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Geschichte des Amerikanischen Wrestlings - 1950er/60er Jahre
#40
Teil 8: Bruno Sammartino - Rekordchampion und Publikumsliebling

Die Folgen vom Chicago-Desaster weiteten sich aus am 24.01.1963 beim Rückkampf zwischen Thesz und Rogers. Da Muchnick in Rogers den möglichen Risikofaktor für das Scheitern der NWA sah, drohte er diesem finanzielle Konsequenzen an. Seine 25.000 Dollar Kaution sollte im Falle eines Sieges für einen guten Zweck gespendet werden. Thesz dominierte wie erwartet den Kampf und besiegte Rogers. Der neue NWA World Champion hieß Thesz. McMahon und Mondt widerriefen diesen Sieg aufs Schärfste . Eine Anerkennung des neuen Champions wurde wehement abgelehnt. Thesz konnte in McMahons Revier nie überzeugen, Rogers hingegen schon. Der Kampf zeigte, dass man die NWA noch nicht abschreiben durfte. Muchnick hatte einen Notfallplan in der Tasche: Die Ostpromoter hielten an Rogers fest, Muchnick pochte auf Thesz. McMahon und Mondt fühlten sich von der NWA überrumpelt. Die beiden stärksten Kritikpunkte von Capitol Wrestling waren: Der Sieg von Thesz und die umstrittende One Fall Regelung. Der Titelkampf hätte vielmehr durch ein Best of three Falls entschieden werden müssen. Nunmehr begann ein Bruch zwischen beiden Lagern. Er dauerte bis zum April 1963. In der Zwischenzeit gab es keine Entspannung. Im Gegenteil, die nächsten Kämpfe sorgten für weiteren Zündstoff.

McMahon versuchte das Match in Toronto klammheimlich unter den Tisch zu kehren. Als hätte es diesen Kampf nie gegeben. Da das Fernsehen noch relativ in den Kinderschuhen steckte, blieben nur die Wrestlingmagazine. Der Versuch scheiterte daran, weil die Presseleute wie Stanley Weston den Kampf trotz Abmachung veröffentlichten. McMahon musste auf ein anderes Argument ausweichen. Es kam der Vorwurf, dass ein Pinfall von Thesz kaum für einen Sieg ausreiche. Der Titelwechsel könne so nicht anerkannt werden. Dieser Vorwurf war praktisch null und nichtig. Die meisten Matches wurden kurz danach umgeändert. Es reichte nun ein Pinfall, um zu gewinnen. Die Ostpromoter wollten unbedingt Rogers als World Champion sehen. Sie bauten so einen starken Widerstand auf, dass St. Louis schließlich nachgab. McMahon krönte Rogers zum WWWF Champion. Doch vorher kam der Rückkampf gegen Thesz in Toronto am 07.02.1963.

Die NWA Spitze war noch immer der Meinung, dass ihr Titel am wichtigsten sei. Um das zu beweisen unterstützte Muchnick in Toronto 2 Kämpfe zwischen Thesz, Rogers und Bruno Sammartino. Der Rückkampf verlief wie erwartet kontrovers. Das Best of three Falls Match gewann Thesz. Aber den ersten Fall erreichte er nur durch Disqualifikation. Am 14.03 kam der Kampf gegen Sammartino, den Thesz ebenfalls gewann. Behauptungen sagen, das Sammartino meinte, dass letzte Wort sei noch nicht gesprochen. Er sollte Recht behalten. Intern gab es schon heiße Diskussionen um den neuen World Title von McMahon. Das Geschehen verlagerte sich am 01.04.1963 nach Rio de Janeiro, wo es angeblich ein Turnier um den WWWF World Title gab.

[Bild: http://www.wwf4ever.de/team/ronald/Toots Mondt.jpg]
Joe "Toots" Mondt, New Yorks Wrestling Impresario

Im April 1963 waren im Nordosten die Würfel für ein neues Promotionformat gefallen. Unter McMahons Führung wurde die "World Wide Wrestling Federation (WWWF)" gegründet. Der Nordosten brach praktisch aus der NWA heraus. Um die briekäre Situation zu beenden, führte McMahon einen eigenen World Title ein. Rogers wurde zum ersten Champion ernannt. Die merkwürdige Situation war nur, dass Rogers aufgrund der Niederlage gegen Thesz zum Champion gekrönt wurde. Schon bald konnte auch den Insidern klar werden, dass diese Situation nicht lange Bestand haben könnte. Und so tauchte der Name Bruno Sammartino auf, der zu einer weiteren Trenntwende im Wrestling führen sollte. Im Zuge der Formierung der WWWF spalteten sich gleich mehrere Promoter von der NWA ab. Mondts Einfluss in New York schwindete 1969. Sein Partner McMahon übernahm das Zepter. Offiziell war jedoch Capitol Wrestling nicht aufgelöst worden. Die Gesellschaft fungierte im Hintergrund des Formats WWWF bis zum Rechteverkauf an Vincent Kennedy McMahon (Titan Sports, Inc.) am 06.06.1982. Anteilseigener waren neben McMahon noch Zacko, Gilzenberg, Arnold Skaaland und Gorilla Monsoon.

Rogers Fall als Champion kam rasch. Die bloße Ernennung reichte McMahon nicht. Aufgrund dieses fiktiven Turniers in Rio de Janeiro, wo Rogers angeblich gegen Antonino Rocca siegte, war der "Nature Boy" nun plötzlich WWWF Champion. Ein richtiger Titelkampf musste her. Rogers Herzprobleme führten zu einer Verschlechterung seines Gesundheitszustandes und er musste ins Krankenhaus eingeliefert werden. Als Favorit auf den Titel kam Sammartino in Betracht. Die NWA erhoffte mit Thesz ihren World Title besser darstehen zu lassen.

