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LEGENDEN
#14
Legenden – Dick Hutton

[Bild: http://www.wwf4ever.de/team/ronald/Dick Hutton.jpg]

Manchen Legenden des Wrestlings ist ein großer Push verwehrt geblieben, trotzdem sie alles für das Business gaben, sich aufopferten und letztlich doch, mehr oder weniger, fallengelassen wurden. Dies trifft auch auf Dick Hutton zu. Der dreifache NCAA Heavyweight Champion war einer der besten Amateurwrestler seiner Zeit. Mit Verne Gagne war er 1948 sogar bei den Olympischen Spielen in London vertreten. Die Kämpfe um den NCAA Title waren ein Highlight seiner früheren Laufbahn. Der 14.11.1957 stieß für Hutton die Tore zum NWA World Heavyweight Title auf. Es war sein Tag, es war seine Stunde des Triumphs im legendären Toronto Maple Leaf Gardens. Lou Thesz gab sich im Abdominal Stretch geschlagen, womit der wichtigste Titel in dieser Zeit an Hutton wechselte. Den großen Unterschied zwischen Amateuren und Profis konnte er jedoch nur halbwegs überwinden, um daraus Profit zu schlagen. Was Hutton an wrestlerischem Können mitbrachte, fehlte ihm an Entertainment. Er war nicht prädestiniert dafür, um als Grappler und Performer lange die Massen zu begeistern. In einer Zeit wo die NWA zerfiel, sich neu formierte, Splittergruppen entstanden, war es für ihn umso schwerer, sich als Champion zu etablieren. Ein Talent als Techniker im Ring reichte für viele Promoter längst nicht mehr aus. 1958, als sich Hutton beweisen wollte, war der Fokus aber längst auf einen anderen Topstar gerichtet, Edouard Carpentier.

A product of Amarillo, Texas - Richard Hutton wurde hier am 04.10.1923 als Sohn von Bailey und Gladys Hutton geboren. Er hatte noch einen Bruder namens Jerald. 1924 zog die Familie nach Oklahoma um. Sie fanden ihr neues Zuhause südlich von Tulsa, wo die spätere Profikarriere von Richard beginnen sollte. Aber in Amerika heißt es nun mal nicht Richard sondern Dick. Damit war der Spitzname aus der Taufe gehoben worden, unter den man ihn noch bis ins hohe Alter kannte. Ein gewisses Talent zum Ringer brachte er schon von Anfang an mit. Damit das auch entsprechend gefördert wurde, waren nach und nach eine ganze Reihe an Trainern/Managern involviert, die Dicks Karriere maßgeblich beeinflussten. Den Anfang machte ein Coach namens Frank „Snake" Briscoe. Hutton's Amateur-Laufbahn begann in den späten 30er Jahren an der Daniel Webster High School in Tulsa. Snake Briscoe brachte seinem neuen Schützling die Basics bei, und bald wrestlete Dick für dessen Amateurringer-Team, die Warriors. Schon hier etablierte er sich als hervorragender Ringer mit der Aussicht auf weit höhere Erfolge. Es sollte noch dazu kommen, doch die Konkurrenz war keineswegs klein, deshalb hieß es jetzt sich nach oben zu kämpfen. Briscoe schickte ihn schließlich ins Rennen: Die High Schools veranstalteten lokale Turniere, wo man den State-Title als Amateur gewinnen konnte. Am 08.03.1940 stand Hutton im Turnierfinale, aber es reichte dann doch nicht zum Sieg. Leonard Shelton, von der Ponca City High School, besiegte ihn durch Decision.

1944-45 stand die Sportwelt kriegsbedingt größtenteils still. Für das Wrestling, egal ob Amateur- oder Profilager, waren diese Jahre besonders schmerzhaft, da einige wirklich gute Wrestler nicht mehr lebend zurückkehrten. Unter den vielen Soldaten der US-Army sah man auch Dick Hutton, der in Italien stationiert war. Nach Ende des Krieges setzte er seine Amateur-Laufbahn fort, die insgesamt gut 15 Jahre andauerte. Ende der 40er Jahre brach eine Art Aufbruchstimmung an, was sich für viele Akteure des Wrestlings noch als sehr positiv erweisen sollte. Der bestehende Kontakt zu seinem Trainer, Snake Briscoe, machte sich jetzt für Hutton so richtig bezahlt. Briscoe kannte sein Potenzial bestens und sah in ihm vielleicht schon den neuen olympischen Helden. Er empfahl Huttons Aufnahme an das Oklahoma Agricultural and Mechanical College in Stillwater, kurz Oklahoma A&M genannt. Das ist die heutige Oklahoma State University. Hier trainierte damals sein späterer Mentor Leroy McGuirk, dem er viel zu verdanken hatte. Fast 20 Jahre nach ihm trat auch Hutton dem A&M College bei. Letztlich konnte er die Empfehlung von Snake Briscoe schlecht ausschlagen, denn so eine Chance bot sich nur einmal im Leben. Als ob Briscoe es schon geahnt hätte, da war der Kontakt zu A&M Coach Art Griffith bereits in vollem Gange. Letzterer trainierte das Amateurringer-Team vom College und Hutton bekam hier schließlich die Möglichkeit, seine Stärke unter Beweis zu stellen. Wenn jemand das Training von Amateurringern beherrschte, dann war es Art Griffith. Er pushte Dick zum großen NCAA Champion. Der Erfolg des monatelangen Trainings ließ dann auch nicht mehr lange auf sich warten. Dick hatte die Schwergewichtsklasse bereits erreicht, als er im Turnierfinale in Champaign, Illinois stand. Am 29.03.1947 fiel dort die Entscheidung zwischen ihm und Ray Gunkel. Mit dem Endresultat von 5:3 besiegte er Gunkel und gewann somit den NCAA Heavyweight Title. Im Jahr darauf kam das NCAA Tournament schließlich nach Bethlehem, Pennsylvania. Es war klar, dass Griffiths Schützling hier erneut antrat. Und der gute Dick zeigte wieder mal, was er wirklich konnte. Diesmal gegen einen Amateur vom Colorado A&M College, Thurman McGraw. Im Turnierfinale am 20.03.1948 hatte dieser jedoch keine Chance und musste sich letztlich geschlagen geben. Damit gewann Dick seinen zweiten NCAA Heavyweight Title.

