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Geschichte des Amerikanischen Wrestlings - 1950er/60er Jahre
#41
Teil 9: Der Nationalitäten-Schmelztiegel

Die verstärkte Einwanderungswelle, nach Ende des Amerikanischen Bürgerkrieges 1865, beeinflusste ebenfalls das Wrestling. Annähernd 60 Millionen der rund 300 Millionen US-Amerikaner sind heute deutscher Abstammung. Auch aus Deutschland kamen schon im 19.Jh. Wrestler nach Nordamerika (Carl Abs, Ernst Roeber). Ausländische Stars eroberten schnell die Herzen des Publikums. Davon erzählt der 9 Teil.

Was wäre das amerik. Pro-Wrestling der Nachkriegszeit wohl ohne seine ausländischen Stars gewesen? Vielfach griff man auf sie zurück, da die heimischen Kräfte kaum ausreichten. Besonders in der hektischen Phase nach 1950, kamen beinahe wöchentlich neue Gesichter in die Staaten. Wrestling-Fans dieser Zeitspanne hatten schon große Erwartungen, auch wenn sie noch fast alles für bare Münze hielten. Das Wrestling durch Unterhaltung zu ergänzen fand anfangs nur wenige Liebhaber. Sensationen nutzten sich schnell ab. Der Promoter musste deshalb rechtzeitig entgegensteuern. Ausländische Wrestler haben die Geldgeber oft vor dem Konkurs bewahrt, daher konnte ihre große Zahl auch kaum verwundern. Wrestler aus dem Ausland sind kein Phänomen der Nachkriegszeit gewesen, obwohl sie eigentlich mehr verdienten als ihre Vorgänger. Fast jede Epoche hatte ihre ausländischen Stars. Richard Shikat und Hans Steinke waren bekannte Vertreter aus Deutschland während der 30er Jahre. Als größter Wrestler dieser Dekade etablierte sich Jim Londos aus Griechenland. Er wurde in Amerika zum Großverdiener. Durch intensive Promoterverbindungen ins Ausland, gelang es diesen Markt enorm zu erweitern. Besonders rege Kontakte knüpften die beiden Promoter Paul Bowser und Joseph "Toots" Mondt. Sie steuerten ein Heer von Wrestlern und hatten fast eben so viele Matchmaker unter Kontrolle. Das war noch zu einer Zeit, als man den Namen Vincent James McMahon nicht kannte. Mondt schickte seine Talentsucher durch alle Teile des Erdballs. In seinem New Yorker Booking Office herrschte ein ständiges Kommen und Gehen. New York war enorm ausbaufähig, da ab Februar 1949 wieder Wrestling-Shows im MSG veranstaltet wurden. Bisher blieb der mittlere Westen die Wrestling-Hochburg. Aber New York war irgendwie schon immer etwas anders. Seit Jahrzehnten machten sich Box- und Wrestlingpromoter gegenseitig Konkurrenz.

Zwei Großverdiener der Nachkriegszeit waren Lou Thesz und Antonino Rocca. Thesz hatte ungarische Wurzeln, debütierte 1934 und wurde 1937 mit 21 Jahren der bis heute jüngste World Champion. Seit November 1949 war Thesz das Aushängeschild der neu gegründeten NWA. 1966 verlor er seinen letzten World Title an Gene Kiniski. Bis dahin gehörte er zur Spitze des amerik. Wrestlings. An Gagenhöhe kaum zu übertreffen war Antonino Rocca aus Italien. Dieser Superstar aus McMahons Lager, schaffte es zu den best bezahlten Wrestlern zw. 1949 und 1963 zu gehören. Buddy Rogers konnte Rocca später von der Superstar-Position verdrängen. Bevor Rocca nach New York übersiedelte und dort für Aufsehen sorgte, holte ihn Promoter Karl Sarpolis nach Texas. In Galveston gab er 1948 sein amerik. Wrestlingdebüt. Für viele damalige Wrestler war Texas ein erster Anlaufpunkt. Ein wesentlicher Grund dafür ist die "Texas Wrestling Agency" gewesen. Für sie arbeiteten Matchmaker, deren Augenmerk eine nationale Ausrichtung anstrebte. Man beschränkte sich längst nicht mehr nur auf regionale Talente. Hinter dieser Agency stand der einflussreichste Promoter von Texas, Morris Sigel. Sigel, als führender Kopf, verkaufte Anteile an regionale Promoter wie Sarpolis. So ist es ermöglicht worden, dass Sigels Kader weit über Houston antreten konnte. Dieser bestand 1950 aus rund 140 Wrestlern. Sarpolis, einer der drei Teilhaber der Agency, stieg allerdings 1953 aus. Er wechselte nach Dallas zu Sigels Promotionrivale Edward McLemore. Das Heer an Champions und Matchmakern machte Texas schon früh zur pulsierenden Wrestling-Region. Es kam so auch öfters zu Promotionkriegen. Häufig traten in Texas Wrestler aus Mexiko an.

