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Biographie: Evan Lewis - The Original Strangler
#3
Ein großer Trubel ging in jenen Tagen in den USA umher. Fast alle großen Zeitungen berichteten zumindest im Sportteil darüber, was für ein Wrestling Match am 07. Februar 1887 in Chicago ausgetragen werden sollte. Der Tag rückte an und 5000 Zuschauer ließen die Battery D Armory fast auseinanderbrechen. Aus allen Teilen des Landes kamen sie angereist. Pressevertreter, Politiker, Sportjournalisten und etliche Geschäftsleute. Das war auch ein Kennzeichen der Zeit. Groß angekündigte Wrestling Matches zogen ein Heer von Geschäftsleuten an, die manchmal Unsummen auf die Kontrahenten setzten. Es ging nun um den "American catch as catch can Title", der höchsten Trophäe im Freistil der USA. Kein Wunder, das sämtliche Freistil Wrestler dieser Tage mit Spannung nach Chicago schauten. Einige sprachen auch schon im Vorfeld eine Herausforderung an den Sieger aus. Ringrichter Jack Burke betrat die Halle gefolgt von den beiden Rivalen, Lewis und Acton.

Acton, der mit 5´10´´ft. der kleinste unter allen großen Wrestler der Welt war, musste zu Lewis regelrecht aufschauhen. Doch Acton hatte sich über Jahre hinweg an der Spitze im Wrestling behaupten können. Viele nannten ihn nicht ohne Grund "the little Demon". Und das Größe nicht immer automatisch etwas über Kraft aussagt, dass musste Lewis in diesem Kampf schmerzlich feststellen. Acton konnte Lewis hart in Schach halten, und bewährte sich gegenüber dem Strangler sehr gut. Lewis wollte sich nicht so schnell geschlagen geben. Er setzte den strangle hold an, Acton drehte sich jedoch geschickt heraus. Es galten hier die im Vorfeld festgesetzten "Police Gazette Regeln". Danach war der Fall erreicht, sobald der Gegner mit beiden Schultern die Ringmatte berührte. Normalerweise ging der Fall erst durch, nachdem beide Schultern und die Hüfte den Ringboden berührten. Acton schaffte drei Falls, Lewis nur einen. Acton war zweifelsfrei der bessere Mann an diesem Abend. Er konnte den Kampf für sich entscheiden und behielt somit den Titel.

Kein Titelmatch ohne Skandale und Absprachen - so war offenbar die Meinung einiger Zuschauer und Zeitungen. Die Police Gazette schrieb nähmlich: "From the press stand it certainly looked as if both of Acton´s shoulders were on the floor when he struck. Burke, however, decided differently." Was die Presseleute da wirklich gesehen haben, kann man natürlich nicht mehr ergründen. Es war eben ihre Sicht der Dinge. Was zählte war die Entscheidung des Ringrichters Burke. Und der entschied für Acton. Die Zuschauermeinungen über den Kampf gingen weit auseinander. Es erhallte auch die Anmerkung, dass beide überhaupt das erste richtig gute Match hier in Chicago bestritten hätten. Außerdem gelang es Lewis, als ersten Wrestler in den USA, einen Fall gegen Acton durchzubringen.

Wie man beim Match zwischen Lewis und Acton sieht, ist die Diskussion um abgesprochene oder echte Matches so alt wie das Pro-Wrestling selbst. Die größte Einflußnahme übten die Zeitungen aus. Sie verdrängten noch für einen Zeitraum die Macht der Promoter. So wurden bereits 1892 verstärkt Matchausgänge und Absprachen in den Zeitungen veröffentlicht. Das führte natürlich schnell zu Diskussionen. Letztendlich kann man die meisten Vorgänge in den Hintertüren heute nicht mehr eindeutig rekonstruieren. Festzustellen ist aber, dass seit Beginn des Pro-Wrestlings Absprachen unweigerlich zum Geschäft gehörten. Bei den großen Kämpfen war der Trubel fast immer spürbar, denn es erhallten ständig Sprüche nach Absprachen. Die damaligen Wrestlingfans nahmen das sehr ernst, was da im Ring eigentlich passierte. Selbst lange nach der Show wurden noch Stimmen laut. Manchmal musste der Wrestler Beschimpfungen und Anfeindungen über sich ergehen lassen, die es heute kaum mehr geben würde.

