02.05.2009, 20:37
Teil 9: Der Nationalitäten-Schmelztiegel
Die verstärkte Einwanderungswelle, nach Ende des Amerikanischen Bürgerkrieges 1865, beeinflusste ebenfalls das Wrestling. Annähernd 60 Millionen der rund 300 Millionen US-Amerikaner sind heute deutscher Abstammung. Auch aus Deutschland kamen schon im 19.Jh. Wrestler nach Nordamerika (Carl Abs, Ernst Roeber). Ausländische Stars eroberten schnell die Herzen des Publikums. Davon erzählt der 9 Teil.
Was wäre das amerik. Pro-Wrestling der Nachkriegszeit wohl ohne seine ausländischen Stars gewesen? Vielfach griff man auf sie zurück, da die heimischen Kräfte kaum ausreichten. Besonders in der hektischen Phase nach 1950, kamen beinahe wöchentlich neue Gesichter in die Staaten. Wrestling-Fans dieser Zeitspanne hatten schon große Erwartungen, auch wenn sie noch fast alles für bare Münze hielten. Das Wrestling durch Unterhaltung zu ergänzen fand anfangs nur wenige Liebhaber. Sensationen nutzten sich schnell ab. Der Promoter musste deshalb rechtzeitig entgegensteuern. Ausländische Wrestler haben die Geldgeber oft vor dem Konkurs bewahrt, daher konnte ihre große Zahl auch kaum verwundern. Wrestler aus dem Ausland sind kein Phänomen der Nachkriegszeit gewesen, obwohl sie eigentlich mehr verdienten als ihre Vorgänger. Fast jede Epoche hatte ihre ausländischen Stars. Richard Shikat und Hans Steinke waren bekannte Vertreter aus Deutschland während der 30er Jahre. Als größter Wrestler dieser Dekade etablierte sich Jim Londos aus Griechenland. Er wurde in Amerika zum Großverdiener. Durch intensive Promoterverbindungen ins Ausland, gelang es diesen Markt enorm zu erweitern. Besonders rege Kontakte knüpften die beiden Promoter Paul Bowser und Joseph "Toots" Mondt. Sie steuerten ein Heer von Wrestlern und hatten fast eben so viele Matchmaker unter Kontrolle. Das war noch zu einer Zeit, als man den Namen Vincent James McMahon nicht kannte. Mondt schickte seine Talentsucher durch alle Teile des Erdballs. In seinem New Yorker Booking Office herrschte ein ständiges Kommen und Gehen. New York war enorm ausbaufähig, da ab Februar 1949 wieder Wrestling-Shows im MSG veranstaltet wurden. Bisher blieb der mittlere Westen die Wrestling-Hochburg. Aber New York war irgendwie schon immer etwas anders. Seit Jahrzehnten machten sich Box- und Wrestlingpromoter gegenseitig Konkurrenz.
Zwei Großverdiener der Nachkriegszeit waren Lou Thesz und Antonino Rocca. Thesz hatte ungarische Wurzeln, debütierte 1934 und wurde 1937 mit 21 Jahren der bis heute jüngste World Champion. Seit November 1949 war Thesz das Aushängeschild der neu gegründeten NWA. 1966 verlor er seinen letzten World Title an Gene Kiniski. Bis dahin gehörte er zur Spitze des amerik. Wrestlings. An Gagenhöhe kaum zu übertreffen war Antonino Rocca aus Italien. Dieser Superstar aus McMahons Lager, schaffte es zu den best bezahlten Wrestlern zw. 1949 und 1963 zu gehören. Buddy Rogers konnte Rocca später von der Superstar-Position verdrängen. Bevor Rocca nach New York übersiedelte und dort für Aufsehen sorgte, holte ihn Promoter Karl Sarpolis nach Texas. In Galveston gab er 1948 sein amerik. Wrestlingdebüt. Für viele damalige Wrestler war Texas ein erster Anlaufpunkt. Ein wesentlicher Grund dafür ist die "Texas Wrestling Agency" gewesen. Für sie arbeiteten Matchmaker, deren Augenmerk eine nationale Ausrichtung anstrebte. Man beschränkte sich längst nicht mehr nur auf regionale Talente. Hinter dieser Agency stand der einflussreichste Promoter von Texas, Morris Sigel. Sigel, als führender Kopf, verkaufte Anteile an regionale Promoter wie Sarpolis. So ist es ermöglicht worden, dass Sigels Kader weit über Houston antreten konnte. Dieser bestand 1950 aus rund 140 Wrestlern. Sarpolis, einer der drei Teilhaber der Agency, stieg allerdings 1953 aus. Er wechselte nach Dallas zu Sigels Promotionrivale Edward McLemore. Das Heer an Champions und Matchmakern machte Texas schon früh zur pulsierenden Wrestling-Region. Es kam so auch öfters zu Promotionkriegen. Häufig traten in Texas Wrestler aus Mexiko an.
