Themabewertung:
  • 0 Bewertung(en) - 0 im Durchschnitt
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
LEGENDEN
#1
LEGENDEN

Legenden – Antonino Rocca

[Bild: http://www.wwf4ever.de/team/ronald/Antonino_Rocca 2.jpg]

Antonino Rocca war der Mann, der ein Millionenpublikum in den 1950er und 60er Jahren begeistern konnte. Im Tag Team mit Miguel Perez hat er sich vor allem in New York bleibenden Ruhm erkämpft. Ausverkauft - dieses Schild hing an vielen Kassen, wenn Rocca auftrat. Er avancierte zum Großverdiener und etablierte sich international. Seine Manager verdienten Unsummen. Zu Spitzenzeiten gab es nur wenige Wrestler, die sich mit seiner Popularität messen konnten. Im Nordosten der USA übertrumphte er gar die gesamte Konkurrenz und blieb mehr als 10 Jahre der Megastar des Wrestlings. Nach dem "Rücktritt" dann das perfekte Comeback als Kommentator bei der WWWF. Ehre wem Ehre gebührt: 1977 gab es für ihn die "Rocca Night". Doch nur kurze Zeit später brach er zusammen, sein Körper wollte nicht mehr, die Kräfte schwanden. Er stirbt überraschend und bleibt doch für immer eine Legende.

"Argentina" Rocca - so kannte man McMahons Superstar, der jedoch ursprünglich aus Italien kam. Am 13.04.1921 wurde Antonino Biasetton als Sohn von Antonio und Angela Basso Biasetton in Treviso bei Venedig geboren. Nach der Emigration nach Argentinien um 1939 begann er seine sportliche Laufbahn als Schwimmer, Fußballer und Rugbyspieler. Heute gibt es darüber eine ganze Reihe an Berichten, die sich vom Inhalt her teils widersprechen. Wahrscheinlich verließ Rocca aber seine Heimat Italien zusammen mit seinen Brüdern noch vor Ausbruch des 2. Weltkriegs. Dass der Kraft- und Leistungssport ihn mal ein Leben lang begleiten sollte, schien sich bereits früh herauszustellen. Im Alter von 16 Jahren maß er schon 6 Fuß und brachte über 200 Pfund auf die Waage. Sein athletischer Körperbau war eine wichtige Voraussetzung, um als Professional Wrestler zu bestehen. Doch noch kannte ihn in diesem Milieu niemand. Geschweige denn stand er selbst vor anderen Entscheidungen, als ausgerechnet im Ring zu performen. Das Studium der Elektrotechnik an der University of Rosario in Santa Fe schloss Rocca zwar ab, aber seine berufliche Zukunft ging dann doch in eine vollkommen andere Richtung. Anfangs wurde Antonino belächelt, wie er später selbst im gebrochenem Englisch sagte, als er am Turnier der Wrestler im Luna Park in Buenos Aires teilnahm: "Everybody think like joke I want to wrestle. The best wrestlers all over the world go to the tournament. But I take chance to compete with them. My first opponent was Kwariani. After eight minutes he gave up and I win my first match. After that Kwariani and I become friends and he help me make contacts." Tatsächlich sollte sich dieser Kontakt mit Kola Kwariani, seinem späteren Manager, noch als sehr wichtig erweisen.

Rocca hatte damals in Buenos Aires nicht die große Auswahl, da die Profi-Szene hier weitaus kleiner war, als etwa in Amerika, wo etliche Promoter konkurrierten. Dennoch bekam er trotzdem den ersehnten Push zum Wrestler durch Karol Nowina, Stanislaus und Wladek Zbyszko. Ab Mitte der 1930er Jahre bestimmten sie den Aufbau des Wrestlings in Süd Amerika. Der Turn vom exzellenten Schwimmer, vom meisterhaften Rugbyspieler ins Pro-Wrestling kam für Antonino, damals noch namentlich Biasetton, im Jahr 1940 unter Nowinas Management. Sein grundlegendes Training erhielt er von Kwariani und den Zbyszko Brüdern, die ihm so ziemlich alles vermittelten, was ein Profi mitbringen musste. Nowina prägte die ersten Jahre seiner Karriere entscheidend mit, bevor es ins Big Business nach Amerika ging. Als lokaler Promoter von Buenos Aires übernahm er sein Booking. Im Mai 1941 dann siegte Rocca beim Tournament im Luna Park. Ein erster Triumph, ein erster kleiner Schritt zum großen Megastar. Bald war klar, dass Professional Wrestling nicht nur Sport sondern auch Performance bedeutete. Aber wer konnte das damals besser als Rocca selbst? Die Manager rissen sich um ihn, um jenen Superstar, der, wie kein anderer vor ihm, die Massen mit Highflying-Moves und Entertainment begeisterte.

1948 bot sich die Chance auch in Amerika aufzutreten: Ex-Wrestler Nick Elitch tourte nach Süd Amerika und war von Roccas Potenzial mehr als begeistert. Er kontaktierte den findigen Matchmaker Karl Sarpolis in Dallas (Texas). Dieser sah die Schlagzeilen schon vor sich: "Rocca die Geldmaschine!" Sarpolis hatte ein Gespür für talentierte Wrestler. Auch bei Rocca ist er sich sicher gewesen, dass hier ein neuer Stern aufging. Was folgte war nur noch eine Frage der Zeit: Sarpolis drängte darauf ihn so schnell wie möglich nach Texas zu holen. Am 29.07.1948 schließlich gab Rocca sein USA-Debüt in Galveston. Er besiegte mit zwei Falls Gorilla Macias, einer von Sarpolis' zahlreichen Schützlingen. Nur kurz danach, am 06.08.1948, besiegte er in Houston Dizzy Davis um den Texas State Heavyweight Title. Das war nicht nur sein erster Titel in Amerika, es war auch gleich eine der bedeutendsten Trophäen des Pro-Wrestlings. Rocca überzeugte das Management rund um Morris Sigel, dem stärksten Promoter im Südwesten zu dieser Zeit. Man gab ihm die Chance sich als Champion zu beweisen. Es folgten Matches im Texas-Revier, bis Rocca Mitte September 1948 plötzlich im Fernsehen auftauchte. Promoterriese Fred Kohler organisierte eine Ausstrahlung aus Chicago, als er gerade gegen die Legende Lou Thesz kämpfte. Die Elite aller Manager und Promoter sahen Kohlers Sendungen, womit letztlich der Startschuss für Roccas dauerhafte Karriere gefallen war. Rocca verblieb bis Anfang 1949 in Amerika und kehrte dann nach Argentinien zurück. Aber lange war er nicht weg: Sarpolis hatte alle Türen geöffnet, bis New Yorks Wrestling Impresario Joe "Toots" Mondt sie kurze Zeit später noch weiter aufstieß. Mondt machte sich gerade unabhängig von New York Promoter Alfred Mayer. Er und Roccas früherer Trainer Kola Kwariani teamten, um das Management von Antonino zu übernehmen. In den 50er Jahren zog dieser Wrestler eine ganze Armada an Offiziellen hinter sich her. Vincent James McMahon aus Washington D.C. eingeschlossen. Jeder wollte mit dem neuen Topstar das große Geld verdienen.

Im Februar 1949 organisierten Mondt und William "Bill" Johnston die Rückkehr des Wrestlings in den Madison Square Garden, wo die vorerst letzte Show am 30.03.1938 lief. Der erste Anlauf scheiterte, da sich das Wrestling in New York erst wieder etablieren musste. Eine pulsierende Metropole war dort schon Chicago. Mondts Zugpferd ist bis dato Ex-Boxweltmeister Primo Carnera gewesen. Er und Rocca waren Teil der 2. MSG-Show am 12.12.1949. Vor 17.854 Zuschauern bezwang Rocca "Mr. America" Gene Stanlee. Es war der Beginn seiner langen Rolle als Favorit in New York. Erst Bruno Sammartino konnte ihn nach 1962 von der Superstarposition verdrängen. Nach Chicago boomte das Wrestling damals auch in Süd Kalifornien. Promoter Johnny Doyle und dessen Businesspartner Cal Eaton öffneten das Los Angeles Olympic Auditorium für ein Match von Rocca gegen "Baron" Michele Leone, Doyles Kassenschlager schlechthin. Am 08.03.1950 siegte Rocca vor 10.400 Zuschauern. Das Olympic platzte mal wieder aus allen Nähten. Auch den Rückkampf am 16.08.1950 sahen 10.000 Fans. Rocca und Leone trennten sich im Unentschieden.

Doch weder Los Angeles noch Chicago waren es, wo Antonino Rocca zum Megastar aufstieg. Es war der New Yorker Madison Square Garden. Das Territorium brauchte einen Aufwind, neue Gesichter, neue Sensationen, die den Garden auf lange Sicht hin füllen konnten. Bald kam mit Vincent James McMahon ein neuer Veranstalter ins Wrestling. Nach seiner ersten Show im Januar 1953 in Washington D.C., stand auch Rocca auf seiner Matchcard. Er war der erste Superstar seiner Liga, NWA Capitol Wrestling. Am 26.11.1956 debütierten Mondt und McMahon als Team mit einer Show im MSG. An Roccas Seite setzten sie den aus Puerto Rico stammenden Miguel Perez. Sie wurden als Face aufgebaut. Größer hätte ihr Erfolg als Tag Team danach nicht ausfallen können. Sie brachen schlichtweg alle Rekorde. Rocca war besonders bei italienisch stämmigen Fans beliebt. Ausländische Stars waren damals allgemein enorm populär. Die Saison 1956-57 bewies das eindeutig. Am 04.02.1957 kamen 19.300 Zuschauer in den MSG, um das Tag Team Rocca/Perez zu sehen. Beide wrestleten gegen die Heels Karl Von Hess und Hans Schmidt. Besonders Schmidt fungierte in jenen Jahren als Top-Heel. Natürlich siegten die Publikumslieblinge. Gut gegen Böse hieß es dann auch im März 1957, als man mit 19.995 Fans den nächsten Rekord brach. Rocca traf auf Schmidt. Einen riesigen Erfolg erreichten er und Perez schließlich am 30.03.1957 mit 20.125 Zuschauern. So viele Menschen hatte der MSG beim Wrestling seit 25 Jahren nicht mehr gesehen. Sie besiegten Don Stevens und Wildman Fargo um den US (World) Tag Team Title, den Capitol Wrestling kontrollierte. Die Bombe beim Publikum platzte, als am 26.01.1959 21.240 Fans zur berühmtesten Sportarena der Welt stürmten. Es war so voll, dass viele nur noch stehen konnten. McMahon setzte wieder auf Gut gegen Böse: Rocca und Perez besiegten die Grahams, Eddie und Jerry. Die Halle bebte am Ende vor Jubel. Alle vier gehörten zur Weltspitze der Tag Teams im Wrestling. Nur die Populärität der Faces war im Nordosten der USA noch stärker gewesen. Sowohl als Tag Team Wrestler wie auch als Single ist Rocca weltklasse gewesen. 1960 stand er auf Platz 3 hinter Pat O'Connor und Killer Kowalski.

Im November 1957 gab es ein Tag Team Match mit Rocca, das in New York für einen handfesten Skandal sorgte. Er und Edouard Carpentier kämpften gegen die Heels Dick "The Bruiser" Afflis und Dr. Jerry Graham. Als Rocca plötzlich nach einer Aktion von Graham anfing zu bluten, machte der Ringrichter Ernst und disqualifizierte das Team Graham/Bruiser. Das Publikum tobte, buhte, Stühle kamen geflogen - ja selbst Prügeleien unter Fans begannen. Bruiser und Graham wurden kräftig ausgebuht. Alle vier Wrestler mussten dann noch zur New York State Athletic Commission. Fiktion ist jedoch, dass die Kommission Afflis lebenslang als Wrestler sperrte. Als Folge daraus ging die Zahl der Zuschauer im MSG kurzzeitig kräftig zurück. Am 09.12.1957 ist mit rund 9000 ein Tiefpunkt erreicht worden. Doch Rocca sicherte weiterhin McMahons Einnahmen. Er blieb auch später der Garant für gute Unterhaltung, trotzdem er seine Erfolge aus den 50er Jahren nicht mehr toppen konnte.

Mehr als zehn erfolgreiche Jahre, charakterisiert durch eine unglaubliche Präsenz im Nordosten, hatten irgendwann ihr Ende erreicht. McMahon und Mondt formierten ihre Liga um: Neue Wrestler, wie Bruno Sammartino, performten jetzt als Superstars, gegen die Rocca nicht mehr ankam. 1963, mit Gründung der WWWF, splittete er sich auch von McMahon ab, und kehrte sogar als dessen Konkurrent nach New York zurück. Er teamte mit Manny Heicklen und eröffnete eine eigene Liga mit TV Shows aus dem Sunnyside Garden auf Long Island. Die Show hieß "All-Star Wrestling with Antonino Rocca" und sollte dem neuen WWWF Format Konkurrenz bieten. Allerdings ohne lange anhaltenden Erfolg, trotzdem sie durch Mid-Atlantic Promoter Jim Crockett Sr. unterstützt wurden. Damals einer der Großen im Wrestling-Business. Rocca bookte viele unbekannte Wrestler, die vorher noch niemand so richtig gesehen hatte. Bald musste er einsehen, dass seine Shows mit McMahons Formaten nicht wirklich standhalten konnten. Als Wrestler war er sensationell, doch als Promoter umso weniger.

1968 trat Rocca vom aktiven Geschehen "zurück". Es war jedoch nur ein zeitweiliger Rückzug, denn Jahre später war er wieder auf der Ringbühne zu sehen, die ihm einst so viel Ruhm und Ehre verleihte. Im Team mit Vincent Kennedy McMahon etablierte sich Rocca 1975 bei der WWWF auch als hervorragender Kommentator. Die Fans erlebten viele lustige Momente. Antonino wrestlete Mitte der 70er Jahre noch in Los Angeles und in der Karibik. Highlights aus seiner Karriere sind ferner: AWA Champion (Cleveland Version) 1953, Montreal World Champion bei Promoter Eddie Quinn im Mai 1954 und North American Tag Team Champion mit Perez im September 1976. Am 17.02.1977 ehrten ihn die New Yorker Promoter mit einer "Rocca Night". Er trat im Mainevent als Ringrichter auf. Das letzte Mal, dass ihn seine Fans sehen konnten. Nur zwei Tage später verschlechterte sich plötzlich sein Gesundheitszustand und er musste ins Roosevelt Hospital in New York eingeliefert werden. Knapp einen Monat später, am 15.03.1977, starb Antonino Rocca im Alter von 55 Jahren. Sein Tod kam für viele unerwartet. Was in Erinnerung blieb, war die faszinierende Ringpräsenz aus Highflying-Style und Face, aus italienischer Herkunft und auch als Comic-Star 1962 in "The Downfall of Superman". Bekanntheit erlangte auch sein Drop-Kick. Rocca verstand es immer, wie man das Publikum mit Wrestling begeisterte. Seine Markenzeichen waren ferner Headscissors, Airplane Spins, spektakuläre Top-Rope Aktionen und ein schillerndes Spiel mit dem Gegenpart im Ring, mit den Heels. Das ist das große Erfolgskonzept von McMahon Sr. gewesen. In Rocca hat er den Superstar gefunden, der ihm und seiner Liga damals solche großen Erfolge ermöglichte. Am 24.06.1995 wurde Antonino Rocca in die WWE Hall of Fame aufgenommen. Eine Ehrung seiner Verdienste um diese Liga, die er während der Nachkriegszeit entscheidend geprägt hatte.
Zitieren
#2
Natürlich vielen Dank für den Einsatz, aber ganz verstehen kann ich es nicht, da Nefercheperur ja schon ein sehr ähnliches Projekt hatte wo auch viele der Namen, die du in deiner Staffel 1 erwähnst, schon eine Biografie + Aufnahme in der W4E Hall Of Fame haben.
Zitieren
#3
So, soeben habe ich mir die Biografie von Rocca durchgelesen und muss dich wirklich loben. Du schreibst deine Texte fantastisch und deine Wortwahl und der Sprachfluss sorgt dafür, dass man sich auch wirklich sehr viele Daten und Informationen auf Anhieb merken kann. Es wirkt nicht so, als würden einfach Informationen heruntergeleiert werden. Zwei Fragen zum Inhalt haben sich auch noch bei mir aufgedrängt:

Was ist eigentlich mit Miguel Perez 1957 passiert? Warum teamte Antonino Rocca plötzlich mit Edouard Carpentier?