Bald erkannte man Roccas Potenzial. Zunächst kämpfte er in Argentinien bis ihn Mondt von der "Manhattan Booking Agency" zurück in die Staaten holte. Am 12. Dezember 1949 startete Mondt seine zweite MSG-Show. Rund 17.000 Fans sahen Roccas Sieg über "Mr. America" Gene Stanlee. Damit begann sowohl die Karriere von Rocca im Big Apple, wie auch die erfolgreiche Rückkehr des Wrestlings in den MSG. Eine erste Show im Februar 1949 zog 4197 Zuschauer an. Zu wenig für diese berühmte Sportarena. Rocca blieb bis zur WWWF Gründung 1963 der populärste Wrestler in New York. Abgelöst wurde sein Erfolg durch einen italienischen Landsmann namens Bruno Sammartino. Wrestler aus Sam Muchnicks Lager konnten in McMahons Revier nie groß punkten. Mondts Agency hatte noch Primo Carnera unter Vertrag. Ein ehemaliger Boxweltmeister aus Italien, dessen Potenzial das Wrestling stark bereicherte. Ausländische Wrestler und sonstige Größen standen in New York meistens für zwei Promotergruppen unter Vertrag: Mondts Agency und der Dusek-Johnston Fraktion. Das stärkere Gegengewicht bildeten Rudy Dusek und die Johnston-Familie, deren Geschäftsbeziehung seit 1937 bestand und sämtliche Konkurrenz verdrängte. Der Johnston Familienklan hielt auch die Booking Rechte für den MSG. Für Mondts Agency kam im Januar 1952 das Aus. Er und seine Teilhaber (Rudy Miller, Henry Steinborn) verkauften alle Rechte an Ignacio Martinez. Obwohl sich Mondt geschlagen geben musste, was auch mit finanziellen Verlusten verbunden war, kam 1956 eine entscheidende Wende. Er holte Washington D.C.-Promoter Vincent James McMahon zurück nach New York. Die Verbindung zu McMahon stürzte die Macht der Dusek-Johnston Frakion. Diese übergab allmählich alle Booking-Rechte für den MSG an McMahons Gruppe. Bald waren sie das führende Promoterduo an Nordamerikas Ostküste. McMahon's erste Geldquelle wurde sogleich Rocca, der alle Zuschauerrekorde des MSG seit Jim Londos' Zeiten brach. Roccas Tag Team Partner ist Miguel Perez aus Puerto Rico gewesen. Am 30. März 1957 siegten beide vor 20.125 Zuschauern gegen Don Stevens und Wildman Fargo. Eine neue Rekordmarke für den MSG seit dem Neustart 1949.

Einen weiteren internationalen Austausch von Wrestlern, bewirkten Kontakte zu den großen Promotions in England (Dale-Martin Promotion, Joint-Promotions). Hawaii-Promoter Alexander Karasick initiierte die Karrieren vieler Japaner. Er agierte seit 1951 in Japan und war Mitbeteiligter an Rikidozans Erfolgen. Rikidozan kämpfte 1952 erstmals auf Hawaii. Er bezwang 1962 in Los Angeles WWA World Champion Freddie Blassie. Schon eine frühere USA-Tournee brachte ihm viel Respekt unter seinen Landsmännern ein. Karasick hatte als NWA-Mitglied natürlich beste Verbindungen. Andere Promoter die eine länderübergreifende Zusammenarbeit ermöglichten waren u.a.: Clarence Preston Luttrall, Salvador Lutteroth Gonzalez, Fred Kohler, Stu Hart, Frank Tunney und Eddie Quinn. Luttrall (Florida) formierte einen Wrestling-Zirkel zw. Florida, Puerto Rico, Kuba und den Bahamas. Gonzalez, Gründer der mexikanischen Promotion EMLL, war von 1952 an ein einflussreiches NWA-Mitglied. Seit 1933 betrieb er ein bekanntes Booking Office in Mexico City. Es gab fast keinen mexikanischen Wrestler, der nicht zu Gonzalez Kontakt hatte. Mexikanische Wrestler traten bereits vor dem 2. Weltkrieg in den USA auf. Bis Ende der 40er Jahre gehörten dazu: Enrique Torres, Gorilla Ramos, Alberto Campos, Juan Humberto, Miguel Torres, Javier Francisco Guzman und Miguel "Black" Guzman. Als besonders erfolgreich erwies sich Miguel Guzman, der lange den Texas State Heavyweight Title verteidigen konnte. Das Markenzeichen von Alberto Campos war sein Stirnband. Enrique Torres überzeugte als erfolgreicher Pacific Coast Champion. El Santo wird noch heute in Mexiko verehrt. Den Status von Mil Mascaras muss man fast gar nicht mehr erwähnen.

