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Epochen des deutschen Wrestlings
#12
In dem Zeitungsartikel steht was zum Turnier im Zirkus Salamonsky 1872 in Berlin.

EINGESENDET – Der Ringkampf – Schwindel
Quickborn, den 15. Februar 1893
Prov. Schleswig-Holstein

An die Redaktion der „Allgemeinen-Sport-Zeitung“, Wien !

"Bezugnehmend auf Ihre Notiz in der Nr. 7 der“Allgemeine-Sport-Zeitung“ betreffend den Sieg von Antonio Pierri über Abs, wäre es doch wohl endlich einmal an der Zeit, diesen Abs-Schwindel (wie Sie seinerzeit auch den Käpernick-Schwindel klarlegten) aufzudecken, und da Ihr Blatt ja stets bemüht war und ist, dem Publikum nur möglichst wahre und unparteiische Berichte zu bringen, so gestatten Sie mir wohl als passionierten Sportliebhaber, der so ziemlich in allen Weltgegenden bei Ringkämpfen zwischen Professionals hinter die Coulissen geguckt hat, Ihnen meine Meinung sowohl wie diejenige von allen wirklich Sachverständigen des Ringkampfes im griechisch-römischen Style klarzulegen.
Gestatten Sie mir, mit der Einführung der ersten derartigen Ringkämpfe, der griechisch-römischen, in Deutschland zu beginnen.
Im anfange der Siebzigerjahre begannen diese Ringkämpfe in Circus Salomonsky in Berlin, und zwar waren dazu die drei Franzosen Gebrüder Rigall sowie Doublié (Ringkampfer II. Classe) engagiert, die aber gut genug waren, seinerzeit sämtliche deutschen Ringer leicht zu werfen.
Wie die Geschichte nicht so recht mehr ziehen wollte, nahm man zu einem neuen Mittel die Zuflucht, engagierte sich den mit einer hünenhaften Gestalt ausgestatteten Dänen Otto Kempf , dessen Hauptforce darin bestand. Unmassen von Bierquantitäten vertilgen zu können, der sonst aber vom Ringen gar wenig Ahnung hatte.
Um nun ein recht volles Haus zu erzielen, wurde auf folgende Art und Weise Reklame für die Sache gemacht. Man annoncierte einfach : „Ein Herr aus den höchsten aristokratischen Kreisen, der nicht genannt sein will, hat eine bedeutende Wette gemacht, dass er im Stande sei, die sämtlichen französischen Ringkämpfer zu werfen, derselbe werde aber nur maskiert ringen.“
Genug, das Resultat war folgendes :
Am ersten Abend wurde der Ringkämpfer dritter Classe sofort von Kempf besiegt, am zweiten Abend der Ringer zweiter Classe, und am dritten Abend begann der Kampf mit der so genannten Ringkämpfer erster Classe Pierre Rigall ; der Kampf blieb nach 10 Minuten unentschieden. Den nächsten Abend wurde gleichfalls unentschieden gerungen.
Inzwischen war schon das Gerücht verbreitet, dass der maskierte Herr ein Graf und Gardeoffizier sein sollte.
Am letzten Abend endlich wurde dann der Kampf dadurch beendigt, dass mein lieber Otto Kempf seinen Brotherrn Rigall regelrecht hinlegte. Um die Sache nun möglichste naturgetreu zu gestalten, raufte der kleine Franzose sich wie wütend das Haar aus und versuchte sich auf’s Neue au seinen Besieger zu stürzen, so dass er von dem Stallmeister von seinem Gegner losgerissen werden musste.
Die Comödie wurde eine Zeitlang sowohl in Deutschland wie in Dänemark fortgesetzt.
In Amerika verfuhr man etwas anders, um das Publikum zu dupiren ; anerkannte Größen der Ringerwelt, wirkliche Ringer, wie Whistler, jetzt tot, Maldorn, Ernest Roeber, Pietro d’Almacio, Tom Cannon etc., bildeten einen so genannten Rink, machten gemeinschaftliche Kasse, forderten sich gegenseitig in verschiedene Städten zum Ringkampf auf und versuchten, möglichst hohe Wetten bei den Buchmachern zu entrieren, um dann denjenigen, durch welchen der grossete Gewinn zu erzielen war, siegen zi lassen. Nachdem die Buchmachern den Schwindel durchschaut hatten, hörte er auf.
Inzwischen hatte Duncan C. Ross sich durch gute Reklame einen bedeutenden Ruf als Ringer zu verschaffen gewusst, trotzdem er nur Kraftmeier war und vom ringen nur äußerst wenig verstand. Auf diesen Duncan C. Ross wird jetzt mit Vorliebe als bedeutende Zugkraft gereist, da durch diesen Namen stets große Entréeeinhamen zu erzielen sind, sie überlassen es daher auch ganz dem Belieben von Ross, zu bestimmen, wie er mit seinem Gegner verfahren will, zu einem wirklich reellen Ringkampf gibt Ross sich absolut nicht her, und hat er das ja auch unter diesen bewandten Umständen nicht nötig.
Ganz genau dasselbe trifft auch hier bei Abs zu.
Denken Sie sich nun, ein bedeutender Ringer, ich spreche immer vom ringen im griechisch-römischen Style, nehmen wir z.B. Paul Pons, Bordeaux, wohl der bedeutendste Ringer der Gegenwart, käme nach Deutschland. Wer kennt z.B. Paul Pons, wahrscheinlich doch nur Wenige. Ein öffentliches Auftreten desselben deckt eben seine Unkosten, da derselbe, trotzdem einer der besten Ringer der Welt, hier völlig unbekannt ist. Was tut nun dieser Mann, da derselbe nicht von der Ehre leben kann, sondern eine ebenso guter Geschäftsmann ist. Er sucht sich eine Person auf, die sich populär zu machen verstanden hat, und diese Person ist eben hier nur C. Abs, dieser verfügt alsdann über die Person seines Gegners ganz nach Belieben, wozu sich dieser auch selbstverständlich bereit erklärt in Aussicht auf die große Entréeeinnahme welche gemeinschaftlich geteilt wird.