Die erhoffte Wirkung zerplatzte, da Sammartino einen entscheidenden Sieg verbuchen konnte. Im ausverkauften MSG besiegte er am 17.05.1963 den WWWF World Champion Rogers in einer Rekordzeit von 48 Sekunden (nicht 45 Sekunden). Sammartino startete mit diesem Sieg seine lange Regentschaft als WWWF Champion. Sie sollte bis 1971 dauern. Im Hintergrund dieses Kampfes geschahen jedoch noch merkwürdige Szenen: So sei Rogers nur aus dem Krankenhaus geholt worden, um Sammartino in ein besseres Rampenlicht zu stellen. Überrascht hat der Sieg sicher nicht, da Rogers bereits vor dem Kampf mit Herzproblemen im Krankenhaus lag. Zu allem Irrsinn war der Kampf ein One Fall Match. Hier wurde also genau die Regelung angewendet, die man vor Monaten noch kritisierte und als Grund vorschob, sich von der NWA zu trennen. In Wahrheit hatten die Ostpromoter längst realisiert, dass ein eigener World Title mehr Geld einbringen konnte.

Mittlerweile hatte sich Sammartino als Champion bewiesen, und stieg zum populärsten und bekanntesten Wrestler dieser Zeit auf. Das lag vor allem daran, weil der MSG ständig ausverkauft war, wenn er antrat. Und weil er nahezu in den gesamten Vereinigten Staaten von Amerika kämpfte. Sammartino blieb lange Zeit das Aushängeschild der WWWF. Er baute den Status des WWWF World Title weiter aus, indem er weniger bedeutsame Titel mit dem eigenen verbindete. Rogers hingegen verschwand nach und nach in der Versenkung. Nur noch selten arbeitete er für die Wrestling-Szene. Sammartinos Aufgabe nach Rogers Fall den Titel zu verteidigen, sollte allerdings kein leichtes Unterfangen werden. So stellten sich die größten Wrestler in seinen Weg - und das waren: Gorilla Monsoon, Freddie Blassie, Haystacks Calhoun, Georg "The Animal" Steele, Ivan Koloff und der selbsternannte "größte Athlet Kanadas" Gene Kiniski. Einen Rückkampf zwischen Rogers und Sammartino wollte man trotzdem in Angriff nehmen. Der Jahrhundertkampf sollte in New Yersey ausgetragen werden. Als Vorbereitung diente das wichtige Tag Team Match vom 02.08.1963. Rogers und "Handsome" Johnny Barend besiegten Sammartino und Bobo Brazil. Das "Roosevelt Stadium" in New Yersey blieb trotzdem leer. Der Rückkampf musste abgesagt werden, da Rogers kurz vorher seinen Rücktritt vom Wrestling bekanntgab. Als Ersatz fand man Gorilla Monsoon. Dieser musste sich aber, wie viele andere Wrestler, gegen Sammartino geschlagen geben. Rogers kehrte Jahre später als Manager von Jimmy Snuka zurück. Er erlitt 1992 einen Herzinfarkt und starb im Alter von 70 Jahren. Damit ging ein Jahrhundertwrestler von der Welt.

McMahon und Mondt versuchten den WWWF World Title weiter aufzuwerten. Das gelang in einem hohe Maße, da Sammartino ausschließlich gegen Bösewichte kämpfte. Doch der Hauptgrund lag wohl in den Auftrittsorten selbst. So veranstaltete McMahon in großen Städten. Das alleine brachte schon eine riesen Wirkung mit sich. In der NWA unternahm man mittlerweile den nächsten Versuch, die Ausbreitung der WWWF zu stoppen. Muchnick und McMahon verhandelten über einen Zusammenschluss des NWA World Title mit dem WWWF World Title. Muchnick erhoffte sich so die Rückkehr des Nordostens in die auseinanderfallende Allianz. Es folgte eine Inszenierung für einen großen Kampf zwischen Thesz und Sammartino. Man wollte den Kampf sogar landesweit ankündigen. Der Versuch der NWA scheiterte jedoch kläglich am Widerstand des amtierenden NWA Champions. Thesz war nicht bereit für weniger als 100.000 Dollar gegen Sammartino zu verlieren. Eine gigantische Summe in dieser Zeit. Noch mehr wiegte wohl die Feindschaft zu New York Promoter Mondt, den Thesz nicht ausstehen konnte. Hinter den Kulissen ging dieser Hass schon Jahrzehnte. Mondt wirkte damals in den 20er Jahren im mächtigen "Gold Dust Trio" (Mondt, Ed Lewis und Promoter Billy Sandow). Zu McMahon bestand zwar keine Feindschaft, aber Thesz nahm eher eine ablehnende Haltung zu ihm ein. Der andere Grund für das Scheitern des Kampfes war die Ablehnung von Sammartino, als Champion den proppen Terminplan zu erfüllen. Der Monat sah in diesem Falle nur zwei freie Tage vor.

Nachdem Tom Packs 1948 seine letzte Wrestling-Show in St. Louis promotete, endet nach 38 Jahren auch die Ära Paul Bowser. Bowser stirbt am 17.07.1960 im Boston Massachusetts General Hospital an den Folgen eines Herzinfarkts, den er fünf Tage zuvor erlitten hatte. Die letzte Show unter Bowser im Boston Garden wurde am 11. März 1960 ausgetragen. Bowser war seit 1922 der "Wrestling-König" von Neuengland und mit Tom Packs der mächtigste Promoter in den 40er Jahren. Er formierte 1928 die originale "American Wrestling Association (AWA)", die seit 1931 auch einen eigenen World Title besaß. Im Boston Revier traten über Jahrzehnte die besten Wrestler des Landes an. Das seit Jahrzehnten starke Revier brach nach Bowsers Tod auseinander. Eine Konkurrenz zur WWWF ließ sich nicht mehr aufbauen. Boston Promoter Abraham Ford, ein ehemaliger Verbündeter der Bowser-Quinn Gruppe, stieg 1965 schließlich in die WWWF ein. Ford wollte somit Bruno Sammartino unterstützen. Ihn quasi bei den aus Italien stammenden Fans fest integrieren.