Bald erkannte man Roccas Potenzial. Zunächst kämpfte er in Argentinien bis ihn Mondt von der "Manhattan Booking Agency" zurück in die Staaten holte. Am 12. Dezember 1949 startete Mondt seine zweite MSG-Show. Rund 17.000 Fans sahen Roccas Sieg über "Mr. America" Gene Stanlee. Damit begann sowohl die Karriere von Rocca im Big Apple, wie auch die erfolgreiche Rückkehr des Wrestlings in den MSG. Eine erste Show im Februar 1949 zog 4197 Zuschauer an. Zu wenig für diese berühmte Sportarena. Rocca blieb bis zur WWWF Gründung 1963 der populärste Wrestler in New York. Abgelöst wurde sein Erfolg durch einen italienischen Landsmann namens Bruno Sammartino. Wrestler aus Sam Muchnicks Lager konnten in McMahons Revier nie groß punkten. Mondts Agency hatte noch Primo Carnera unter Vertrag. Ein ehemaliger Boxweltmeister aus Italien, dessen Potenzial das Wrestling stark bereicherte. Ausländische Wrestler und sonstige Größen standen in New York meistens für zwei Promotergruppen unter Vertrag: Mondts Agency und der Dusek-Johnston Fraktion. Das stärkere Gegengewicht bildeten Rudy Dusek und die Johnston-Familie, deren Geschäftsbeziehung seit 1937 bestand und sämtliche Konkurrenz verdrängte. Der Johnston Familienklan hielt auch die Booking Rechte für den MSG. Für Mondts Agency kam im Januar 1952 das Aus. Er und seine Teilhaber (Rudy Miller, Henry Steinborn) verkauften alle Rechte an Ignacio Martinez. Obwohl sich Mondt geschlagen geben musste, was auch mit finanziellen Verlusten verbunden war, kam 1956 eine entscheidende Wende. Er holte Washington D.C.-Promoter Vincent James McMahon zurück nach New York. Die Verbindung zu McMahon stürzte die Macht der Dusek-Johnston Frakion. Diese übergab allmählich alle Booking-Rechte für den MSG an McMahons Gruppe. Bald waren sie das führende Promoterduo an Nordamerikas Ostküste. McMahon's erste Geldquelle wurde sogleich Rocca, der alle Zuschauerrekorde des MSG seit Jim Londos' Zeiten brach. Roccas Tag Team Partner ist Miguel Perez aus Puerto Rico gewesen. Am 30. März 1957 siegten beide vor 20.125 Zuschauern gegen Don Stevens und Wildman Fargo. Eine neue Rekordmarke für den MSG seit dem Neustart 1949.
Einen weiteren internationalen Austausch von Wrestlern, bewirkten Kontakte zu den großen Promotions in England (Dale-Martin Promotion, Joint-Promotions). Hawaii-Promoter Alexander Karasick initiierte die Karrieren vieler Japaner. Er agierte seit 1951 in Japan und war Mitbeteiligter an Rikidozans Erfolgen. Rikidozan kämpfte 1952 erstmals auf Hawaii. Er bezwang 1962 in Los Angeles WWA World Champion Freddie Blassie. Schon eine frühere USA-Tournee brachte ihm viel Respekt unter seinen Landsmännern ein. Karasick hatte als NWA-Mitglied natürlich beste Verbindungen. Andere Promoter die eine länderübergreifende Zusammenarbeit ermöglichten waren u.a.: Clarence Preston Luttrall, Salvador Lutteroth Gonzalez, Fred Kohler, Stu Hart, Frank Tunney und Eddie Quinn. Luttrall (Florida) formierte einen Wrestling-Zirkel zw. Florida, Puerto Rico, Kuba und den Bahamas. Gonzalez, Gründer der mexikanischen Promotion EMLL, war von 1952 an ein einflussreiches NWA-Mitglied. Seit 1933 betrieb er ein bekanntes Booking Office in Mexico City. Es gab fast keinen mexikanischen Wrestler, der nicht zu Gonzalez Kontakt hatte. Mexikanische Wrestler traten bereits vor dem 2. Weltkrieg in den USA auf. Bis Ende der 40er Jahre gehörten dazu: Enrique Torres, Gorilla Ramos, Alberto Campos, Juan Humberto, Miguel Torres, Javier Francisco Guzman und Miguel "Black" Guzman. Als besonders erfolgreich erwies sich Miguel Guzman, der lange den Texas State Heavyweight Title verteidigen konnte. Das Markenzeichen von Alberto Campos war sein Stirnband. Enrique Torres überzeugte als erfolgreicher Pacific Coast Champion. El Santo wird noch heute in Mexiko verehrt. Den Status von Mil Mascaras muss man fast gar nicht mehr erwähnen.