Und was geschah nach dem blutigen Matchausgang mit Edouard Carpentier, Dick Afflis und Dr. Jerry Graham? Du schreibst ja, dass man vermutet hat dass Afflis von der New York Commission lebenslang gesperrt wurde. Heisst dass auch, dass er nach diesem Match nie mehr in New York wrestlete?
Zitieren
#4
Das mit Carpentier war eigentlich ein normales Tag Team Match. So außerhalb der Reihe. Damals hat man noch angenommen, das Afflis Rocca diese Verletzung zugefügt hatte. Aber aus Fanberichten und Zeitungsartikeln weiß man heute mehr, das es Graham war. Am besten ist ja heute, das viele Fans von damals, die selbst bei den Matches waren, ihre Berichte dazu schreiben. Das ist für Historiker wie Gold. An sich war das mit Carpentier nicht so groß gepusht worden. Perez blieb natürlich sein Partner Nr.1.

Ob man Afflis für New York sperrte kann ich nicht so genau sagen. Jedenfalls hat man ihn nicht für immer gesperrt, da er mit seinem besten Freund, Snyder, noch etliche Matches bestritt. Afflis gewann danach noch diverse Titel. Ich kann sagen, dass es halt diese Diskussion vor dem Board der NYSAC gab. Meltzer schrieb mal, das dieser Skandal dafür sorgte, das Kinder eine ganze Zeit nicht ohne Erwachsene in den MSG duften. Jedenfalls was das Wrestling betraf. Nun Carpentier war danach ja noch aktiv. Vor allem in Kanada.
Zitieren
#5
Zitat:Original von Adrian Adonis
Natürlich vielen Dank für den Einsatz, aber ganz verstehen kann ich es nicht, da Nefercheperur ja schon ein sehr ähnliches Projekt hatte wo auch viele der Namen, die du in deiner Staffel 1 erwähnst, schon eine Biografie + Aufnahme in der W4E Hall Of Fame haben.

Ich find es völlig ok, wenn Ronald Themen nochmal bearbeit, die Nefercheperur schon abgehandelt hat. Nefercheperurs Texte sind zwar lehrreich und zeugen von großem Fachwissen, die Hall of Fame sucht in der Form wirklich ihresgleichen. Doch wenn man ehrlich ist haben seine Biographien stilistische und oft inhaltliche Schwächen, teilweise sind sie nicht auf dem neuesten Stand der Forschung und enthalten hin und wieder dicke Fehler. Soll die Hall of Fame Nef zu Ehren erhalten bleiben (und vielleicht eingestellt werden), und Ronald soll sich nach Herzenslust auf der Almanach-Seite austoben. Wer sich für Wrestlinggeschichte interessiert, wird sich über beide Angebote freuen.
Zitieren
#6
Legenden - Eddie Graham

[Bild: http://www.wwf4ever.de/team/ronald/Eddie Graham.jpg]

23 Jahre nachdem sich Eddie Graham dazu entschloss, selbst sein Leben zu beenden, ehrte ihn die WWE mit der Aufnahme in ihre Hall of Fame. Sie hat damit jenen herausragenden Wrestler, Promoter und Trainer gewürdigt, der Hulk Hogan den ersten Push in seiner Florida Promotion gab. Die Wahrheit versteckt sich oft hinter einem Schleier. Graham hat Hogan trainiert und so als einer der Ersten seinen Karrierestart ermöglicht. Kein Brisco, kein McMahon, kein Gagne - es war dieser gutaussehende Mann aus Tennessee, der Hogans Potenzial erkannte. Eddie Graham bestimmte über Jahrzehnte das Wrestling im "Sunshine State" Florida. Seinen Einfluss konnte er stetig ausbauen und schaffte es sogar bis zum NWA Präsidenten. Doch sein Leben war auch gekennzeichnet von bitteren Niederlagen, von einem tragischen Unfall, der ihn für immer veränderte. Am Ende, nach einer großen Karriere, hat jedoch der Zweifel am Leben gesiegt. Graham erschoss sich und die schnelle Welt des Wrestlings stand für kurze Augenblicke still.

Als Sohn von Jess and Velma Louise Gossett erblickte Edward Gossett am 15.01.1930 in Dayton, Tennessee das Licht der Welt. Mit seinem bürgerlichen Namen hat Edward sich jedoch keinen bleibenden Ruhm erkämpft. Es war das Pseudonym "Eddie Graham" was ihn zur Legende machte. Seine sportliche Laufbahn als Wrestler ist ihm anfangs nicht in die Wiege gelegt worden. Eddie folgte dem Vater und begann eine Ausbildung zum Maler. Dann zogen die Eltern nach Chattanooga, Tennessee, wo er schließlich in den örtlichen YCMA eintrat. Hier in Chattanooga hat alles angefangen: Im YMCA Trainingscenter machte er Bekanntschaft mit lokalen Wrestlinggrößen, bis Eddie 1944 auf den Mann traf, der alles in seinem Leben verändern sollte, Clarence Preston "Cowboy" Luttrall. Luttrall wurde zur engen Bezugsperson, zum Freund, Trainer, Geschäftspartner und auch zum Ringkontrahenten. Der aus Texas stammende Luttrall war schon länger im Business aktiv. Zunächst als Wrestler und dann ab den späten 40er Jahren auch als Promoter im Chattanooga Zirkel. Er erkannte rechtzeitig das Potenzial des später äußerst geschätzten Eddie Graham und arbeitete dann als sein Trainer und Manager. 1947, mit 17 Jahren, debütierte Eddie im Ring unter seinem richtigen Namen. Nach mehreren Trainingseinheiten ließ ihn Luttrall zunächst bei sich und zwei befreundeten Promotern auftreten, die in der Mid-America Region veranstalteten (Tennessee), Roy Welch (Dyersburg) und Nick Gulas (Nashville). Eddie wrestlete im Knoxville-Memphis Revier, das die Welch-Gulas Enterprises natürlich ebenfalls kontrollierte. Luttrall, als Heel aufgebaut, gehörte zu seinen ersten prominenten Gegnern.

Graham, bis 1956 als "Eddie Gossett" unterwegs, etablierte sich bald als talentierter und viel versprechender Junior Heavyweight Wrestler. 1949 verlagerte Luttrall seinen Hauptsitz nach Tampa, Florida. Für den Sunshine State begann damit eine neue Epoche des Pro-Wrestlings. Kein anderer Promoter hat diese Region vorher so stark beeinflusst, wie der Cowboy, der sich 1950 auch dazu entschloss NWA Mitglied zu werden. Ein weitreichender Schritt, der für Eddie und den Südosten von entscheidender Bedeutung war. Die NWA Konferenz im September 1950 in Dallas, Texas, bei der jährlich über offizielle Mitgliedschaften entschieden wurde, votierte für seine Aufnahme. Es begann die Luttrall-Graham Ära, die, auch nach Luttralls Rücktritt, wesentliche Entwicklungen in Florida begünstigte. Der Cowboy gründete 1961 die originale "Deep South Sports, Inc." mit dem Promotionformat "NWA Championship Wrestling from Florida (CWF)". Eine der wichtigsten und erfolgreichsten Ligen des ganzen Landes. Auch Gordon Solie, der berühmte Ringsprecher, wurde durch diese Promotion bekannt.

Eddie heiratete am 24.12.1950 Lucille genannt "Lucy", die er 1949 in Nashville kennenlernte. Die US-Army zog ihn kurz danach zum Militärdienst nach Camp Carson, Colorado ein. Lange musste der sympathische blonde Wrestler aus Tennessee nicht dienen, wegen seiner Blindheit auf einem Auge. Im September 1951 verließ er die Army, um sich jetzt voll aufs Wrestling zu konzentrieren. Eddie unternahm ab 1952 mehr Tourneen in den Südosten und kämpfte in Tampa in der Armory oder im Sportatorium. Das sind so die beliebtesten Hallen von Luttrall gewesen. Ein Junge war hier bei den Shows im Publikum dabei, sein Name Terry Bollea alias "Hulk Hogan". Er wohnte damals in Tampa und Eddie war dort der Favorit schlechthin. Graham sollte in seinem Leben noch eine bedeutende Rolle spielen. Ein Höhepunkt der Saison waren immer die jährlichen "Gasparilla Spectacular" Events, die Luttrall erstmals im Februar 1954 in der Armory startete. Bei diesen Shows sah man die größten Wrestler wie "Baron" Michele Leone, Dory Funk Jr. und Gene Kiniski. Luttrall konnte auf seinen Freund Eddie Graham nie verzichten und so arbeitete dieser auch als Matchmaker für die Promotion.

1956 dann die Wandlung zum "Rip Rogers" Pseudonym. Graham wrestlete mittlerweile vermehrt im Texas - Colorado Zirkel. Die Annahme, dass er in Florida erst in den 60er Jahren so richtig bekannt war, ist Fiktion. Eddie kämpfte im Tampa-Revier seit Anfang der 50er Jahre und auch seine Eltern wohnten dort seit 1951. West Texas setzte gerade neue Zeichen mit der grandiosen Amarillo-Promotion von Karl Sarpolis und Dory Funk Sr.. Damals wurde diese unter dem Namen NWA Western States Sports weithin bekannt. Das Funk-Sarpolis Duo holte den Heel Rip Rogers dann vermehrt ins Amarillo-Revier. Sarpolis war bekannt für allerlei Einfälle was das Wrestling betraf, so konnte man schon fast erwarten, dass sein neues Gimmick nicht zum Reinfall wurde, sondern sich über gut zwei Jahre etablierte. Als Heel war Eddie hier sogar noch härter im Ring, als sein bekannter Zeitgenosse Buddy Rogers. Die Ähnlichkeit und das Aussehen verblüffte, wonach man Rip Rogers zeitweise als Rogers' jüngeren Bruder verkaufte. Seine Performance in Kombination mit den blonden Haaren überzeugte einfach. Der Push in West Texas zahlte sich aus, da Eddie mehrmals den lokalen World Tag Team Title gewann. Er teamte mit Dory Funk Sr., Dizzy Davis und oft mit Art Nelson. Am 26.05.1958 kam es in Fort Worth, Texas zu einem loser-leaves-town match zwischen Rip Rogers und Pepper Gomez. Letzterer siegte, womit zwar das Ende von Eddies Gimmick bevorstand, jedoch ein weitaus größerer Erfolg erst noch kommen sollte.

Die entscheidende Wende und der erste riesige Push kam mit dem erneuten Wechsel des Pseudonyms in "Eddie Graham" im Juni 1958. Unter diesem Namen debütierte er an der Ostküste bei NWA Capitol Wrestling von Vincent James McMahon, einem Großveranstalter der besonderen Klasse. Schon ab der kommenden Saison war Eddie Graham für diesen großen und bedeutenden Promoter nicht mehr wegzudenken. Er war das perfekte Gegenteil zu McMahons Geldmaschine Antonino Rocca, der große Heimfavorit im „Big Apple" New York und Face Gimmick schlechthin. McMahon bookte seinen neuen Kassenschlager Eddie Graham als Bruder von Dr. Jerry Graham. Gebürtig käme er aus Arizona. Das "Bruderpaar" wurde ausgebuht, war verhasst und brachte dem Madison Square Garden doch Rekordeinnahmen. Sie waren die perfekten Heels zum Rocca-Perez Team. Am 01.09.1958 besiegten die Graham's das Team von Mark Lewin und Don Curtis um den NWA US-Tag Team Title, den Capitol Wrestling kontrollierte. Die Capitol Arena in Washington D.C. war mal wieder Anziehungspunkt für viele Fans. Mit den Grahams hatte McMahon erneut zwei Kassenschlager gefunden.

Triumph über die bösen Grahams hieß es schließlich im MSG am 26.01.1959. Antonino Rocca und Miguel Perez siegten vor einer Rekordkulisse von 21.240 Fans. Die höchste Zahl an Zuschauern, bei einem Wrestlingevent, in der berühmtesten Sportarena der Welt seit Jahrzehnten. Ein Großereignis - alles war ausverkauft, die Leute drängten in Massen herein und viele mussten stehen. Mit 63.896 Dollar Einnahmen erreichte McMahon ein Spitzenergebnis, das die verbliebenen New Yorker Promoter nicht mehr überbieten konnten. Man kam an McMahon nicht vorbei. Er ist zum stärksten Promoter an der Ostküste geworden. Zu dieser Zeit war Eddie mit Dr. Jerry Graham auch wieder mehr im Florida-Zirkel bei Promoter Cowboy Luttrall aktiv. Die Grahams tourten jetzt öfters zwischen New York und dem Südosten hin und her. 1959 waren sie wohl so bekannt, dass der New Yorker Verleger Stanley Weston, der Gründer der Pro Wrestling Illustrated, sie auf dem Cover der ersten "Wrestling Revue" abdrucken ließ. Eine beliebte und hochgeachtete Zeitschrift. Besser hätte die Werbung für Eddie Graham nicht ausfallen können. Letztmalig gewannen Eddie und Jerry den NWA US-Tag Team Title zusammen am 16.04.1960 in New Haven, Connecticut. Als sich Eddie vom Team löste, um Florida zur Spitze zu führen, war mit "Crazy" Luke Graham der perfekte Tag Team Partner für Jerry gefunden worden. Eddie gewann zwar nie die höchste Trophäe seiner Zeit, den NWA World Heavyweight Title, dafür aber etliche regionale Titel. Karriere-Highlights bei ihm waren ferner: NWA Texas Tag Team Champion mit Johnny Valentine im April-Mai 1958; Gewinn des NWA Southern Heavyweight Titles (Florida-Version) erstmals am 07.03.1961 und schließlich Florida Tag Team Champion mit seinem Sohn Mike Graham zur Jahreswende 1975/76.