Die Wrestling-Szene zu dieser Zeit stieg vor allem in Boston, Philadelphia und Pittsburgh auf. Hier konnte der WWWF Champion gewaltig punkten. Doch der Markt in New York schwindete bereits schleichend. Sammartino bekam ein lukratives Angebot aus Japan gegen Giant Baba anzutreten. Obwohl er der Champion der WWWF war, konnte er nur als Herausforderer antreten. Japan erkannte lediglich den NWA World Title an. Zu einem Unentschieden führte ein Kampf am 27.03.1967 zwischen Sammartino und Monsoon. Gegen Ray Stevens konnte Sammartino am 15.06.1967 in San Francisco bestehen, da Stevens den dritten Pinfall nur durch Auszählen erreichte. In New York bekam die WWWF 1969 mittlerweile Probleme mit den Finanzen. Die Zuschauer blieben aus. Während McMahons Kassen in anderen Orten klingelten, wurde der Markt in New York zu teuer. Die Einnahmen im MSG rutschten in den Keller, als die wöchentlichen Sendungen plötzlich aus dem Fernsehen verschwanden. McMahon schloss damals eine Vertrag ab. Es sollte pro Monat mindestens eine Show im MSG laufen, die eine spannende und anziehende Geschichte lieferte. Sammartinos voller Terminplan lies aber noch mehr Auftritte in New York nicht zu. Zudem war da das Problem mit der Fernsehübertragung. Eines Tages erschienen McMahons Sendungen wieder zur Nachtstunde auf einem Fernsehsender, der aus New Yersey sendete. Mit dem neuen Übertragungskanal konnten die Shows im MSG fortgeführt werden.

[Bild: http://www.wwf4ever.de/team/ronald/Bruno...artino.jpg]
Bruno Sammartino

Ende Januar 1969 erzielte man mit 5527 Zuschauern einen Minusrekord. Normalerweise waren bei Sammartinos Auftritten sonst immer 20000 Zuschauer anwesend. Der MSG blieb Gott sei Dank erhalten. Nicht auszudenken gewesen, was passiert wäre, wenn der MSG als Austragungsort nicht mehr in Betracht käme. Schließlich kam es hier am 04.05.1905 zu einem Jahrhundertkampf mit Georg Hackenschmidt als ersten "World Heavyweight Champion". Durch den weltweiten Einsatz von Sammartino stieg die WWWF zum nunmehr größten Konkurrenten der NWA auf. Diese Situation konnte selbst St. Louis nicht mehr stoppen. Doch die Geschichte machte auch vor Sammartino nicht halt. So tauchte ein weiterer ernstzunehmender Gegner auf. Der russische Bär Ivan Koloff stellte sich Sammartino in den Weg. Der ehemalige Gewichtheber brachte 135kg auf die Waage. Sein Manager war der legendäre Captain Lou Albano. Unter seinem Management besiegte Koloff etliche WWWF Superstars . Als neuen Titelträger sah man ihn aber weniger. Für die WWWF brach ein neues Jahrzehnt an. An der Beliebtheit von Sammartino änderte sich lange nichts. Nur der Kampf gegen Koloff am 18.01.1971 wirbelte eine riesige Menge Staub auf.

Im MSG verlor Sammartino den WWWF Title vor ausverkauftem Hause. Koloff war nun der neue Champion. Das Ende des Kampfes schockierte und es war minutenlang kein Ton in der Halle zu hören. Sollte die Person Sammartino hier etwa fallen? Das dachten zumindestens viele. In Wahrheit schickte McMahon ihn in eine kurze Erholungspause. Sammartino bekam aufkommende Probleme mit der Gesundheit, wegen der ständigen Präsenz im Ring. Man wollte ihn als Aushängeschild der WWWF nicht verlieren. Die Wrestling Insider gaben Koloff keine Chance lange als Champion zu "überleben". Sie sollten Recht behalten. Koloff wurde als Bösewicht dazu benutzt, um einen weiteren populären Wrestler an die Spitze der WWWF zu holen.

Vielfach sind diese Titelwechsel zu Heels benutzt worden, um zugkräftigere Wrestler besser zu etablieren. Der zweitpopulärste Wrestler nach Sammartino in dieser Phase war die Legende aus Puerto Rico, Pedro Morales. Er wurde sogleich gegen Koloff gestellt. Morales besiegte den russischen Bären nur kurz nach Sammartinos Niederlage am 08.02.1971 im MSG. Kurz zuvor gewann Morales angeblich in einem Turnier und wurde als "United States Heavyweight Champion" in den Medien vorgestellt. Die Austragung dieses Turniers bleibt aufgrund von fehlenden Aufzeichung fraglich. Die Schockwelle um Koloffs Sieg gegen Sammartino verstummte und Morales rückte als WWWF Champion in den Vordergrund. Allerdings nur solange bis Sammartino wieder voll einsetzbar war. Koloff verschwand danach zur AWA, um gegen Verne Gagne anzutreten. Die Promoter sahen den Zeitpunkt gekommen, neue Herausforderer auf den WWWF World Title aufzubauen. Glanzfiguren der 70er Jahre für McMahon waren neben Sammartino noch Billy Graham und Bob Backlund. Thesz verlor den NWA World Title am 07.01.1966 in St. Louis an Gene Kiniski. Der neue Champion gehörte zu den besten Wrestlern der 60er Jahre. Für die NWA war Kiniski ein durchaus ebengewichtiger Champion in Konkurrenz zu Sammartino. Aber in der Wirklichkeit sah das anders aus. Später betrachtete man Thesz und Kiniski als die wahren World Champions. Aber diese Konfusion zwischen der NWA und der WWWF lies sicher mehrere Ansichten zu. Kiniski verlor den NWA Title am 11.02.1969 in Tampa an Dory Funk Jr.. Funk hielt ihn bis zum 24.05.1973. An diesem Tage wurde die Legende Harley Race in Kansas City NWA World Champion.

Die wichtigsten Partner von McMahon waren Philip Zacko und William "Willie" Gilzenberg. Zacko war maßgeblich am Erfolg der WWF außerhalb von New York beteiligt. Er hatte Promoterlizenen für Pennsylvania und Maryland, organisierte die WWWF/WWF-Shows in Philadephia, Pittsburgh, Hamburg, Allentown und war Mitbegründer des zentralen CWC-Booking Office in Washington D.C.. Bis 1982 fungierte er als McMahons Sekretär. Philip Zacko starb 1993 im Alter von 87 Jahren. Gilzenberg, von 1963 bis 1978 WWWF Präsident, steuerte das New Yersey Territorium. Hier befand sich auch das WWWF Hauptquartier. Er hatte gute Kontakte zur New Yersey State Athletic Commission. Es gab ohnehin eine weitreichende Zusammenarbeit zwischen den Athletic Commissions in New York, New Yersey und Pennsylvania. Das machte diese drei Kommissionen auch so stark. 1978 starb Gilzenberg nach rund 50 Jahren als Promoter. Danach wurde das Amt des WWWF Präsidenten eingestellt. Erst Jack Tunney bekam, nach dem Rechteverkauf 1982, diesen Posten. McMahon wurde seit den 50er Jahren in Washington noch durch Herbert Freeman und James Dudley unterstützt. Freeman war Matchmaker unter Zacko, während Dudley zeitweise die Capitol Arena managte.