Das nordamerikanische Pro-Wrestling wurde seit Anbeginn durch Kanadier beeinflusst. 1939 betraten nahezu zeitgleich zwei Promoter die Bühne: Frank Tunney und Eddie Quinn. Durch sie begann die Laufbahn vieler kanadischer Vorkriegs- bzw. Nachkriegslegenden. Frank und sein Bruder John Tunney (Vater von Jack Tunney) übernahmen den Toronto "Queensbury Athletic Club" von Promoter Jack Corcoran. Doch im Januar 1940 starb John an einer schweren Grippeinfektion, was Frank dazu veranlasste, die Szene in Ontario allein weiterzuführen. Er gründete die "Frank Tunney Sports, Ltd." und machte "Maple Leaf Wrestling" international bekannt. 1941 debütierte in Toronto "Whipper" Billy Watson. Für Tunney kam somit der erhoffte Durchbruch, nach vorherigen ernsten Schwierigkeiten. 30 Jahre lang schaffte es niemand, Watson an Zuschauergunst im Maple Leaf Garden zu übertrumpfen. 1947 enthronte Watson in St. Louis den NWA World Champion Bill Longson. Longson konnte diesen Titel seit 1943 erfolgreich verteidigen.

Aufgrund von Tunneys Kontakten kämpften bald zahlreiche Wrestler bei Maple Leaf Wrestling, was einen Austausch zw. Kanada und den USA begünstigte. Fast alle World Champions traten mindestens einmal bei Tunney auf. 1956 bezwang Watson auch NWA World Champion Lou Thesz. Ein Höhepunkt des aus Ontario stammenden Superstars. 1971 wurde Watsons Karriere durch einen schweren Unfall beendet. Er und Yvon Robert beeinflussten dann andere Kanadier ins Wrestling einzusteigen. Robert vertrat als Top-Superstar die andere große kanadische Promotion von Eddie Quinn. Quinn kam 1936 nach Boston, wo er mit Paul Bowser ein einflussreiches Team bildete. Bowser unterstützte sein Vorhaben, eine eigene Promotion in Montreal zu eröffnen. Im August 1939 war es dann soweit: Die Quinn-Promotion eröffnete offiziell ihre Pforten. Bis Bowsers Tod 1960 gab es enge Beziehungen zw. Boston und Montreal. Robert erzielte für Quinn zahlreiche Erfolge, bis ihn schließlich Killer Kowalski ablöste. Robert kämpfte vorher schon für Bowser und wurde 1936 AWA World Champion. Quinn ließ Kowalski Anfang der 50er Jahre bei sich antreten. Kowalski kam wie Watson auch aus Ontario. Eine wichtige Nachkriegslegende war noch Edouard Carpentier (Edouard Wieczorkwicz), den Quinn 1955 aus Paris holte. Carpentier brachte 1957 die USA-Szene mächtig ins Wanken. Seine kontroversen Matches gegen NWA World Champion Lou Thesz erzeugten gleich mehrere Abspaltungen. Quinn und Tunney waren seit 1948 Teilhaber der Tom Packs-Promotion in St. Louis, die sich im Auflösungsprozess befand. Hierdurch sind Kanäle zw. Missouri und Kanada ermöglicht worden. Tunney unterhielt ferner eine Freundschaft zu Sam Muchnick und Vincent James McMahon. Er blieb 35 Jahre lang NWA-Mitglied. Gleichzeitig investierte Tunney auch in mehrere andere Regionen außerhalb von Ontario (St. Louis, Indianapolis, New York State). McMahons Wrestler wie Buddy Rogers oder Bruno Sammartino sah man oft in Tunneys Promotion kämpfen.