Im März des Jahres 1887 kam es zur Konfrontation mit dem Erzfeind Jack Carkeek. Der wollte sich gegenüber Lewis behaupten, stürzte aber bitter in eine Niederlage. Im "Grand Opera House" von Milwaukee/Wisconsin saßen am 03. März 1887 1750 Zuschauer, und verfolgten erschrocken die brutale Schlacht der beiden. Ringrichter John Kline gab nach 22 Minuten den ersten Fall an Lewis. Im weiteren Verlauf des Kampfes verletzte sich Carkeek allerdings so schwer, dass seine Karriere ernsthaft in Gefahr geriet. Der Ringrichter entschied zu Gunsten von Lewis. Carkeek musste hiernach für einige Zeit pausieren.

Obwohl Carkeek in dem Match eine Verletzung einstecken musste, erschien er kurze Zeit später wieder in Chicago. Diese Niederlage wollte er so nicht auf sich sitzen lassen. In Chicago wusste man noch nichts von diesem harten Kampf in Milwaukee. Acton und Lewis unterzeichneten gerade zum selben Zeitpunkt den Vertrag für das Rückmatch. Der sah ein Verbot von jeglichen Kämpfen bis zum angesetzen Datum vor - und zwar für beide Parteien. Acton wurde nach dem Sieg gegen Lewis vom 07. Februar hochgehalten und gefeiert. Die Überheblichkeit der Zuschauer ließ sogar Stimmen laut werden, die meinten, Acton sei unschlagbar. Die Presse hatte natürlich mal wieder eine Menge Stoff zu berichten. Der Champion Acton hätte den Titel unter schwierigsten Bedingungen verteidigen können. Es gäbe eigentlich in den USA keinen besseren Wrestler im Freistil. Gerade diese Meinungen der Presse und Zuschauer verdeutlichten den Ernst, mit dem man sich in die Matches stürzte.

Große Wrestlingkämpfe genossen damals unerhörtes Interesse. Wenn sich die Fans dann verspekuliert hatten beim Wetten oder die Absprachen ans Tageslicht rückten, dann war der Protest groß. Regelrechte Wutausbrüche brachen unter den Zuschauern aus. Stühle und Flaschen flogen durch die Gegend. In einem bekannten Fall, musste sogar der Bürgermeister des Ortes in den Ring steigen, um die aufgebrachten Massen zu beruhigen. Die Veranstaltung wurde schlussendlich abgebrochen. Der Rückkampf gegen Acton ließ nicht lange auf sich warten. Eigentlich sollte er am 14. März 1887 in Chicago ausgetragen werden. Doch kurz vorher sagte man ihn ab. In die Auseinandersetzung zwischen Acton und Lewis, mischte sich Jack Carkeek ein. Im festgesetzte Vertrag für das Match am 14. März verpflichteten sich beide Parteien, keinen Kampf vorher zu bestreiten. Carkeek war nun in Chicago und wollte unbedingt gegen Lewis antreten. Er sah Acton nur als starken Gegenspieler an, und stellte seine Position für das Match in Frage. Er sei der Wrestler der dem Strangler entgegentreten sollte. Für Lewis kam der Erzfeind Carkeek gerade zur rechten Zeit. Man hatte ja noch eine offene Rechnung vom 03. März 1887 zu begleichen. Vielmehr wollte das Carkeek so. Doch Acton und sein Manager Arthur Chambers kamen aufeinmal dahinter, dass Lewis gegen die Vertragsklauseln verstoßen hatte. Der Kampf gegen Carkeek hätte demnach nie zustandekommen dürfen. Sie forderten eine Vertragsstrafe von 100$. Sollte Lewis bezahlen, dann würde der Rückkampf um den Titel kommen. Doch er bezahlte nicht, deshalb wurde das Match abgesagt.