Wrestler aus unterschiedlichen Ländern bestimmten zum großen Teil die Amerikanische Nachkriegsgeschichte. Wie es dazu kommen konnte, erzählt uns der 9. Teil.
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#41
Teil 9: Der Nationalitäten-Schmelztiegel

Die verstärkte Einwanderungswelle, nach Ende des Amerikanischen Bürgerkrieges 1865, beeinflusste ebenfalls das Wrestling. Annähernd 60 Millionen der rund 300 Millionen US-Amerikaner sind heute deutscher Abstammung. Auch aus Deutschland kamen schon im 19.Jh. Wrestler nach Nordamerika (Carl Abs, Ernst Roeber). Ausländische Stars eroberten schnell die Herzen des Publikums. Davon erzählt der 9 Teil.

Was wäre das amerik. Pro-Wrestling der Nachkriegszeit wohl ohne seine ausländischen Stars gewesen? Vielfach griff man auf sie zurück, da die heimischen Kräfte kaum ausreichten. Besonders in der hektischen Phase nach 1950, kamen beinahe wöchentlich neue Gesichter in die Staaten. Wrestling-Fans dieser Zeitspanne hatten schon große Erwartungen, auch wenn sie noch fast alles für bare Münze hielten. Das Wrestling durch Unterhaltung zu ergänzen fand anfangs nur wenige Liebhaber. Sensationen nutzten sich schnell ab. Der Promoter musste deshalb rechtzeitig entgegensteuern. Ausländische Wrestler haben die Geldgeber oft vor dem Konkurs bewahrt, daher konnte ihre große Zahl auch kaum verwundern. Wrestler aus dem Ausland sind kein Phänomen der Nachkriegszeit gewesen, obwohl sie eigentlich mehr verdienten als ihre Vorgänger. Fast jede Epoche hatte ihre ausländischen Stars. Richard Shikat und Hans Steinke waren bekannte Vertreter aus Deutschland während der 30er Jahre. Als größter Wrestler dieser Dekade etablierte sich Jim Londos aus Griechenland. Er wurde in Amerika zum Großverdiener. Durch intensive Promoterverbindungen ins Ausland, gelang es diesen Markt enorm zu erweitern. Besonders rege Kontakte knüpften die beiden Promoter Paul Bowser und Joseph "Toots" Mondt. Sie steuerten ein Heer von Wrestlern und hatten fast eben so viele Matchmaker unter Kontrolle. Das war noch zu einer Zeit, als man den Namen Vincent James McMahon nicht kannte. Mondt schickte seine Talentsucher durch alle Teile des Erdballs. In seinem New Yorker Booking Office herrschte ein ständiges Kommen und Gehen. New York war enorm ausbaufähig, da ab Februar 1949 wieder Wrestling-Shows im MSG veranstaltet wurden. Bisher blieb der mittlere Westen die Wrestling-Hochburg. Aber New York war irgendwie schon immer etwas anders. Seit Jahrzehnten machten sich Box- und Wrestlingpromoter gegenseitig Konkurrenz.

Zwei Großverdiener der Nachkriegszeit waren Lou Thesz und Antonino Rocca. Thesz hatte ungarische Wurzeln, debütierte 1934 und wurde 1937 mit 21 Jahren der bis heute jüngste World Champion. Seit November 1949 war Thesz das Aushängeschild der neu gegründeten NWA. 1966 verlor er seinen letzten World Title an Gene Kiniski. Bis dahin gehörte er zur Spitze des amerik. Wrestlings. An Gagenhöhe kaum zu übertreffen war Antonino Rocca aus Italien. Dieser Superstar aus McMahons Lager, schaffte es zu den best bezahlten Wrestlern zw. 1949 und 1963 zu gehören. Buddy Rogers konnte Rocca später von der Superstar-Position verdrängen. Bevor Rocca nach New York übersiedelte und dort für Aufsehen sorgte, holte ihn Promoter Karl Sarpolis nach Texas. In Galveston gab er 1948 sein amerik. Wrestlingdebüt. Für viele damalige Wrestler war Texas ein erster Anlaufpunkt. Ein wesentlicher Grund dafür ist die "Texas Wrestling Agency" gewesen. Für sie arbeiteten Matchmaker, deren Augenmerk eine nationale Ausrichtung anstrebte. Man beschränkte sich längst nicht mehr nur auf regionale Talente. Hinter dieser Agency stand der einflussreichste Promoter von Texas, Morris Sigel. Sigel, als führender Kopf, verkaufte Anteile an regionale Promoter wie Sarpolis. So ist es ermöglicht worden, dass Sigels Kader weit über Houston antreten konnte. Dieser bestand 1950 aus rund 140 Wrestlern. Sarpolis, einer der drei Teilhaber der Agency, stieg allerdings 1953 aus. Er wechselte nach Dallas zu Sigels Promotionrivale Edward McLemore. Das Heer an Champions und Matchmakern machte Texas schon früh zur pulsierenden Wrestling-Region. Es kam so auch öfters zu Promotionkriegen. Häufig traten in Texas Wrestler aus Mexiko an.

