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Geschichte des Amerikanischen Wrestlings - 1950er/60er Jahre
#14
Zitat:Original von Geeps
Die ganzen Sachen sollte man auf jeden Fall mal auf die Hauptseite stellen. Denn grade was die Geschichte des Wrestlings angeht, gab es da seit längerem kein Update.
da wäre ich auch dafür. aber ich kann das ja nicht entscheiden.
Würde es aber strengstens empfehlen.
wirklich klasse Ronald !!! Daumen hoch
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#15
Wenn man deine Beiträge liest, bemerkt man die große Liebe zu dem Sport. Bitte weiter so und Danke.
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#16
Teil 4 : Lou Thesz und die NWA

Mit Gründung der NWA im Jahre 1948 beginnt ein neues Kapitel amerikanischer Wrestlinggeschichte. Aus dem Zusammenschluss mehrerer Midwest Promoter entstand eine nationale und internationale Allianz, dessen Stärke jegliche Konkurrenz über Jahrzehnte hinweg verdrängte. Sam Muchnick, Jim Crockett Sr. und Jim Crockett Jr. haben sich dabei als starke Mitglieder erwiesen. Ihre Territorien St. Louis und Charlotte/North Carolina sind zu Hochburgen des Wrestlings geworden. Die NWA-Formierung fand ihren Ursprung in dem St. Louis Konflikt von 1941. Das damalige Pro-Wrestling dominierten Tom Packs (National Wrestling Association) und Paul Bowser (American Wrestling Association). Packs’ Schützling Bill Longson war die perfekte Konkurrenz zu Bowsers Superstar Frank Sexton. Ein Heer kleinerer Promoter konnte das Wrestling nach Kriegsende 1945 verändern. Packs’ Dominanz in St. Louis brach zuerst weg, Bowser hingegen blieb der Wrestling-König in Neuengland bis zu seinem Tode 1960. Mit Chicago-Promoter Fred Kohler (Fred Koch) kam jedoch ein weiterer Mann ins Geschäft, dessen Wrestling-Shows überregional im Fernsehen ausgestrahlt wurden. Dadurch etablierte sich Kohler für einige Jahre als der „Große“ im Buisness schlechthin.

Der St. Louis Konflikt begann im Januar 1941. Die Promoter des benachbarten Bundesstaates Kansas, Billy Sandow und Max Baumann, bildeten eine Opposition zu Packs’ St. Louis Promotion. Sandow und Baumann agierten von Wichita aus. Als Gegengewicht zur National Wrestling Association nannten sie ihr Revier "National Wrestling Alliance" und krönten einen ehemaligen Olympia-Teilnehmer namens Roy Dunn zum "Alliance" Champion. Die National Wrestling Association war keine eigentliche Promotion, sondern mehr ein Zusammenschluss zahlreicher Athletic Commissions. Als Hintermänner agierten die jeweiligen Kommissions-Mitglieder der Bundesstaaten. Packs gewann ihr Vertrauen, so dass er den NWA (Association) World Title kontrollierte. Dunn erschien in späteren Titellisten nicht als offizieller Alliance Champion, da die Sandow-Baumann Promotion nicht für den Vorgänger der 1948 gegründeten NWA gehalten wurde. Dennoch hatten sie den Begriff "National Wrestling Alliance" zum ersten Mal verwendet. Packs’ Dominanz verdrängte bislang alle anderen Promoter des Mittleren Westens (Tony Stecher, Max Clayton, Orville Brown und Pinkie George). Er konnte das St. Louis Revier enorm ausbauen, auch aufgrund seiner Verbindungen zur Missouri State Athletic Commission.

Das Machtstreben von Packs wurde durch angrenzende Promoter nicht begrüßt. Neben Sandow und Baumann kreierte Orville Brown eine weitere Opposition in Kansas. Es waren schließlich Browns Kontakte zur Stecher-George-Clayton Fraktion, die eine Alliance Gründung ermöglichten. Der St. Louis Konflikt weitete sich aus, als Packs mit seinem Matchmaker Sam Muchnick in Streit geriet. Dieser wollte eine eigene unabhängige Promotion gründen. Die Missouri State Athletic Commission verweigerte ihm jedoch eine Lizenz. Erst in der Berufungsinstanz bekam Muchnick die Lizenz. Im März 1942 veranstaltete er mit Unterstützung einiger anderer Promoter eine erste Show. Allerdings nicht unabhängig. Die drohende Konkurrenz für Packs wurde rechtzeitig ausgeschaltet, da Muchnick zum Militärdienst musste. Packs hatte seinen ehemaligen Mitarbeiter für einige Jahre vom Hals.