Es vergingen vier Wochen, als die "Police Gazette" am 09. April 1887 plötzlich meldete, dass der große Rückkampf um den Titel für Chicago angesetzt wurde. Und tatsächlich, man hatte sich in den Hintertüren einigen können. Der 11. April sollte der Tag der Entscheidung sein. Ein "three out of five falls" Match wurde festgesetzt. Natürlich ging es um die höchste Trophäe im Freistil der USA, um den "American catch-as-catch-can Title". Acton war offenbar vom Können des Stranglers überzeugt. Er meinte, dass Lewis der kommende "World Champion" im Freistil der USA werden könne. Dafür müsse er sich aber ins Zeug legen. Der 11. April 1887 rollte ins Land und die "Battery D Armory" platzte mal wieder aus allen Nähten. Der "American catch-as-catch-can Title" stand auf dem Spiel. Vor den begeisterten Augen der Zuschauer schaffte es Lewis tatsächlich Acton in die Knie zu zwingen. Acton stürzte als Champion in die Niederlage. Die Leute waren fassungslos, galt Acton doch bisher als unbesiegt. Gut sechs Jahre hatte sich der kleine Demon, wie ihn viele nannten, an der Spitze des Freistils behaupten können. Und nun fiel er als Champion. Was für ein Sieg für den Strangler. Er hatte sein Ziel erreicht. Chicago hielt noch lange danach den Atmen an. Der Kampf brachte den ersten anerkannten Titelwechsel in der Geschichte des Amerikanischen Wrestlings hervor. Kein Wunder also, dass sämtliche namhafte Wrestler im Freistil sofort Lewis als Gegner ins Auge fassten. Doch der Champion hielt stand und konnte sich lange behaupten. Bis 1893 besiegte er jeden, der eine Titelchance haben wollte.

Davies sprach eine Herausforderung an alle Männer in der Welt aus, die Lewis in einem "catch as catch can" Match bezwingen wollten. Dann kam eines Nachts in das Büro von Davies ein Mann mit Londoner Akzent. Er meinte, dass der Wrestler Jack Wannop die Herausforderung annehmen werde. Er sei nun hier um die Formalitäten zu klären. Er betonte, Wannop sei auf der anderen Seite des großen Teiches ein sehr guter Wrestler, der Champion im "catch-as-catch-can style" von England. Davies stimmte zu und setzte den Kampf für Chicago an, im alterwürdigen Theater "Batterry D Armory". Es wurde eine Prämie von 1000$ ausgehandelt. Der Kampf zwischen Lewis und Wannop kam dann am 07. Mai 1888. Wieder stürmten 2900 Zuschauer ins Theater und sorgten für vollbesetzte Ränge. Wannop konnte nicht wirklich viel ausrichten. Für Lewis schien war es das reinste Vergnügen zu sein, Wannop wie ein Spielzeug zu behandeln. Letztendlich musste er sich geschlagen geben, wie so viele andere in diesen Tagen. Für Lewis war das wohl der leichteste Gegner, den er bisher vorgesetzt bekam. Für Wannop und dem Hintermann wurde es zur bitteren Enttäuschung. Eine Überraschung war aber in den Zuschauerreihen zu beobachten. Denn dort saß niemand geringers als Matsada Sorakichi. Er war in Begleitung von Streifenpolizisten erschienen und hatte am Ring platz genommen.

Im Frühjahr 1889 kam Martin Burns nach Chicago gereist. Burns war nach ein paar Jahren im Wrestling 1888 auf die Farm zurückgekehrt. Die Niederlage gegen Lewis steckte offensichtlich noch in seinen Knochen. Der Zufall wollte es so, dass sich beide in Chicago wieder trafen. Burns schaute nicht schlecht, als er ein Plakat erblickte, das Herausforderungen an andere Wrestler zum Thema hatte. Davies hatte sich ja eine gute Strategie einfallen lassen, um Lewis bekannter zu machen. Er verkündete auf dem Plakat, dass Lewis jedem Wrestler 25$ bezahlen würde, wenn derjenige gegen ihn 15 Minuten durchhalten könne. Burns ließ sich nicht lange bitten und nahm die Herausforderung an. Er ging zum "Olympic Theatre" und erklärte den Managern, er sei der Mann, der Lewis herausfordern wolle. Die Manager lehnten an diesem Abend ab, da Lewis bereits genug Wrestler als Gegner hatte. Burns ließ nicht locker, kam ein zweites und drittes Mal. Dann gaben die Manager nach. Der Abend kam und Burns musste sich in einem Handicap Match bewähren. Zuerst kam Jack Carkeek, mit dem Lewis dieser Tage zusammen kämpfte. Carkeek stürzte aber in die Niederlage. Auch Lewis ging es nicht anders. Vor den Augen der erstaunten Manager schaffte Burns die Sensation des Abends. Der Strangler war besiegt. Burns bekam die versprochenen 25$. Jahre später sollten es aber nicht mehr nur 25$ sein, da winkte nämlich der American Heavyweight Title, den Burns von Lewis gewann.