Bald erkannte man Roccas Potenzial. Zunächst kämpfte er in Argentinien bis ihn Mondt von der "Manhattan Booking Agency" zurück in die Staaten holte. Am 12. Dezember 1949 startete Mondt seine zweite MSG-Show. Rund 17.000 Fans sahen Roccas Sieg über "Mr. America" Gene Stanlee. Damit begann sowohl die Karriere von Rocca im Big Apple, wie auch die erfolgreiche Rückkehr des Wrestlings in den MSG. Eine erste Show im Februar 1949 zog 4197 Zuschauer an. Zu wenig für diese berühmte Sportarena. Rocca blieb bis zur WWWF Gründung 1963 der populärste Wrestler in New York. Abgelöst wurde sein Erfolg durch einen italienischen Landsmann namens Bruno Sammartino. Wrestler aus Sam Muchnicks Lager konnten in McMahons Revier nie groß punkten. Mondts Agency hatte noch Primo Carnera unter Vertrag. Ein ehemaliger Boxweltmeister aus Italien, dessen Potenzial das Wrestling stark bereicherte. Ausländische Wrestler und sonstige Größen standen in New York meistens für zwei Promotergruppen unter Vertrag: Mondts Agency und der Dusek-Johnston Fraktion. Das stärkere Gegengewicht bildeten Rudy Dusek und die Johnston-Familie, deren Geschäftsbeziehung seit 1937 bestand und sämtliche Konkurrenz verdrängte. Der Johnston Familienklan hielt auch die Booking Rechte für den MSG. Für Mondts Agency kam im Januar 1952 das Aus. Er und seine Teilhaber (Rudy Miller, Henry Steinborn) verkauften alle Rechte an Ignacio Martinez. Obwohl sich Mondt geschlagen geben musste, was auch mit finanziellen Verlusten verbunden war, kam 1956 eine entscheidende Wende. Er holte Washington D.C.-Promoter Vincent James McMahon zurück nach New York. Die Verbindung zu McMahon stürzte die Macht der Dusek-Johnston Frakion. Diese übergab allmählich alle Booking-Rechte für den MSG an McMahons Gruppe. Bald waren sie das führende Promoterduo an Nordamerikas Ostküste. McMahon's erste Geldquelle wurde sogleich Rocca, der alle Zuschauerrekorde des MSG seit Jim Londos' Zeiten brach. Roccas Tag Team Partner ist Miguel Perez aus Puerto Rico gewesen. Am 30. März 1957 siegten beide vor 20.125 Zuschauern gegen Don Stevens und Wildman Fargo. Eine neue Rekordmarke für den MSG seit dem Neustart 1949.

Einen weiteren internationalen Austausch von Wrestlern, bewirkten Kontakte zu den großen Promotions in England (Dale-Martin Promotion, Joint-Promotions). Hawaii-Promoter Alexander Karasick initiierte die Karrieren vieler Japaner. Er agierte seit 1951 in Japan und war Mitbeteiligter an Rikidozans Erfolgen. Rikidozan kämpfte 1952 erstmals auf Hawaii. Er bezwang 1962 in Los Angeles WWA World Champion Freddie Blassie. Schon eine frühere USA-Tournee brachte ihm viel Respekt unter seinen Landsmännern ein. Karasick hatte als NWA-Mitglied natürlich beste Verbindungen. Andere Promoter die eine länderübergreifende Zusammenarbeit ermöglichten waren u.a.: Clarence Preston Luttrall, Salvador Lutteroth Gonzalez, Fred Kohler, Stu Hart, Frank Tunney und Eddie Quinn. Luttrall (Florida) formierte einen Wrestling-Zirkel zw. Florida, Puerto Rico, Kuba und den Bahamas. Gonzalez, Gründer der mexikanischen Promotion EMLL, war von 1952 an ein einflussreiches NWA-Mitglied. Seit 1933 betrieb er ein bekanntes Booking Office in Mexico City. Es gab fast keinen mexikanischen Wrestler, der nicht zu Gonzalez Kontakt hatte. Mexikanische Wrestler traten bereits vor dem 2. Weltkrieg in den USA auf. Bis Ende der 40er Jahre gehörten dazu: Enrique Torres, Gorilla Ramos, Alberto Campos, Juan Humberto, Miguel Torres, Javier Francisco Guzman und Miguel "Black" Guzman. Als besonders erfolgreich erwies sich Miguel Guzman, der lange den Texas State Heavyweight Title verteidigen konnte. Das Markenzeichen von Alberto Campos war sein Stirnband. Enrique Torres überzeugte als erfolgreicher Pacific Coast Champion. El Santo wird noch heute in Mexiko verehrt. Den Status von Mil Mascaras muss man fast gar nicht mehr erwähnen.

Das nordamerikanische Pro-Wrestling wurde seit Anbeginn durch Kanadier beeinflusst. 1939 betraten nahezu zeitgleich zwei Promoter die Bühne: Frank Tunney und Eddie Quinn. Durch sie begann die Laufbahn vieler kanadischer Vorkriegs- bzw. Nachkriegslegenden. Frank und sein Bruder John Tunney (Vater von Jack Tunney) übernahmen den Toronto "Queensbury Athletic Club" von Promoter Jack Corcoran. Doch im Januar 1940 starb John an einer schweren Grippeinfektion, was Frank dazu veranlasste, die Szene in Ontario allein weiterzuführen. Er gründete die "Frank Tunney Sports, Ltd." und machte "Maple Leaf Wrestling" international bekannt. 1941 debütierte in Toronto "Whipper" Billy Watson. Für Tunney kam somit der erhoffte Durchbruch, nach vorherigen ernsten Schwierigkeiten. 30 Jahre lang schaffte es niemand, Watson an Zuschauergunst im Maple Leaf Garden zu übertrumpfen. 1947 enthronte Watson in St. Louis den NWA World Champion Bill Longson. Longson konnte diesen Titel seit 1943 erfolgreich verteidigen.