Ein dritter Mann vertrat seit 1953 die NWA in Kanada, Stu Hart. Er ersetzte den NWA-Promoter Larry Tillman. Quinns-Promotion schloss Ende 1963 ihre Pforten. Obwohl Tunney noch bis 1983 eigene Shows veranstaltete, blieb Harts "Stampede-Wrestling", das erfolgreichste Promotionformat in Kanada. Stampede Wrestling erstreckte sich auch auf Teile der USA. Die vorher in Ostkanada beheimatete Wrestling-Szene, verschob sich nach Westkanada. Wesentliche Einflüsse aus dem Norden sind für die USA-Szene von größter Bedeutung gewesen. Als weitere Vertreter der Nachkriegszeit seihen noch genannt: Pat Flanagan, Mike und Ben Sharpe, Frank Valois, Sandor Kovacz, Alex Kasaboski, Gene Kiniski und Chief Thunderbird. Alle nach 1970 eingetretenden Kanadier sprengen den Rahmen dieser Geschichte, die nie Alles behandeln kann. Zwischen 1945 und 1970 waren ausländische Wrestler allgegenwärtig. Sie brachten einen neuen Schwung in Nordamerikas Wrestling-Szene. Neben kanadischen und mexikanischen Talenten überzeugten: Japaner, Franzosen, Italiener, Russen, Polen, Deutsche, Engländer, Inder, Griechen oder ungarische Stars. Stellvertretend für viele seihen hier genannt: Rikidozan, Mr. Moto, Harold Sakata, Steve Casey, Danno O´Mahoney, Tommy O´Toole, Bruno Sammartino, Angelo Savoldi, Primo Carnera, Al "Spider" Galento, Michele Leone, Gino Garibaldi, Ace Freeman, Sandor Szabo, Wladislaw "Iron" Talun, Jim Londos, Jimmy James, Hans Kämpfer, Hans Schnabel, Henry Steinborn, Ivan Kameroff, Ivan Koloff, Kola Kwariani, Maurice LaChapelle, Jules und Jacques LaRance, Karl Gotch sowie Don Eagle.
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#42
Zitat:Mittlerweile hatte sich Sammartino als Champion bewiesen, und stieg zum populärsten und bekanntesten Wrestler dieser Zeit auf. Das lag vor allem daran, weil der MSG ständig ausverkauft war, wenn er antrat. Und weil er nahezu in den gesamten Vereinigten Staaten von Amerika kämpfte. Sammartino blieb lange Zeit das Aushängeschild der WWWF. Er baute den Status des WWWF World Title weiter aus, indem er weniger bedeutsame Titel mit dem eigenen verbindete.


Welche Titel verband/vereinigte Bruno denn mit dem WWWF-Titel?
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#43
Capitol Wrestling besaß vor der WWWF Formierung 1963 noch ein paar regionale Titel, wie den Pennsylvania oder Maryland Title. Im deutschen Internet habe ich dazu jedoch noch keine Liste gefunden. Dave Meltzer beschrieb das mal genauer in der übersetzten Fassung seiner Geschichte über den WWWF/WWF Title in der Power-Wrestling. Wahrscheinlich hat man diese Titel damals unter den Tisch fallen lassen und nicht weiter darüber berichtet. Bis vor wenigen Jahren war den meisten ja selbst unbekannt (auch mir), dass Capitol Wrestling in Wirklichkeit bis 1982 existierte und als Gesellschaft hinter der WWWF fungierte.

Da die Promotion bis zum April 1963 der NWA angehörte, dürfte es sich wohl um regionale NWA Titel gehandelt haben. Mondt baute ab 1960 das Pennsylvania Revier aus und Sammartino konnte hier groß durchstarten. Offensichtlich schien dann ein regionaler Titel hier nicht mehr notwendig gewesen zu sein.
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#44
Teil 10: Wrestlingboom an der Westküste

Ein nicht unwesentlicher Teil des Amerikanischen Wrestling konzentrierte sich damals auf Kalifornien. Charakteristisch dafür war der stetige Ausbau an Fernsehformaten, die hier Millionen von Dollar einbrachten. Besonders im Großraum Los Angeles sind in den 50er Jahren zahlreiche Matchmaker und Promoter unterwegs gewesen. Sie bauten ein Business auf, dass L.A. zur Wrestling-Hochburg neben St. Louis und Chicago wurde. Als populärste Veranstaltungshalle fungierte das "Olympic Auditorium", wo man solche Stars wie Baron Michele Leone, Rikidozan, Freddie Blassie, Ray Stevens oder Lou Thesz bestaunen konnte. Die andere Seite waren die damit verbundenen Machtkämpfe um Fernsehrechte oder Booking-Verträge. Dieses Millionengeschäft erzeugte eine Konkurrenz, wie man sie bis dato in Amerika nur selten kannte.