Olympia - das war eigentlich das zentrale Thema, was die Sportwelt 1948 wirklich bewegte. Alle kämpften um den Einzug, alle Augen richteten sich nach London, wo die 14. Olympiade der Neuzeit ausgetragen wurde. Über 4100 Teilnehmer aus 59 Nationen wollten sich im Sommer 1948 beweisen. Vier Jahre vorher war die 13. Olympiade noch kriegsbedingt abgesagt worden, jetzt holte man dieses Turnier schließlich nach. Unter den vielen Teilnehmern war auch Dick, der sich seinen Platz aber erst noch erkämpfen musste. Austragungsort für das entscheidende Turnier war Ames, Iowa. Dank Griffith's Einsatz wurde es ihm ermöglicht, um den Einzug ins Olympische Team der USA zu ringen. Aber er war längst der Einzige, dem die Goldmedaille entgegen flimmerte. Dutzende Amateurwrestler machten sich dieser Tage auf nach Iowa. Darunter auch sein alter Kontrahent Ray Gunkel. Vier harte Runden des Turniers überstand Oklahoma's NCAA Heavyweight Champion. In Runde 4 hieß es am 30.04.1948 dann Hutton vs. Gunkel. Letzterer verlor durch Decision und damit war Huttons Einzug in das Olympische Team perfekt. Insgesamt qualifizierten sich 16 US-Amateurringer für die Olympiade. Dick repräsentierte das Oklahoma A&M College und natürlich auch seinen hochgeschätzten Coach, Art Griffith. Verne Gagne und Joe Scarpello, die später ebenfalls ins Profilager wechselten, reisten als Teilnehmer mit nach London. Das was Gagne verwehrt blieb, nämlich wirklich um eine Medaille zu kämpfen, schaffte Dick Hutton. Verne hatte als inaktives Teammitglied keine großen Erfolgsaussichten. Ende Juli 1948 ging es los und Dick konnte mit einem Sieg über A. Sakdhari aus dem Iran gleich mächtig punkten. Aus der CSSR und Australien kamen allerdings zwei Amateurwrestler, gegen die er dann keine Chance mehr hatte. Zunächst besiegte ihn Josef Ruzicka und anschließend James Armstrong. Gegen Armstrong verlor er in seinem letzten Olympiakampf ausgerechnet durch eine erlittene Verletzung am rechten Arm. Mit dem Gewinn einer Medaille hatte es zwar nicht geklappt, aber dennoch erreichte Hutton wenigstens den 7. Platz des Turniers in der Schwergewichtsklasse (Freestyle).

Das Highlight der NCAA Saison, nach Olympia, war der Entscheidungskampf Hutton vs. Gagne in Fort Collins, Colorado. Dick besiegte einen Tag vorher zunächst Alvin Dalley um den Einzug ins Viertelfinale. Am 26.03.1949 standen sich die beiden großen Amateurwrestler Auge in Auge gegenüber. An dem Tag war Gagne jedoch der Bessere von beiden. Er besiegte Dick durch Decision und gewann den NCAA Heavyweight Title. Nicht nur für Hutton selbst war dies eine Enttäuschung, auch Art Griffith, der immer hinter ihm stand, konnte diese Niederlage zuerst nicht fassen. Vier NCAA Title waren wohl nicht mehr erreichbar, aber ein Jahr später hatte sich Dick längst wieder ins Turnierfinale gekämpft. Griffith war stolz auf ihn, als er im Entscheidungskampf am 25.03.1950 in Cedar Falls, Iowa über Frank Stoeker, vom Iowa State Teacher's College, siegte. Damit war der dritte NCAA Title sicher. Eine riesige Leistung hatte er seit seiner Anfangszeit nun hingelegt. An seinen Fähigkeiten im Amateurlager zweifelte eigentlich niemand mehr. Aber sollte das auch auf Profiebene zutreffen? Seine Amateur-Laufbahn fand Anfang der 50er Jahre ihr Ende. Dick zog es, nach dem Abschluss am Oklahoma A&M College, in die US-Army zurück, wo er noch eine Weile seinen Militärdienst ableistete. All seine Mitstreiter aus Amateurzeiten zog es jetzt schließlich ins Professional Wrestling. Egal ob Verne Gagne, Bob Geigel, Joe Scarpello, Ray Gunkel oder Mike DiBiase, sie alle kämpften sich quer durch die NWA Territorien dieser Zeit. Gagne debütierte 1949 und der spätere NWA Präsident Bob Geigel entschied sich 1950 für den Wechsel. Nach ihnen sah auch Dick Hutton die Zeit gekommen, um sich dieser Herausforderung zu stellen. Er war überzeugt davon, dass man als Profi schon gutes Geld verdienen würde. Es sollte wieder in Tulsa geschehen, wo der Verlauf seiner Karriere eine entscheidende Wende nahm.