Aufgrund von Tunneys Kontakten kämpften bald zahlreiche Wrestler bei Maple Leaf Wrestling, was einen Austausch zw. Kanada und den USA begünstigte. Fast alle World Champions traten mindestens einmal bei Tunney auf. 1956 bezwang Watson auch NWA World Champion Lou Thesz. Ein Höhepunkt des aus Ontario stammenden Superstars. 1971 wurde Watsons Karriere durch einen schweren Unfall beendet. Er und Yvon Robert beeinflussten dann andere Kanadier ins Wrestling einzusteigen. Robert vertrat als Top-Superstar die andere große kanadische Promotion von Eddie Quinn. Quinn kam 1936 nach Boston, wo er mit Paul Bowser ein einflussreiches Team bildete. Bowser unterstützte sein Vorhaben, eine eigene Promotion in Montreal zu eröffnen. Im August 1939 war es dann soweit: Die Quinn-Promotion eröffnete offiziell ihre Pforten. Bis Bowsers Tod 1960 gab es enge Beziehungen zw. Boston und Montreal. Robert erzielte für Quinn zahlreiche Erfolge, bis ihn schließlich Killer Kowalski ablöste. Robert kämpfte vorher schon für Bowser und wurde 1936 AWA World Champion. Quinn ließ Kowalski Anfang der 50er Jahre bei sich antreten. Kowalski kam wie Watson auch aus Ontario. Eine wichtige Nachkriegslegende war noch Edouard Carpentier (Edouard Wieczorkwicz), den Quinn 1955 aus Paris holte. Carpentier brachte 1957 die USA-Szene mächtig ins Wanken. Seine kontroversen Matches gegen NWA World Champion Lou Thesz erzeugten gleich mehrere Abspaltungen. Quinn und Tunney waren seit 1948 Teilhaber der Tom Packs-Promotion in St. Louis, die sich im Auflösungsprozess befand. Hierdurch sind Kanäle zw. Missouri und Kanada ermöglicht worden. Tunney unterhielt ferner eine Freundschaft zu Sam Muchnick und Vincent James McMahon. Er blieb 35 Jahre lang NWA-Mitglied. Gleichzeitig investierte Tunney auch in mehrere andere Regionen außerhalb von Ontario (St. Louis, Indianapolis, New York State). McMahons Wrestler wie Buddy Rogers oder Bruno Sammartino sah man oft in Tunneys Promotion kämpfen.

Ein dritter Mann vertrat seit 1953 die NWA in Kanada, Stu Hart. Er ersetzte den NWA-Promoter Larry Tillman. Quinns-Promotion schloss Ende 1963 ihre Pforten. Obwohl Tunney noch bis 1983 eigene Shows veranstaltete, blieb Harts "Stampede-Wrestling", das erfolgreichste Promotionformat in Kanada. Stampede Wrestling erstreckte sich auch auf Teile der USA. Die vorher in Ostkanada beheimatete Wrestling-Szene, verschob sich nach Westkanada. Wesentliche Einflüsse aus dem Norden sind für die USA-Szene von größter Bedeutung gewesen. Als weitere Vertreter der Nachkriegszeit seihen noch genannt: Pat Flanagan, Mike und Ben Sharpe, Frank Valois, Sandor Kovacz, Alex Kasaboski, Gene Kiniski und Chief Thunderbird. Alle nach 1970 eingetretenden Kanadier sprengen den Rahmen dieser Geschichte, die nie Alles behandeln kann. Zwischen 1945 und 1970 waren ausländische Wrestler allgegenwärtig. Sie brachten einen neuen Schwung in Nordamerikas Wrestling-Szene. Neben kanadischen und mexikanischen Talenten überzeugten: Japaner, Franzosen, Italiener, Russen, Polen, Deutsche, Engländer, Inder, Griechen oder ungarische Stars. Stellvertretend für viele seihen hier genannt: Rikidozan, Mr. Moto, Harold Sakata, Steve Casey, Danno O´Mahoney, Tommy O´Toole, Bruno Sammartino, Angelo Savoldi, Primo Carnera, Al "Spider" Galento, Michele Leone, Gino Garibaldi, Ace Freeman, Sandor Szabo, Wladislaw "Iron" Talun, Jim Londos, Jimmy James, Hans Kämpfer, Hans Schnabel, Henry Steinborn, Ivan Kameroff, Ivan Koloff, Kola Kwariani, Maurice LaChapelle, Jules und Jacques LaRance, Karl Gotch sowie Don Eagle.
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#42
Zitat:Mittlerweile hatte sich Sammartino als Champion bewiesen, und stieg zum populärsten und bekanntesten Wrestler dieser Zeit auf. Das lag vor allem daran, weil der MSG ständig ausverkauft war, wenn er antrat. Und weil er nahezu in den gesamten Vereinigten Staaten von Amerika kämpfte. Sammartino blieb lange Zeit das Aushängeschild der WWWF. Er baute den Status des WWWF World Title weiter aus, indem er weniger bedeutsame Titel mit dem eigenen verbindete.


Welche Titel verband/vereinigte Bruno denn mit dem WWWF-Titel?
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#43
Capitol Wrestling besaß vor der WWWF Formierung 1963 noch ein paar regionale Titel, wie den Pennsylvania oder Maryland Title. Im deutschen Internet habe ich dazu jedoch noch keine Liste gefunden. Dave Meltzer beschrieb das mal genauer in der übersetzten Fassung seiner Geschichte über den WWWF/WWF Title in der Power-Wrestling. Wahrscheinlich hat man diese Titel damals unter den Tisch fallen lassen und nicht weiter darüber berichtet. Bis vor wenigen Jahren war den meisten ja selbst unbekannt (auch mir), dass Capitol Wrestling in Wirklichkeit bis 1982 existierte und als Gesellschaft hinter der WWWF fungierte.

Da die Promotion bis zum April 1963 der NWA angehörte, dürfte es sich wohl um regionale NWA Titel gehandelt haben. Mondt baute ab 1960 das Pennsylvania Revier aus und Sammartino konnte hier groß durchstarten. Offensichtlich schien dann ein regionaler Titel hier nicht mehr notwendig gewesen zu sein.
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#44
Teil 10: Wrestlingboom an der Westküste

Ein nicht unwesentlicher Teil des Amerikanischen Wrestling konzentrierte sich damals auf Kalifornien. Charakteristisch dafür war der stetige Ausbau an Fernsehformaten, die hier Millionen von Dollar einbrachten. Besonders im Großraum Los Angeles sind in den 50er Jahren zahlreiche Matchmaker und Promoter unterwegs gewesen. Sie bauten ein Business auf, dass L.A. zur Wrestling-Hochburg neben St. Louis und Chicago wurde. Als populärste Veranstaltungshalle fungierte das "Olympic Auditorium", wo man solche Stars wie Baron Michele Leone, Rikidozan, Freddie Blassie, Ray Stevens oder Lou Thesz bestaunen konnte. Die andere Seite waren die damit verbundenen Machtkämpfe um Fernsehrechte oder Booking-Verträge. Dieses Millionengeschäft erzeugte eine Konkurrenz, wie man sie bis dato in Amerika nur selten kannte.