Promoter Johnny Doyle verkörperte als schillernde Hauptfigur den Boom bis zur Mitte der 50er Jahre. Doyle rutschte schon vor dem Zweiten Weltkrieg ins Wrestling. Eine Umstrukturierung im L.A. Booking-Office 1940 markierte gleichzeitig einen Neubeginn. Die langjährigen Promoter Lou und Jack Daro verkauften ihre Rechte zusammen mit Matchmaker Joseph "Toots" Mondt an Nick Lutze. Doyle sah seine Chance gekommen und teamte mit Floyd Musgrave, um Lutze schließlich auszuzahlen. Während der 40er Jahre bauten sie das L.A.-Revier für Wrestling-Shows aus. Neue Talente wie Gorgeous George erschienen. Nach Musgraves Tod 1948 blieb es Johnny vorbehalten, das Wrestling an Amerikas Westküste grundlegend zu verändern. Dem Doyle-Musgrave Team trat ein einflussreicher Mann namens Alvah "Cal" Eaton bei, der seit 1942 im Auditorium arbeitete. Anfang der 40er Jahre sammelte sich hier eine Promotergruppe rund um den Besitzer Frank Garbutt. Eaton wurde Mitglied und lernte hier auch seine spätere Frau Aileen Goldstein LeBell kennen. Aileen war schon Managerin vom Olympic Auditorium. Sie hatte beste Kontakte zur internationalen Boxszene. Boxen brachte bislang die meisten Einnahmen, bis Cal das Geschäft des Wrestlings komplett übernahm. Doyle bookte seine Schwergewichte an das Eaton-LeBell Duo. Dadurch erzielte man im Auditorium regelmäßige Zuschauerrekorde mit hohen Gewinnen. Cal und Aileen gehörten zu den reichsten Promotern des Landes. Damit verbunden war ihre enorme Machtfülle äußerst weitreichend. Sie hatten Beziehungen zur California State Athletic Commission und bestimmten, wer im Auditorium antreten durfte. Indirekt nahm Cal auch Einfluss auf seine Konkurrenten in der Umgebung. Auf Druck von ihm erteilte die Athletic Commission manchmal keine Lizenzen.

Ein neues Jahrzehnt brach an, als Doyle im April 1950 die "Ring Talent, Inc." unter dem Dach seiner "John James Doyle Enterprises" formierte. Dahinter steckte eine Booking-Gesellschaft für die Fernsehformate. Doyle schloss mehrere Verträge mit angrenzenden Promotern ab, so dass seine Wrestler für fast alle Hallenbetreiber in der Region kämpften. Cals Investition an Ring Talent sicherte dem Auditorium auch weiterhin viele erfolgreiche Shows zu. Als dritter Teilhaber fungierte Mike Hirsch (Ocean Park Arena/Santa Monica). Doyles Enterprise-Gesellschaft beschäftigte bedeutende Wrestler wie Gorgeous George, Michele Leone, Primo Carnera und Enrique Torres. Am 21.05.1952 erlebte das Olympic Auditorium den bisher wichtigsten Wrestlingkampf. Er sollte ein Zeichen für die Zukunft setzen. Lou Thesz besiegte vor einer Rekordkulisse von über 25000 Zuschauern Baron Michele Leone. Thesz gewann den World Title in der Olympic Auditorium-Version. Doyle brach mit rund 103.000 Dollar den alten Einnahmerekord von 1934. Dieser lag bei rund 96.000 Dollar. Fünf Monate später unterschrieb Doyle einen Sendevertrag mit dem ABC-Network, dass die Shows ab 1953 in 11 westliche Bundesstaaten sendete. Der Wert wird auf mehrere Millionen Dollar geschätzt. Probleme wegen Fernsehausstrahlungen führten dann zum Streit zwischen Doyle und Eaton, da Johnny nun mit Hugh Nichols verstärkt zusammen arbeitete. Nichols war ein erfolgreicher Promoter aus Hollywood, bei dem alle wichtigen Non-Heavyweight Wrestler kämpften. 1954 schloss Doyle seine Enterprise-Gesellschaft und verkaufte alle Rechte an Eaton, Nichols und Hirsch. Bis 1957 blieb Doyle im Indy-Bereich tätig. Danach wechselte er zur Capitol Wrestling Corporation nach Washington D.C..