Der 08.10.1968 war eigentlich ein Tag wie jeder andere im Leben von Eddie Graham. Er bereitete sich in Tampa auf ein Match vor, als in der Umkleidekabine plötzlich ein Stahlfenster auf seinen Kopf fiel. Graham wurde ins Krankenhaus eingeliefert und musste mit über 300 Stichen genäht werden. Am Schlimmsten waren jedoch die Verletzungen an beiden Augen. Man schickte ihn zur Rehabilitation nach Houston. Alle Fans hofften und warteten auf sein Comeback. Es dauerte über 12 Monate, bis sich er wieder einigermaßen gefangen hatte. Dieser Unfall hat sein Leben nachhaltig verändert. Doch er musste im September 1969 auch noch den Tod seines Vaters verkraften. Jess Gossett starb in Lutz, Florida.

Aber Eddie kam zurück und das noch grandioser, wie niemals zuvor. Neue Ideen, Gimmicks, Angles - einfach eine neue Qualität, was das Wrestling in Florida betraf. Jetzt konnte er zeigen, dass er wieder da ist. Eddie Graham als Trainer, Booker und Promoter - dies wurde ab 1970 zur Realität und war gleichzeitig mit dem Ende einer anderen Ära verknüpft. 20 Jahre hatte sich Cowboy Luttrall um das Wrestling in Florida verdient gemacht. Das Gasparilla Spectacular in Tampa vom Februar 1969 war so eine seiner letzten großen Shows. Dort gewann Dory Funk Jr. den NWA World Heavyweight Title von Gene Kiniski. Aus gesundheitlichen Gründen musste Luttrall zurücktreten und verkaufte seine Anteile an der Deep South Sports, Inc. im September 1970 an Eddie Graham, sein bisheriger Matchmaker und Geschäftspartner im Tampa Office. "Championship Wrestling from Florida (CWF)" war jedoch längst nicht am Ende, denn unter Graham erreichte die Promotion während der 70er Jahre ihre größten Erfolge. CWF - diese drei Buchstaben wurden zum Inbegriff des Wrestlings im Südosten und auch auf landesweiter Ebene. Eddie teilte das Tampa Office in den folgenden Jahren mit vielen Leuten, die alle für ihn arbeiteten. Zu seinen wichtigsten Geschäftspartnern, die auch Anteile von CWF hatten, zählten Mike Graham, Duke Keomuka und Hiro Matsuda.

Ende 1975 kämpften er und sein Sohn Mike Graham als Tag Team. Vielleicht einer der wichtigsten Momente in Eddies Leben. Er konnte stolz auf Mike sein und auf das, was er im Wrestling leistete. Es war Mike, der den jungen Terry Bollea ansprach und ihm den Kontakt zu Hiro Matsuda ermöglichte. Nach dem Training bei Matsuda wurde er von Eddie Graham kontaktiert. Graham trainierte ihn selbst noch eine Weile. Jedoch machte er es anders, als Matsuda. Hatte Bollea zuvor vor allem hartes Wrestling erlernt, das auf Schmerzen ausgelegt war, vermittelte ihm Eddie das Handwerkszeug zum Pro-Wrestler. Das bestand darin, den Gegner nicht absichtlich zu verletzen. "So zu tun", als wenn alles echt wäre. Ab der Saison 1977 dann sah Graham die Zeit für ein Debüt im Ring gekommen. Bollea debütierte bei CWF als maskierter "Super Destroyer". Auch wenn ihre Zusammenarbeit nicht solange dauerte und Bollea in der WWE durchstartete, es war Eddie, der ihm den ersten Push gab. Bollea nannte sich, nach weiteren Gimmicks wie "Sterling Golden", dann "Hulk Hogan". Ein Pseudonym das jeder kennt und somit auch Grahams Einfluss am besten verdeutlicht.

Aber es war nicht nur Hulk Hogan, den Eddie trainierte. Viele weitere bekannte Wrestler hat er aufgebaut, unterstützt, gepusht und ihre Karrieren stark gefördert - genannt seihen: Steve Keirn, Bob Orton Jr., Ronnie Garvin, Paul Orndorff, Bob Roop, Terry Taylor, Kevin Sullivan, Ricky Steamboat und natürlich "The American Dream" Dusty Rhodes. Bekannte Superstars in Grahams Promotion waren ferner: Frank "The Hammer" Goodish (Bruiser Brody), Rocky Johnson und Killer Kowalski. 1979 erlebte Championship Wrestling from Florida zwei grandiose Titelkämpfe mit Dusty Rhodes. Graham holte wieder die Elite nach Tampa und ins Orlando Sports Stadium. Am 21.08.1979 gewann Rhodes den NWA World Heavyweight Title in Tampa von Harley Race. Fünf Tage später verlor er ihn in Orlando wieder an Race.

Im August 1976 war Eddie Graham auf dem Höhepunkt als Promoter angekommen. Die NWA Konferenz in Lake Tahoe ernannte ihn zum neuen NWA Präsidenten und Nachfolger von Fritz Von Erich. Unter Grahams Präsidentschaft kam es zu den beliebten NWA Title vs. WWWF Title Matches, die besonders während der Saison 1977-78 für reges Interesse sorgten. Eddie war erneut zur Stelle und organisierte alles: Am 25.01.1978 kamen 12.000 Zuschauer zum Miami Orange Bowl, um WWWF Champion "Superstar" Billy Graham und NWA World Champion Harley Race zu sehen. Ihr Fight ging als "Superbowl of Wrestling" in die Geschichte ein. Im April 1978 musste Eddie aus gesundheitlichen Gründen vom Posten des NWA Präsidenten zurücktreten. Bob Geigel übernahm die Nachfolge.

1980 trat Eddie Graham als aktiver Wrestler zurück. Wie schon in den Jahren davor, so konzentrierte er sich auch jetzt mehr um das Booking und die geschäftlichen Belange der Promotion. 1984 war er Gründungsmitglied von Pro Wrestling USA, einem Konsortium aus mehreren Promotern, die sich gegen die WWF und Vincent Kennedy McMahon stellten. Seine letzten Lebensjahre sind von Depressionen überschattet gewesen. Es gab auch eine zunehmend stärkere Alkoholabhängigkeit. Die Depressionen vergifteten ihn förmlich. Am 21.01.1985 setzte er sich in seinem Haus in Tampa, Florida einen Revolver an die rechte Schläfe und drückte ab. Das traurige Ende einer beliebten und geschätzten Persönlichkeit.

Eddie Graham war ein faszinierender Mensch in Sport und Gesellschaft. Seine Verdienste wurden durch die Aufnahme in die WCW Hall of Fame 1993 und in die WWE Hall of Fame 2008 gewürdigt. Für paritätische und wohltätige Zwecke setzte er sich ein, wann immer er konnte. Er unterstützte die Florida Boys Ranch, spendete für Schulen und war auch sonst ein sehr hilfsbereiter Mensch. Wahrscheinlich ist er dadurch noch beliebter in der Öffentlichkeit geworden. Nach Grahams Tod übernahmen Mike, Duke Keomuka und Hiro Matsuda Championship Wrestling from Florida, bis die Liga 1987 an die Jim Crockett Promotions verkauft wurde. Seit 2007 ist Steve Keirn, Eddies einstiger Schützling, Promoter von "Florida Championship Wrestling (FCW)". So lebt das Erbe von Eddie Graham weiter. Einer echten Legende des Pro-Wrestlings.
Zitieren
#7
Die Bio von Eddie Graham hat mir wirklich sehr gut gefallen. Die gesamte Graham Family wird in meinen Augen viel zu wenig beachtet.. so quasi als Midcarder unter den Legenden. Nur Superstar Billy Graham hat eine gewisse Prominenz behalten, da er ja eine Zeitlang WWE-Champion war. Ich persönlich würde sein "Familienmitglied" Eddie und und vielleicht auch Dr. Jerry von der Bedeutung her deutlich über ihm einordnen. Eddie Graham hielt ja sogar in Georgia eine Variante des World Heavyweight Titles, auch wenn dieser Titel natürlich nur regional und kurzlebig war.

Über eine Dr. Jerry Graham Bio in einer späteren Staffel würde ich mich freuen ^^
Zitieren
#8
So ich bin nun auch noch zum Lesen gekommen. Vielen Dank für diese tolle Biografie, sie ist wie immer sehr schön in einem tollen Fluss geschrieben und obwohl ich viele der Namen im Text nicht kenne wurde es mir durch deinen Schreibstil leicht gemacht dir zu folgen.

Ich kanne Luttrall nicht und Eddie Graham kaum, ich hätte nie gedacht dass diese beiden Namen so viel Einfluss, auch noch auf die heutige Wrestlingwelt, hatten.
Zitieren
#9
Legenden - Killer Kowalski

[Bild: http://www.wwf4ever.de/team/ronald/Kowalski_200x280.jpg]

Aus der Talentschmiede des Mittleren Westens kam 1948 ein Kanadier mit dem Pseudonym "Tarzan Kowalski" ins Pro-Wrestling. Zwei Jahre später trat dieser Wrestler erstmals als „Killer Kowalski" auf und verkörperte mit diesem Namen den perfekten Heel schlechthin. Kowalski der große Heel und Trainer - das ist es gewesen, was ihn berühmt machte. Einerseits die unglaubliche Härte im Ring und andererseits seine großen Verdienste als Trainer. Der große Push kam schließlich, als ihn Promoter Eddie Quinn 1952 nach Montreal holte. Von da an entwickelte er sich nicht nur in Kanada zum Kassenschlager, sondern auch für die gesamte Profi-Szene in Nordamerika.

Die Geschichte unserer nächsten Legende beginnt in dem Land, wo viele bekannte Wrestler nach 1945 herkamen. Am 13.10.1926 wurde Edward Walter Spulnik in Windsor, Ontario, Kanada als Sohn polnischer Einwanderer geboren. Im Verlauf seiner 30-jährigen Karriere als Professional Wrestler trat er unter vielen Pseudonymen auf: Tarzan Kowalski, Wladek Kowalski, Killer Kowalski, Hercules Kowalski, The Polish Apollo, The Masked Executioner und The Masked Destroyer. Letztlich war es natürlich das Killer Kowalski Gimmick, was ihn in der Szene weithin bekannt machen sollte. Er ging zur Lowe High School in Windsor und hatte damals eigentlich keine großen Ambitionen ein Wrestler zu werden. Im Alter von 14 Jahren maß er bereits 1.93m, aber sein Körper war untrainiert und sah schmächtig aus. Bald kam also der Entschluss in einem lokalen YMCA zu trainieren. Von Windsor aus ging es für ihn nach Detroit, wo er an der Universität studierte und zeitweise beim Ford-Werk jobbte. Der Verdienst war allerdings schlecht und man sagte ihm, dass es beim Wrestling mehr Geld gäbe. Fürs Baseball hatte er zeitweise auch Ambitionen. An einer High School in Buffalo, New York spielte er als Teamkollege von Walter Spahn.

Begonnen hatte Kowalski damals nebenbei zu trainieren; jetzt perfektionierte der baldige Topstar sein Training im Detroiter Hamtramck YMCA, wo ihn eines Tages ein Manager namens Bert Rubi ansprach. Dieser war ein Mitarbeiter im Management des lokalen Promoters Harry Light. Er hielt stets die Augen nach neuen Talenten auf. Es war Light und sein "Harry Light Wrestling Office", wo Kowalski, als Neuling im Ringgeschehen, für die nächste Zeit unterkam. Sein erstes datiertes Match bestritt er am 06.05.1948. Im September 1948 schickte Light seinen Manager Bert Rubi zur NWA Konferenz nach Minneapolis. Ab da an war auch Michigan im gerade formierten Ligenverband vertreten. Bessere Kontakte hätte Kowalski gar nicht erwischen können. Rubi trainierte und managte ihn noch vor Lou Thesz. Ein Faktum, dass heute all zu oft vergessen wird. Gleichwohl Kowalskis erster großer Push natürlich im Mittleren Westen bzw. in Chicago einsetzte.

Doch es bedurfte eben größerer Kontakte, um zu den Hochburgen St. Louis und Kansas City vorzudringen. Dies gelang, als die Central States-Promoter ihren beliebten Champion Orville Brown nach Detroit schickten. Kowalskis erster prominenter Gegner und das Zugpferd einer pulsierenden Wrestlingregion schlechthin. Am 29.11.1948 verlor Tarzan Kowalski das Match zwar, was seinen Karriereschub aber nicht negativ beeinflusste. Der "Neue" muss sich wohl so gut im Match gegen Brown verkauft haben, dass ihn wenig später gleich mehrere Central States-Promoter kontaktierten. Als "Tarzan Kowalski" debütierte er im Herbst 1948 im Zirkel Kansas-Iowa-Missouri. Promoter Pinkie George, erster NWA Präsident, holte den Tarzan nach Des Moines, Iowa. Weitere Auftritte, am Anfang einer großen Karriere, waren in Wichita, Kansas, sowie bei George Simpson, Gust Karras und Orville Brown in Kansas City. Zu diesem Zeitpunkt 1949 hatte Brown seinen Schwager, Pearl Christy, als Promoter/Booker für das Central States Booking Office eingesetzt. Einen wahren Boom an Wrestlingshows gab es hier damals. Tarzan Kowalski siegte am 23.06.1949 gegen Leo Newman in der Kansas City Memorial Hall. Auch Jim Wright bezwang er eine Woche später. Bis dahin konnte Kowalski hier seinen Status als ungeschlagener Wrestler aufrechterhalten. Vermutlich nach dem Match gegen Brown in Detroit kam dann der Kontakt zu Lou Thesz in St. Louis zustande. Eine Wrestlingmetropole seit den 30er Jahren. Das hielt auch bis in die 80er Jahre an. Egal welcher Neuling kam, im Kiel Auditorium war die Hölle los, wenn Thesz, Billy Watson, Bobby Managoff oder Bill Longson auftraten. Während der 40er Jahre wirkte die Szene in New York, im Vergleich zu hier, geradezu klein. Nur Boston und Chicago konnten da wirklich mithalten. Die Bedeutung des Mittleren Westens wird oft unterschätzt. Dabei war hier "ein" Herz des Wrestlings zu finden, wie die gleichnamige "Heart of America" Promotion. Thesz trainierte Kowalski bei sich in St. Louis. Er hatte dann ab der Saison 1949 eine ganze Matchserie gegen Thesz, neben Orville Brown ein weiterer Star der Central States. Ihr erstes Match bestritten sie am 30.06.1949 in St. Louis, wo Kowalski unterlag. Es sollten noch etliche Folgen.