„I saw a future Champion" - diese Worte stammen von dem großen Champion und Trainer Ed „Strangler" Lewis. Er meinte damit niemand geringen als Dick Hutton, der im Tulsa Police Gym eifrig an seinem Profi-Debüt arbeitete. Lewis, ein wahrhaft vielbeschäftigter Mann, unterstützte ihn so oft er konnte. Ein Teil des Trainings übernahm Lewis, den weitaus größeren Part aber dann NWA Legende Leroy McGuirk. Das Kuriose an McGuirk's Position als Trainer, auch von anderen Wrestlern, war seine Blindheit auf beiden Augen. Leroy konnte nie sehen, wie sich Hutton entwickelte. Er hatte das Wrestling aber im Blut, war schon lange im Business aktiv dabei und wusste genau, wen er managte oder trainierte. Als Kind verlor er bei einem Badeunfall das Augenlicht auf einer Seite, und die Sehkraft des zweiten Auges zerstörte ein schlimmer Autounfall im Februar 1950. Das war das Ende von Leroy's Profikarriere. Promoter Sam Avey ließ ihn jedoch nicht fallen und machte ihn zum Matchmaker vom Tulsa Booking Office der NWA. Natürlich war Huttons Amateur-Background für Leroy von Bedeutung, aber er machte ihm klar, dass es auf Profiebene durchaus härter zugehen kann. Titelgewinne alleine zählen nicht, denn das Publikum verlangte Performance, Entertainment und in manchen Promotions dieser Zeit auch Hardcore. Leroy sagte selbst, dass Dick zwar noch viel lernen muss, aber einer Karriere als Champion nichts im Wege stünde. Bei Gagne verlief der Wechsel, insgesamt gesehen, wesentlich besser, wogegen Huttons Regentschaft als NWA Champion fast schon mager erscheint. Durchhaltevermögen auf technischer Ebene im Ring - das war für Dick kein sonderlich großes Problem. Mit 285 Pfund hätte er es mit so ziemlich jedem Wrestler des Business aufnehmen können. Ob da ein guter Performer bestanden hätte??? Wer weiß! Doch es mangelte ihm stark an der Performance, was eigentlich für einen Profi schon damals wichtig war. Leroy holte alles aus Dick heraus. Trainierte, managte und sah dann den Zeitpunkt für sein Debüt gekommen.

1952 schlug die Stunde für Dick Hutton. Er debütierte in einem Match gegen Bill Longson. In Tulsa wrestlete er noch während der Saison 1953, bevor er das Territorium verließ und Richtung Ohio-Kanada zog. Wrestler mit Amateur-Background wurden in Ohio besonders gepusht. Dafür sorgte Promoter Al Haft, aus Columbus, höchstpersönlich. Er baute einen eignen Gym auf, indem sich Hutton noch letzte Instruktionen holte, bevor es auf große Tournee ging. Seine Trainingspartner hier waren Dr. Bill Miller, ein ziemlich harter Typ, und Ruffy Silverstein. Hutton fand ein Gimmick, als starker Heavyweight Wrestler, indem man ihn gegen Herausforderer stellte, die er ohne große Show schnell besiegen konnte. Im September 1955 war Haft offenbar so stark von Dick überzeugt, dass er ihn zum Ohio Heavyweight Champion pushte (kein NWA Title). Es begann schließlich die Fehde gegen seinen Erzrivalen Pat O'Connor, einem hervorragenden Wrestler aus Neuseeland. Am 22.09.1955 verlor Hutton den Ohio Title in Columbus an O'Connor. Letzterer war aber nur vier Wochen Champion, denn am 20.10.1955 folgte ein weiteres Title-Match, das Hutton für sich entschied. Jahre später trafen sie sich im Ring wieder und da ging es um weitaus höheren Prestige. Sein zweiter Run, als Ohio Heavyweight Champion, dauerte bis Februar 1956, als ihn Dr. Bill Miller in Columbus besiegte.

Kontakte waren im Wrestling wichtig, sehr wichtig sogar. Das Tor zur Wrestling-Hochburg Toronto öffnete sich für Hutton durch niemand geringeren als Promoter Frank Tunney. Tunney war in dieser Zeit ein Schwergewicht unter den Veranstaltern im Pro-Wrestling. Maple Leaf Gardens - das war der Ort, wo viele Topstars in eben so vielen Topmatches kämpften. Ein Ort mit Geschichte: Hier erreichte Hutton's Profikarriere den Höhepunkt, wenn auch ohne große Sensationen. Am 26.04.1956 debütierte er in Tunneys Promotion. Wie schon in Ohio, so stellte man Hutton auch in Toronto in die Position eines Wrestlers, der nicht genug an Herausforderungen bestreiten konnte. „Beat the Yank" hieß die Matchserie, wo jeder 1000 Dollar kassierte, der Dick binnen 20 Minuten pinnte. Für viele ein aussichtsloses Unterfangen und bereits im Juni 1956 hatte er sich als Headliner etabliert. Die Rolle des Favoriten galt hier jedoch lange Zeit einem anderen Wrestler, dem NWA World Heavyweight Champion „Whipper" Billy Watson. Tunney sah den Zeitpunkt gekommen und pushte eine Fehde mit ihm gegen Hutton, die allerdings floppte. Gleich alle drei Matches gegen Watson verlor Dick durch Countout. Das Publikum war davon wenig überzeugt, was dann die Zuschauerzahlen zeigten. Also musste ein anderes Konzept her, das sich in der Formation eines Tag Teams zeigte. Hutton konnte sich jetzt im Team mit Hard Boiled Haggerty beweisen. Die Chance dazu bot sich am 20.09.1956. Joe und Guy Brunetti verloren die NWA Canadian Open Tag Team Title (Toronto-Version) an Hutton und Haggerty. Und die George Richards Trophäe gewannen die neuen Champions gleich mit.