Das nordamerikanische Pro-Wrestling wurde seit Anbeginn durch Kanadier beeinflusst. 1939 betraten nahezu zeitgleich zwei Promoter die Bühne: Frank Tunney und Eddie Quinn. Durch sie begann die Laufbahn vieler kanadischer Vorkriegs- bzw. Nachkriegslegenden. Frank und sein Bruder John Tunney (Vater von Jack Tunney) übernahmen den Toronto "Queensbury Athletic Club" von Promoter Jack Corcoran. Doch im Januar 1940 starb John an einer schweren Grippeinfektion, was Frank dazu veranlasste, die Szene in Ontario allein weiterzuführen. Er gründete die "Frank Tunney Sports, Ltd." und machte "Maple Leaf Wrestling" international bekannt. 1941 debütierte in Toronto "Whipper" Billy Watson. Für Tunney kam somit der erhoffte Durchbruch, nach vorherigen ernsten Schwierigkeiten. 30 Jahre lang schaffte es niemand, Watson an Zuschauergunst im Maple Leaf Garden zu übertrumpfen. 1947 enthronte Watson in St. Louis den NWA World Champion Bill Longson. Longson konnte diesen Titel seit 1943 erfolgreich verteidigen.
Aufgrund von Tunneys Kontakten kämpften bald zahlreiche Wrestler bei Maple Leaf Wrestling, was einen Austausch zw. Kanada und den USA begünstigte. Fast alle World Champions traten mindestens einmal bei Tunney auf. 1956 bezwang Watson auch NWA World Champion Lou Thesz. Ein Höhepunkt des aus Ontario stammenden Superstars. 1971 wurde Watsons Karriere durch einen schweren Unfall beendet. Er und Yvon Robert beeinflussten dann andere Kanadier ins Wrestling einzusteigen. Robert vertrat als Top-Superstar die andere große kanadische Promotion von Eddie Quinn. Quinn kam 1936 nach Boston, wo er mit Paul Bowser ein einflussreiches Team bildete. Bowser unterstützte sein Vorhaben, eine eigene Promotion in Montreal zu eröffnen. Im August 1939 war es dann soweit: Die Quinn-Promotion eröffnete offiziell ihre Pforten. Bis Bowsers Tod 1960 gab es enge Beziehungen zw. Boston und Montreal. Robert erzielte für Quinn zahlreiche Erfolge, bis ihn schließlich Killer Kowalski ablöste. Robert kämpfte vorher schon für Bowser und wurde 1936 AWA World Champion. Quinn ließ Kowalski Anfang der 50er Jahre bei sich antreten. Kowalski kam wie Watson auch aus Ontario. Eine wichtige Nachkriegslegende war noch Edouard Carpentier (Edouard Wieczorkwicz), den Quinn 1955 aus Paris holte. Carpentier brachte 1957 die USA-Szene mächtig ins Wanken. Seine kontroversen Matches gegen NWA World Champion Lou Thesz erzeugten gleich mehrere Abspaltungen. Quinn und Tunney waren seit 1948 Teilhaber der Tom Packs-Promotion in St. Louis, die sich im Auflösungsprozess befand. Hierdurch sind Kanäle zw. Missouri und Kanada ermöglicht worden. Tunney unterhielt ferner eine Freundschaft zu Sam Muchnick und Vincent James McMahon. Er blieb 35 Jahre lang NWA-Mitglied. Gleichzeitig investierte Tunney auch in mehrere andere Regionen außerhalb von Ontario (St. Louis, Indianapolis, New York State). McMahons Wrestler wie Buddy Rogers oder Bruno Sammartino sah man oft in Tunneys Promotion kämpfen.