Aber so sehr der Mittlere Westen, eine Talentschmiede dieser Zeit, auch die Tore für Kowalski öffnete, es gab noch einen Promoter, bei dem man so richtig bekannt werden konnte - Fred Kohler. Kohler dominierte die Szene in Nordamerika durch seine Fernsehshows. Alles was Rang und Namen hatte im Wrestling stürmte seit den späten 1940er Jahren nach Chicago. Ob Rocca, Carnera, Thesz, Gagne, Valentine - sie alle erschienen durch Kohlers TV-Shows im Dumont-Network. Natürlich durfte auch ein Kowalski nicht fehlen. Er erhielt durch Fernsehauftritte in der Marigold Arena den nächsten gewaltigen Karriereschub. Kowalskis Vorteil war, dass viele wichtige Manager und Promoter bei Kohler anklopften. Sie verfolgten dessen TV-Shows, die letztlich nicht nur landesweit wie der Blitz einschlugen, sondern das gesamte Pro-Wrestling komplett revolutionierten. Ab der Saison 1949-50 interessierten sich vor allem Sam Muchnick, Frank Tunney und dann auch Eddie Quinn für den baldigen "Killer". Das war die Elite der NWA Promoter schlechthin. Ende 1949 meldete sich der stärkste Promoter des Südwestens, Morris Sigel aus Houston, und Kowalski kämpfte prompt in Texas.

Sigel veranstaltete am 05.05.1950 im Sam Houston Coliseum die große "Parade of Champions". Vor 10.000 Zuschauern verlor Kowalski erneut gegen NWA World Heavyweight Champion Lou Thesz. Es war so bis dato die größte Zuschauerkulisse in Texas. Während seiner Auftritte im Texas-Zirkel, kam im Sommer 1950 auch gleich die entscheidende Wandlung zum "Killer Kowalski" Pseudonym. Doch viel ist davon heute nicht mehr bekannt. Der legendäre Name Killer entstand nämlich nicht in Kanada, sondern in Sigels Promotion in Houston. Nach Texas ging es für Kowalski zunächst Richtung Central States zurück. Dort sollte er sich jetzt erst so richtig etablieren. Trat er in Houston erstmals unter dem Killer-Pseudonym an, so wrestlete er in Kansas City noch als Tarzan. Am 25.01.1951 bezwang Tarzan Kowalski in der Kansas City Memorial Hall den Superstar Bill Longson um den NWA Heart of America Heavyweight Title. Er war der zweite Träger dieser 1950 eingeführten Titel-Version, die die George Simpson - Orville Brown - Gust Karras Gruppe kontrollierte (NWA Heart of America - Central States). Longson gewann zwar den ersten Fall, verlor jedoch den zweiten Fall und letztlich auch die dritte Runde, nach einem Full Nelson von Kowalski. Mit Longson fehdete er oft, wie sich später noch zeigen wird.

Mit dem Gewinn seines ersten Titels stieg Kowalski auch gleich zum lokalen Superstar der NWA Heart of America Promotion auf. Er verteidigte den Titel im Februar und März 1951 erfolgreich, als dann ein Wrestler namens Ernie Dusek in Kansas City erschien und sich seinerseits als Midwestern Champion präsentierte. Dusek entstammte einer Wrestling-Familie: Vier Brüder, die alle im Ringgeschehen involviert waren. Rudy und Joe Dusek speziell noch als Promoter. Wie Historiker Tim Hornbaker recherchieren konnte, verteidigte Ernie Dusek zu dieser Zeit den NWA Omaha Heavyweight Title. Um nun Klarheit zu schaffen, wer der wirkliche Superstar für die nächste Zeit in Kansas City ist, pushten die Promoter ein NWA Title-Unification Match. Am 29.03.1951 verlor Dusek gegen Kowalski, der damit vorerst Champion blieb und seinen Status verteidigen konnte. Kowalskis Title-Run endete am 26.04.1951, als ihn Dennis Clary um den NWA Heart of America Title bezwang. Gegen Clary fehdete er noch mal am 04.12.1951, wo es jedoch nur zu einer Disqualifikation kam. Walter wrestlete am 20.03.1952 in Kansas City gegen Jim Henry. Der Kampf endete zwar im Unentschieden, aber kurz danach ging es für ihn in Richtung Kanada.

Ein übergroßer Markt war zu Beginn der 50er Jahre auch Ostkanada. Ab dem Frühjahr 1952 bekam Kowalski den Push seines Lebens von Montreal-Promoter Eddie Quinn. Ein streitbarer Zigarre rauchender Typ, dessen grandiose Promotion noch weitere Superstars wie Edouard Carpentier hervorbrachte. Quinn war bei seinen heimischen Schützlingen unglaublich beliebt. Es ist eine Familie gewesen, wo jeder zusammengehalten hat. Eddie strich das Tarzan Gimmick und ließ ihn als Heel in Form des Killers auftreten. Die Wende für Kowalskis Leben schlechthin. Hier in Montreal war er auch als "Wladek Kowalski" bekannt. Am 02.04.1952 dann der Beginn einer riesigen Karriere als Champion in Kanada. Im Montreal Forum besiegte er vor vielen begeisterten Fans Quinns Superstar Bobby Managoff um den Montreal World Heavyweight Title. Innerhalb der nächsten 10 Jahre gewann er diesen prestigeträchtigen Titel 11 Mal. Kowalski verdrängte Yvon Robert von der lokalen Superstarposition. Die neue Sensation etablierte sich als dominierender Heel im ganzen ostkanadischen Zirkel. Quinn und Frank Tunney, der NWA Promoter in Toronto, arbeiteten eng zusammen, weshalb Kowalski auch in Tunneys Promotion seinen Push bekam.

Dem erfolgreichen Start, als Montreal World Heavyweight Champion, folgte am 15.10.1952 der bittere Kampf gegen Yukon Eric. Im Forum saßen wieder viele Fans, was Standard bei Quinns Shows war, um die beiden Kassenschlager zu sehen. Kowalski stieg auf das oberste Seil und wollte einen Knee Drop auf Erics Bauch zeigen. Beim Absprung traf er jedoch unglücklicherweise dessen rechte Kopfhälfte. Der Aufprall war so stark, dass Teile von Erics Ohr abrissen und dabei eine klaffende Wunde entstand. Eric ging schnell in den Umkleideraum, wo er sich in die Hände eines Arztes von der Quebec Athletic Commission begab. Dieser ordnete die Einlieferung ins Montreal Western Hospital an. Ringrichter Sammy Mack erklärte unterdessen Kowalski zum Sieger des Matches. Erics Ohr konnte wieder angenäht werden und er kam zurück. Für Kowalski sollte damit die lange Fehde mit Yukon Eric beginnen, die erst mit Erics frühen Tod 1965 endete. Im Januar 1953 gab es dann den Rückkampf im Montreal Forum, der auch im Fernsehen ausgestrahlt wurde. Nicht nur die Fehde gegen Yukon Eric setzte sich fort, auch sein langjähriger Rivale Bill Longson war noch zu Allem entschlossen. Fast genau drei Jahre nachdem er Longson um den NWA Heart of America Title besiegen konnte, war dieser am 20.01.1955 offenbar besser in Form. Das Match in Kansas City gewann Longson. Am 09.03.1955 verlor Kowalski den Montreal World Heavyweight Title an Pat O'Connor. Er erkrankte hiernach schwer, was zu einer neunmonatigen Zwangspause führte. Doch abschreiben durfte man ihn nicht. Wenn eines, dann das auf alle Fälle nicht.

Ende 1955 war der Killer wieder da und bereit für die nächste Fehde mit einem Franzosen, der es in sich hatte. Quinn hielt seine Fans ständig mit gutem Wrestling bei der Stange. Kontinuität war dabei ein wichtiges Stichwort für den ostkanadischen Markt. Bald erschienen zahlreiche neue Wrestler bei Quinn, die im gesamten Pro-Wrestling ihre Spuren hinterlassen haben. Er und Tunney entdeckten in Paris einen Wrestler namens Edouard Wieczorkwicz. Kaum fünf Monate später, im April 1956, debütierte er als "Edouard Carpentier" in Montreal. Quinn ist so eine erneute Sensation geglückt, da sich Carpentier nicht nur in Kanada zum Kassenschlager entwickelte. Eine Fehde gegen Kowalski musste kommen. Das erwarteten die Fans der explodierenden Quinn Promotion. Am 13.06.1956 ging es los: Carpentier und Kowalski trennten sich im Unentschieden. Der Killer konnte seinen Montreal World Title vorerst verteidigen. Doch dann, am 08.05.1957, unterlag Kowalski im Forum durch Countout. Da er den ersten aus drei Falls regulär durch ein Cover verlor, hieß der neue Champion Carpentier. Aber das war längst nicht das Ende ihrer Fehde. 1957 stellte sich Kowalski ein ebenfalls knallharter Heel in den Weg, Gene Kiniski. Jetzt hieß es Frankokanadier gegen Anglokanadier und Heel gegen Heel. Ihre Matches füllten die Kassen von Quinn. Über 21.000 Zuschauer kamen am 17.07.1957 ins Baseball Stadium von Montreal, um das Spektakel zweier Heels mit eigenen Augen zu sehen. Vor dieser riesigen Kulisse holte sich Kowalski am Schluss seinen geliebten Montreal World Heavyweight Title zurück. Sein letzter und elfter Title-Run bei Quinn begann mit dem Sieg über Johnny Rougeau am 23.07.1962. Bis dahin hatte er vieleTopstars um den Titel bezwungen, wie Verne Gagne, Yvon Robert, Antonino Rocca, Pat O'Connor, Don Leo Jonathan, Hard Boiled Haggerty und schließlich "Nature Boy" Buddy Rogers. Kein anderer Wrestler, außer Kowalski, konnte diese Serie an Titelgewinnen bei Quinn jemals wieder erreichen. Walter war dort der wirkliche Superstar im Ring.

Am 14.06.1957 verlor NWA Champion Lou Thesz in Chicago gegen Edouard Carpentier durch DQ. Auch der Rückkampf zwischen beiden endete in einer Disqualifikation, was danach zur Bildung von mehreren NWA Splittergruppen führte. Der DQ-Sieg über Thesz war der Anlass, dass Carpentier zum Champion gepusht wurde, gleichwohl der Titel eigentlich nur durch Pin oder Aufgabe wechseln konnte. Paul Bowser, Eddie Quinn und Johnny Doyle setzten Carpentier als Gegenchampion für Thesz in Boston ein. Weitere Splittergruppen sollten noch folgen. Zwischen Juni und August 1957 trat Carpentier als NWA World Heavyweight Champion an, während Thesz den NWA International Title in Japan gegen Rikidozan verteidigte. Quinn und Bowser pushten dann Kowalski verstärkt in Boston. Am 03.05.1958 fehdete er gegen seinen starken Kontrahenten Carpentier vor 10.267 Zuschauern im traditionsreichen Boston Garden. Kowalski besiegte ihn und erreichte damit auch einen seiner größten Erfolge. Mit diesem Sieg wurde der neue Atlantic Athletic Commission (AAC) World Heavyweight Title gepusht. Nämlich als von der NWA unabhängiger Titel, den Bowser, Quinn und Doyle sanktionierten. Keiner dieser drei Promoter gehörte 1958 noch der NWA an. Kowalski verteidigte die AAC Boston-Version knapp drei Jahre, bis ihn Bearcat Wright am 04.04.1961 besiegte.

Zwischen 1958 und 1961 gewann bzw. verlor er auch die Montreal-Version. Die Boston-Version blieb dabei im Vordergrund. Ende 1962 folgte eine Herausforderung an NWA World Heavyweight Champion Buddy Rogers. Rogers war jedoch gesundheitlich angeschlagen und mehrere geplante Titelkämpfe gegen Thesz mussten abgesagt werden. Am 21.11.1962 war die Stunde der Entscheidung angebrochen. Just zu diesem Zeitpunkt war Rogers wieder genesen. Aber den Kampf gegen Kowalski an diesem Tag in Montreal verlor er. Rogers erlitt nach nur zwei Minuten eine Knöchelverletzung. Der für Houston angekündigte Titelkampf Rogers-Thesz musste abgesagt werden. Dann machte Kowalski seinen Titelanspruch geltend: Er habe den Champion schließlich besiegt. Die NWA Zentrale in St. Louis war da anderer Meinung. Sie ließ verlauten, dass Kowalski nur einen Pin erreicht hatte. Titelkämpfe wurden aber als Best of three Falls durchgeführt. Ein Fall reiche deshalb nicht aus. New York Promoter Joe "Toots Mondt" war kurz davor Kowalskis Auftrittsrechte für ein Match gegen Bruno Sammartino am 03.12.1962 in Pittsburgh zu bekommen. Sigel machte ihm jedoch einen Strich durch die Rechnung. Sigel nahm Kowalskis Sieg gegen Rogers und ließ ihn prompt in Houston als World Heavyweight Champion antreten. Am 14.12.1962 kam es zwischen ihm und Thesz zum Unentschieden.

Aufgrund der erlittenen Verletzung musste Rogers bis zum Januar 1963 pausieren. In der Zwischenzeit kämpfte Kowalski trotzdem als NWA World Heavyweight Champion. Während der Verletzungspause des richtigen Champions übernahm er alle Shows von Rogers. Lange konnte diese Situation nicht anhalten. Am 21.01.1963 wurde die Unklarheit im Madison Square Garden beseitigt. Rogers besiegte den scheinbaren NWA World Heavyweight Champion vor ausverkauftem Hause. 72 Stunden später wurde der Maple Leaf Gardens in Toronto Austragungsort des Jahrhundertkampfes Thesz-Rogers. Nach Rogers Sieg endete auch Kowalskis Titelregentschaft in Houston, da die NWA nicht ihn sondern Thesz gegen Rogers am 24.01.1963 einsetzte. Man wollte eigentlich nicht noch mal das Titelwirrwarr von 1957 erleben. Das Match verstärkte die bekannte Auseinandersetzung zwischen McMahon und der NWA.

Quinn schloss seine Montreal-Promotion Ende 1963 und auch Kowalski war mittlerweile nach New York übergesiedelt. Im Tag Team mit Gorilla Monsoon kämpfte er bei der World Wide Wrestling Federation (WWWF) von Vincent James McMahon. Am 14.11.1963 besiegten sie das Team von Skull Murphy und Brute Bernard um den WWWF United States Tag Team Title. Die Fehde Kowalski gegen den WWWF World Heavyweight Champion Bruno Sammartino ist wohl bis heute in Erinnerung geblieben. Sammartinos Titel gewann der Killer zwar nicht, jedoch ist diese Fehde wichtig für McMahon gewesen. Sammartino stand gerade am Anfang seiner Karriere als langer Champion der Promotion und brauchte starke Herausforderer. Kowalski's Auftritte in der WWWF waren nur von kurzer Dauer. Im Oktober 1964 pushten ihn die beiden Promoter Johnny Doyle und Jim Barnett in ihrer neuen International Wrestling Association (IWA). Die Liga hatten sie gerade in Australien eröffnet. Kowalski war der erste World Heavyweight Champion dieser neuen IWA-Version. Er gewann den Titel bis 1967 noch vier Mal durch Siege über Hercules Cortez, Spiros Arion, Billy White Wolf und Bearcat Wright. Auch für Doyle und Barnett war Kowalski ein Kassenschlager schlechthin. Der Killer galt hier als absoluter Top-Heel. In der IWA hielt er auch vier Mal den lokalen World Tag Team Title zusammen mit Skull Murphy, Bill Miller und Mark Lewin. Weitere Karrierehighlights von ihm waren ferner: NWA US-Champion in Hawaii 1965 und Gewinn des NWA Southern Heavyweight Title. Letzteren Titel holte er sich als "Masked Destroyer" im November 1975 in Eddie Grahams Florida Promotion. Im Spätjahr 1972 fehdete Kowalski gegen einen alten Bekannten, Edouard Carpentier. Es ging um den Grand Prix Association Heavyweight Title und ihre Matchserie ging über Quebec, Kanada bis in das Nordost Territorium der USA. In Burlington, Vermont endete ihr Match mit einer doppelten Disqualifikation. Der Grand Prix Title war zum Zeit ihrer Fehde gerade vakant.