[Bild: http://www.wwf4ever.de/team/ronald/Bill Longson.jpg]
"Wild" Bill Longson

Das Kiel Auditorium in St. Louis blieb zwischen 1941 und 1945 in Packs’ Händen. Superstar "Wild" Bill Longson sorgte ständig für ausverkaufte Ränge. Es erschienen hier immer mehr bedeutende Wrestler. Bekannte Größen in jener Zeit waren: Sandor Szabo, Bronco Nagurski, Ray Steele, Yvon Robert, Bobby Managoff, "Whipper" Billy Watson und Lou Thesz. Seit 1943 war Longson NWA Champion. Insider sahen ihn schon 1940, nach seiner Rückkehr, in den Ranglisten der zehn besten Wrestler. Das war sicherlich kein Irrtum, zumal Longson nur knapp dem Ende seiner Karriere entkam. 1939 kämpfte er in San Francisco gegen den bärtigen Riesen Man Mountain Dean. Dean schleuderte seinen Gegner aus dem Ring und sprang hinterher. Der 140 kg schwere Hüne landete mit voller Wucht genau auf Bill's Rücken. 6 Monate musste Longson pausieren. Seine Ärzte schlossen eine Rückkehr vollkommen aus.

Doch er kam zurück und besiegte am 19. Februar 1943 in St. Louis NWA World Heavyweight Champion Bobby Managoff. Eine lange Titelregentschaft begann. Longson kam von einer Farm und entdeckte sein Interesse am Wrestling während der Studienzeit an der Universität in Utah. Kaum jemand hätte ihm diese Rückkehr zugetraut, vor allem wegen dieser schweren Rückenverletzung. Vier Jahre war Longson NWA World Champion, bis er den Titel am 21. Februar 1947 in St. Louis an "Whipper" Billy Watson verlor. Watson aber verlor sein Titelgold schon am 25. April 1947 an Lou Thesz. Dieser war unlängst eine feste Größe im Wrestling. Da kam die Konfrontation mit Longson gerade zur rechten Zeit. Am 21. November 1947 war es soweit: In St. Louis hieß es Thesz vs. Longson. Thesz verlor und Longson wurde zum dritten Mal NWA Champion. Acht Monate nach seiner Niederlage gegen Longson, kam für Thesz in Indianapolis eine entscheidende Wende. Am 20. April 1948 besiegte er seinen alten Kontrahenten Bill Longson. Damit war Thesz jetzt neuer NWA (Association) World Champion.

Der St. Louis Konflikt entbrannte wieder, da sich Muchnick im Spätjahr 1945 zurückmeldete. Diesmal aber konnte Packs seinen ehemaligen Mitarbeiter nicht mehr abwimmeln. Muchnick veranstaltete ab Dezember 1945 Wrestling-Shows im Kiel Auditorium. In Opposition zu Packs entflammte bis 1948 ein bitterer Kampf um Wrestler und Zuschauer. Am Anfang hing Muchnick zurück, bis die "Tom Packs Sports Enterprise, Inc." 1947 rote Zahlen schrieb. Den St. Louis Konflikt entschied Muchnick für sich. Am 04. Juni 1948 veranstaltete Packs seine letzte Show im Kiel Auditorium. Danach kam ein Heer von Wrestlern, Managern und Promotern, um dessen Promotion zu übernehmen. Thesz formierte eine Investorengruppe: 90% der Anteile gingen an den "Mississippi Valley Sports Club" von Martin Thesz in St. Louis. Frank Tunney (Toronto) und Eddie Quinn (Montreal) sicherten sich 5%. Auch der ehemalige NWA Champion Bobby Managoff und der amtierende NWA Champion Bill Longson kauften Anteile.