Lewis kehrte nach einigen Jahren im Wrestling zunächst in seine Heimat zurück. Als Champion hatte er mittlerweile schon ordentlich Geld verdient. Zumindest was diese Zeitspanne betrifft. In Barneveld in Iowa kaufte er im Juni 1889 ein Hotel und leitete es lange Jahre. Nebenbei trainierte er weiter. Der Champion war ja gezwungen auch Herausforderungen zu bestreiten. Er konnte sich also nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen. Kaum als er das Hotel eröffnete, da meldete sich ein weiterer Champion, Charly Green. Er war der Champion von England und forderte Lewis zum Kampf heraus. Der ließ sich nicht lange bitten. Sein Training zahlte sich aus, denn Green hatte keine Chance. Lewis gewann das Match dermaßen leicht, wie schon bei Jack Wannop.

Am 21. März 1892 saßen 3000 Zuschauer in der ausverkauften Battery D Armory. Vor ihren Augen konnte Lewis Jack King in die Knie zwingen. Danach kam es zur Fehde mit Ernst Roeber.

Im Pro-Wrestling der Vereinigten Staaten gab es bis dato zwei wichtige Titel: den "American Greco-Roman Title" von Ernst Roeber und den "American catch-as-catch-can Title" von Evan Lewis. Seit Jahren schon beanspruchten beide Ringerlager, dass ihre Titel wahre "World Title" seihen. Das ist jedoch übertrieben. Es existierte in jenen Jahren kein anerkannter World Title. Die inoffizielle Erhebung durch die Amerikaner, zeigte, wie selbstbewusst sie waren. Der Kampf Roeber gegen Lewis vom 02. März 1893 ist einer, der bis heute kontrovers diskutiert wird. Einmal werden Absprachen behauptet, einmal wieder nicht. Doch in jenen Tagen war die Diskussion um Absprachen nebensächlich. Die schnellebige Wrestlingwelt schaute nach New Orleans, als sich die beiden größten Wrestler dieser Tage gegenüberstanden. Es wurde nicht nur einer der bisher größten Matches im Wrestling der USA, es wurde auch ein Schauplatz der beiden großen Ringerlager. Jeder wetteiferte für seinen Liebling. Roeber werde Lewis umhauen, erschien in der Presse. Griechisch-Römisch sei das wahre Wrestling der USA. Die andere Seite hielt dagegen, und argumentierte, dass in New York ja auch nicht alles mit rechten Dingen zugehen würde. Nun der Streit zwischen beiden Parteien war jetzt mehr als offensichtlich geworden. In New York fürchtete man um die Position des "American Greco-Roman Title". Nicht auszudenken gewesen, wenn hier tatsächlich ein Wrestler aus dem Freistil die Halle als Sieger verlassen würde. Doch es kam genauso. Das Match endete mit dem Sieg von Evan Lewis. Roebers Hintermänner waren Muldoon und Fox, die in New York kräftig die Daumen drückten. Sowie direkt am Ring Martin Julian und Frank Gosworth. Als Ringrichter wurde Prof. Dufly ausgewählt.