Eine Zeit lang versuchte man Hutton als Heel zu pushen, indem er an der Seite von Gene Kiniski wrestlete, dem Nummer 1 Heel im Ontario-Zirkel. Den Gegenpart fand Tunney sehr schnell in Pat O'Connor und Billy Watson. Alle vier lieferten sich eine Fehde, die insgesamt doch gut überzeugte. Das Team Hutton-Kiniski war, zumindest in Ontario, ein Renner, aber auf weite Sicht hin sah man den physisch starken Tulsa Champion nicht in der Rolle des „Bad Guy". Für diesen Part war Ostkanada eigentlich auch schon übersättigt, denn immerhin wrestleten hier Kiniski und Killer Kowalski als Top-Heels. Ein Versuch Hutton über sie zu stellen, wäre mit großer Sicherheit gescheitert. Auch Watson's Status wollte man keinesfalls brechen, also war die Niederlage von Hutton gegen ihn im Januar 1957 nicht verwunderlich. Danach wrestlete Dick weiter mit Kiniski und zog sich anschließend eine Weile aus Ontario zurück. Tunney hatte in der Zwischenzeit bereits einen Plan für den „future NWA Champion". Doch es war jenes Jahr angebrochen, dass Huttons Laufbahn, noch bevor er überhaupt Champion wurde, positiv wie negativ beeinflussen sollte.

1957 gab es im amerikanischen Pro-Wrestling große Entwicklungen, die die Zukunft maßgeblich bestimmten. Eine Uneinigkeit, ein Zwiespalt entstand bei einigen Promotern in Bezug auf die Anerkennung von Champions. Hutton hätte als Champion wahrscheinlich eine bessere Position gehabt, wenn nicht das Title-Match Lou Thesz vs. Edouard Carpentier gekommen wäre. In Chicago verlor Thesz im Juni 1957 gegen Carpentier durch DQ. Damit verlor er für manche auch den Status als NWA World Heavyweight Champion. Nach geltenden NWA Regeln konnte ein Titel jedoch nur durch Pin oder Aufgabe wechseln. Für viele Promoter, einschließlich Sam Muchnick, spielte das jetzt aber keine Rolle. Es ging um Prestige, wer sich gegen wen durchsetzen konnte und wessen Promotion davon letztlich profitierte. Eine ganze Reihe an starken Promotern, wie Paul Bowser und Fred Kohler, pushten jetzt Carpentier zum Champion. 71 Tage, bis August 1957, war Edouard der NWA World Heavyweight Champion, während Thesz im Ausland kämpfte. In dem Punkt, dass sich Thesz vielmehr in den NWA Territorien in Nordamerika beweisen sollte, als international zu wrestlen, darüber waren sich viele Promoter eigentlich einig. In der Nachfolgezeit hatte er dann in Boston, New York, Los Angeles, Chicago und in Teilen vom Mid-West Zirkel (Nebraska-Minnesota) keine Chance mehr auf einen Push zum Megastar. Diesen Part übernahm u.a. längst Carpentier.

Thesz war gerade in Australien unterwegs, als er sich entschied, den NWA Title abzugeben. Er schrieb einen Brief an NWA Präsident Sam Muchnick, wo er dies bekräftigte. Ein, nach seiner Meinung, potenzieller Nachfolger als Champion war vor allem Dick Hutton. Aber bei den Board of Directors war man anderer Meinung, denn Verne Gagne und Buddy Rogers standen ebenfalls auf einer winzigen Liste potenzieller Nachfolger. Vom Standpunkt der Popularität ausgehend, konnte Hutton gegen diese beiden Wrestler schlicht nichts ausrichten. Theszs Einfluss, auch in Bezug zu seiner Verbindung mit Sam Muchnick, war jedoch immer noch so stark, dass er sich letztlich durchsetzte und Hutton das Title-Match zugesprochen bekam. Dass dadurch andere überrannt wurden, sprich es keine mehrheitliche Entscheidung gab, war zu diesem Zeitpunkt offenbar ohne Bedeutung. Am 14.11.1957 fiel die Entscheidung im Toronto Maple Leaf Gardens. Vor rund 10.000 Zuschauern gab Thesz nach 35 Minuten im Abdominal Stretch auf, Hutton's Finisher. Für viele Fans und Insider kam der Wechsel nicht überraschend. Es war kein Title-Match, wie man es gewohnt war. Hutton wurde in eine Position gesetzt, wo viele nicht an einen langen Erfolg glaubten. Ob man seine 14-monatige Regentschaft als groß ansehen kann, hängt wahrscheinlich vom Betrachter ab. Das Rückmatch gegen Thesz am 22.11.1957 sahen dann aber nur noch 6.200 Zuschauer.