Ein dritter Mann vertrat seit 1953 die NWA in Kanada, Stu Hart. Er ersetzte den NWA-Promoter Larry Tillman. Quinns-Promotion schloss Ende 1963 ihre Pforten. Obwohl Tunney noch bis 1983 eigene Shows veranstaltete, blieb Harts "Stampede-Wrestling", das erfolgreichste Promotionformat in Kanada. Stampede Wrestling erstreckte sich auch auf Teile der USA. Die vorher in Ostkanada beheimatete Wrestling-Szene, verschob sich nach Westkanada. Wesentliche Einflüsse aus dem Norden sind für die USA-Szene von größter Bedeutung gewesen. Als weitere Vertreter der Nachkriegszeit seihen noch genannt: Pat Flanagan, Mike und Ben Sharpe, Frank Valois, Sandor Kovacz, Alex Kasaboski, Gene Kiniski und Chief Thunderbird. Alle nach 1970 eingetretenden Kanadier sprengen den Rahmen dieser Geschichte, die nie Alles behandeln kann. Zwischen 1945 und 1970 waren ausländische Wrestler allgegenwärtig. Sie brachten einen neuen Schwung in Nordamerikas Wrestling-Szene. Neben kanadischen und mexikanischen Talenten überzeugten: Japaner, Franzosen, Italiener, Russen, Polen, Deutsche, Engländer, Inder, Griechen oder ungarische Stars. Stellvertretend für viele seihen hier genannt: Rikidozan, Mr. Moto, Harold Sakata, Steve Casey, Danno O´Mahoney, Tommy O´Toole, Bruno Sammartino, Angelo Savoldi, Primo Carnera, Al "Spider" Galento, Michele Leone, Gino Garibaldi, Ace Freeman, Sandor Szabo, Wladislaw "Iron" Talun, Jim Londos, Jimmy James, Hans Kämpfer, Hans Schnabel, Henry Steinborn, Ivan Kameroff, Ivan Koloff, Kola Kwariani, Maurice LaChapelle, Jules und Jacques LaRance, Karl Gotch sowie Don Eagle.
Die verstärkte Einwanderungswelle, nach Ende des Amerikanischen Bürgerkrieges 1865, beeinflusste ebenfalls das Wrestling. Annähernd 60 Millionen der rund 300 Millionen US-Amerikaner sind heute deutscher Abstammung. Auch aus Deutschland kamen schon im 19.Jh. Wrestler nach Nordamerika (Carl Abs, Ernst Roeber). Ausländische Stars eroberten schnell die Herzen des Publikums. Davon erzählt der 9 Teil.
Was wäre das amerik. Pro-Wrestling der Nachkriegszeit wohl ohne seine ausländischen Stars gewesen? Vielfach griff man auf sie zurück, da die heimischen Kräfte kaum ausreichten. Besonders in der hektischen Phase nach 1950, kamen beinahe wöchentlich neue Gesichter in die Staaten. Wrestling-Fans dieser Zeitspanne hatten schon große Erwartungen, auch wenn sie noch fast alles für bare Münze hielten. Das Wrestling durch Unterhaltung zu ergänzen fand anfangs nur wenige Liebhaber. Sensationen nutzten sich schnell ab. Der Promoter musste deshalb rechtzeitig entgegensteuern. Ausländische Wrestler haben die Geldgeber oft vor dem Konkurs bewahrt, daher konnte ihre große Zahl auch kaum verwundern. Wrestler aus dem Ausland sind kein Phänomen der Nachkriegszeit gewesen, obwohl sie eigentlich mehr verdienten als ihre Vorgänger. Fast jede Epoche hatte ihre ausländischen Stars. Richard Shikat und Hans Steinke waren bekannte Vertreter aus Deutschland während der 30er Jahre. Als größter Wrestler dieser Dekade etablierte sich Jim Londos aus Griechenland. Er wurde in Amerika zum Großverdiener. Durch intensive Promoterverbindungen ins Ausland, gelang es diesen Markt enorm zu erweitern. Besonders rege Kontakte knüpften die beiden Promoter Paul Bowser und Joseph "Toots" Mondt. Sie steuerten ein Heer von Wrestlern und hatten fast eben so viele Matchmaker unter Kontrolle. Das war noch zu einer Zeit, als man den Namen Vincent James McMahon nicht kannte. Mondt schickte seine Talentsucher durch alle Teile des Erdballs. In seinem New Yorker Booking Office herrschte ein ständiges Kommen und Gehen. New York war enorm ausbaufähig, da ab Februar 1949 wieder Wrestling-Shows im MSG veranstaltet wurden. Bisher blieb der mittlere Westen die Wrestling-Hochburg. Aber New York war irgendwie schon immer etwas anders. Seit Jahrzehnten machten sich Box- und Wrestlingpromoter gegenseitig Konkurrenz.