Nach rund drei Jahrzehnten wechselte Kowalski vermehrt vom Wrestler zum Trainer. Seine Erfahrungen, sein Können und vor allem seine Härte gab er an viele zukünftige Superstars weiter. In Malden, Massachusetts eröffnete er seine bekannte Trainingsschule und fand mit Big John Studd auch gleich einen ersten Schüler, dem noch viele folgen sollten. Kowalski trainierte ferner Triple H, Perry Saturn und Chyna. 1976 teamte er mit Studd und bildete das Tag Team "The Executioners". Mit Manager Lou Albano besiegten sie am 11.05.1976 in Philadelphia die WWWF Tag Team Champions Tony Garea und Louis Cerdan. Ihr Titel wurde jedoch am 26.10.1976 für vakant erklärt, da Nikolai Volkoff als ständiger Partner das Team unterstützte. Es folgte daher im Dezember 1976 ein Turnier um den vakanten Titel. Die WWF erfand im September 1979 eine Geschichte zwischen Kowalski und Pat Patterson. So hätte Patterson das Finale eines Turniers gegen ihn in Süd Amerika gewonnen. Aber das war natürlich Fiktion. Ferner setzte man Patterson als ersten "Intercontinental Heavyweight Champion" ein. Dieser ersetzte den wenig beachteten "North American Title".

Die aktive Karriere als Wrestler fand ihr Ende 1977 nach Kämpfen in Hawaii und Texas. Kowalski zog in den Raum Boston und war bis zum Ende seines Lebens mit vollem Herzen beim Wrestling. Seine spätere Laufbahn war natürlich durch seinen starken Einsatz als Trainer gekennzeichnet. Am 08.08.2008 erlitt er einen Herzinfarkt von dessen Folgen er sich nicht mehr erholte. Die Wrestlingwelt verlor eine ihrer größten Legenden am 30.08.2008, als Killer Kowalski mit fast 82 Jahren starb. Auf der Trauerfeier trug sein wohl bekanntester und vielleicht auch bester Schüler den Sarg, Triple H. Killer Kowalski - dieser Name war, ist und bleibt der Inbegriff einer großen Legende. Legenden nennen sich Viele - aber nur wenige Wrestler haben diese große Ehre wirklich verdient. Killer Kowalski zählt ohne Zweifel dazu.
Zitieren
#10
Vielen Dank wieder für die wundervolle Arbeit.
Leider hatte ich bei diesem Text extreme Mühe mit dem Lesen. Zu viele Promotions, Promotor und Fakten, die ich vorher noch nicht wusste - deshalb geriet ich beim Lesen oft in's Stocken.
Zitieren
#11
Legenden - Verne Gagne

[Bild: http://www.wwf4ever.de/team/ronald/Verne Gagne.jpg]

Auf dem Höhepunkt seines Erfolgs, als Wrestler und Promoter, steuerte Verne Gagne eine der größten und bedeutendsten Ligen weltweit. Sein Name ist für immer verbunden mit der bekannten AWA in Minnesota, die er und Wally Karbo 1960 gründeten. Gagne hat sich darüber hinaus auch als Trainer bewährt. Viele bekannte Wrestler starteten bei der AWA ihre Karriere und sind heute noch weltweit unterwegs. In fast allen von ihnen hat Verne Gagne seine Spuren hinterlassen. 2006 betrat er zum letzten Mal die Bühne des Wrestlings, um in die WWE Hall of Fame aufgenommen zu werden.

Karriere und Herkunft spiegeln sich im Leben von Verne Gagne sehr gut wieder. Am 26.02.1926 brachte Elsie Gagne ihren zweiten Sohn Laverne Clarence Gagne in Robbinsdale, Minnesota zur Welt. Der zweite Name entsprach dem des Vaters, der ebenfalls Clarence hieß. Schon 1938 starb die Mutter, was für den berühmten Sohn ein schwerer Schicksalsschlag war. Aus Laverne wurde schließlich die Kurzform "Verne" geprägt und es entstand der Name, dem das Wrestling doch so unendlich viel zu verdanken hatte. Noch vor seinem Pro-Wrestling Debüt war Verne bereits ein ausgezeichneter Footballspieler und Amateurwrestler. Sogar mit olympischen Qualifikationen. Die ersten Schritte im Amateurringkampf erlernte er an der Robbinsdale High School, wo er dann den Minnesota High School Wrestling Title gewann. Um den Ausgleich zum Ringen zu finden, spielte Gagne hier auch Football. Im Juni 1943 kam er zur University of Minnesota in Minneapolis und avancierte zu einem der besten Ringer, die man dort je zu Gesicht bekam. Sein sportliches Talent erkannten viele Leute, die mit ihm oder gegen ihn kämpften. Vor allem zwei College Trainer der Universität verhalfen ihm zum Durchbruch - David Bartelma und Bernie Bierman. Es gab noch einen weiteren Wrestling-Trainer von Verne, sein Name Joe Pazandak. Joe war schon etwas länger im Business aktiv und wurde von Wrestler und NWA Promoter Tony Stecher zeitweise trainiert. Er besuchte auch die University of Minnessota. Ein Jahr später zeigte sich bereits, wie gut Verne als Amateurwrestler wirklich war: 1944 gewann er das Big Ten Tournament und am 18.03.1944 stand er im Finale des National AAU Tournaments, wo ihn Dr. Northrup pinnte.

Gagne schrieb sich nach dem AAU Turnier bei der US-Marine in El Toro, Kalifornien ein und spielte hier Football im Team von Dick Hanley. Mit ihm gewannen sie die Meisterschaft, den "All Service Champion El Toro Marines". Nach gut zwei Jahren kehrte Verne nach Minnesota zurück, um seinen Universitätsabschluss zu erreichen. Dies gelang ihm im Juni 1948. Die Saison 1947-48, 48-49 war besonders erfolgreich für Verne, was den Amateurringkampf betraf. Er kämpfte mittlerweile in der Heavyweight Division und gewann am 08.03.1947 das Big Ten Heavyweight Tournament. Im März 1948 besiegte er im Endkampf des großen NCAA Tournaments Leroy Alitz und holte sich damit seinen ersten NCAA Title (191 Pfund - Gewichtsklasse). Noch im selben Jahr ging es zu den Olympischen Spielen nach London, wo sich Verne, als inaktives Teammitglied, jedoch nicht beweisen konnte. Die Amateurlaufbahn war für Gagne äußerst lehrreich. Seine Bilanz kann sich sehen lassen: 4x Big Ten Champion, 2x NCAA Champion und 1x AAU Champion.

Football oder Pro-Wrestling? - vor dieser Entscheidung stand Verne Gagne 1949. Ein kurzes Gastspiel gab es bei den Green Bay Packers, wo er jedoch nur einen Monat lang spielte. Die mögliche Karriere im Team der National Football League schlug er aus, als ihn NWA Promoter Tony Stecher doch dazu bewegen konnte, ins Pro-Wrestling einzusteigen. Stecher, Gründungsmitglied der NWA und prominenter Veranstalter in Minnesota, hatte jetzt einen Mann für seine Promotion verpflichtet, dessen Potenzial schon am Anfang riesig war, dann aber noch größer werden sollte. Am 03.05.1949 schließlich debütierte Verne im Minneapolis Auditorium mit einem DQ-Sieg über Abe Kashey. Als Ringrichter setzte Stecher seinen besten Mitarbeiter ein, der mit Gagne jahrzehntelang verbunden blieb, Wally Karbo. Zwischen Gagne und Karbo entstand eine Geschäftsbeziehung, die dem Wrestling in Minnesota noch ungeahnte Erfolge bescheren sollte.

Zunächst zog es Gagne in Richtung Südwesten, in die Central States und zur Wrestling-Hochburg Chicago, wo ihn Promoter Fred Kohler, ab der Saison 1951-52, schon fast mit offenen Armen empfing. In Texas lernte Verne so einiges von Veteran Paul Boesch, der im Team von Houston-Promoter Morris Sigel arbeitete. Ein erster durchschlagender Erfolg war das Turnier um den vakanten NWA World Junior Heavyweight Title in Tulsa, Oklahoma. Am 13.11.1950 besiegte Gagne im Endkampf einen Favoriten aus den Central States, Sonny Myers. Verne konnte sich jetzt NWA World Junior Heavyweight Champion nennen. Ist die Schwergewichtsklasse bereits undurchsichtig gewesen, was die Titel betraf, so waren die Junior-, Light Heavyweight- und Middleweight Divisions nicht weniger komplizierter. Die Vakanz, vor Gagnes Sieg in Tulsa, wurde durch den schweren Autounfall des Vorgängers Leroy McGuirk verursacht. McGuirk verunglückte am 07.02.1950 so schwer, dass er auch auf seinem gesunden Auge erblindete. Das war insgesamt ein herber Schlag für die Szene, galt McGuirk doch als das Zugpferd der unteren Gewichtsklassen schlechthin. Doch Verne Gagne stand ihm im Nichts nach und verteidigte das Titelgold bis zum 19.11.1951, als er gegen ein weiteres "Schwergewicht" der Light-Junior Heavyweight Division verlor, Danny McShain.

1951 hatte man zwar schon einige Regionen, um als Champion aufzusteigen, doch alle Wege führten, früher oder später, nach Chicago. Dies war bei vielen bekannten Wrestlern der Fall, die zu Beginn der TV-Wrestling Ära debütierten. In Chicago "regierte" der äußerst erfolgreiche NWA Promoter Fred Kohler. Fred hielt die Augen auf, vor allem nach talentierten Junior Heavyweights. Da kam Gagne sozusagen gerade zur rechten Zeit. Ihre Verbindung zueinander glorifizierte sich als das perfekte Promoter-Wrestler Duo, was Verne enorme Erfolge bescherte. 1952 kam dann eine wichtige Wandlung mit Gagnes Aufstieg in die Heavyweight Division. Die Promoter pushten ihn sofort mit einer Fehde gegen NWA World Heavyweight Champion Lou Thesz. Im Januar 1952 trennten sich beide im Chicagoer Amphitheater zwar nur im Unentschieden, aber Eindruck hinterließ der Kampf trotzdem bei den rund 11.000 Zuschauern. Thesz empfand großen Respekt für Gagne. Die Fehde setzte sich fort und erlebte ihren nächsten Höhepunkt am 07.04.1953 in Boston, wo beide vor 8.000 Zuschauern ebenfalls nur ein Unentschieden erreichten. Nach diesem Match ging Gagnes Karriere steil nach oben. Kohler sendete seine Shows in Chicago auf WGN und dem Dumont-Network. Bereits ab der Saison 1951-52 erschien Verne, durch die Dumont-Ausstrahlungen, überregional im Fernsehen. Ein Push, den man anders hätte nicht besser erreichen können.

Ende August 1953 traf sich Kohler mit dem NWA Präsidenten Sam Muchnick, um über die Einführung eines "US-Title" zu verhandeln, der unabhängig vom NWA World Title sein sollte. Fiktion ist, dass dieser Titel bereits seit Anbeginn durch die NWA sanktioniert wurde. Als Favorit kam für Kohler nur sein Kassenschlager Verne Gagne in Frage. Muchnick gab zunächst die erhoffte Zustimmung und nach der NWA Konferenz, die vom 04. bis 06.09.1953 in Chicago stattfand, erschien Gagne als neuer US-Champion für das Dumont-Network. Das war nämlich die eigentliche Funktion des Titels. Kohler hatte ihn extra als Sondertrophäe für seine Fernsehshows auserkoren. Am 12.09.1953, nicht am 03.09., präsentierte Kohler den US-Title erstmals offiziell in den WGN Studios mit Verne Gagne als ersten Champion. Später hieß dieser Titel dann "NWA-United States Heavyweight Title (Chicago-Version)". Nach der Einführung kam es jedoch zu internen Problemen zwischen Kohler und Muchnick. Das NWA Board erkannte allmählich den durchschlagenden Erfolg von Gagne und sah Thesz' Image, als World Champion, gefährdet. Fred war es ziemlich egal, was andere Mitglieder in dieser Richtung dachten. Prompt bookte er Gagne trotzdem als US-Champion und ließ ihn im Dumont-Network zeitweise sogar als Anwärter auf den World Title ausrufen. Eine glatte Provokation für manche Promoter, die ihren lokalen Titel nicht einfach mal so stark pushen konnten. Aber Kohler war zu diesem Zeitpunkt nicht nur eines der einflussreichsten NWA Mitglieder, er war auch der stärkste Promoter überhaupt. Von daher ist es nicht besonders verwunderlich gewesen, dass er seine Vorhaben letztlich doch durchsetzte. Die internen Differenzen wischte Gagne für sich einfach von der Hand und verteidigte den Titel mal eben 31 Monate. Zwischen Oktober 1953 und März 1954 kämpfte er im Madison Square Garden in New York. Auch an der Ostküste zog er die Massen, was die Zuschauerzahlen doch deutlich sichtbar machten. Gagne entwickelte sich zum Publikumsliebling und Kassenschlager im gesamten Nordosten.

31 Monate als US-Champion bedeuteten einen riesigen Push, vor allem durch die Dumont-Ausstrahlungen. Verne hatte mit 30 bereits einen Status erreicht, den viele nicht mal in ihrer ganzen Karriere schafften. Am 07.04.1956 endete sein glorreicher Siegeszug vorerst, als ihn Wilbur Snyder in der Chicagoer Marigold Arena bezwang. Ein weiteres Highlight war dann auch das Tag Team Match im MSG am 04.02.1957. Vor einer Kulisse von 19.300 Fans besiegten Gagne und Antonino Rocca die ultimativen Heels Karl Von Hess und Hans Schmidt. Gut gegen Böse - nach diesem Konzept funktionierte Vieles im Wrestling und brachte speziell an dem Abend eine Rekordzuschauerzahl. So viel Interesse am Wrestling hatte der MSG seit der Jim Londos-Ära nicht mehr verzeichnet, wie ab der Saison 1956-57.