Nach Eatons NWA Austritt und Nichols' Selbstmord 1956 war Kalifornien längere Zeit kein NWA-Revier mehr. Cal organisierte eine Umstrukturierung: Sein Stiefsohn Mike LeBell erhielt nun größere Mitspracherechte. 1958 gründeten beide die "North American Wrestling Association (NAWA)". Sie erweiterten ihr Geschäft auf ganz Süd-Kalifornien (einschließlich San Diego). Cal holte sich einen äußerst fähigen Matchmaker ins Team, Jules Strongbow. Aileen managte auch wieder viele geschäftliche Sachen. Mikes Bruder Gene LeBell war ein weiterer Teilhaber der Promotion. Es dauerte dann bis Ende 1959, als man Edouard Carpentier zum NAWA World Heavyweight Champion ernannte. Seit dem Chicago-Desaster wurde Carpentiers Position als NWA World Champion für den Aufbau eigener World Title Linien ausgenutzt. Das NAWA Board ließ Carpentier gegen einen neuen Favoriten der Promotion antreten, "Classy" Freddie Blassie. Er wechselte 1960 nach L.A. und bezwang Carpentier am 12.06.1961 um die NAWA/WWA World Title-Version. Cal Eaton und Mike LeBell entschlossen sich im gleichen Zeitraum dafür, ihr Promotionformat in "World Wrestling Association (WWA)" umzubenennen. Ein Höhepunkt der WWA Geschichte war die Matchserie von Blassie gegen Japans Superstar Rikidozan. Am 28.03.1962 verlor Blassie seinen WWA World Title im ausverkauften Olympic Auditorium. Rikidozan siegte, weil Blassie den ersten Fall verlor und dann das Zeitlimit kam, so dass der Kampf endete. Der Rückkampf zwischen beiden am 23. April verlief blutig. Aber zu Gunsten von Riki. Blassie kassierte eine eindeutige Niederlage, konnte im letzten Match am 25. Juli seinen Titel jedoch zurückholen. In L.A. entwickelte sich eine blutige Schlacht um den WWA Titel. Blassie verpasste Rikidozan einige Platzwunden im Gesicht. Der Japaner musste letztendlich aufgeben. "Vampire" - so nannte man Blassie öfters, da er seinen Gegnern gerne ins Gesicht biss. Andere WWA Superstars mit viel Potenzial waren z.B. "The Destroyer" Dick Beyer und Don Leo Jonathan.

[Bild: http://www.wwf4ever.de/team/ronald/Andre the Giant.jpg]
Andre the Giant

Mit den LeBell Brüdern und San Francisco-Promoter Roy Shire erschien eine neue Generation, die das Ende der alten Promotergarde allmählich besiegelte. Ab 1961 verstärkte Doyle wieder sein Arrangement in Kalifornien. Er investierte sein Kapital in San Francisco, um Shires Vorhaben zu unterstützen. Dieser wollte eine neue Promotion eröffnen. Shire bekam die Lizenz von der California State Athletic Commission und veranstaltete am 04.03.1961 seine erste Show im "Cow Palace". Er übertrug seine Shows mit Hilfe der KTVU-Studios in Oakland. Konkurrent Joe Malcewicz brach das Geschäft weg, da Shire alle bekannten Top-Stars wie Sammartino, Gagne oder Ray Stevens zu sich holte. Malcewicz beendete seine bisher populären Shows aus dem Civic Auditorium und wechselte in kleinere Lokalitäten, bis er 1962 starb. Doyle bildete im Oktober 1961 eine Gruppe von Wrestlern, um der WWA in L.A. eins auszuwischen. Er bookte die neugebaute Sports Arena mit Ray Stevens, Ray Stern, Dick the Bruiser, Bob Ellis, Bobo Brazil und Don Leo Jonathan. Eaton muss das wohl als Provokation empfunden haben, weil er in Doyle nur noch einen Konkurrenten sah. Ihre einstige Geschäftsbeziehung endete spätestens dort, wo Doyle dem Olympic Auditorium den Rücken kehrte. Offiziell bestritt er damals Probleme mit Eaton zu haben. Später allerdings kritisierte er dessen Machtposition in Süd-Kalifornien aber umso stärker. Noch immer hatte nämlich Cal hier das Sagen. Doyles Position wurde vor 1954 durch dessen Fernsehformate bestärkt. Jetzt aber kontrollierte Eaton ein Heer von Matchmakern und Wrestlern. Die WWA brauchte nur ihre Schützlinge vorzufahren. Einen Abend bevor Doyle seine "Invasion" in das L.A.-Revier startete, bookte WWA-Matchmaker Jules Strongbow die Sports Arena mit dem Hauptkampf Freddie Blassie vs. Rickie Starr. Insgesamt erschienen 12138 Zuschauer. Für Doyle war es kein guter Start, da nur etwa 4000 Zuschauer seine Show besuchten. Am 27.10.1961 konterte Strongbow erneut. Er ließ Freddie Blassie gegen Antonino Rocca antreten. Im ausverkauften Olympic Auditorium siegte Blassie über Rocca. Doyle konnte mit dem Kampf Ray Stevens vs. Bobo Brazil einen Tag später nicht punkten und verlor diesen Konkurrenzkampf. Nur 3500 Zuschauer sahen das Programm.