Zwei Großverdiener der Nachkriegszeit waren Lou Thesz und Antonino Rocca. Thesz hatte ungarische Wurzeln, debütierte 1934 und wurde 1937 mit 21 Jahren der bis heute jüngste World Champion. Seit November 1949 war Thesz das Aushängeschild der neu gegründeten NWA. 1966 verlor er seinen letzten World Title an Gene Kiniski. Bis dahin gehörte er zur Spitze des amerik. Wrestlings. An Gagenhöhe kaum zu übertreffen war Antonino Rocca aus Italien. Dieser Superstar aus McMahons Lager, schaffte es zu den best bezahlten Wrestlern zw. 1949 und 1963 zu gehören. Buddy Rogers konnte Rocca später von der Superstar-Position verdrängen. Bevor Rocca nach New York übersiedelte und dort für Aufsehen sorgte, holte ihn Promoter Karl Sarpolis nach Texas. In Galveston gab er 1948 sein amerik. Wrestlingdebüt. Für viele damalige Wrestler war Texas ein erster Anlaufpunkt. Ein wesentlicher Grund dafür ist die "Texas Wrestling Agency" gewesen. Für sie arbeiteten Matchmaker, deren Augenmerk eine nationale Ausrichtung anstrebte. Man beschränkte sich längst nicht mehr nur auf regionale Talente. Hinter dieser Agency stand der einflussreichste Promoter von Texas, Morris Sigel. Sigel, als führender Kopf, verkaufte Anteile an regionale Promoter wie Sarpolis. So ist es ermöglicht worden, dass Sigels Kader weit über Houston antreten konnte. Dieser bestand 1950 aus rund 140 Wrestlern. Sarpolis, einer der drei Teilhaber der Agency, stieg allerdings 1953 aus. Er wechselte nach Dallas zu Sigels Promotionrivale Edward McLemore. Das Heer an Champions und Matchmakern machte Texas schon früh zur pulsierenden Wrestling-Region. Es kam so auch öfters zu Promotionkriegen. Häufig traten in Texas Wrestler aus Mexiko an.
Bald erkannte man Roccas Potenzial. Zunächst kämpfte er in Argentinien bis ihn Mondt von der "Manhattan Booking Agency" zurück in die Staaten holte. Am 12. Dezember 1949 startete Mondt seine zweite MSG-Show. Rund 17.000 Fans sahen Roccas Sieg über "Mr. America" Gene Stanlee. Damit begann sowohl die Karriere von Rocca im Big Apple, wie auch die erfolgreiche Rückkehr des Wrestlings in den MSG. Eine erste Show im Februar 1949 zog 4197 Zuschauer an. Zu wenig für diese berühmte Sportarena. Rocca blieb bis zur WWWF Gründung 1963 der populärste Wrestler in New York. Abgelöst wurde sein Erfolg durch einen italienischen Landsmann namens Bruno Sammartino. Wrestler aus Sam Muchnicks Lager konnten in McMahons Revier nie groß punkten. Mondts Agency hatte noch Primo Carnera unter Vertrag. Ein ehemaliger Boxweltmeister aus Italien, dessen Potenzial das Wrestling stark bereicherte. Ausländische Wrestler und sonstige Größen standen in New York meistens für zwei Promotergruppen unter Vertrag: Mondts Agency und der Dusek-Johnston Fraktion. Das stärkere Gegengewicht bildeten Rudy Dusek und die Johnston-Familie, deren Geschäftsbeziehung seit 1937 bestand und sämtliche Konkurrenz verdrängte. Der Johnston Familienklan hielt auch die Booking Rechte für den MSG. Für Mondts Agency kam im Januar 1952 das Aus. Er und seine Teilhaber (Rudy Miller, Henry Steinborn) verkauften alle Rechte an Ignacio Martinez. Obwohl sich Mondt geschlagen geben musste, was auch mit finanziellen Verlusten verbunden war, kam 1956 eine entscheidende Wende. Er holte Washington D.C.-Promoter Vincent James McMahon zurück nach New York. Die Verbindung zu McMahon stürzte die Macht der Dusek-Johnston Frakion. Diese übergab allmählich alle Booking-Rechte für den MSG an McMahons Gruppe. Bald waren sie das führende Promoterduo an Nordamerikas Ostküste. McMahon's erste Geldquelle wurde sogleich Rocca, der alle Zuschauerrekorde des MSG seit Jim Londos' Zeiten brach. Roccas Tag Team Partner ist Miguel Perez aus Puerto Rico gewesen. Am 30. März 1957 siegten beide vor 20.125 Zuschauern gegen Don Stevens und Wildman Fargo. Eine neue Rekordmarke für den MSG seit dem Neustart 1949.