Das NWA Territorium erstreckte sich ursprünglich nur auf das Iowa Revier von Paul „Pinkie“ George. Um eine offizielle Alliance mit den Midwest Promotern zu kreieren, organisierte er ein Treffen im Hotel "President" in Waterloo (Iowa). Am 18. Juli 1948 war es dann soweit: Pinkie George, Wally Karbo (Matchmaker von Tony Stecher), Max Clayton, Orville Brown und Sam Muchnick gründen offiziell die "National Wrestling Alliance (NWA)". Sie fungierte als Interessensgemeinschaft und Dachorganisation. Eine Zusammenarbeit mit Thesz und der National Wrestling Association scheiterte, so dass es zum 2. St. Louis Konflikt kam. In Opposition zu Muchnick war jetzt Lou Thesz als Wrestler und Promoter aktiv.

Nach Gründung der NWA gab es im Mittleren Westen zwei dominierende World Champions: Orville Brown (NWA-Alliance) und Lou Thesz (NWA-Association). Die Situation zweier Champions war charakteristisch für den andauernden St. Louis Konflikt zwischen NWA-Alliance Promoter Sam Muchnick und NWA-Association Promoter Lou Thesz. Der Promotionkrieg in St. Louis endete im November 1949 zu Gunsten von Muchnick. Dieser hatte leichte Vorteile gegenüber Thesz, aufgrund seiner Partnerschaft zu den angrenzenden Promotern. Muchnick und Thesz arbeiteten jetzt zusammen, was die Vormachtstellung der NWA gegenüber Nichtmitgliedern begünstigte. Ein starker Promoter und ein starker Wrestler brachten die NWA auf den Höhepunkt des Erfolgs. Die Dachorganisation vieler Promotions erreichte eine bis dato nie dagewesene Dominanz in Amerika.

Um die Situation zweier Champions zu beenden, wurde für den 25. November 1949 ein Title vs. Title Match in St. Louis festgesetzt. Im Hintergrund kam es zu Absprachen: Einen Shoot konnte man dem Publikum nicht präsentieren. Das wäre kaum glaubhaft gewesen. Shootmatches waren generell unbeliebt, auch bei den Promotern. Brown stimmte einer Niederlage beim ersten Mal zu. Thesz sollte sich zunächst als Champion behaupten. Ende 1950 würde aber ein Rematch folgen, was nicht passierte, da Brown verunglückte. Am 31. Oktober verteidigte Brown den NWA (Alliance) World Title gegen Bobby Bruns. Am 01. November 1949 wurde Brown in einen verhängnisvollen Autounfall verwickelt. Die erlittenen Verletzungen bedeuteten das Ende seiner Karriere. Mit im Auto saß sein Freund Bobby Bruns. Bruns war selbst ein hervorragender Wrestler. Angesichts des Schadens am Auto glich es einem Wunder, dass beide überlebten.

[Bild: http://www.wwf4ever.de/team/ronald/Lou Thesz.jpg]
Lou Thesz

Da schon Anfang November 1949 fest stand, dass das Title vs. Title Match nicht ausgetragen wird, entschied man sich für Lou Thesz als neuen und einzigen NWA (Alliance) World Heavyweight Champion. Thesz galt ohnehin in St. Louis als bestes Zugpferd. Zudem hatte er die Rückendeckung durch Muchnick, dessen NWA Einfluss immer größer wurde. Unterstützung fand er anfangs auch noch durch Frank Tunney (Toronto) und Eddie Quinn (Montreal), die von Kanada aus in das St. Louis Revier investierten, um so auf das Titelgold zurückgreifen zu können. Während Tunney ein neutrales Mitglied war, sollte es dafür mit Quinn später größere Probleme geben. Am 27. November 1949 wurde Thesz offiziell zum NWA World Heavyweight Champion ernannt. Kaum war er Champion, kam auch gleich ein Konflikt mit Promoter Paul Bowser (Boston). Dieser lehnte einen einzigen World Champion ab und beharrte weiterhin auf seinen AWA Champion Frank Sexton. Bowser führte seinen AWA World Title weiter. Zunächst besiegte Don Eagle am 23. Mai 1950 AWA World Champion Frank Sexton. Eagle benutzte man drei Tage später für einen Double Cross mit Gorgeous George. Am 26. Mai gewann George den AWA World Title von Eagle. Zwei Monate später verlor George gegen Lou Thesz. Am 27. Juli 1950 war die Stunde der Entscheidung in Chicago angebrochen. Fred Kohler organisierte den Kampf im Northside Stadium. George unterlag und Thesz konnte damit erheblich punkten. Das war die erste große Titelverteidigung des neues World Champions. Es war kein Titelkampf um Bowsers AWA Titel, jedoch führte dieser bis 1952 mit Don Eagle einen eigenen regionalen World Champion weiter. Auf Druck der NWA nannte Bowser 1952 seinen AWA Titel in „Eastern Heavyweight Title“ um. Er trat vorerst in die NWA ein, auch wenn er Probleme mit einigen anderen Mitgliedern hatte. Ein wichtiger Titel war jedoch noch offen. Thesz’ Konkurrent war mittlerweile Baron Michele Leone. In Los Angeles kam es am 21. Mai 1952 zum Fight. Es war eines der größten Matches bis dato. Nach 42 Minuten gewann Thesz das Kräftemessen und den World Title in der Los Angeles Olympic Auditorium Version. Damit war er nun der einzige unumstrittene World Heavyweight Champion, der auch in Europa anerkannt wurde.