Promoter Johnny Doyle verkörperte als schillernde Hauptfigur den Boom bis zur Mitte der 50er Jahre. Doyle rutschte schon vor dem Zweiten Weltkrieg ins Wrestling. Eine Umstrukturierung im L.A. Booking-Office 1940 markierte gleichzeitig einen Neubeginn. Die langjährigen Promoter Lou und Jack Daro verkauften ihre Rechte zusammen mit Matchmaker Joseph "Toots" Mondt an Nick Lutze. Doyle sah seine Chance gekommen und teamte mit Floyd Musgrave, um Lutze schließlich auszuzahlen. Während der 40er Jahre bauten sie das L.A.-Revier für Wrestling-Shows aus. Neue Talente wie Gorgeous George erschienen. Nach Musgraves Tod 1948 blieb es Johnny vorbehalten, das Wrestling an Amerikas Westküste grundlegend zu verändern. Dem Doyle-Musgrave Team trat ein einflussreicher Mann namens Alvah "Cal" Eaton bei, der seit 1942 im Auditorium arbeitete. Anfang der 40er Jahre sammelte sich hier eine Promotergruppe rund um den Besitzer Frank Garbutt. Eaton wurde Mitglied und lernte hier auch seine spätere Frau Aileen Goldstein LeBell kennen. Aileen war schon Managerin vom Olympic Auditorium. Sie hatte beste Kontakte zur internationalen Boxszene. Boxen brachte bislang die meisten Einnahmen, bis Cal das Geschäft des Wrestlings komplett übernahm. Doyle bookte seine Schwergewichte an das Eaton-LeBell Duo. Dadurch erzielte man im Auditorium regelmäßige Zuschauerrekorde mit hohen Gewinnen. Cal und Aileen gehörten zu den reichsten Promotern des Landes. Damit verbunden war ihre enorme Machtfülle äußerst weitreichend. Sie hatten Beziehungen zur California State Athletic Commission und bestimmten, wer im Auditorium antreten durfte. Indirekt nahm Cal auch Einfluss auf seine Konkurrenten in der Umgebung. Auf Druck von ihm erteilte die Athletic Commission manchmal keine Lizenzen.

Ein neues Jahrzehnt brach an, als Doyle im April 1950 die "Ring Talent, Inc." unter dem Dach seiner "John James Doyle Enterprises" formierte. Dahinter steckte eine Booking-Gesellschaft für die Fernsehformate. Doyle schloss mehrere Verträge mit angrenzenden Promotern ab, so dass seine Wrestler für fast alle Hallenbetreiber in der Region kämpften. Cals Investition an Ring Talent sicherte dem Auditorium auch weiterhin viele erfolgreiche Shows zu. Als dritter Teilhaber fungierte Mike Hirsch (Ocean Park Arena/Santa Monica). Doyles Enterprise-Gesellschaft beschäftigte bedeutende Wrestler wie Gorgeous George, Michele Leone, Primo Carnera und Enrique Torres. Am 21.05.1952 erlebte das Olympic Auditorium den bisher wichtigsten Wrestlingkampf. Er sollte ein Zeichen für die Zukunft setzen. Lou Thesz besiegte vor einer Rekordkulisse von über 25000 Zuschauern Baron Michele Leone. Thesz gewann den World Title in der Olympic Auditorium-Version. Doyle brach mit rund 103.000 Dollar den alten Einnahmerekord von 1934. Dieser lag bei rund 96.000 Dollar. Fünf Monate später unterschrieb Doyle einen Sendevertrag mit dem ABC-Network, dass die Shows ab 1953 in 11 westliche Bundesstaaten sendete. Der Wert wird auf mehrere Millionen Dollar geschätzt. Probleme wegen Fernsehausstrahlungen führten dann zum Streit zwischen Doyle und Eaton, da Johnny nun mit Hugh Nichols verstärkt zusammen arbeitete. Nichols war ein erfolgreicher Promoter aus Hollywood, bei dem alle wichtigen Non-Heavyweight Wrestler kämpften. 1954 schloss Doyle seine Enterprise-Gesellschaft und verkaufte alle Rechte an Eaton, Nichols und Hirsch. Bis 1957 blieb Doyle im Indy-Bereich tätig. Danach wechselte er zur Capitol Wrestling Corporation nach Washington D.C..

Nach Eatons NWA Austritt und Nichols' Selbstmord 1956 war Kalifornien längere Zeit kein NWA-Revier mehr. Cal organisierte eine Umstrukturierung: Sein Stiefsohn Mike LeBell erhielt nun größere Mitspracherechte. 1958 gründeten beide die "North American Wrestling Association (NAWA)". Sie erweiterten ihr Geschäft auf ganz Süd-Kalifornien (einschließlich San Diego). Cal holte sich einen äußerst fähigen Matchmaker ins Team, Jules Strongbow. Aileen managte auch wieder viele geschäftliche Sachen. Mikes Bruder Gene LeBell war ein weiterer Teilhaber der Promotion. Es dauerte dann bis Ende 1959, als man Edouard Carpentier zum NAWA World Heavyweight Champion ernannte. Seit dem Chicago-Desaster wurde Carpentiers Position als NWA World Champion für den Aufbau eigener World Title Linien ausgenutzt. Das NAWA Board ließ Carpentier gegen einen neuen Favoriten der Promotion antreten, "Classy" Freddie Blassie. Er wechselte 1960 nach L.A. und bezwang Carpentier am 12.06.1961 um die NAWA/WWA World Title-Version. Cal Eaton und Mike LeBell entschlossen sich im gleichen Zeitraum dafür, ihr Promotionformat in "World Wrestling Association (WWA)" umzubenennen. Ein Höhepunkt der WWA Geschichte war die Matchserie von Blassie gegen Japans Superstar Rikidozan. Am 28.03.1962 verlor Blassie seinen WWA World Title im ausverkauften Olympic Auditorium. Rikidozan siegte, weil Blassie den ersten Fall verlor und dann das Zeitlimit kam, so dass der Kampf endete. Der Rückkampf zwischen beiden am 23. April verlief blutig. Aber zu Gunsten von Riki. Blassie kassierte eine eindeutige Niederlage, konnte im letzten Match am 25. Juli seinen Titel jedoch zurückholen. In L.A. entwickelte sich eine blutige Schlacht um den WWA Titel. Blassie verpasste Rikidozan einige Platzwunden im Gesicht. Der Japaner musste letztendlich aufgeben. "Vampire" - so nannte man Blassie öfters, da er seinen Gegnern gerne ins Gesicht biss. Andere WWA Superstars mit viel Potenzial waren z.B. "The Destroyer" Dick Beyer und Don Leo Jonathan.