Einen weiteren internationalen Austausch von Wrestlern, bewirkten Kontakte zu den großen Promotions in England (Dale-Martin Promotion, Joint-Promotions). Hawaii-Promoter Alexander Karasick initiierte die Karrieren vieler Japaner. Er agierte seit 1951 in Japan und war Mitbeteiligter an Rikidozans Erfolgen. Rikidozan kämpfte 1952 erstmals auf Hawaii. Er bezwang 1962 in Los Angeles WWA World Champion Freddie Blassie. Schon eine frühere USA-Tournee brachte ihm viel Respekt unter seinen Landsmännern ein. Karasick hatte als NWA-Mitglied natürlich beste Verbindungen. Andere Promoter die eine länderübergreifende Zusammenarbeit ermöglichten waren u.a.: Clarence Preston Luttrall, Salvador Lutteroth Gonzalez, Fred Kohler, Stu Hart, Frank Tunney und Eddie Quinn. Luttrall (Florida) formierte einen Wrestling-Zirkel zw. Florida, Puerto Rico, Kuba und den Bahamas. Gonzalez, Gründer der mexikanischen Promotion EMLL, war von 1952 an ein einflussreiches NWA-Mitglied. Seit 1933 betrieb er ein bekanntes Booking Office in Mexico City. Es gab fast keinen mexikanischen Wrestler, der nicht zu Gonzalez Kontakt hatte. Mexikanische Wrestler traten bereits vor dem 2. Weltkrieg in den USA auf. Bis Ende der 40er Jahre gehörten dazu: Enrique Torres, Gorilla Ramos, Alberto Campos, Juan Humberto, Miguel Torres, Javier Francisco Guzman und Miguel "Black" Guzman. Als besonders erfolgreich erwies sich Miguel Guzman, der lange den Texas State Heavyweight Title verteidigen konnte. Das Markenzeichen von Alberto Campos war sein Stirnband. Enrique Torres überzeugte als erfolgreicher Pacific Coast Champion. El Santo wird noch heute in Mexiko verehrt. Den Status von Mil Mascaras muss man fast gar nicht mehr erwähnen.
Das nordamerikanische Pro-Wrestling wurde seit Anbeginn durch Kanadier beeinflusst. 1939 betraten nahezu zeitgleich zwei Promoter die Bühne: Frank Tunney und Eddie Quinn. Durch sie begann die Laufbahn vieler kanadischer Vorkriegs- bzw. Nachkriegslegenden. Frank und sein Bruder John Tunney (Vater von Jack Tunney) übernahmen den Toronto "Queensbury Athletic Club" von Promoter Jack Corcoran. Doch im Januar 1940 starb John an einer schweren Grippeinfektion, was Frank dazu veranlasste, die Szene in Ontario allein weiterzuführen. Er gründete die "Frank Tunney Sports, Ltd." und machte "Maple Leaf Wrestling" international bekannt. 1941 debütierte in Toronto "Whipper" Billy Watson. Für Tunney kam somit der erhoffte Durchbruch, nach vorherigen ernsten Schwierigkeiten. 30 Jahre lang schaffte es niemand, Watson an Zuschauergunst im Maple Leaf Garden zu übertrumpfen. 1947 enthronte Watson in St. Louis den NWA World Champion Bill Longson. Longson konnte diesen Titel seit 1943 erfolgreich verteidigen.