Als Hutton schließlich Champion war, bestand die NWA aus rund 28 Mitgliedern. Mehr als die Hälfte davon holte ihn in ihr Revier. Die Titelverteidigung in Kanada stand außer Frage, wie sich dann zeigte. In Texas sah man Dick öfters kämpfen. Doch auf der anderen Seite gab es eben durchaus einige einflussreiche Promoter, die ihn schlichtweg ablehnten. In New York konnte er nicht trumpfen, denn da war Antonino Rocca der Topstar. Die Ostküste hatte darüber hinaus mit Miguel Perez, Eddie Graham und Dr. Jerry Graham bereits genug Zugpferde. In Boston waren Killer Kowalski und Edouard Carpentier die Kassenschlager. Los Angeles hatte Baron Michele Leone und bald „Classy" Freddie Blassie. Blieb noch die Wrestling-Hochburg Chicago. Doch Fred Kohler lehnte aber, denn er pushte Carpentier, Verne Gagne und Buddy Rogers. Auf das Booking durch Frank Tunney, Leroy McGuirk und Sam Muchnick konnte sich der neue NWA World Heavyweight Champion verlassen. Auch Strangler Lewis unterstützten ihn nach wie vor. Der fehlende Push durch Kohler in Chicago war ein herber Schlag für Hutton's Karriere, weil so gut wie alle Stars der 50iger Jahre kämpften dort um Prestige. Ein großer Run als Heavyweight Champion schien unmöglich geworden zu sein. Im Februar 1958 aber meldete sich Thesz zurück. Zwar war er erst mal nur im Independent-Bereich unterwegs, doch dadurch sollte vor allem Hutton profitierten. Thesz wrestlete öfters gegen ihn und so kam ein guter Push in Houston, St. Louis und Toronto doch noch zustande. Am 03.04.1958 gab es in Amarillo, Texas zwischen beiden ein Unentschieden um den NWA Title. Watson, Rogers, Kiniski, Dory Funk Sr. - alles Topstars gegen die Hutton im Verlauf des Jahres antrat.

14 Monate waren vergangen und die Uneinigkeit, um Champions in der NWA, ist stetig gewachsen. Während Hutton's Regentschaft entstanden Splittergruppen, die bald gänzlich als Promotions mit neuen Topstars auftraten. Für Hutton sah man da keine großen Chancen mehr, selbst bei den Leuten, die immer noch auf ihn setzten. So endete am 09.01.1959 in St. Louis eine Ära ohne große Sensationen. Nur 4.896 Zuschauer, für die Hochburg St. Louis zu wenig, verfolgten den Title-Switch an Pat O'Connor. Der Wechsel kam für einige NWA Mitglieder trotzdem überraschend. Fred Kohler wurde als Board Director nicht informiert. O'Connor vermochte den Titel aber besser zu vermarkten. Er war, ebenfalls mit Amateur-Background, wesentlich beliebter als Hutton. Dick „rutschte" in ein neues Gimmick, das man für ihn kreierte. Als „Cowboy" Dick Hutton wrestlete er bis Mitte der 60er Jahre u.a. in Kalifornien, Texas und Japan. Eine paar Titel konnte er auch noch gewinnen: Amarillo World Tag Team Champion mit Dory Funk Sr. im März 1960, NWA Hawaii Heavyweight Champion im Januar 1961. Am 18.09.1961 schließlich wurde Hutton mit Sammy Steamboat zusammen neuer NWA Texas Tag Team Champion (East Texas Version). Sie gewannen ein Turnierfinale in Fort Worth gegen Duke Keomuka und Kojika Saito (Hiro Matsuda).

Einige Insider meinen, dass Hutton der beste NWA Champion mit Amateur-Background seit 1948 gewesen sei. Technisch war er ein Könner - das stand außer Frage. Er verwendete zuerst den Headlock von Strangler Lewis als Finisher und dann den Abdominal Stretch. Dick wurde in die Oklahoma State Athletic Hall of Fame und in die National Wrestling Hall of Fame aufgenommen. Im Mai 2000 kam wohl die größte Ehre mit der Aufnahme in die George Tragos / Lou Thesz Hall of Fame vom International Wrestling Institute in Iowa. Als Teil einer faszinierenden Epoche hat er das Business von seiner guten und schlechten Seite kennengelernt. Er hat das gegeben, was er konnte, auch wenn ihn das nicht zum großen Champion machte. Seine Ära ist seit Jahrzehnten vorbei, aber er wird für immer eine Legende bleiben. Kurz nach seinem 80. Geburtstag starb Dick Hutton am 24.11.2003 in seiner eigentlichen Heimat in Tulsa, Oklahoma.
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#15
@Crusher Kane: Habe mir die Killer Kowalski Bio durchgelesen, hat mir super gefallen. Der Inhalt ist top, und dein Stil gefaellt mir auch sehr gut. Smile

Auch sonst natuerlich riesen Lob fuer deine Arbeit auf der Seite. Leider habe ich nicht soviel Zeit mehr um alles durchzulesen was hier auf dem Forum steht, werde aber versuchen weitere Bios hier zu lesen.
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#16
Danke fürs Lob!

Mal ne andere Frage: Kennst du eigentlich das Buch "Wrestling at the Chase - The Inside Story of Sam Muchnick and the Legends of Professional Wrestling"?

