegen Weltmeister Fritz Kley in Saarbrücken


[Bild: http://www.wwf4ever.de/team/ronald/Hermann Simon 2.jpg]


- musste Ende der 30er Jahre auf Südeuropa (oft im ehemaligen Jugoslawien) ausweichen, da er kaum noch Auftritte im Deutschen Reich bekam; Hintergrund war der Streit mit einem Promoter um den Ausgang eines Kampfes, den Simon unbedingt gewinnen wollte, da sich der Oberbürgermeister seiner Heimatstadt als Zuschauer angekündigt hatte; Bekanntschaft und Freundschaft in dieser Zeit mit dem jugoslawischen Professional Pero Janes

- 1939: Rückkehr ins Amateurlager als Trainer einer Sportgemeinschaft in Koblenz; etablierte sich erneut als Erfolgstrainer der einstigen Amateur-Hochburg Koblenz

- verließ Koblenz nach Ende des 2. Weltkrieges und zog nach Hannover; seine Heimatstadt büßte den Status einer Amateur-Hochburg ein, wie sie es während der 20er und 30er Jahre noch war

- zog sich über viele Jahre von der Ringmatte zurück und arbeitete in Hannover als Metzger

- eröffnete in Hannover das Lokal "Simon's Kiebitz Stube"

- kehrte ins Profilager zurück, als gerade der Freistil (Catchen) seinen ersten Boom in Deutschland erlebte; war 1953 öfters als sportlicher Leiter, Manager und Co-Promoter der Turniere aktiv (Hannover, Berlin, Hamburg, Bremen)

- Frühjahr 1953: Teilnehmer und Co-Promoter beim Großturnier in Hamburg

- schloss mit dem Berufsboxer Peter Müller am 22.04.1953 in Hannover einen Manager- und Trainervertrag ab; Müller war zeitweise auch als Catcher aktiv

- Juli / August 1953: Teilnehmer und Co-Promoter der Catch-Weltmeisterschaft in Hannover; erreichte zusammen mit Leif Rasmussen den dritten Platz; das Turnier am Engelbosteler Damm (Christuskirche) wurde nach einigen Kampftagen wegen Lärmbelästigung und Terminüberschreitung verboten; es gab noch eine Straßenschlacht mit der Polizei, als die Fans nicht in den Zeltbau durften; Simon und seine Mitstreiter legten Beschwerde ein und zogen vor das Landesverwaltungsgericht in Lüneburg, das die Fortführung des Turniers erlaubte

- Ende 1953: funktionell im Management beim Internationalen Freistilturnier in Bremen tätig; dort traten insgesamt 42 Catcher an; eines der am stärksten besetzten Catch-Turniere dieser Zeit

- endgültiger Rückzug als Professional; wechselte erneut als Trainer ins Amateurlager und widmete sich dem Wiederaufbau dieser Szene in Norddeutschland nach Kriegsende

- initiierte 1959 maßgeblich die Neugründung vom "Athletik-Sport-Verein Siegfried Hannover" als Nachfolger vom 1908 formierten "Kraft- und Sportverein Augustus"; Trainer und Sportwart des Vereins; zuletzt noch als dessen technischer Berater aktiv; sorgte für den Aufbau einer Ringermannschaft mit hohem Potenzial; durch Simons starken Einsatz erlebte die Amateurszene in Hannover ihre Hochzeit; der ASV wurde zu einem der besten Vereine Norddeutschlands

- distanzierte sich später vom Catchen: "Ich war selbst einmal der Not gehorchend Profi und kenne die Methoden die mich veranlaßten bald angewiedert dieser Gilde den Rücken zu kehren. Von der ganzen Truppe des Herrn Kaiser können eventuell zwei oder drei Ringen, die Anderen sind Schauspieler und haben vom seriösen Ringen keine Ahnung." (1962)

- 1965: Hermann Simon tritt von allen Positionen zurück

- Ehrenmitglied vom ASV Siegfried Koblenz und ASV Siegfried Hannover


[Bild: http://www.wwf4ever.de/team/ronald/Hermann Simon 3.jpg]
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#2
Danke für die Horizont-Erweiterung ;) Hermann Simon war mir zuvor jedenfalls nie ein Begriff.
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