Roeber stürzte aber vor den Augen des vollbesetzten "Olympic Club" in New Orleans in eine gewaltige Niederlage. In der Halle und im Rest der USA kehrte für einen Moment Stille ein. Die Zuschauer hielten den Atem an, und brachen kurz darauf in Jubelstürmen aus. Lewis wurde wie ein Kaiser gefeiert. Die Pressemaschinen rollten sofort an, und brachten das Ergebnis quer durch das Land. In New York sah man wehleidig zu, wie Roebers Titel von der Bildfläche verschwand. Das Match brachte nämlich eine Titelvereinigung der beiden wichtigsten Trophäen mit sich. Eine wirkliche Vereinigung war es wohl nur auf dem Papier. Die Verbitterung um den Verlust der Griechisch-Römischen Krone war groß. Der Freistil hatte sich letztendlich durchsetzen können. Aus den beiden Titeln wurde der "American Heavyweight Title" formiert. Mit den beiden Titeln vereinigten sich auch mehr oder weniger, die vorher stark gegensätzlichen Stile, Griechisch-Römisch und Freistilringen. Ab den 1890er Jahren erlebte der Freistil in Nordamerika generell einen Aufwind. "Graeco-Roman Wrestling" wurde mehr und mehr in die Ecke gedrängt. Der Stil erlebte genau dasselbe Schicksal wie Jahre zuvor der "collar and elbow style". Doch das waren eben die Veränderungen, die die Zeit mit sich brachte. Die Menschen hatten sich an Griechisch-Römisch satt gesehen. Sie wollten mehr Action, mehr Freizügigkeit, bessere Unterhaltung. Und das alles brachte der Freistil unweigerlich mit. Evan Lewis hielt nun als erster den Titel in den Händen, der jetzt zur wichtigsten Trophäe im gesamten Wrestling der USA aufstieg.

Nach Chicago reiste im Spätjahr 1893 ein Wrestler, den Lewis bereits als Ringrichter kannte, Duncun C. Ross. Ross war aber nicht nur Ringrichter gewesen, er war der Wrestler im Mixed Style der USA schlechthin. Eine hervorragende Kondition und Technik brachte der türkische Athlet an den Mann. Ross und Lewis sind wohl etliche Male aufeinandergetroffen. Es ist aber nur noch ein Match aus den staubigen Zeitungen zu entnehmen. Am 14. November 1893 war der Tag der Entscheidung in Chicago angebrochen. Es wurde ein Kampf im Mixed Style (Greco-Roman; catch-as-catch-can; Cumberland) festgelegt. Somit hatte der gute Ross schon einen Vorteil. Die Runde im Greco-Roman style ging, wie sollte es auch anders sein, an Ross. Den catch-as-catch-can Fall sicherte sich Lewis. Doch im dritten Stil biß sich Lewis die Zähne an Ross aus. Es war der Cumberland Style, der wilde Kampfstil aus Schottland. Und Ross war auch darin ein Meister, denn er gewann etliche Medaillen und die berühmten "Schottland Kämpfe". Nach 5 Minuten und 30 Sekunden legte Ross den Strangler geradezu flach, und heimste den Sieg ein.

Bei der Ankündigung in der Zeitung konnte es natürlich nicht bleiben. Zu stark sahen sich beide als Rivalen an. Burns war der Erzfeind von Lewis. Doch das Match am 07. April in Chicago konnte nicht stattfinden, da Lewis ernsthaft erkrankte. Der Strangler musste lange Zeit pausieren. Vermutlich könnte das schon die Krankheit gewesen sein, die ihm später das Leben kostete. Eine Quelle nennt ein Lungenleiden. Angeblich hätte Evan nur noch eine Lunge gehabt. Es dauerte fast ein Jahr, bis sich Lewis wieder soweit erholt hatte, dass er nun doch gegen Burns antreten konnte. Für den 20. April 1895 wurde der Kampf groß angekündigt. Verständlich das wieder die Augen nach Chicago blickten. Diesmal in die "2nd Regiment Armory", wo gut 3000 Zuschauer den Kampf der beiden Wrestlinggrößen miterlebten. Der American Heavyweight Title (mixed style) von Lewis stand auf dem Spiel. Bis 1895 hatte er ihn also halten können. Nicht unverständlich, dass er sich dabei einen hohen Ruf im Wrestling erarbeiten konnte. Doch an jenem Abend meinte es das Schicksal nicht gut für den Strangler. Burns war kein niemand und dazu noch ein Wrestlingtrainer. Die entscheidende Aktion viel, als Burns einen half-nelson in der letzten Runde ansetzen konnte. Ringrichter Prof. C.O. Duplessis gab den Fall und den Sieg an Burns. Der strahlende Sieger hielt nun den langersehnten Titel in den Händen. Burns war der zweite Champion in der Rangfolge. Der Strangler hatte den Titel 2 Jahre lang halten können.