Ich lese das gerade und Larry Matysik liefert da ja echt detaillierte Infos übers St. Louis Wrestling. Das Wrestling at the Chase als TV Format so erfolgreich war, hätte ich vor 2 oder 3 Jahren nicht gedacht. Die Sendung lief vom 23.05.1959 bis 29.10.1983. Hornbaker hat in seiner Sam Muchnick Bio dazu schon einiges geschrieben, aber Matysik hat daraus gleich ein ganzes Buch gemacht. Nun ja, er war ja auch einer der etlichen Kommentatoren und Ringsprecher beim St. Louis Wrestling Club. Also wenn du dieses Buch nicht hast, dann würde ich es dir empfehlen. :winke:
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#17
[YOUTUBE]FN0YwXt4tpM[/YOUTUBE]

Eddie Graham (1930-85; Bio weiter oben im Thread) war NWA Präsident von August 1976 bis April 1978.
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#18
@Crusher Kane. Danke fuer die Buch Empfehlung. Das Buch habe ich noch nicht gelesen, aber da ich sehr viel von Larry Matysik und seinen Buechern halte, werde ich bestimmt dieses Jahr noch das Buch mal lesen.
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#19
Zitat:Original von Crusher Kane
Also wenn du dieses Buch nicht hast, dann würde ich es dir empfehlen. :winke:

Kann das Buch auch nur absolut empfehlen, hab es mir Ende 2009 zusammen mit Matysiks Buch über Bruiser Brody gekauft gehabt. Sehr interessant das Ganze
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#20
[YOUTUBE]YqV7bigMfEg[/YOUTUBE]

^^ Gerade über facebook erhalten von Hisa (Admin: puroresu.com & wrestling-titles.com).
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#21
Videos zum ersten Superstar von Vince McMahon Sr. und NWA Capitol Wrestling - Antonino Rocca. Der Megastar im Madison Square Garden in den 50er und frühen 60er Jahren.

Antonino Rocca & Edouard Carpentier vs. Skull Murphy & Pampero Firpo
[YOUTUBE]kGVJNNRW5aI&feature=related[/YOUTUBE]

Antonino Rocca vs. Benito Gardini
[YOUTUBE]OqtOxbtGzfY[/YOUTUBE]

Lou Thesz vs. Antonino Rocca
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Antonio Rocca vs. Don Leo Jonathan
[YOUTUBE]vg9E_vcHG2Y[/YOUTUBE]

Antonino Rocca vs. Primo Carnera
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Antonino Rocca vs. Lou Kim
[YOUTUBE]rlBYxA8LMpg[/YOUTUBE]

Antonino Rocca vs. The Beast
[YOUTUBE]6_iP4wIX0m8[/YOUTUBE]

Antonino Rocca vs. Hans Schmidt
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[YOUTUBE]4UyLpiQkXGY[/YOUTUBE]

[YOUTUBE]wx-TXgPgySg[/YOUTUBE]
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#22
Legenden - Bob Orton Sr.

[Bild: http://www.wwf4ever.de/team/ronald/Bob Orton Sr..jpg]

Er war als „The Big O" im amerikanischen Wrestling bekannt, er war der Patriarch der Orton Family, ein tougher Herausforderer für alle Champions, und hat sich nicht zuletzt auch als Trainer seiner beiden Söhne, Bob Orton Jr. und Randal Orton, einen Namen gemacht. Zwar gewann Bob Orton Sr. nie einen großen World Heavyweight Title, aber dafür etablierte er sich umso mehr in den Central States und später dann in Florida als Professional Wrestler. Dass zu einem Zeitpunkt, wo das Business hier mächtig boomte, Topstars gegen Topstars fehdeten, die ganze Szene einfach ein Highlight nach dem anderen erlebte. Zwischen den großen Champions jener Zeit war auch ein Bob Orton zu finden. Er bestritt viele harte Fehden, für die er mehr als bekannt war. Sich offiziell zurückgezogen vom Wrestling hat er sich bis zur Jahrtausendwende nie, und beeinflusste so auch die Karriere seines berühmten Enkels, Randy Orton. 2005 dann der letzte „Auftritt" als Zuschauer bei der WWE Hall of Fame Zeremonie, wo sein Sohn in die Ruhmeshalle aufgenommen wurde. Noch einmal konnte Bob die Leidenschaft, das Business, den Ruhm miterleben. Randy sprach die Einführungsrede für seinen Vater, Bob Jr., und der Großvater blickte mit Stolz in Richtung der Tribüne. Die Wrestling-Tradition der Ortons begann im Herzen Amerikas, in der NWA Heart of America Promotion. Bis heute hat sich diese Tradition erfolgreich fortgesetzt.

Ozark County, südlich von Springfield (Missouri) - hier wurde Robert Orton am 21.07.1929 geboren. Bekanntlich gibt es aber in Amerika für Robert einen Spitznamen: kurz gesagt Bob. So hatte er quasi seit seiner Jugend jenen Namen, der ihn später umso bekannter machen sollte. Aufgewachsen ist er in Kansas City, wo er an der örtlichen Wyandotte High School als Sportler aktiv war. 1948 erreichte er hier seinen Schulabschluss. Als Bob 20 Jahre alt war, boomte die Central States Region nur so vor Wrestlingshows. In Iowa, Kansas und Missouri fand man die Talentschmiede dieser Zeit, aus der auch ein Bob Orton hervorging. Ende der Vierziger wurde er von Central States Legende Orville Brown entdeckt, der ihm nicht nur die ersten Auftritte verschaffte, sondern auch als einen der besten Wrestler bezeichnete, die er seit Jahren gesehen hatte. Das bewies Orton über Jahrzehnte. 1949 debütierte er in Wichita (Kansas) für die Heart of America Promotion von Brown & Promoter George Simpson. Simpson bookte ihn oft für Auftritte in der Kansas City Memorial Hall. Genau hier gewann er auch seinen ersten Titel im Match gegen Alo Leilani Ende 1951. Orton siegte im Best of three Falls Match und wurde so neuer NWA Heart of America Heavyweight Champion (Central States Champion). Ein paar Tage später fehdete er in der Memorial Hall gegen Jimmy Coffield. Es war ein hart geführter Kampf mit einem siegreichen Orton.