Aufgrund von Tunneys Kontakten kämpften bald zahlreiche Wrestler bei Maple Leaf Wrestling, was einen Austausch zw. Kanada und den USA begünstigte. Fast alle World Champions traten mindestens einmal bei Tunney auf. 1956 bezwang Watson auch NWA World Champion Lou Thesz. Ein Höhepunkt des aus Ontario stammenden Superstars. 1971 wurde Watsons Karriere durch einen schweren Unfall beendet. Er und Yvon Robert beeinflussten dann andere Kanadier ins Wrestling einzusteigen. Robert vertrat als Top-Superstar die andere große kanadische Promotion von Eddie Quinn. Quinn kam 1936 nach Boston, wo er mit Paul Bowser ein einflussreiches Team bildete. Bowser unterstützte sein Vorhaben, eine eigene Promotion in Montreal zu eröffnen. Im August 1939 war es dann soweit: Die Quinn-Promotion eröffnete offiziell ihre Pforten. Bis Bowsers Tod 1960 gab es enge Beziehungen zw. Boston und Montreal. Robert erzielte für Quinn zahlreiche Erfolge, bis ihn schließlich Killer Kowalski ablöste. Robert kämpfte vorher schon für Bowser und wurde 1936 AWA World Champion. Quinn ließ Kowalski Anfang der 50er Jahre bei sich antreten. Kowalski kam wie Watson auch aus Ontario. Eine wichtige Nachkriegslegende war noch Edouard Carpentier (Edouard Wieczorkwicz), den Quinn 1955 aus Paris holte. Carpentier brachte 1957 die USA-Szene mächtig ins Wanken. Seine kontroversen Matches gegen NWA World Champion Lou Thesz erzeugten gleich mehrere Abspaltungen. Quinn und Tunney waren seit 1948 Teilhaber der Tom Packs-Promotion in St. Louis, die sich im Auflösungsprozess befand. Hierdurch sind Kanäle zw. Missouri und Kanada ermöglicht worden. Tunney unterhielt ferner eine Freundschaft zu Sam Muchnick und Vincent James McMahon. Er blieb 35 Jahre lang NWA-Mitglied. Gleichzeitig investierte Tunney auch in mehrere andere Regionen außerhalb von Ontario (St. Louis, Indianapolis, New York State). McMahons Wrestler wie Buddy Rogers oder Bruno Sammartino sah man oft in Tunneys Promotion kämpfen.
Ein dritter Mann vertrat seit 1953 die NWA in Kanada, Stu Hart. Er ersetzte den NWA-Promoter Larry Tillman. Quinns-Promotion schloss Ende 1963 ihre Pforten. Obwohl Tunney noch bis 1983 eigene Shows veranstaltete, blieb Harts "Stampede-Wrestling", das erfolgreichste Promotionformat in Kanada. Stampede Wrestling erstreckte sich auch auf Teile der USA. Die vorher in Ostkanada beheimatete Wrestling-Szene, verschob sich nach Westkanada. Wesentliche Einflüsse aus dem Norden sind für die USA-Szene von größter Bedeutung gewesen. Als weitere Vertreter der Nachkriegszeit seihen noch genannt: Pat Flanagan, Mike und Ben Sharpe, Frank Valois, Sandor Kovacz, Alex Kasaboski, Gene Kiniski und Chief Thunderbird. Alle nach 1970 eingetretenden Kanadier sprengen den Rahmen dieser Geschichte, die nie Alles behandeln kann. Zwischen 1945 und 1970 waren ausländische Wrestler allgegenwärtig. Sie brachten einen neuen Schwung in Nordamerikas Wrestling-Szene. Neben kanadischen und mexikanischen Talenten überzeugten: Japaner, Franzosen, Italiener, Russen, Polen, Deutsche, Engländer, Inder, Griechen oder ungarische Stars. Stellvertretend für viele seihen hier genannt: Rikidozan, Mr. Moto, Harold Sakata, Steve Casey, Danno O´Mahoney, Tommy O´Toole, Bruno Sammartino, Angelo Savoldi, Primo Carnera, Al "Spider" Galento, Michele Leone, Gino Garibaldi, Ace Freeman, Sandor Szabo, Wladislaw "Iron" Talun, Jim Londos, Jimmy James, Hans Kämpfer, Hans Schnabel, Henry Steinborn, Ivan Kameroff, Ivan Koloff, Kola Kwariani, Maurice LaChapelle, Jules und Jacques LaRance, Karl Gotch sowie Don Eagle.