Während Gagne national durchstartete, machte sich in Minnesota ein Mann ans Werk, dem Verne viel zu verdanken hatte, Wally Karbo. Aber ihre lange Geschäftsbeziehung beruhte auf Gegenseitigkeit. 1952 verkaufte NWA Gründungsmitglied Tony Stecher 33% am "Minneapolis Boxing and Wrestling Club" an Karbo und seinen Sohn Dennis Stecher. Tony zog sich allmählich aus dem Wrestling zurück, das u.a. durch seine Präsenz im Mittleren Westen lange erfolgreich blieb. Karbo war bei der NWA Gründung im Juli 1948 als Repräsentant für Tony in Waterloo, Iowa dabei. Schon frühzeitig spielte dieser Mann eine wichtige Rolle als Matchmaker und Ringrichter. Was dann ferner ersichtlich wurde, war der steigende Einfluss von Karbo in Minnesota ab 1954. Vier Monate vor Tonys unerwarteten Tod kam es zur Umstrukturierung der Promotion: Karbo, Dennis und Leona Stecher teilten sich zunächst die geschäftlichen Anteile. Im Oktober 1954 starb Tony Stecher und das Business ging an Wally und Dennis über. Gerade Dennis Stecher war noch ein paar Jahre für die Promotion aktiv. Er fungierte sogar als NWA Board Director. Nun blieb Vernes Einfluss bis Ende der 50er Jahre im Minnesota-Zirkel eher gering, weil er schlichtweg mehr als Wrestler aktiv war. Dies sollte sich nach dem Title-Match Lou Thesz vs. Edouard Carpentier aber massiv ändern.

Im Juni 1957 kam der berüchtigte Kampf zwischen NWA World Heavyweight Champion Lou Thesz und Edouard Carpentier in Chicago. Was einige als die grandiose Begegnung bezeichneten, entpuppte sich danach schnell als Desaster für die gesamte Szene in Nordamerika. Thesz verlor durch DQ und einige NWA Promoter pochten darauf, dass nun Carpentier der neue Champion sei. Allerdings konnte nach den Regeln der NWA schon damals kein Titel durch DQ oder No-Contest wechseln. Die Spaltung der Allianz begann, als sich zuerst die Bowser-Quinn Gruppe in Boston vom regulären Champion Lou Thesz abkehrte und Carpentier zum World Heavyweight Champion erhob. Carpentier war die Schlüsselfigur nicht nur an der Ostküste, sondern auch für Karbo und Gagne in Minneapolis. Er wurde 71 Tage, bis August 1957, als offizieller NWA Champion gebookt. Und das selbst von Sam Muchnick, der seinen Status als Champion im Nachhinein aber leugnete. Man habe Carpentier nie wirklich anerkannt. Am 09.08.1958 besiegte Gagne im Omaha Municipal Stadium den als Gegenchampion für Thesz und Dick Hutton eingesetzten Edouard Carpentier. Dieser Sieg von Verne begünstigte den Aufbau der AWA maßgeblich, was dann auch zwei Jahre später deutlich wurde. Man nutzte die „Carpentier lineage" aus, um eigene Titel zu kreieren. Der Gagne-Karbo Gruppierung trat auch Promoter Joe Dusek aus Omaha, Nebraska bei, der sein Business gerade ein Jahr vor Vernes grandiosem Sieg gestartet hatte. Zwischen dem Minneapolis und Omaha Office entstand eine enge Zusammenarbeit, die sich auch darin zeigte, dass man gegenseitig Wrestler austauschte oder gemeinsam bookte.

1959 dann das Jahr in dem Verne vollends an Einfluss gewinnen konnte. Dennis Stecher, der bisherige Hauptteilhaber vom Minneapolis Boxing and Wrestling Club, trat als Promoter zurück und verkaufte seine Rechte an das Karbo-Gagne Duo. Soweit die geschäftliche Seite, aber viel wichtiger war eigentlich die Frage, warum Verne keine Chance auf den NWA World Heavyweight Title bekam. Ein Grund war, dass sich das NWA Board 1957 für Dick Hutton als potenziellen Herausforderer entschied. Hutton überzeugte einige einflussreiche Promoter aber nicht, erhielt aber trotzdem im November 1957 ein Title-Match gegen Thesz zugesprochen, das er dann gewann. Doch Hutton zog nicht in Chicago und auch nicht im Minnesota Revier. Hier gab es schon seit Jahren nur einen ultimativen Favoriten, Verne Gagne. Karbo kritisierte die Vorgehensweise der NWA bereits seit einigen Jahren. Schon 1952 bezeichnete die Chicago Tribune Verne als "Outstanding Professional Wrestler of 1952". Ein wichtiges Zeichen, wie viel Potenzial man in Gagne sah, war dann ein Votum für den Herausforderer auf den World Title im März 1953. 10 NWA Mitglieder entschieden, dass Verne der Nr. 1 Herausforderer sein sollte. Er kam sogar noch vor Killer Kowalski und Antonino Rocca, die sich ebenfalls starb etabliert hatten. Aber es blieb nur bei diesem Votum, welches sich danach auch wieder in Luft auflöste. Verne bekam nie wirklich eine Chance in jenen Jahren. Den erhofften Push erhielt stattdessen Pat O'Connor. Im Januar 1959 siegte O'Connor über Dick Hutton und konnte sich nun als neuer NWA World Heavyweight Champion feiern lassen.

Nach dem Ausstieg von Dennis Stecher 1959 war es immer ersichtlicher, dass sich eine neue Liga mit Hauptsitz in Minneapolis formieren würde. Gagne stand an der Spitze einer Gruppe, die ihre eigenen Titel und Richtlinien haben wollte. Lange Zeit ist der Gründungsprozess der American Wrestling Association (AWA) als generelle Abspaltung von der NWA dargestellt worden. Es war jedoch in Wirklichkeit keine Rivalität, aber durchaus eine ernstzunehmende Konkurrenz, die da unter Karbo und Gagne entstand. Im Mai 1960 proklamierten sie O'Connor zum ersten AWA World Heavyweight Champion. Den scheinbaren Split von der NWA packte man in eine Storyline, die so aussah, dass O'Connor innerhalb von 90 Tagen "seinen" Titel gegen Gagne verteidigen müsse. Natürlich verstrich diese Zeit ohne Title-Match, was dann zur Abspaltung führte und somit Gagne am 16.08.1960 schließlich der neue AWA World Heavyweight Champion wurde. Diese AWA Version war jedoch fälschlicherweise nicht die erste Auflage, wie sie manch einer betrachtete. Es gab mehrere Versionen und die erste gründete Boston-Promoter Paul Bowser Ende der 20er Jahre. In den 50er Jahren gab es dann noch die AWA Version der Leonard Schwartz-Ray Fabiani Gruppe in Chicago und die der Johnny Dolye-Jim Barnett-Roy Shire-Balk Estes Gruppe. Interessant zu sehen ist, dass es eine Zusammenarbeit zwischen den AWA und NWA Territorien gab. Die Offiziellen aus Minnesota waren häufiger bei NWA Meetings anwesend. Die Einführung eines eigenen Titels war also nicht mit einer gänzlichen Abschottung zum anderen Lager verknüpft, auch wenn das nicht so offensichtlich war.

Gagnes Titel galt noch nicht im Nebraska-Revier, weil Promoter Joe Dusek einen eigenen World Title sanktionierte. Nun begann eine ganze Reihe an Fehden, die sich vollends um Verne drehten. Ein Herausforderer nachdem anderen kam. Am 16.09.1961 bezwang er zunächst Don Leo Jonathan um den Nebraska World Title. Gagne war jetzt doppelter Champion (AWA und Nebraska). Das Verwirrspiel ging danach aber erst richtig los, als die Fehde mit Fritz Von Erich und Crusher Lisowski startete. Ein ständiges Hin und Her auf beiden Seiten, wodurch viele grandiose Titelkämpfe entstanden. Von Erich besiegte Gagne am 31.07.1962 in Omaha zunächst um die Nebraska Version, die sich Verne allerdings am 25.08.1962 wieder zurückholte. Letzteres war ein Cage-Match. Nun kam noch Crusher Lisowski dazu. Lisowski besiegte Gagne am 15.02.1963 um den Nebraska World Title. Die AWA Version verlor Verne dann auch noch an den Crusher am 09.07.1963 ausgerechnet in Minneapolis. Der Crusher hatte kurzzeitig beide Versionen. Doch während dieser heißen Fehde wusste jeder Insider, dass das nicht lange andauern konnte.

Der heiße Sommer 1963 - so könnte man die AWA Geschichte in dem Jahr knapp zusammenfassen. Fritz Von Erich meldete sich zurück und die nächste Matchserie gegen Gagne startete. Lisowski verlor beide Versionen am 20. Juli in Minneapolis an Verne. Von Erich holte sich jedoch am 27. Juli beide Titel, als er Gagne in Omaha bezwang. Danach ging Verne auf Titeljagd, die sogar bis Amarillo, Texas ging. Im West Texas-Zirkel von Karl Sarpolis und Dory Funk Sr. bestritt Gagne am 08. August 1963 den mit Spannung erwarteten Titelkampf gegen Fritz Von Erich. Der Texaner Von Erich unterlag und die AWA Version ging an Verne zurück. Die verwirrende Fehde fand ihr Ende mit dem Title Unification Match am 07.09.1963. AWA World Champion Verne Gagne besiegte in Omaha den Nebraska World Champion Fritz Von Erich. Eines der wichtigsten Matches für Verne, da er nun ein vereinigter Champion war. Joe Dusek, der verantwortliche Promoter von Nebraska, korrespondierte danach stärker mit der AWA und stellte seinen World Title ein. Die beiden Territorien arbeiteten insgesamt sehr gut zusammen. Karriere-Highlights im Leben von Verne Gagne gab es sehr viele und sie alle zu nennen, ist fast unmöglich. Zu seinen größten Erfolgen zählten: 5-facher AWA World Tag Team Champion, Gewinner von zwei Police Gazette Trophäen und natürlich seine unglaubliche Titelserie in der AWA bis 1981. Gagne war insgesamt 10-facher World Heavyweight Champion seiner eigenen Promotion. Den AWA Titel verteidigte er von 1968 bis 75 am Stück. Aber Verne war auch der erste Titelträger, der sein Gold innerhalb eines Jahres in Europa und Japan verteidigte. In Madrid bezwang er Hercules Cortez und in Japan führte eine Tournee 1970 dazu, dass die IWE Promotion fortan mit der AWA korrespondierte. Ab 1980 gab es dann auch eine Zusammenarbeit mit All-Japan Pro Wrestling (AJPW).

Am 18.07.1980 bestritt Verne Gagne im altehrwürdigen Comiskey Park in Chicago das bekannte AWA World Title Match gegen seinen Schützling Nick Bockwinkel. Nick unterlag vor 25.000 Zuschauern und Verne gewann zum letzten Mal "seinen" Titel. Der Abschied als aktiver Pro-Wrestler von der Ringbühne kam im Mai 1981. Verne übergab das Titelgold an Nick Bockwinkel. Das Ende einer Karriere - so war es, aber nur die im Ring. Für die nächsten 10 Jahre blieb Gagne noch vielseitig aktiv. Promoter, Matchmaker, Trainer - er war einfach alles in einer Person. Verne trainierte und förderte viele bekannte Wrestler in seiner ebenso bekannten Schule, dazu zählen: Rick Martel, Hulk Hogan, Vader, Stan Hansen, Bob Backlund, Bruiser Brody, Ric Flair, Mr. Perfect und natürlich sein Sohn Greg Gagne. Aber das ist nur eine kleine Auswahl gewesen.

Die Glanzzeit der AWA waren die 60er, 70er und frühen 80er Jahre. Ihr Hauptsitz befand sich jahrelang im Dyckman Hotel in Minneapolis, von wo aus Gagne und Karbo ihr grandioses Business steuerten. Ab 1963 hatte man dann im Amerikanischen Wrestling das Szenario der "Big Three", als sich die WWWF, nach der NWA und AWA, formierte. Während Vincent James McMahon den Nordosten kontrollierte, war Vernes AWA im Midwest-Zirkel sehr erfolgreich. Später erfolgte sogar noch eine Ausweitung des Geschäfts auf Teile in Kanada. Gagne war stets bemüht darum, auch außerhalb des Minnesota-Zirkels, seine AWA gut zu repräsentieren. Nach dem Rücktritt seines einstigen Förderers Fred Kohler, im November 1965, engagierte sich Verne auch in der alten Wrestling-Hochburg Chicago. Er, Dick the Bruiser und Wilbur Snyder übernahmen Kohlers Business und teilten sich den Chicago Wrestling Club geschäftlich auf. Die Kohler Enterprises machte am 12.11.1965 komplett dicht. 1976 kaufte Gagne auch Anteile am grandiosen St. Louis Wrestling Club. Das Business teilte er sich dort mit Pat O'Connor, Harley Race, Bob Geigel und Sam Muchnicks Schützling, Larry Matysik.

Anfang der 80er Jahre bekam die AWA ernsthafte Konkurrenz durch die Titan Sports, Inc. von Vincent Kennedy McMahon, die ab 1982 auch offiziell die Rechte der WWF besaß. Mehrere Promoter, einige davon noch aus der alten NWA Garde, schlossen sich zu einem Konsortium zusammen - Pro Wrestling USA. Diese "Anti WWF Gruppierung" war das Resultat einer Konferenz 1984 im O'Hare Hilton Hotel in Chicago. Verne Gagne und Jim Crockett Jr. standen so an der Spitze. Weitere Mitglieder waren: Eddie Graham, Jerry Jarrett, Bill Watts, Bob Geigel, Ole Anderson, Gary Juster und Eddie Einhorn. Für kurze Zeit gelang es Pro Wrestling USA ein paar gute Shows zu veranstalten, die teils sogar erstaunlichen Zulauf hatten. Möglich war dies vor allem auch durch die Fernsehausstrahlungen, die Eddie Einhorn etwa auf Kanal 11 WPIX in New York organisierte. Aber realistisch betrachtet konnte man die WWF bereits 1984/85 nicht mehr überbieten. Geschweige denn aus dem Business vertreiben. So scheiterte Pro Wrestling USA zwangsläufig und das auch an den Eigeninteressen der Mitglieder. Eine engere Zusammenarbeit, wie zu alten NWA Zeiten, war einfach nicht mehr spürbar.

1985 zog sich auch Wally Karbo aus der AWA zurück. Die letzten Jahre unter Gagne machten dann deutlich, dass die Tradition der Moderne weichen musste. Verne konnte seine Talente nicht mehr halten und viele, wie Hulk Hogan, wanderten ab. Letztlich war es auch die Fixierung auf seinen Sohn Greg Gagne, die zum Gewinneinbruch und Zuschauerrückgang führte. Greg sollte unbedingt ein würdiger Nachfolger werden. Aber die "Nachahmung" seines berühmten Vaters hat ja nie funktioniert, wie wir heute wissen. Gegen den stetigen Ausbau des WWF Formats kam Gagne nicht mehr an. Als dann der Sportchannel auch noch die Fernsehausstrahlungen aus Minneapolis einstellte, stand das Ende, nach über 30 Jahren, vor der Tür. 1991 schloss Verne Gagne die Pforten und trat als Promoter zurück. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits 43 Jahre im Business aktiv. 2002 starb Vernes Frau Mary Ardith Marxen-Gagne, die ihm vier Kinder schenkte. Ein schwerer Schlag für den einstigen großen Champion.