Der Erfolg in den Central States sollte sich jetzt über Jahre fortsetzen. Als neuer Champion bekam er viele Angebote vom lokalen Management und baute sich in der Folgezeit auch eine große Fanbase auf. Die Fans liebten ihren „The Big O". Einfach nur Orton, das konnte nicht passen für so einen toughen, kräftigen Athleten, wie er es gewesen ist. Seiner heimischen Liga blieb er lange treu, kam immer mal wieder gerne für Auftritte zurück. Während der ersten Jahre seiner Karriere wrestlete er ferner in Florida, Georgia, New York State, Ohio und Kanada. Bald kam er nach Kalifornien und trainierte mit Lou Hines im San Francisco Athletic Club. Neben Hines waren es insbesondere Rube Wright und „Professor" Boris Malenko, die auf seine Laufbahn maßgeblich Einfluss nahmen.

Im Januar 1952 pushten die Booker einen gewissen Ray Eckert zum Nummer 1 Herausforderer auf Ortons Titel in Kansas City. Zweimal fehdeten sie gegeneinander: der erste Kampf endete im Unentschieden; die entscheidenden beiden Falls im Rückkampf gewann Orton durch DQ und Pinfall. Eckert war damit bezwungen, aber jetzt kam ein Wrestler, der es in sich hatte, Enrique Torres. Dieser kämpfte sich an die lokale Spitze der Herausforderer und bald gab ihm Orton auch die erhoffte Titelchance. Für die Fans startete so eine spannende Matchserie mit gleich drei Fights. Der Titelverteidigung, seitens Ortons in den ersten beiden Matches, folgte am 28.02.1952 der letzte alles entscheidende Rückkampf. In Mitten des Kampfes dann die plötzliche Wende: Bob verletzte sich am Rücken und verlor letztlich auch seinen Heart of America Title an Torres. Diese Niederlage wog schwer, denn er musste aus der Halle getragen werden. Das lokale Business hatte er längst kennengelernt, jedoch im Big Business war er noch ziemlich unbekannt. Es gab nur einen Weg das zu ändern: auf ins Fernsehen zur Wrestling-Hochburg Chicago. Wie dutzende andere Profis seiner Epoche erschien auch Orton hier auf der Fernsehbildfläche. Genau dort begann erst die wirkliche Karriere eines Wrestlers. Ortons Tour ging an der Ostküste weiter, und als er 1954 nach Kansas City zurückkehrte, war er bekannter denn je. Ein Co-Promoter von Heart of America, Gust Karras, bookte ihn sogleich für Auftritte in St. Joseph, Missouri. Orton fehdete dort gegen Karras' Protégé Sonny Myers um den NWA Missouri Heavyweight Title. Ebenfalls ein Topstar der Central States. Das Titlematch gewann Orton, wie auch ein Match gegen Dave Sims um den NWA Heart of America Title (Central States Title) wenige Wochen später in Kansas City. Bob holte sich diesen Titel ein drittes Mal im Jahr 1955 und wurde wieder für viele Auftritte in Kansas und Missouri gebookt. Hier war seine Heimat, hier schlug das Herz des Big O.

Bald bekam Bob Orton auch Auftritte im heißen Süden bei NWA Western States Sports von Karl Sarpolis & Dory Funk Sr.. Die Promotion war gerade dabei sich zur Hochform zu entwickeln. Orton fehdete im Sommer 1956 in West Texas gegen Sonny Myers um den Southwest Junior Heavyweight Title. Wie schon zwei Jahre zuvor, so besiegte er seinen harten Kontrahenten erneut um die Titelkrone. Dass er danach als Junior Heavyweight Champion auftrat, war für NWA Western States Sports nicht ungewöhnlich, denn gerade unter dem Funk-Sarpolis Duo boomte es in der Junior Heavyweight Division mächtig.

Anfang der Sechziger tourte Orton erneut an die Ostküste, wo er seinen bis dato wichtigsten Push von Promoter Vincent James McMahon bekam. Dieser bookte ihn als Heel im Tag Team mit Buddy Rogers zusammen. Bald hieß es bei NWA Capitol Wrestling: Topheel vs. Topface, als sie gegen Johnny Valentine und Antonino Rocca fehdeten. Ein Titelerfolg in dieser wichtigen Liga blieb zwar aus, aber 1968 kehrte er nochmals an die Ostküste zurück, als „Cowboy Rocky Fitzpatrick". Damals kämpfte er u.a. im Madison Square Garden gegen Bruno Sammartino. 1963 wrestlete Orton bei NWA Championship Wrestling from Florida (CWF). Hier sollte er weitaus mehr Erfolge erzielen mit einem für ihn bedeutenden Karrierehöhepunkt. Ende des Jahres bekam Orton eine Titelchance gegen den Heimfavoriten Eddie Graham in der Tampa Armory. Er bezwang seinen berühmten Gegner und gewann erstmals den NWA Southern Heavyweight Title (Florida-Version). Ein Erfolg, an dem er danach noch fünfmal anknüpfen sollte.