Ab Mitte der 1890er Jahre ging die Karriere des Stranglers steil bergab. Hintergrund war das Verbot des strangle holds durch die „New York State Athletic Commission (NYSAC)“. In das Regelwerk des griechisch-römischen Ringkampfes passte der Würgegriff natürlich von Anfang an nicht. Im Freistil sah man das offenbar genauso. Verständnis wollte man dafür nicht aufbringen, da Lewis bereits mehrere Wrestler verletzt hatte, oder sogar bis zur Bewusstlosigkeit würgte. Generell setzte ein Zeitraum ein, wo der Freistil das Steuer in Nordamerika übernahm. Es dauerte nicht mehr lange, bis 1899 Frank Gotch erschien. Gotch der Wrestler im Freistil schlechthin. Ein Vorbild für eine ganze Generation.

Lewis reiste nach England und traf am 28. August 1897 in London auf "Bulldog" Tom Clayton. Er bezwang den Bulldog nach 18 Minuten mit einem klaren 2 zu 0 Fall. Als Prämie winkte die britische Version des "World Title", also der "British "World" Heavyweight Title". Ein Titel mit keiner weltweiten Bedeutung. Zwar sahen die Amerikaner ihren Champion als "Weltmeister" an, doch die Briten waren ebenfalls nicht unwichtig. Gerade aus England kamen die ersten großen Namen im Freistil, wie Tom Cannon. Um nur einen zu nennen. So sehr sich einige auch als "Weltmeister" bezeichneten, es existierte einfach noch kein Titel mit weltweiter Anerkennung. Lewis verblieb noch 2 Monate in England und unterstützte eine Benefiz Tour im Boxen. Daran beteiligt waren u.a. Ed Carroll und die englische Boxlegende Jem Mace.

1898 schließlich bestritt Lewis seinen letzten großen Kampf, der in einer Niederlage enden sollte. Im Februar 1898 reiste aus Frankreich ein Wrestler in die USA, der es in sich hatte, Ismail Yusuf. Der schreckliche Türke, wie man ihn nur nannte, hinterließ in Europa bereits Spuren. Starke Rückendeckung bekam er von seinen Managern Jean Doublier und Antonio Pierri. Es sollte nun eine Konfrontation mit dem Strangler folgen, die dieser vorher noch nicht bestritten hatte. Bisher schaffte es kaum einer in Europa Yusuf auf die Matte zu zwingen. In der Türkei erst recht keiner. Die Gegner verletzten sich manchmal herb. Yusuf ging mit ihnen hart ins Gericht. Dafür war er bekannt. In Europa sprach sich mittlerweile herum, dass Lewis und Roeber angeblich die größten amerikanischen Wrester seien. Auch in Kleinasien nahm man dies war. Am Hofe von Abdul Hamid II. flog die Nachricht ins Haus. Der war zwar relativ erstaunt von den beiden Amerikanern, aber noch lange nicht beeindruckt. Er schickte Yusuf nach Übersee. Doublier und Pierri waren schnell zur Stelle und organisierten die Überfahrt ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Doublier setzte sich stark für Yusuf ein. Er war derjenige, der ihn trainierte und auch unterstützte. Kaum waren sie in Amerika angekommen, da sprach Doublier sofort eine Herausforderung an alle Wrestler des Landes aus. Speziell ging diese natürlich in Richtung Lewis und Roeber. Nun kam der große Kampf, der viel Aufmerksamkeit auf sich zog.