Die Szene der USA war in den 50er Jahren territorial organisiert. Viele Promotions machten sich gegenseitig Konkurrenz - auch innerhalb der Allianz. Aufgrund von finanziellen und logistischen Problemen bleibt es dem Großteil verwehrt, die eigenen Shows dem landesweiten Publikum zugänglich zu machen. Als Folge dieser territorialen Organisation bauen die örtlichen Promoter eigene Superstars und Champions auf. Wenngleich viele ein gewisses Mitspracherecht hatten, saßen die mächtigen Promoter stets am längeren Hebel. Eine weitere Folge war die Einführung zahlreicher Champion-Titel. Gerade die NWA bot aber den regionalen Champions die Möglichkeit ihren Titel national zu verteidigen. Damit konnte man immerhin den Bekanntheitsgrad steigern. Der NWA World Title erlangte unter Thesz einen einzigartigen Status. Er wurde gleichzeitig von mehreren Promotions beeinflusst. Nur ein Championship-Kommitee vergab ihn. Thesz kämpfte national und international und arbeitete im gleichen Moment für einen Haufen Promotions. Dadurch wurde sein Titel noch weiter aufgewertet.
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#17
Zitat:Ein wichtiger Titel war jedoch noch offen. Thesz’ Konkurrent war mittlerweile Baron Michele Leone. In Los Angeles kam es am 21.05.1952 zum Fight. Es war eines der größten Matches bis dato. Nach 42 Minuten gewann Thesz das Kräftemessen und den World Title in der Los Angeles Olympic Auditorium Version. Damit war er nun der einzige unumstrittende World Heavyweight Champion, der auch in Europa anerkannt wurde.


Weißt du zufällig wie Eddie Quinns World Heavyweight Title der Montreal Athletic Commission während Thesz's erster NWAlliance-Regentschaft im Verhältnis zum NWA-Titel promotet wurde?

Ich weiß, dass Thesz am 4. Oktober 1949 als NWA Champion ein Match in Montreal gegen den dortigen World Champion Yvon Robert durch DQ gewann. Zu diesem Zeitpunkt ist Eddie Quinn laut deiner NWA-History jedoch noch kein NWA-Mitglied. Außerdem verteidigte Thesz seinen Titel in Montreal am 4. August 1954 gegen Montreal Champion Pat O'Connor durch ein Draw. Soweit ich weiß, wurde der Montreal World Heavyweight Titel erst später in "International" Heavyweight Title umbenannt. Es scheint nie eine klare Entscheidung zwischen dem NWA Champion und dem Montreal-Champion in Montreal stattgefunden zu haben (Ich hoffe ich habe die ganzen Daten nicht durcheinander gebracht).

Da ja gerade Quinn später Carpentier als Gegenchampion zu Thesz promotete frage ich mich, ob eine Dominanz des NWA Champions in Montreal tatsächlich vorlag, oder ob es sich um konkurrierende World Champions innerhalb des Verbandes handelte, wie es ja auch bis 52 in Los Angeles und Boston der Fall war. Sollte dies der Fall sein, würde ich bezweifeln, dass Thesz tatsächlich mit seinem Sieg über Leone und dem Einlenken Bowsers unumstrittener World Champion war, da der Montreal World Title, obwohl nur regional ausgefochten, schon einiges an Bedeutung hatte.
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#18
Ich glaube Hornbaker hat dies im hinteren Teil des NWA Buches beschrieben. Im Teil von Eddie Quinn und Frank Tunney könnten darüber Informationen stehen. Das kann ich aber im Moment nicht sagen. Probleme hatte ich anfangs eher mit der Zuordnung zum AWA Titel. In manchen Zeitungsartikeln aus den USA der 50er Jahre wurde der Kampf Thesz-Gorgeous George am 27.07.1950 in Chicago als AWA-Titelkampf angegeben.