[Bild: http://www.wwf4ever.de/team/ronald/Andre the Giant.jpg]
Andre the Giant

Mit den LeBell Brüdern und San Francisco-Promoter Roy Shire erschien eine neue Generation, die das Ende der alten Promotergarde allmählich besiegelte. Ab 1961 verstärkte Doyle wieder sein Arrangement in Kalifornien. Er investierte sein Kapital in San Francisco, um Shires Vorhaben zu unterstützen. Dieser wollte eine neue Promotion eröffnen. Shire bekam die Lizenz von der California State Athletic Commission und veranstaltete am 04.03.1961 seine erste Show im "Cow Palace". Er übertrug seine Shows mit Hilfe der KTVU-Studios in Oakland. Konkurrent Joe Malcewicz brach das Geschäft weg, da Shire alle bekannten Top-Stars wie Sammartino, Gagne oder Ray Stevens zu sich holte. Malcewicz beendete seine bisher populären Shows aus dem Civic Auditorium und wechselte in kleinere Lokalitäten, bis er 1962 starb. Doyle bildete im Oktober 1961 eine Gruppe von Wrestlern, um der WWA in L.A. eins auszuwischen. Er bookte die neugebaute Sports Arena mit Ray Stevens, Ray Stern, Dick the Bruiser, Bob Ellis, Bobo Brazil und Don Leo Jonathan. Eaton muss das wohl als Provokation empfunden haben, weil er in Doyle nur noch einen Konkurrenten sah. Ihre einstige Geschäftsbeziehung endete spätestens dort, wo Doyle dem Olympic Auditorium den Rücken kehrte. Offiziell bestritt er damals Probleme mit Eaton zu haben. Später allerdings kritisierte er dessen Machtposition in Süd-Kalifornien aber umso stärker. Noch immer hatte nämlich Cal hier das Sagen. Doyles Position wurde vor 1954 durch dessen Fernsehformate bestärkt. Jetzt aber kontrollierte Eaton ein Heer von Matchmakern und Wrestlern. Die WWA brauchte nur ihre Schützlinge vorzufahren. Einen Abend bevor Doyle seine "Invasion" in das L.A.-Revier startete, bookte WWA-Matchmaker Jules Strongbow die Sports Arena mit dem Hauptkampf Freddie Blassie vs. Rickie Starr. Insgesamt erschienen 12138 Zuschauer. Für Doyle war es kein guter Start, da nur etwa 4000 Zuschauer seine Show besuchten. Am 27.10.1961 konterte Strongbow erneut. Er ließ Freddie Blassie gegen Antonino Rocca antreten. Im ausverkauften Olympic Auditorium siegte Blassie über Rocca. Doyle konnte mit dem Kampf Ray Stevens vs. Bobo Brazil einen Tag später nicht punkten und verlor diesen Konkurrenzkampf. Nur 3500 Zuschauer sahen das Programm.

Im Januar 1966 starb Cal Eaton und Aileen rutschte an die Spitze der Promotion. Sie überließ aber ihren beiden Söhnen das Booking. Mike LeBell organisierte das Wrestling in L.A. neu: Zusammen mit Roy Shire trat er 1968 der NWA bei. Aus der WWA-Los Angeles wurde "Los Angeles Hollywood Wrestling" mit Jules Strongbow als Matchmaker. Mike und Gene LeBell wechselten sich in der Geschäftsführung ab. Diese Neuorganisation war maßgebend für die 70er Jahre. Aileen trat 1980 zurück. Sie wurde 2002 als erste Frau in die Internationale Box-Hall of Fame aufgenommen. Cal Eaton setzte 25 Jahre lang auf Top-Stars. Obwohl er auch umstritten war, brachte schließlich seine Promotion dem Wrestling in Kalifornien ungeahnte Erfolge

Ende der 60er Jahre hatte sich die WWWF soweit aufgestellt, dass sie zur dominierendsten Promotion aufstieg. Von Maine über New York, Pennsylvania und New Yersey bis Maryland erstreckte sich McMahons Revier. Damit umfasste dieses Gebiet fast den gesamten Nordosten. Im Bundesstaat New York veranstaltete noch längere Zeit Ignacio "Pedro" Martinez, der 1971 die "National Wrestling Federation (NWF)" gründete. McMahons Gruppe hatte die Schwierigkeiten mit ihren Fernsehsendungen gut überstanden. Zwischen 1966 und 1969 wurden sie öfters eingestellt. Am 30.08.1969 initiierte McMahon eine neue Fernsehübertragung aus Philadelphia in New York. Binnen eines Jahres erreichte der MSG wieder volle Zuschauerränge. Seit 1968 veranstaltete man im neugebauten vierten Garden an der 33. Straße/Ecke Penn Station.

Anfang der 70er Jahre holte Frank Valois einen Riesen aus Frankreich nach Kanada, Andre Roussimoff. Bruno Sammartino konnte gegen seinen Bekanntheitsgrad nicht ankommen. Man verkaufte Andre zunächst als "Monster Roussimoff" und "Jean Ferre", bis Valois 1973 ein Treffen mit McMahon organisierte. Dieser war regelrecht erschlagen von Andres Erscheinung – und noch im selben Jahr debütierte er als "Andre the Giant" in der WWWF. Die anderen Stars der 70er Jahre waren Billy Graham, Bob Backlund und der achtfache NWA World Champion Harley Race. Die Nachkriegsgeschichte war voll von Sensationen - von Promotern, die nach immer mehr Macht suchten. Schillernde Stars zogen die Massen an und füllten die Zuschauerränge. Man schaffte den Weg um die Verbindung zwischen Show und Sport zu vereinen. In den 50er und 60er Jahren gab es viele Leitfiguren, die in späteren Gimmicks weiterlebten. Auf der Basis ihres Erfolgs konnten auch die zukünftigen Generationen im Wrestling der USA aufsteigen.

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