Aber noch einmal durfte er zurück auf die Ringbühne, die er über Jahrzehnte dominierte. 2006 wurde Verne Gagne in die WWE Hall of Fame aufgenommen. Standing Ovations hieß es, als ihn sein Sohn Greg ankündigte. Verne erschien und erhob noch einmal die Hand in Richtung seiner Fans. Der feierliche Abgang einer großen Persönlichkeit im Wrestling. Bei ihm machte sich nach 2006 seine fortschreitende Demenz bemerkbar. Er lebt heute zurückgezogen in einem Pflegeheim. Verne Gagne hat über Jahrzehnte das Pro-Wrestling maßgeblich beeinflusst. Er war einer der ganz Großen im Ring und bleibt deshalb auch für immer eine Legende.
Zitieren
#12
[YOUTUBE]sNIp1KJHujc&feature=player_embedded[/YOUTUBE]
Zitieren
#13
Legenden - Orville Brown

[Bild: http://www.wwf4ever.de/team/ronald/brown3.jpg]

Die Stars der Central States (Kansas, Iowa, Missouri) waren in den 40er Jahren Bill Longson, Lou Thesz, Sonny Myers und Orville Brown. Mit Letzterem beginnt nicht nur die Geschichte einer bedeutenden Persönlichkeit im Wrestling, sondern auch die der "National Wrestling Alliance (NWA)". Brown war ganz am Anfang dabei, als sich die NWA in Iowa formierte. Eine andere Liga ist mit seinem Namen aber auch verbunden - die "Midwest Wrestling Association (MWA)". Diese Promotion hat er maßgeblich geprägt, sie fest im Zirkel der Central States verankert, was seine zahlreichen Titelgewinne eindeutig bewiesen. 1948 stand er auf dem Zenit seiner Wrestler-Laufbahn: Die Mid-West Promoter pushten ihn zum ersten NWA (Alliance) World Heavyweight Champion. Dann sollte ein Title Unification Match mit Lou Thesz folgen. Doch Orvilles Traum platzte kurz vor der Austragung, als die Karriere im Ring durch einen Autounfall für immer endete. Aber er bewies Stärke: Nach einer Rehabilitationsphase kehrte Brown auf die Bühne des Wrestlings zurück, wo er im geschäftlichen Bereich noch über Jahre erfolgreich blieb.

Am 10.03.1908 beginnt in Cedar Township bei Sharon, südwestlich von Wichita, Kansas, die Geschichte des Orville Brown. Er war das fünfte Kind von Clarence und Ellen Elizabeth Brown, einer typischen Farmerfamilie der Central States. Ihre ursprüngliche Heimat war Eureka, Missouri, bis die Browns in den 1910er Jahren nach Barber County umzogen. Dies ist der Anfang ihrer Umzugswelle quer durch Kansas. Ellen arbeitete als Farmerin und zog die Kinder auf, da Clarence das Haus schon früh verlassen hatte. Orville wuchs ohne den Vater auf. In erster Linie folgte er später der Mutter als Farmer. 1920 starb Ellen im 42. Lebensjahr, was für Orville einen ständigen Wechsel seines Umfeldes bedeutete. Er kam bei vielen Verwandten unter, die ihn oft weiterreichten. An der High School spielte er zunächst Football, fand dann jedoch stärkere Ambitionen im Rodeoreiten. Rodeo war damals Orvilles Leidenschaft schlechthin. Die Teilnahme an den Turnieren führten dazu, dass man 1926 schon landesweit wusste, wer da als "Stierbändiger" auftrat. Mit Rodeo ließ sich in dieser Zeit noch kein wirklicher Lebensunterhalt bestreiten. Also arbeitete Orville vornehmlich als Farmer, u.a. bei Leondarville, Kansas, wo er auch seine Ehefrau, Grace Charlotte Springer, kennenlernte. Im Oktober 1927 gaben sich beide das Ja-Wort. Am 17.07.1929 kam ihr einziges Kind zur Welt - Richard.

Browns eigentliche High School Zeit dauerte nur gut ein Jahr. Farmer, Rancher, Bauarbeiter, Schmied - Orville verdiente seine ersten Lorbeeren durch harte Arbeit. Hauptsächlich als Farmer unterwegs, zog es ihn mit der Familie 1930 nach Wallace, Kansas. In Wallace fand er einen Job als Schmied, ohne zu ahnen, dass hier mal seine Wrestling-Karriere beginnen sollte. Sein kräftiger Körperbau brachte bereits gute Vorrausetzungen mit. Für den Rest waren entsprechende Kontakte notwendig. Der Weg in Richtung Professional Wrestling begann dann doch sehr schnell, als er einen lokalen Manager und Trainer namens Ernest Brown kennenlernte. Brown trainierte Brown - zwischen beiden gab es allerdings keinen verwandtschaftlichen Bezug. Sein erster Mentor, es sollten noch einige folgen, personifizierte einen typischen Allrounder. Ernest Brown war Wrestler, Trainer und Manager. Durchaus keine Seltenheit in dieser Zeitspanne. Orville bekam von ihm die grundlegenden Schritte an der Wallace High School vermittelt. Im Oktober 1931 debütierte er als Professional und ein knappes Jahr später folgte der Gewinn seines ersten Titels. Veteran-Wrestler Alan Eustace verlor den Kansas State Title am 02.09.1932 an Orville Brown. Eustace war ein echter Shooter der alten Schule. Ebenfalls keine Seltenheit, weil das damalige Wrestling noch den wirklich harten Mattensport charakterisierte, wie man ihn auf professioneller Ebene seit dem 19.Jh. ausübte. Das breite Spektrum an Möglichkeiten, wie es heute der Fall ist, hatte Brown natürlich erstmal nicht. Er kämpfte als Midcarder im Wichita-Zirkel, bis sein Interesse am Shoot-Wrestling allmählich abflachte. Damit war bereits in den 30er Jahren kein überaus großer Verdienst zu erzielen. Professional Wrestling bedeutete letztlich worked Matches, Gimmicks und Showeffekte. Weg vom Shoot, trennten sich Orville und Ernest in der Saison 1932-33.

Nach Ernest Brown kam ein weiterer Veteran des Wrestlings zum Zuge - Abe Coleman. Es war Coleman, der den größten Promoter im Midwest-Zirkel, Tom Packs, auf Orville Brown aufmerksam machte. Packs schien interessiert zu sein: Die Bewährungsprobe in der damaligen Hochburg St. Louis verlief erfolgreich. Brown unterschrieb 1933 bei Packs und dieser pushte ihn mit seinem Einfluss und finanziellen Mitteln. Ironie der Geschichte: Ausgerechnet Brown bildete ab 1940 eine Opposition gegen Packs, innerhalb der Central States, was weitreichende Folgen nach sich zog. Also genau gegen den Promoter, der ihn am Beginn seiner Karriere am meisten pushte. Vielversprechend verlief das anschließende Training mit Wrestler George Zaharias und ein paar anderen Größen. 1934 wrestlete Brown erstmals für den Promoter George Simpson in Kansas City. Vom einstigen lokalen Midcarder ausgehend, gelang es ihm vor allem hier sich als Wrestler und Geschäftsmann bedeutenden Einfluss auf die Szene im Mittleren Westen zu verschaffen. Der Midwest-Zirkel war ohnehin als Talentschmiede bekannt. Natürlich eine wichtige Hochburg für Professionals der 30er und 40er Jahre. Da sich Packs dem 1933 formierten "Jack Curley Trust" angeschlossen hatte, sah man viele bekannte Wrestler auch in anderen Territorien der USA. Jack Curley versammelte die landesweit stärksten Promoter um sich, um World Champions oder eben talentierte Professionals gemeinsam zu booken. Brown konnte davon besonders im Jahr 1936 mächtig profitieren. Von den Central States ging es in Richtung Nordosten. Mit der nötigen Würze an Talent, als Grappler und Performer, zeigte er hier, was wirklich in ihm steckte. Dass sich nun sein Weg erfolgreich fortsetzte, stand nicht mehr in den Sternen geschrieben. Der Curley Trust ermöglichte, wenn auch nur für ein paar Jahre, profitable Bookings. Nach und nach bekam Brown von fast allen größeren Promotern ein Angebot. Er wrestlete u.a. für Morris Sigel in Houston, damals schon eine Hochburg, oder für Ray Fabiani in Philadelphia. Ferner in New York, St. Louis, Chicago und Detroit.

Die Saison 1936 war noch durch zahlreiche Double-Cross Matches und etliche World Champions gekennzeichnet. Irgendwo dazwischen erschien Brown als populärer Wrestler an der Seite von Leuten wie Vincent Lopez oder Dean Detton. In den nächsten Jahren gab es viele Promotionkriege zwischen dem Curley Trust und jenen Promotern, die sich dem New Yorker Syndikat nicht anschließen wollten. Dazu gehörten Al Haft, Heywood Allen, Fred Kohler, Billy Sandow und Adam Weissmuller. Was daraus resultierte, auch später noch, war ein Wirrwarr um World Champions. Orville Brown, bis dahin ein Verbündeter der Curley-Mondt-Fabiani Gruppe, wechselte im Frühjahr 1937 während eines Promotional Wars die Seiten und schloss sich der Haft-Sandow Gruppe an. Der Trust zerfiel letztlich durch Curleys Tod 1937 und die einstigen Verbündeten kämpften gegeneinander. Realistisch gesehen teilten sich hiernach nur zwei Promoter das Business: Paul Bowser mit seiner AWA in Boston und dessen Rivale Tom Packs mit der NWA in St. Louis. Unter ihnen fand man dann alle anderen Promoter. Und dies änderte sich nicht bis in die späten 40er Jahre. Im gleichen Jahr, wo auch der Curley Trust zerbrach, zog Brown mit der Familie auf eine Farm in der Nähe von Columbus, Ohio. Hier veranstaltete ein alter Widersacher von Packs - Al Haft. Man muss wohl sagen, dass Haft der erste wirkliche Konkurrent war, der sich vom grandiosen Erfolg der Szene in St. Louis nicht beeindrucken ließ. Er pushte, neben Brown, noch etliche andere Größen des Business (Bill Miller, Buddy Rogers, Karl Gotch).

Anfang der 30er Jahre etablierte Haft mit der "Midwest Wrestling Association (MWA)" eine neue Liga in Konkurrenz zur NWA und AWA. Aber Ambitionen zur AWA gabs schon, nicht jedoch zur National Wrestling Association. Das war allerdings nicht die spätere National Wrestling Alliance. Packs' Promotion unterstand mehreren Athletic Commissions. Ein kompliziertes Geflecht, wo auch Boxkommissionen mitbestimmten. Haft und die Kommissionen ließen es zu, dass auch im Ohio-Revier noch NWA Titelkämpfe stattfinden konnten. Dem Haft-Syndikat schlossen sich Heywood Allen (Kentucky) und George Simpson (Kansas City) an. Allen war zeitweise MWA Präsident. Insgesamt umfasste die MWA lokale Promoter von West Virginia bis rüber nach Kansas. Ab dem Spätjahr 1937 stellte Haft seinen neuen Kassenschlager gegen die Zugpferde der MWA - "Tigerman" John Pesek und Everett Marshall. Am 28.10.1937 verlor Brown vor rund 10.000 Zuschauern in Columbus gegen MWA World Champion Everett Marshall. Die Krone des MWA World Title konnte er sich zwar noch nicht aufsetzen, aber das sollte nur noch eine Frage der Zeit sein. Ein Time-Limit-Draw erreichte er immerhin im Januar 1938 gegen den eisenharten Pesek. Ein Shooter der härtesten Klasse, die man damals überhaupt kannte. Beliebt war Brown ohnehin schon längst. Ein weiteres Match mit Pesek erreichte im November 1938 über 10.000 Zuschauer.

Die Verbindungen nach Kansas City sind mit der Zeit immer stärker geworden. 1940 schließlich zog es ihn vollends in diese MWA Hochburg. Dass sie es auch während der 40er Jahre noch blieb, war vor allem Orville Brown zu verdanken. An der Seite des lokalen Promoters George Simpson übernahm er die Funktion eines Allrounders. Wrestler, Matchmaker, Booker, Promoter - Orville organisierte bald eigene Shows mit größerer Ausweitung des Reviers Richtung Kansas nach Wichita, Topeka und St. Joseph. Nur durch seine Vielseitigkeit im Ring und hinter den Kulissen, ist der dauerhafte Erfolg im Kansas City-Zirkel zu erklären gewesen. Simpson hatte die politischen Kontakte und genug Erfahrung als Geschäftsmann, aber das Booking lag ihm nicht, weshalb seine Promotion dann Verluste einfuhr. Das fehlende Manko ersetzte Brown quasi zum richtigen Zeitpunkt. Abgesehen vom Columbus-Office in Ohio, baute Orville ab 1940 ein neues Central States-Office der MWA in Kansas City auf. Die geschäftlichen Belange teilte er sich mit Simpson und Gust Karras, einem lokalen Promoter in St. Joseph, Missouri. Für viele Jahre funktionierte ihre Zusammenarbeit, bis ein ernster Konflikt zwischen Karras' Superstar Sonny Myers und Orville's Freund, Promoter Pinkie George aus Iowa, ausbrach. Es ging mal wieder um Bookingrechte: Myers wollte in Iowa veranstalten ohne Zustimmung der NWA und Pinkie George. Die Sache landete letztlich sogar vor Gericht. Auch die Geschäftsbeziehung von Karras zu Brown bröckelte, was später zum Bruch führte.

Bobby Bruns war der erste MWA World Champion der neuen Kansas City-Version, die das Central States-Office im Januar 1940 einführte. Am 13.06.1940 verlor er gegen den Herausforderer Orville Brown in der Memorial Hall in Kansas City. Dieser startete somit seine 12-fache Regentschaft als MWA World Champion. Bruns sollte einer seiner besten Freunde werden. Die Popularität des neuen Champions stieg in unerwartete Höhen. Wenn er auftrat war in der Memorial Hall die Begeisterung der Fans allgegenwärtig. Brown's Beliebtheit hatte sich im Midwest-Zirkel längst verfestigt. Seine Auftritte brachten den Veranstaltern kontinuierliche Einnahmen. Wohl auch ein wesentlicher Grund, warum man ihn gleich als Champion mehrerer Bundesstaaten einsetzte. Die Kansas City-Version des MWA World Title und die NWA Version in Iowa verteidigte Brown zeitweise zwischen 1944 und 1948 gleichzeitig. Zudem hielt er noch für 2 ½ Jahre die Ohio-Version vom MWA World Title. Um diese Version ging es im Sommer 1940, als er auf einen Deutschen namens Dick Shikat (Ex-World Champion) traf. Al Haft erklärte die Ohio-Version für vakant. In Columbus siegte Brown über Shikat am 27.06.1940. Er verteidigte seinen Titel hier bis Dezember 1942, als ihn Veteran Ed "Strangler" Lewis besiegte.