Eddie Quinn kam laut Hornbaker im November 1949 zur NWA. Der Kampf vom 04.10.1949 war vor der Einstellung des NWA Association World Titles. Nach heutigen Erkenntnissen kann man beide NWA Linien (Association und Alliance) nicht gleichsetzen. Ältere Bücher und Zeitungsartikel nahmen dies noch an. Der Montreal World Title hatte zwar einen relativ hohen Stellenwert, konnte Packs' Titel aber nicht unbedingt überbieten. Zudem stand Montreal in enger Verbindung mit dem Boston-Revier. Ich glaube Quinn konnte auch erst durch Bowsers Unterstützung richtig starten. Der Kampf vom 04.10.1949 hatte keine wesentlichen Auswirkungen mehr, da die grundlegenden Entscheidungen erst im November 1949 getroffen wurden. Vorher war die NWA mehr oder weniger unbedeutend. Anders sieht es jedoch bei der Association aus, die durch Packs doch einen erheblichen Einfluss hatte.

Bei der Formulierung nach der Unumstrittenheit habe ich auch längere Zeit recherchiert. Man findet entweder den Hinweis, das Thesz ein unumstrittender Champion war oder das er kein unumstrittender Champion war. Ich habe das letztendlich abgewogen, und nach den meisten Listen im Internet hat Thesz wohl den Status des unumstrittenden Champions verdient. Bowsers AWA Titel hatte spätestens mit der Umbenennung in Eastern Heavyweight Title an Einfluss verloren. Vergessen wurde auch Fred Kohlers Einfluss, der den von Quinn und Bowser ab Anfang der 50er Jahre bei weitem überragte.

Zitat:Da ja gerade Quinn später Carpentier als Gegenchampion zu Thesz promotete frage ich mich, ob eine Dominanz des NWA Champions in Montreal tatsächlich vorlag, oder ob es sich um konkurrierende World Champions innerhalb des Verbandes handelte, wie es ja auch bis 52 in Los Angeles und Boston der Fall war.

Auf welchen Kampf beziehst du dich? Auf den vom 14.06.1957 in Montreal (Thesz-Carpentier)? Quinn alleine stellte Carpentier nicht als Gegenchampion auf. Eigentlich waren es drei Splittergruppen: Quinn; Eaton-LeBell und Gagne-Karbo-Dusek. Man benutzte Carpentiers Niederlagen zum Aufbau eigener World Title Linien. Quinns Einfluss war durchaus massiv, aber nicht massiver als der von Muchnick. Im Endeffekt konnte sich Quinn nicht durchsetzen, was sein Austreten aus der NWA 1957 bewies. Er kam ja 1959 zurück, was daran auch nichts ändern sollte.
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#19
Zitat:Der Kampf vom 04.10.1949 war vor der Einstellung des NWA Association World Titles. Nach heutigen Erkenntnissen kann man beide NWA Linien (Association und Alliance) nicht gleichsetzen.


Sorry, hatte mich im Datum vertan. Der Kampf fand am 4.10.1950 statt und somit unter Quinn als NWA-Mitglied.

Das NWA Buch habe ich leider nicht vorliegen.

Zitat:Auf welchen Kampf beziehst du dich? Auf den vom 14.06.1957 in Montreal (Thesz-Carpentier)?