Das erste Halbjahr 1964 stand ganz im Zeichen der Fehde gegen "Cowboy" Bob Ellis, einem ebenfalls etablierten NWA Champion aus Texas. Doch wenige Tage vor ihrem Titlematch verletzte sich Orton am Nacken in einem Kampf mit Don Curtis. Geschwächt trat er dem nicht zu unterschätzenden Ellis gegenüber und verlor den Southern Title. Er musste einige Wochen pausieren, kam dann aber in besserer Kondition zurück, als man es in Florida wohl bis dato kannte. Gleich bei seinem ersten TV Auftritt in der Tampa Armory bestritt er einen blutigen Fight, wo letztlich sogar die Polizei eingreifen musste. Die Booker mischten Ortons Gimmick auf und bald erschien er im Ring mit einem Manager namens Antone Leone. Am 04.06.1964 stand ihm Ellis erneut gegenüber, doch diesmal siegte The Big O und holte sich damit wieder den NWA Southern Title.

1966 erreichte Orton seinen Höhepunkt in der NWA als World Tag Team Champion an der Seite von Eddie Graham. Sie gewannen ein Turnierfinale in Tampa gegen The Medics sowie Tarzan Tyler & Sputnik Monroe. Sein Run war jedoch nur von kurzer Dauer, weil Bob die Promotion kurz danach verließ und einem Angebot der AWA in Nebraska folgte. Dank einer Kooperation des dortigen Promoters Joe Dusek mit dem AWA Office in Minneapolis, war es für viele Wrestler möglich geworden, auch im Omaha Municipal Auditorium aufzutreten. Die Verbindung zu Dusek bestand seit Anfang der 60er Jahre. Im Zuge der Einführung des AWA Midwest Heavyweight Titles bekam Orton einen entscheidenden Push in Omaha, und zwar als erster Champion. Im Mai 1967 besiegte er zunächst Bobby Shane und gewann so den Nebraska Heavyweight Title. Diese Version stellte Dusek anschließend ein und kreierte mit der AWA zusammen einen neuen Titel. Am 15.07.1967 siegte Bob in Omaha gegen Doug Gilbert, um so erster AWA Midwest Champion zu werden. Auch als mehrfacher Tag Team Champion konnte er sich hier wieder etablierten. Zuerst im Team mit „Iron" Mike DiBiase und 1968 gleich zweimal mit Mad Dog Vachon zusammen.

Nach einer erneuten Rückkehr in die Central States wrestlete Orton ab Anfang der Siebziger nochmals als Champion in Florida, wo mittlerweile Eddie Graham das Business von NWA Promoter Cowboy Luttrall übernommen hatte. Graham war für seine Ideen weithin bekannt und so trat auch Orton bald unter einem neuen Pseudonym auf, als „The Zodiac". 1972 gewann er so die Florida-Versionen vom NWA Southern und Tag Team Title. In einem Match siegte er gegen den bekannten Trainer Hiro Matsuda. Mit ihm zusammen holte er sich am 15.08.1972 in Tampa auch die lokalen NWA Tag Team Title. Orton & Matsuda besiegten das Team von Ray Stevens & Nick Bockwinkel. Der Sunshine State sollte die letzte Station als Champion sein: 1976 teamte er mit seinem Sohn Bob Jr. und hielt mit ihm zusammen den NWA Florida Tag Team Title. Danach folgte noch ein Run als lokaler Tag Team Champion mit Bob Roop. Der letzte Titelgewinn insgesamt. Es ist die Zeit gewesen, wo seine beiden Söhne die Tradition des Vaters fortsetzten.

Bob Ortons Erfahrungen waren von großer Bedeutung gewesen: Er trainierte seine Söhne Bob Jr. („Cowboy Bob Orton") und Randal Orton („Barry O") zu Professionals. Randal ist der Onkel von WWE Superstar Randy Orton und der Cowboy natürlich dessen Vater. All ihre Karrieren hat er mit beeinflusst, sie unterstützt, trainiert oder einfach nur begeistert ihre Kämpfe mitverfolgt. Eines war Bob sein Leben lang - ein Fan des Wrestlings. Im Juli 2000 endete schließlich die aktive Karriere als Professional - und das nach über 50 Jahren. Sein 77. Geburtstag stand bevor, als er plötzlich zu Hause in Las Vegas einen Herzinfarkt erlitt und ins Krankenhaus musste. Einen zweiten Infarkt, kurze Zeit später, überlebte er nicht mehr und starb an dessen Folgen am 16.07.2006.

Es sind die Erinnerungen an die Legenden des Wrestlings, wo sich der Lauf einer längst verstorbenen Person widerspiegelt. Bob Orton hat seinen Part zur Geschichte beigetragen und eine ganze Familie mit seiner Karriere beeinflusst. Er war stets ein tougher Champion mit guten Chancen auf einen World Heavyweight Title. Dieses Ziel hat er zwar nie erreichen können, aber konnte sich dennoch über lange Jahre als Fanfavorit etablieren.

„As I was growing up I knew how important he was for my father, and he was just as important for me."
Randy Orton
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#23
Ich hab mir die Hall of Fame Zeremonie des Jahres 2005 erst vor drei Monaten wieder einmal angesehen und dort wurde Bob Orton auch ganz kurz gezeigt wenn ich mich recht erinnere. Ich hab von den Orton's bislang eigentlich immer nur sehr viel von Randy's Vater, also Cowboy Bob Orton, gehört, aber nie von seinem Großvater, der wie es sich liest wirklich einen sehr großen Einfluss auf seinen Vater sowie seinen Enkel hatte.

Und Bob hat wohl gezeigt, dass man nicht immer einen World Heavyweight Title halten muss, um zu einer wahren Wrestlinglegende zu zählen!

Ein sehr flüssig geschriebener sowie sehr informativer Artikel, Ronald! Daumen hoch
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#24
Verne Gagne offenbar gestorben
Einigen Meldungen auf Facebook zufolge ist Verne Gagne im Alter von 89 Jahren gestorben!
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