Nach Chicago stürmten dieser Tage weider ein Haufen Menschen. Am 20. Juni 1898 saßen unglaubliche 10.000 Menschen im "Tattersalls" von Chicago. Eine große Zuschauerkulisse. Eine der bisher größten im damaligen Wrestling. Es ging um 3500$ Prämie und um die "Weltmeisterschaft". Nun fragt man sich vielleicht, um was denn für eine Weltmeisterschaft es sich handelte. Lewis hatte keinen Titel mehr inne. Es ging offenbar um eine inoffizielle Weltmeisterschaft, da es einen weltweit anerkannten Titel noch nicht gab. So ganz wollte das natürlich keiner zugeben. Der Kampf der Giganten konnte beginnen. Der einzige Griff, der nicht angewendet werden durfte, war Evan´s strangle hold. Yusuf stürmte auf Evan zu und setzte genau diesen verbotenen Griff an. Ringrichter Tim Hogan wertete dies als Faul und gab den ersten Fall an Lewis. Nun entstand im Publikum ein Groll, der sich in Proteststürmen äußerte. Ringrichter Hogan und die beiden Kontrahenten verfielen in eine lange Diskussion. Hogan wurde kurzerhand von einem anderen Ringrichter ausgewechselt, C.O. Duplessis. Doch Hogan wollte nicht so einfach gehen und weigerte sich die Halle zu verlassen. Erst mit Hilfe einiger Ordnungsleute verließ er die Halle. Das Match konnte weitergehen. Yusuf ließ nicht locker und setzte erneut den strangle hold an. Ringrichter Duplessis verwarnte ihn. Er ignorierte die Warnung und musste die Konseqenzen tragen. Auch der Fall wurde Lewis zuerkannt. Ab hier lässt sich nicht mehr genau sagen, wie das Match tatsächlich beendet wurde. In den Zeitungsberichten war davon die Rede, dass Yusuf siegte. Weitere Recherchen kamen zu dem Ergebnis, das er tatsächlich das Match gewonnen hatte. Lewis konnte den strangle hold bei Yusuf nicht durchbringen. Eigentlich war der ja verboten worden. Das Match ging ziemlich umstritten aus. Lewis betonte danach, dass Yusuf definitiv der bessere Mann an dem Abend gewesen ist. 32 Jahre nach dem Kampf sprach ein Mann darüber, der zu den größten Promotern der Geschichte zählte, Jack Curley. Curley saß damals im Publikum und beobachtete das Geschehen genau. Er meinte später:"Soon as Yousouf got a good clcnch on Lewis' ankle he began to swing about in a circle and gradually the Strangler's body was free of the floor and swinging like a windmill. Faster and faster whirled the Turk, until Lewis' body was performing a merry-go-round. When Yousouf decided that Lewis had had sufficient swinging [...] he was dropped to the floor and lay there in a daze. Lewis was not fit for any more wrestling then [...] and was dizzy for two weeks afterward."

1898 erlitt Lewis einen herben Schicksalsschlag, von dem er sich vermutlich nie wieder richtig erholte. Seine Frau Magaret Lewis verstarb in Pueblo, Colorado an Krebs.

Wie war der Strangler eigentlich so im Ring? Zeitgenossen beschrieben ihn als ruhig, bescheiden und anspruchslos. Vor dem Kampf war offenbar keine große Anspannung bei ihm zu spüren. Ebenso war er nicht bekannt dafür, groß im Ring herumzuprahlen. Er galt als Wrestler, der still im Hintergrund agierte. Wenn es allerdings zum Kampf kam, dann konnte Lewis durchaus unberechenbar und hart werden.

Die Aufzeichnungen aus der Presse verraten, dass Lewis im Oktober 1905 in Milwaukee/Wisconsin erschien. Er schaute sich einige Wrestling Matches an. Er sagte, er wolle noch einen Jagdausflug in den Norden von Wisconsin absolvieren. Seinen letzten Kampf bestritt er vermutlich 1899 gegen Bert Scheller. Das Ergebnis ist nicht bekannt. Lewis sagte: "I see by the Kansas City papers that Bert Scheller has issued a challenge to wrestle any man in America. I would like to wrestle before a Kansas City audience. I will wrestle Mr. Scheller catch-as-catch-can style, best three out of five falls. The match must be wrestled to a finish, no draw to go, for no less than $750 a side. If this suits Mr. Scheller I should like to hear from him at an early date."

Auch als Trainer trat Evan in Erscheinung. Unter seinem Management wurde Fred Beell zum Wrestler ausgebildet. Es war schließlich Fred Beell, der 1906 den gleichen Titel gewann, wie Lewis damals 1893 in New Orleans.