Das Datum meine ich, aber ich glaube es war in Chicago. Ich bin mir über die verschiedenen Fraktionen und World Title Absplitterungen bewusst. Carpentier hatte nur 2 Tage vor dem "Sieg" über Thesz den Montreal Titel an Gene Kiniski verloren. Später verteidigte Carpentier seinen NWA World Title sogar gegen Montreal Champion Kowalski zu einem Draw. Nicht mal mit dem NWA Champion unter seiner (teilweisen) Kontrolle erlaubte Quinn eine Unterordnung seines Montreal Champions. Für mich immer mehr ein Zeichen dafür, dass Thesz gar nicht so unumstritten war. Zumindest bis Quinns Wiedereintritt in die NWA, denn in etwa zu dieser Zeit soll der Namenswechsel vom Montreal World zum Montreal International Heavyweight Title stattgefunden haben.
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#20
Der fünfte Teil wird sich damit näher befassen. Aber du hast natürlich recht, dass der Kampf in Chicago ausgetragen wurde. Hornbakers Recherchen sind ziemlich detailreich und auch er bezeichnet Thesz als "Undisputed Champion". In diesem Falle stelle ich mich nicht über Hornbaker, da dieser mehr Fachkenntnisse besitzt als ich. Er hat die Geschichte der NWA über mehr als 10 Jahre hinweg erforscht.

Zitat:Nicht mal mit dem NWA Champion unter seiner (teilweisen) Kontrolle erlaubte Quinn eine Unterordnung seines Montreal Champions. Für mich immer mehr ein Zeichen dafür, dass Thesz gar nicht so unumstritten war.

Zu diesem Zeitpunkt, nach dem Rückkampf gegen Carpentier im Juli 1957, hatte Quinn zwar die Kontrolle über Carpentier, aber nicht über den NWA World Title. Eigentlich war es die Championship-Kommission, die aus ca. 10 ständigen Mitgliedern bestand. Auch hier saß NWA Präsident Sam Muchnick wieder am längeren Hebel. Er revidierte später die Entscheidung des Ringrichters ins Chicago und gab den Titel zurück an Thesz. Nur so konnte man Thesz als International Champion in Japan verkaufen. Zwar setzte Quinn Carpentier als NWA Champion ein, der International Title von Thesz hatte jedoch mehr Bedeutung. Nur der NWA World Title wurde in Japan - auch später - als World Title anerkannt. Das war selbst bei Sammartino der Fall, obwohl es bereits den WWWF Title gab.
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#21
Teil 5: Das Desaster von Chicago

Ende 1950 hatte die NWA 26 Mitglieder. Bis 1953 waren es fast 40 und das Territorium umfasste große Teile der USA sowie Bereiche in Kanada, Mexiko und Japan. Das größte Problem waren die unterschiedlichen Interessen vieler Mitglieder und der damit verbundene Streit um den Einsatzort des Champions. Mehrere Promoter wollten Thesz am liebsten nur in ihrem Revier antreten lassen. Konflikte waren so kaum zu vermeiden.

Am 15. März 1956 verlor Thesz den NWA World Title in Toronto an "Whipper" Billy Watson. Ringrichter war die Boxlegende Jack Dempsey. Watson's Regentschaft dauerte jedoch nur bis zum 09. November 1956. Dann holte sich Thesz den Titel in St. Louis zurück. Er war hier schlechthin der Heimfavorit. Das Ergebnis dieses Kampfes provoziete manchen NWA Promoter gewaltig. Während McMahon's Truppe Einigkeit bewies, zerfiel Muchnick's Allianz allmählich in mehrere Splittergruppen. Der NWA World Title konnte nach NWA Regeln nur durch Pin oder Aufgabe wechseln. Beide Thesz-Watson Kämpfe endeten aber im Count-Out. Noch gelang es Muchnick die Allianz zusammenzuhalten. Erste Probleme gab es aber bereits mit Montreal-Promoter Eddie Quinn, Mitglied seit 1949. Die ganzen Kontroversen entzündeten sich am Einsatzort des World Titles. Thesz machte eine Tournee nach Japan. Anstatt die Allianz mit weltweiten Auftritten zu einigen, bröckelte sie. Am 30. April 1957 befand sich Japans Nationalheld Rikidozan in St. Louis, um den Vertrag für den Titelkampf gegen Thesz zu unterzeichnen. Thesz signierte und stellte seinen NWA World Title zur Disposition. Die Japan Tournee startete im Oktober 1957. Vorher erlebte Amerikas Wrestlingszene aber das kontroverseste Match seit Kriegsende.