Bestimmt Abs z.B. : Heute Abend fällst du (Paul Pons), so fällt er ganz nach Wansch.
Dass die Entréeeinnahmen keine geringen sind, geht schon daraus hervor, dass Tom Cannon durch die Gemeinschaft mit Abs 21.000 Mark eingeheimst haben soll. Antonio Pierri soll in Hamburg durch sein paarmaliges Auftreten mit Abs circa 6000 Mark verdient haben, er bedauert, dass der Ringkampf jetzt hier polizeilich verboten ist, da er sonst wohl nicht, wie er sich äußerte, unter 30.000 Mark Einnahme Deutschland verlassen hätte, da hier noch zu viele Leute existieren, die nicht alle werden.
Um hier nun noch eine eklatantes Beispiel zu geben, diene folgendes :
Seit circa zwei Jahren fordert der Hamburger Ringer im griechisch-römischen Styl, H. Niemann, C. Abs zu einem Ringkampfe heraus, ohne dass Abs dafür zu haben ist. Vor einem Jahre erklärte Abs, er wurde sofort nach Beendigung der Tournée schützte Abs Müdigkeit vor und suchte sonst wie Ausflüchte, indem er in hiesigen Zeitungen schrieb, dass Niemann doch erstmal Ringer von Namen besiegen sollte, wie Christol etc. (ob reell oder unreell, lassen wir dahingestellt).
Nachdem Niemann nun auch dieses erfüllt hatte, indem er sowohl Christol wie auch Robinet legte, wusste Abs nicht mehr ein noch aus und sucht immer neue Ausflüchte, und warum ? Weil diese ein wirklich reeller Ringkampf würde, da Niemann nicht die Person ist, welche, um sich werfen zu lassen, käuflich zu haben ist.
Dabei ist ja doch Niemann, bei aller Hochachtung vor demselben, doch nur ein geringer Kämpe gegen vorgenannte auswärtige Ringer, wenn auch für deutsche Verhältnisse recht gut.
Richard K. Fox, der Editor der „Police Gazette“ äußerte sich auf eine Anfrage hin, wo Abs seine amerikanischen Meisterschaftsmedaillen mit Inschrift „presented by Richard K. Fox“ erhalten hätte, in seine Blatte folgendermaassen, was Fox auf eine Anfrage auch sofort bestätigen wird :
„Carl Abs from Hamburg never took any Championship, he was miles behind from Champion form !”
Wie leicht es stets für Abs war, Reklame für sich zu schaffen, geht schon daraus hervor, dass seine Impresario seinerzeit auch gleichzeitig Berichterstatter einer Hamburger Zeitung war.
Fair play*
Aus Anlass der jüngsten Ringkämpfe Carl Abs mit A. Pierri und unserer vorwöchentlichen Notiz über dieselben sind uns sehr zahlreiche Zuschriften und Zeitungsausschnitte übersandt worden, die meist die Tendenz verfolgen, darzutun, dass nunmehr auch Carl Abs sich in die Reihe jener Berufsathleten gestellt habe, welche bei ihren Vorführungen mehr den Kassenerfolg vor Augen haben als die in Aussicht gestellte und von ihnen erwartete reelle Kraftleistung. Eine Schilderung der letzten Kämpfe finden die Leser in unserem heutigen Blatte.
Wir haben es uns angelegen sein lassen, aus einer Unzahl von Berichten jene Darstellung auszuwählen, welche am meisten den Eindruck der Objektivität und der Unparteilichkeit machte. Wer nicht direkt Augenzeuge jener aufregenden Kämpfe war, wird sich in der Tat nur schwer ein Urteil darüber bilden können, inwieweit die gegen Carl Abs erhobenen Beschuldingungen eine wirklich sachliene Begründung haben. Jedenfalls scheint es etwas gewagt, gleich von einem „Abs-Schwindel“ zu sprechen.
Denn, mag die Ringtaktik des deutschen Athleten in der letzten Zeit welcher Art immer gewesen sein, so steht doch so viel fest, dass er auf öffentlich gezeigte und u. A. von Autoritäten, wie Professor Dr. Hüppe in Prag, beglaubigte Leistungen hinzuweisen in der Lage ist, die ihm einen der ersten Plätze auf dem Gebiete des internationale Athletentums sichern. Dadurch aber unterscheidet er sich wesentlich von der grotesken Erscheinungen eines Käpernick und Konsorten. Ohne uns also gerade in diesem Punkte mit der Meinung des geehrten Herr Einsenders einverstanden erklären zu können, bringen wir seine Zuschrift doch zur Veröffentlichung, weil sie viel sachliches Material beibringt, das für unsere Leser von hohem Interesse sich dürfte."
Die Redaktion


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[Kein Betreff] - von Blubb - 03.05.2010, 22:07
[Kein Betreff] - von The Crusher - 03.05.2010, 22:29
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RE: Epochen des deutschen Wrestlings - von Blubb - 15.05.2010, 13:10
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