Im Januar 1966 starb Cal Eaton und Aileen rutschte an die Spitze der Promotion. Sie überließ aber ihren beiden Söhnen das Booking. Mike LeBell organisierte das Wrestling in L.A. neu: Zusammen mit Roy Shire trat er 1968 der NWA bei. Aus der WWA-Los Angeles wurde "Los Angeles Hollywood Wrestling" mit Jules Strongbow als Matchmaker. Mike und Gene LeBell wechselten sich in der Geschäftsführung ab. Diese Neuorganisation war maßgebend für die 70er Jahre. Aileen trat 1980 zurück. Sie wurde 2002 als erste Frau in die Internationale Box-Hall of Fame aufgenommen. Cal Eaton setzte 25 Jahre lang auf Top-Stars. Obwohl er auch umstritten war, brachte schließlich seine Promotion dem Wrestling in Kalifornien ungeahnte Erfolge

Ende der 60er Jahre hatte sich die WWWF soweit aufgestellt, dass sie zur dominierendsten Promotion aufstieg. Von Maine über New York, Pennsylvania und New Yersey bis Maryland erstreckte sich McMahons Revier. Damit umfasste dieses Gebiet fast den gesamten Nordosten. Im Bundesstaat New York veranstaltete noch längere Zeit Ignacio "Pedro" Martinez, der 1971 die "National Wrestling Federation (NWF)" gründete. McMahons Gruppe hatte die Schwierigkeiten mit ihren Fernsehsendungen gut überstanden. Zwischen 1966 und 1969 wurden sie öfters eingestellt. Am 30.08.1969 initiierte McMahon eine neue Fernsehübertragung aus Philadelphia in New York. Binnen eines Jahres erreichte der MSG wieder volle Zuschauerränge. Seit 1968 veranstaltete man im neugebauten vierten Garden an der 33. Straße/Ecke Penn Station.

Anfang der 70er Jahre holte Frank Valois einen Riesen aus Frankreich nach Kanada, Andre Roussimoff. Bruno Sammartino konnte gegen seinen Bekanntheitsgrad nicht ankommen. Man verkaufte Andre zunächst als "Monster Roussimoff" und "Jean Ferre", bis Valois 1973 ein Treffen mit McMahon organisierte. Dieser war regelrecht erschlagen von Andres Erscheinung – und noch im selben Jahr debütierte er als "Andre the Giant" in der WWWF. Die anderen Stars der 70er Jahre waren Billy Graham, Bob Backlund und der achtfache NWA World Champion Harley Race. Die Nachkriegsgeschichte war voll von Sensationen - von Promotern, die nach immer mehr Macht suchten. Schillernde Stars zogen die Massen an und füllten die Zuschauerränge. Man schaffte den Weg um die Verbindung zwischen Show und Sport zu vereinen. In den 50er und 60er Jahren gab es viele Leitfiguren, die in späteren Gimmicks weiterlebten. Auf der Basis ihres Erfolgs konnten auch die zukünftigen Generationen im Wrestling der USA aufsteigen.

Ende
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