1957 wurde zum Schicksalsjahr der NWA. Quinn präsentierte seinen Schützling Edouard Carpentier. Er entdeckte das Potenzial Carpentier's zusammen mit Promoter Frank Tunney in Paris. Quinn zog Carpentier nach Kanada und baute ihn im Montrealer Revier zum ultimativen Favoriten auf. Am 08. Mai kam eine größere Bewährungsprobe: Carpentier bezwang den eisenharten Killer Kowalski. Quinn wollte ihn als NWA World Champion in seiner eigenen Promotion aufbauen. Er konnte einen Titelkampf gegen Thesz durchsetzen. Am 14. Juni 1957 kam dann das berühmte Match in Chicago, das für erste Brüche im Wrestling sorgte. Den ersten Fall gewann Thesz, den zweiten Carpentier. Quinn's Schützling dominierte und brachte Thesz in die Defensive. Das auf 3 Runden festgesetzte Match endete im Desaster. Thesz konnte die Attacken Carpentier's kaum noch abwenden, da ihn eine starke Rückenverletzung schwächte. Ringrichter Ed Whalen brach das Match schließlich ab und ernannte Carpentier zum Sieger durch Disqualifikation. "Disqualifikation"- dieses Wort trieb einen Keil zwischen Quinn und Muchnick. Eigentlich konnte der Titel nur durch Pin oder Aufgabe wechseln.

Carpentier sollte zunächst als "Übergangs-Champion" eingesetzt werden. Zumindest solange Thesz in Japan kämpfte. Aber die Tour war erst für Oktober geplant und bereits jetzt gab es Konfusionen. Ein Teil der NWA Promoter ernannte Carpentier zum rechtmäßigen NWA World Champion. Muchnick lehnte einen Titelwechsel ab, da Thesz durch DQ verloren hatte. Er revidierte später die Entscheidung des Ringrichters und gab den Titel zurück an Thesz. Die NWA-Spitze hätte Quinns Schützling ohnehin nie wirklich anerkannt. Das war eine Provokation für Quinn, die dieser nicht auf sich sitzen lies. Ein Rückkampf in Montreal wurde festgesetzt. Insider befürchteten schon, das dieser ebenfalls im Desaster endete. Sie sollten Recht behalten. Am 24. Juli 1957 verlor Carpentier durch DQ, nachdem er Ringrichter Yvon Robert attackierte. Wieder ein unbefriedigendes Ende. Der DQ-Sieg von Thesz kam für Muchnick gerade recht. Thesz sei alleiniger NWA Champion. Quinn spielte nicht mit und kündigte im August 1957 seine NWA Mitgliedschaft. Die Anerkennung von Carpentier, seitens einiger NWA Promoter, blieb bestehen. Das Szenario zweier NWA Champions konnte nicht lange gut gehen. Nach Quinn's Austritt verschärfte sich die Lage.

Muchnick war umstritten, weil er meistens nur große Stücke auf Thesz setzte. Allerdings auch seine spätere Entscheidung Buddy Rogers gegen Pat O'Connor (30. Juni 1961) gewinnen zu lassen, brachte ihm wenig Freunde ein. Viele Promoter waren mit Muchnick's Führung nicht einverstanden. Quinns Rückzug schien unausweichlich, da die NWA zu mächtig war. Das Montrealer Territorium hätte alleine nichts ausrichten können. Muchnick weigerte sich von einer regionalen Promotion derartig stark ins Geschäft greifen zu lassen. Dazu kam noch, dass man sich herzlich wenig vorschreiben lassen wollte, wie oft und wo welcher Champion-Titel verteidigt werden sollte. Thesz reiste nach Japan um gegen Rikidozan zu kämpfen. Die NWA erkannte jedoch nicht, dass ihr International Title in Japan viel Geld einbrachte. Man sah das immer noch zu territorial und glaubte mit dem Champion im eigenen Lande mehr zu erreichen. Thesz konnte durch die Tour keine Kämpfe für die Allianz-Promoter bestreiten. Das trieb einige auf die Barrikaden. Der Repräsentant des International Title sollte den NWA World Title gefälligst vermehrt in Amerika verteidigen. Vor allem in den regionalen Promotions. Bei zeitweise über 30 Mitgliedern kaum realisierbar. Carpentier wurde deshalb zur Schlüsselfigur.