1917 erschien die letzte öffentliche Meldung über den Verbleib des Stranglers in der Zeitung. Er habe eine sehr schwere Erkrankung. Von welcher Natur die war, davon ist nichts mehr bekannt. Er verschwand aus der Öffentlichkeit und zog sich zurück. Am 03. November 1919 hatte die heimtückische Krankheit gesiegt. Evan Lewis stirbt im Alter von 59 Jahren in seinem Haus in Dodgeville/Wisconsin. Er hinterließ drei Kinder: Ruth, La Vere und Warren Lewis. In den Reihen der großen Champions von heute passt er nicht mehr hinein. Dafür sind die Zeiten zu unterschiedlich. Die letzten 20 Jahre seines Lebens verbrachte er vollkommen zurückgezogen in Wisconsin. Es war die Zeit, in der sein weiteres Leben nur noch ein Mysterium gewesen ist. Keiner kann heute sagen, was er wirklich noch machte. Es gibt sogar Zeitungsmeldungen die behaupteten, dass Lewis seinen toten Vater als Geist im Haus gesehen habe. Dadurch hätte er einen Herzschlag bekommen und sei tot umgefallen.

Mit Beginn des 20. Jh. trat eine neue Generation von Wrestlern in Erscheinung, die den "American Freestyle" fortsetzten und ausbauten. Als die alten Champions abtraten, endete damit eine glanzvolle Epoche des Wrestlings. George Hackenschmidt, Frank Gotch, Joe Stecher und Ed Lewis waren nun die schillernden Stars in Nordamerika. Die ersten Schritte ihrer Vorgänger nutzten sie aus und bauten darauf auf. Speziell für Ed Lewis blieb Evan Lewis ein ganzes Leben lang das Vorbild aus der Jugend. Evan Lewis hat ein Buch geschrieben: "How to Wrestle". Darin ging er auf die verschiedenen Größen seiner Zeit ein und beschrieb ausführlich den strangle hold. Der Zufall wollte es so, dass Jahre später ein Wrestler den gleichen Namen annahm, den des Stranglers. Es war schließlich auch Ed Lewis, der als "The Strangler" in die Geschichte des Wrestlings einging. Und wie es dazu kam, dass sagt er uns am besten selbst:

"One day Bob (Ed) saw an advertisement for the book, How to Wrestle, by "Strangler" Evan Lewis. It cost 50 cents, but the description made it worth far more to Bob. He sent the money and waited. The Evan Lewis book was more than Bob had ever dreamed of getting. It had good clear text, but, most important, ist had illustrations - loads of them - picturing all the celebrated grips: the crotch and half-nelson of Tom Jenkins, the leg twist of Farmer Burns, Frank Gotch´s toehold and the favorite grips of all the other stars. "My first real look at that book was behind closed doors," Lewis said. "Mothers are sworn enemies of contact sports, and my beloved ma was no exception. And kid sisters can´t keep secrets, so I smuggled the book to my room and quickly went to work with a special system. I set the book on a homemade wire stand, opened to an illustration and stood before the mirror. My figure was reversed, so I took the position of my opponent. Then I compared the book picture with my reflection and saw how to grab "myself". I did that with each position for basic holds, hour after hour, day after day. Yes, month after month. For living models, I used some of the boys in my father´s tobacco fields. We didn´t wrestle. I just tried out holds and pressures, twining my legs for grapevines, measuring leverage and slipping wristlocks on moving arms. The book never left me. It was among my school books and in every order of groceries I delivered, though I never left it at a house. During my second summer at the store, I got a 50-cent raise to three dollars a week, four dollars in the third summer, and five a week in the fifth. In 30 or 40 years, I could have owned that grocery store."

Im Unterschied zu Evan Lewis, der etliche Varianten des strangle holds beherrschte, perfektionierte Ed Lewis den headlock. Evan Lewis benutzte häufig den neck lock, wring lock oder head lock.

Mit Evan Lewis trat einer der großen Champions vergangener Zeiten von der Ringbühne ab. Die Erinnerungen an ihn sollen durch diese Biographie weiter am Leben gehalten werden und nicht in den Tiefen verschwinden. Man mag ihn vergessen haben. Dass was er aber erreicht hat, bleibt bis heute bestehen. Evan Lewis war eine der wichtigsten Gestalten im Wrestling des 19.Jh..
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[Kein Betreff] - von The Crusher - 14.04.2010, 20:12
[Kein Betreff] - von The Crusher - 14.04.2010, 20:19

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