Mit dem Wechsel nach Kansas City hatte sich Brown auch fast zeitnah von seinem ehemaligen Mentor Tom Packs (St. Louis) getrennt. Während der 30er Jahre wies das Territorium, rund um die Hochburg St. Louis, eine relative Konstanz in puncto Zusammenarbeit auf. Kleinere Differenzen gab's zwar, jedoch hielten die sich in Grenzen, bis Packs 1939 das Booking für den National Wrestling Association World Title zugesprochen bekam. Das Wrestling sanktionierten damals Kommissionen, wie die Missouri State Athletic Commission, auf die Packs, vom Hintergrund aus, mächtigen Einfluss ausübte. Den Hauptteil des Bookings erhielt letztlich er und ein Großteil der NWA Champions kämpfte dann nur in St. Louis oder da, wo Packs sie gerade hinschickte. Grandiose Zuschauerzahlen verzeichnete man im St. Louis Kiel Auditorium beinnahe wöchentlich. Aber Anfang der 40er Jahre konstituierten sich in den Central States mehrere Oppositionen gegen Packs' Übermacht. Historiker sprechen heute vom sog. "Cäsar Status". Am Erfolg wollten alle teilhaben und die Szene durfte längst nicht mehr nur einer bestimmen. Brown kapselte sich frühzeitig ab, erweiterte sein Revier und baute zunehmend eigene Stars auf. Da er bereits unter dem Banner der MWA veranstaltete, war eine Namensgebung für die Promotion in Kansas City nicht notwendig. Aus schon früheren Kontakten zu lokalen Promotern, bildete Brown eine Allianz mit Pinkie George (Iowa), Max Clayton (Nebraska) und Tony Stecher (Minnesota).

Bei einer NWA, der bisherigen National Wrestling Association in St. Louis, blieb es nicht. Im Januar 1941 forderte das Veranstalterduo Billy Sandow - Max Baumann aus Wichita einen NWA Titelkampf. Packs' Champion, Ray Steele, sollte den World Title gegen ihren Schützling Roy Dunn verteidigen. Ein Titelkampf kam nie zustande, weshalb Sandow und Baumann ein neues Format der NWA als "National Wrestling Alliance (NWA Kansas)" formierten. Die erste NWA Version außerhalb vom alten Association Format. Es folgte, was folgen musste: Roy Dunn wurde im Februar 1941 der erste Wrestler mit dem Status des "National Wrestling Alliance Champions". Kompliziert war das Wrestling schon immer und hier ist es nicht anders. Als "World Champion" hat man ihn nicht ausgerufen - erst Orville Brown sollte der erste wirkliche World Champion der National Wrestling Alliance werden. Über Bill Longson, dem Kassenschlager von Packs, gab's später noch Verbindungen, da ihn Sandow und Baumann pushten.

Orville Browns Karriere, als Professional Wrestler, erreichte auch in Iowa viele Höhepunkte. Zu dem dortigen Promoter in Des Moines, Pinkie George, baute er eine Geschäftsbeziehung auf. George bookte ihn zuerst als MWA World Champion und dann, nach der Einführung einer neuen NWA Iowa-Version, als National Wrestling Alliance Champion. Konkurrenz belebt ja bekanntlich das Geschäft. Noch setzte George darauf, dass Packs die wirklichen Kassenschlager vermehrt nach Iowa schickte. Die Sensation kam mit dem Double-Titlematch in Des Moines. Am 22.07.1942 siegte NWA World Champion Bill Longson über MWA World Champion Orville Brown. Für Weiteres war damit die MWA Titelverteidigung von Brown in Iowa Geschichte. Er setzte den Titel wieder vermehrt in Kansas City aufs Spiel. Nach Browns Niederlage zeichnete sich eine Entwicklung ab, die zur dritten Version der NWA führte. Im Sommer 1943 bookte George den Wrestler Ede Virag als "National Wrestling Alliance Champion" für sein Iowa Revier. Virag war seit Oktober 1942 Champion der NWA Kansas-Version. Zeitweise wrestleten in der Saison 1943-44, neben Virag, noch Ray Steele und Dave Levin als Champions der Iowa-Version. Doch trotz dieser etablierten Professionals blieben die Shows im Des Moines Coliseum hinter den Erwartungen zurück. Steele kämpfte oft anderswo und Levin war eher in Kalifornien zu Hause.

Regionale Größen versprachen kontinuierliche Einnahmen. Deshalb hieß es jetzt: Comeback für Orville Brown aus Kansas City. Mit der National Wrestling Alliance Iowa etablierte George letztlich auch den eigentlichen Vorgänger der 1948 formierten neuen NWA. Ein entscheidender Schritt, wie sich später noch zeigte. Im November 1944 kehrte Brown nach Des Moines zurück. Diesmal bookte ihn George als "National Wrestling Alliance Champion". Für gut drei Jahre verteidigte er diese Version neben seinem MWA World Title, der öfters mal wechselte. Brown war wieder MWA World Champion seit seinem Sieg über Lee Wykoff im August 1944. Volles Haus hieß es jetzt, wenn Orville etwa gegen seinen Freund Bobby Bruns wrestlete oder auf The Swedish Angel, Ray Eckert und Ed "Strangler" Lewis traf. Was das Pro-Wrestling an Unterhaltung damals zu bieten hatte - Orville Brown übertraf dahingegen alle Erwartungen.

Effektiv war Browns Geschäftsbeziehung zu Pinkie George allemal. Daraus wurde eine Gruppe mit noch zwei anderen Promotern: Tony Stecher in Minnesota und Max Clayton in Nebraska. Dieses Vierergespann etablierte ein Bookingsystem, dass dem Packs-Monopol in St. Louis schon mehr entgegensetzen konnte. Austausch ihrer Superstars, Aufteilung des Gewinns, profitable Bookings und letztlich die Anerkennung des benachbarten Territoriums - alles Motive, die die Zusammenarbeit dieser vier beliebten Geschäftsmänner wesentlich kennzeichnete. Der Bruch zwischen Packs und Stecher kam 1943. Ein paar Jahre später, hauptsächlich durch Initiative von Orville Brown, entschloss sich auch Sam Muchnick der Gruppe rund um Pinkie George beizutreten. Muchnick hatte die stärksten Ambitionen aus einer kleinen Promotion den später größten Ligenverband der Wrestlinggeschichte aufzubauen. Da er direkt in Konkurrenz zu Packs in St. Louis veranstaltete, spürte man den Machtkampf, um Zuschauerzahlen und Bookings, vor allem hier am Stärksten.

Unabhängig vom Geschehen in St. Louis baute Orville Brown darauf, dass seine Promotion in Kansas City durch neue Superstars nicht an Attraktivität verlor. Es gab mit den Jahren immer mehr Professionals, die er zu populären Wrestlern aufbaute. Die letzte große Fehde, als NWA Iowa Champion, bestritt Brown gegen einen aufsteigenden Neuling namens Harold "Sonny" Myers. Dessen eigentlicher Förderer war gleichzeitig auch Browns Geschäftspartner - Gust Karras. Myers debütierte ein paar Jahre zuvor bei Karras in St. Joseph und jetzt schien die Zeit gekommen, den amtierenden Champion von Pinkie George herauszufordern. Brown hielt zudem immer noch die MWA World Title-Version. Gegen einen Wrestler, der ganze 16 Jahre jünger war, musste Brown schon was zeigen. Im November 1947 verlor er zunächst den NWA Title (Iowa) in Des Moines an Sonny Myers. Ihre Fehde setzte sich in Kansas City fort. Eine Matchserie gegen Brown in der Memorial Hall etablierte ihn als starken Herausforderer auf Browns prestigeträchtigen MWA World Title. Aber ein Rückmatch um die NWA Iowa-Version verlor Myers am 05.01.1948. Entscheidend war diese Niederlage für Orville, da der Titel hiernach nicht mehr wechselte und im Juli 1948, zeitgleich mit der Formation der neuen NWA, als neuer World Heavyweight Title kreiert wurde. Wer sollte da als potenzieller Champion wohl zuerst auf der Bühne erscheinen? Natürlich nur Orville Brown. Nach dem Sieg über Myers kam dann am 04.05.1948 auch der allerletzte Gewinn des MWA World Title. Brown besiegte in Kansas City Bobby Bruns um den Titel und behielt ihn bis zur Auflösung der MWA zwei Monate später.

Pinkie George hatte es geschafft und seine Geschäftspartner um einen runden Tisch geholt, wo am 18.07.1948 die Version der "National Wrestling Alliance (NWA)" entstand, wie sie das Business jahrzehntelang später immer noch kannte. In Waterloo, Iowa unterzeichneten George, Brown, Muchnick, Clayton und Wally Karbo (in Vertretung für Stecher) die Gründungsurkunde. Brown bestritt im Rahmen dieses Treffens noch ein Match gegen Joe Dusek. Die Gruppe rund um Pinkie George entschied sich für ihn als ersten World Heavyweight Champion der neuen National Wrestling Alliance. Jetzt stand er am Anfang einer langen Kette an Champions wie Lou Thesz, Billy Watson, Pat O'Connor, Gene Kiniski, Dory Funk Jr., Ric Flair, Harley Race und Giant Baba. Der Höhepunkt seiner Karriere schlechthin. Angebote für Auftritte kamen pausenlos. Orville verteidigte seinen World Title u.a. in Kanada, Texas und in Hollywood. Er engagierte nach der NWA Gründung seinen Schwager Pearl Millard Christy als neuen Booker für seine Kansas City-Promotion, während er seinen Titel landesweit verteidigte. Christy bookte darüber hinaus noch in Sedalia und später auch in Wichita, Kansas. Offiziell war er bis 1952 der "Front Matchmaker" im NWA Central States Office in Kansas City, da man Orvilles Status verheimlichte, weil dieser als Champion aktiv war. Das Office (Central States Booking Office) befand sich im Commonwealth Hotel in der 3908 Baltimore Avenue.

Für Sam Muchnick wrestlete Orville in St. Louis, da sich dieser noch in einem Promotionkrieg mit Lou Thesz befand. Nachdem Tom Packs seine Pforten in St. Louis im Juni 1948 schloss, übernahm ein Konsortium rund um Lou Thesz dessen Promotionrechte. Zeitgleich existierte daher noch die alte National Wrestling Association mit Lou Thesz als World Champion und Orville Brown als Gegenchampion der George-Stecher-Clayton Fraktion. Es gab also zwei NWA Champions. Um diese Situation zu ändern, beschlossen beide St. Louis Promotions (Sam Muchnick Sports Attractions und der Mississippi Valley Sports Club) zunächst eine Beilegung aller Streitigkeiten, und letztlich dann ein NWA Title Unification Match.

Doch das Schicksal wollte es anders und Orville musste bald um sein Leben kämpfen. Die Entscheidung zwischen den beiden World Champions sollte am 25.11.1949 in St. Louis fallen. In der Nacht des 01.11.1949 erreichte die Polizei ein Notruf, dass sich ein schwerer Autounfall auf dem Highway 69 bei Eagleville, Missouri ereignet hätte. Die Rettungskräfte fuhren zum Unglücksort: Ein Auto war in einen LKW gerast. Zwei Insassen wurden dabei schwer verletzt - es waren Orville Brown und Bobby Bruns. Beste Freunde!! Beide kamen ins Krankenhaus nach Bethany, Missouri. Orville erlitt schwere Kopfverletzungen, innere Verletzungen am Gehirn, eine schwere Augenverletzung und Prellungen an den Armen. Bobby Bruns kam etwas glimpflicher davon, auch was seine weitere Karriere als Wrestler betraf. Der Gesundheitszustand von Orville verschlechterte sich zusehends und er fiel ins Koma. Die Ärzte holten ihn jedoch zurück. Er gab nicht auf, so wie während seiner gesamten Karriere. Trotz einer anhaltenden Lähmung der rechten Körperhälfte in den ersten Wochen, kämpfte Brown, um vielleicht als Professional zurück zu kehren. Viele Monate der Rehabilitation folgten - aber eines war klar: Ein Comeback als Wrestler würde es nie mehr geben. Lou Thesz wurde der neue NWA World Heavyweight Champion am 27.11.1949. Orville kehrte als Booker seiner Central States Promotion zurück. Nach der Gründung der NWA endete die Linie vom alten MWA-Ableger Kansas City. Brown, Simpson und Karras nannten ihr neues Outfit "NWA Heart of America".

In der Saison 1953 kam es zu einem Konflikt zwischen NWA Promoter Pinkie George (Iowa) und Wrestler Sonny Myers, der der Gruppe von Karras und Simpson angehörte. Es war ein Streit um Bookingrechte, der sogar vor Gericht ging. Myers wollte in Teilen von Iowa veranstalten, wo George keine Shows abhielt und dennoch bestand dieser auf seine Bookingrechte dort. Im Hintergrund pushten Karras und Simpson den Konflikt noch zusätzlich, was dann zu einer Spaltung innerhalb des Central States Booking Office in Kansas City führte. Bislang waren sie beide noch Orville Browns Co-Directors, doch sie unterstützten Myers und stellten sich gegen George. Der andere Grund war, dass sie Brown aus dem Office verdrängen und dessen Promotion destabilisieren wollten. Doch Orville hatte immer noch genug Einfluss, um das zu verhindern. Er schloss sich im September 1955 mit Pinkie George zur "Brown-George Wrestling, Inc." zusammen. Am 20.10.1955 wurde die Gesellschaft als incorporated in den Register eingetragen. Als "Registered Agent" listete man Orvilles Sohn, Richard Brown, auf. Sie bookten, wie schon damals, in Iowa und Missouri zusammen. Simpson trennte sich vom NWA Office und veranstaltete unabhängig mit Karras' Unterstützung. In Kansas City gab es so zeitweise zwei Gruppen, die Wrestlingshows abhielten. Die Brown-George Gruppierung etablierte sich dabei als starke Konkurrenz. Und das für viele Promoter im Midwest-Zirkel. 1959 verließ zuerst George frustriert die NWA. Als Brown 1963 die Pforten in Kansas City schloss, blieb nur noch Sam Muchnick als letztes Gründungsmitglied übrig. Clayton und Stecher waren längst tot. Bis zum Schluss hatte sich Brown in seinem Territorium durchsetzen können. Seine Konkurrenten konnten ihn nicht als Promoter verdrängen.

Das Ende einer großen Karriere gezeichnet durch viele Höhepunkte. Erst durch den Willen etwas Großes zu erreichen, schaffte es auch ein Orville Brown zur Legende. Charismatisch, beliebt, unterhaltsam, performancestark - dieser World Champion erfüllte alle Aspekte des damaligen Wrestlings. Ohne ihn wäre die Geschichte der NWA anders verlaufen. Vielleicht hätte es nie solche Champions wie Harley Race gegeben ohne seinen Einsatz für die Allianz. Orville distanzierte sich vollends vom Wrestling. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er im John Village Retirement Center in Lee's Summit, Missouri. Am 24.01.1981 starb die Central States Legende dort im Alter von 72 Jahren. Browns Territorium übernahmen Karras, Myers, Simpson, Pat O'Connor und der mehrfache NWA Präsident Bob Geigel. Sie konstituierten sich im Herbst 1963 zur "Heart of America Sports Attractions". Eine neue Ära in der Geschichte der Central States begann.
Zitieren


Möglicherweise verwandte Themen…
Thema Verfasser Antworten Ansichten Letzter Beitrag
  Legenden und ihr Momentum Mankira 8 1.626 07.04.2011, 22:13
Letzter Beitrag: The Crusher
  Eure Lieblins Legenden ChrisBenoit4Real 19 3.762 27.05.2006, 01:55
Letzter Beitrag: DarkSavier

Gehe zu:


Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: 1 Gast/Gäste