[Bild: http://www.wwf4ever.de/team/ronald/Buddy Rogers.jpg]
Buddy Rogers

Dessen Sieg in Chicago nahmen Muchnicks Gegner zum Anlass, eigene World Title Linien aufzubauen. Thesz verteidigte wie erwartet den International Title, während Carpentier als NWA World Champion in den USA kämpfte. Ohne Muchnick's Zustimmung versteht sich. Die Bostoner Splittergruppe, rund um Paul Bowser, setzte einen Titelkampf fest. Am 03. Mai 1958 verlor Carpentier gegen Killer Kowalski im Boston Garden vor 10.267 Zuschauern. Damit hatte Neuengland einen eigenen World Title. Die Omaha-Minneapolis Splittergruppe zog Carpentier am 09. August 1958 nach Omaha, wo dieser gegen Verne Gagne verlor. Gagne wurde somit erst recht zum Favoriten. 1960 folgte der Bruch mit St. Louis und die AWA entstand. Am 12.06.1961 schließlich verlor Carpentier in Los Angeles gegen Freddie Blassie. Diese Niederlage begünstigte den WWA World Title Aufbau.

Als Thesz zurückkehrte gingen die Konfusionen weiter. Am 14. November 1957 verlor er in Toronto gegen Dick Hutton. Er wurde von Muchnick wieder als NWA World Champion eingesetzt. Danach trat er aber erneut im Ausland an und verteidigte seinen International Title. Thesz verließ 1957 die NWA aus eigenen Stücken, obwohl er als Champion nie abgewählt wurde. Das brachte noch mehr Probleme. Die Allianz setzte eine Kommission ein, um den rechtmäßigen Nachfolger zu finden. Thesz wählte Dick Hutton gegen die Stimme der Kommission. Hutton sei der definitiv beste Wrestler dieser Zeit. Die Kommission weigerte sich Hutton anzuerkennen und entschied sich für Buddy Rogers. Thesz hasste aber Rogers. Keinen Finger hätte er krumm gemacht, nur um die Karriere von Rogers zu unterstützen. Rogers blieb noch im Hintergrund. Hutton zog wie erwartet nicht als NWA World Champion. Die wichtigsten Allianz Promoter in New York und Chicago brachen die Verbindung zu Hutton ab. So konnte sich dieser nicht groß behaupten. Der weitaus beliebtere Pat O´Connor rückte mit Thesz' Abgang in den Vordergrund. Am 09. Januar 1959 war Hutton's Regentschaft Geschichte. Der neue NWA World Champion in St. Louis hieß Pat O´Connor. Huttons Sieg gegen Thesz brachte erste größere Probleme mit Vincent James McMahon. Ein drohendes Pulverfass entstand, das 1963 explodieren sollte.
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#22
Einmal mehr ein weiterer Augenschmaus beim Lesen!! Bitte weiter so, denn nur so kann man wirklich was über die damalige Zeit erfahren!!!

Bin ein fleißiger Mitleser, aber da ich mich da nicht wirklich viel auskenne bleiben die Diskussionen imo noch aus!!! :winke:

Zumindest von meiner Seite...

Daumen hoch Daumen hoch Daumen hoch Daumen hoch
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#23
Ich bedanke mich für diese positive Kritik. Ich danke auch allen anderen Usern, besonders Adrian, die mir ein Lob ausgesprochen haben. Weiterhin bitte ich auch darum, wie zbyszko es machte, seine Bedenken bei manchen Sachverhalten zu äußern.

@Double F
Du kennst dich nicht mit dieser Zeitspanne aus? Nun, ich habe keine Ahnung von MMA und Ultimate Fighting. So schließt sich der Kreis wieder, da es wohl keinen Experten auf allen Gebieten geben kann. Ich werde mich daher auch mal im MMA Forum umschauen. ;)
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#24
Ne, bei mir gehts erst so in den 80ern los. Weiter zurück bin ich noch nicht gekommen...

Aber ich arbeite dran!!! :winke: Breites Grinsen
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#25
Gibt es eigentlich schon einen Frage-Thread zum Thema MMA? Ich hätte da ein oder zwei Fragen.

Was ist MMA?
Ab wann begann das Zeitalter von MMA? Vielleicht hinsichtlich einer bestimmten Person oder einem Promoter.
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#26
Ich bin nicht Double F aber MMA heisst Mixed Martial Arts :winke:
mehr weiss ich auch nicht.
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